Test 2017: Windfoils von Slingshot

  • Jeanette Borchers
 • Publiziert vor 2 Jahren

Der US-Hersteller Slingshot kommt mit kompletter Palette an Foils und Foilboards auf den Markt. Was Windsurfer davon erwarten können, erklärt Marius Kofler vom Deutschland-Vertrieb im Interview.

Das FWind 1 hat viel Fläche und ist daher für wenig Wind konzipiert. Über 15 Knoten Wind sollte man die Flügel abschrauben, die Fuselage (Längsträger, an dem die Flügel montiert sind) umdrehen und die Wings wieder montieren. Der Frontflügel kommt dadurch weiter nach hinten und produziert weniger Lift.

Dass Windsurfmarken ins Kitebusiness eingestiegen sind, kennt man. Umgekehrt passiert dies eher selten... Stimmt. Allerdings ist Slingshot bei genauerem Hinsehen keine reine Kitemarke, sondern versteht sich als Wassersportanbieter – mit Kites, Wakeboards, SUPs und jetzt auch Windfoils.

Slingshot bietet zwei Foils und mehrere Boards an. Welche Optionen hat man und was würdest du Neueinsteigern empfehlen? Ich empfehle jedem zum Einstieg unser Flight- School-Package zu Hilfe zu nehmen. Das Package besteht aus drei verschieden langen Masten, die einem Neueinsteiger definitiv die Angst nehmen und ihm ermöglichen, in kleinen Schritten das Foil "kennen zu lernen". Mit dem kürzesten Mast stürzt man zum Beispiel nicht, wenn mal die Strömung abreißt, das gibt einem deutlich mehr Sicherheit am Anfang. Bei den Flügeln ist der große Hover Glide FWind1 zum Anfangen ideal: Er macht extrem viel Auftrieb und liegt stabil im Wasser. Wer möglichst früh foilen will, liegt damit genau richtig. Der kleinere Flügel FWind2 hat weniger Fläche und ist daher für mehr Wind und Speed ausgelegt.

Sind die Foils mit Boards anderer Marken kompatibel? Klar! Man kann das Foil in jedem dafür ausgelegten Brett mit Deep-Tuttle-Box einsetzen. Ideal funktionieren sie jedoch mit unseren Windfoilbrettern wie dem Dialer oder dem Wizard.

Sind diese Boards auch zum Windsurfen konzipiert oder reine Foilboards? Es sind reine Foilboards. Standposition und Volumenverteilung sind so konzipiert, dass man mit möglichst wenig träger Masse im Bug unterwegs ist. Zum Windsurfen wären die Bretter zu kurz. Aber wie gesagt: Die Foils passen auch in jedes andere Windsurfboard mit Foiloption.

Eure Foils soll man für mehr oder weniger Wind noch tunen können? Erkläre uns kurz, wie das geht! Die beiden Flügel sind ja mit Inbusschrauben auf der Fuselage (der Längsträger, die Red.) montiert. Schraubt man die Wings ab, dreht die Fuselage um und montiert die Flügel wieder, sitzt der Frontflügel etwas weiter hinten und produziert bei viel Wind weniger Auftrieb.

Was kosten eure Foils und Boards? Die Foils haben einen Alumast, die Flügel sind aus Carbon. In Kürze folgen außerdem noch weitere Masten, Fuselages und Flügel in Carbon und Aluminum, die gesamte Foil Range bei uns ist Modular gestaltet, so dass der Kunde auch jederzeit später noch Teile upgraden oder verändern kann. Das Einsteiger-System mit dem großen Flügel kann also auch zum Racer umgebastelt werden. Der Preis für die Foils FWind1 und FWind2 liegen bei 1249 Euro und 1190 Euro. Unsere Foilbretter kosten zwischen 2149 Euro und 2589 Euro. Interessant könnte für alle neuen Foilsurfer auch unsere Foil Academy sein. Unter www.foil-academy.com gibt unser Experte und Produkt-Entwickler Toni Logosz wertvolle Tips. Jeder Foilinteressierte kann sich unter dieser Adresse für das Slingshot Foil- Lernprogramm kostenlos anmelden und Step für Step verstehen und visualisieren. Tony gibt dort auch wichtige Tipps in puncto Segel und Foil-Trimm.

Auch auf dem Surf-Festival waren die Slingshot Foils und Foilboards zu sehen. Marius Kofler stand dort den Kunden Rede und Antwort.

Wir konnten das Wizard 150 sowie den Dialer 130 mit dem Frühgleit-Foil FWind1 Probe fahren:

Auf beiden Boards steht man dank der volumminösen Hecks bei Dümpelwind sehr komfortabel. In der Anfahrphase ist der Wizard mit breiter Nase und geringerer Gesamtlänge etwas träger, die nötige Abhebegeschwindigkeit erreicht man mit dem gestreckteren Dialer spürbar leichter. Auch wenn das Foil mal zu weit steigt und die Strömung abreißt, schickt man beim Wizard schnell den Bug auf Tauchstation, das Gleiche gilt für die Wende. Auf dem Dialer hingegen kann man sich nach Fehltritten und Belastungsfehlern oft besser noch retten. Vorteil des kürzeren Wizard ist wiederum, dass sich dieser im stabilen Fliegen etwas kompakter anfühlt.

Das Foil selbst wird standardmäßig mit dem langen, 90 Zentimeter messenden Aluminiummast, ausgeliefert. Zusätzlich können Neueinsteiger ein Mast-Paket mit drei kürzeren Alumasten für 168 Dollar zukaufen. Dieses enthält Masten der Länge 30, 61 und 76 Zentimeter, mit denen man sich Stück für Stück an die Höhe herantasten kann. Auch mit dem langen Mast ist Foilen aber nicht schwieriger, nur die Flughöhe sorgt dann zu Beginn für stärkere Adrenalinschübe. Die Montage des Masts am Board sowie der Flügel an der Fuselage erfolgt über dicke Inbusschrauben.

Das FWind1 Foil entpuppte sich im Test als ziemlich leistungsstark – schon deutlich unter Gleitgeschwindigkeit produziert es flugfähigen Auftrieb. Auch wenn es von Starboard und Naish noch etwas stabiler laufende Flügel auf dem Markt gibt, erweist sich auch das FWind1 nach kurzer Eingewöhnungszeit als einfach zu fahrendes und stabil laufendes Foil, welches Belastungsfehler nicht gleich mit einem ungewollten Haken quittiert. Auch in Windlöchern bleibt man lange in der Luft – wir konnten bei 7 bis 10 Knoten Wind bereits ein 7,5er-Freeridesegel fahren, bei 15 Knoten war unser 90-Kilo-Tester mit dem 4,5er ausreichend motorisiert.

surf-Fazit: Für den Einstieg würden wir das Board Dialer empfehlen – mit etwas mehr Länge kommt es in der Anfahrphase einfach harmonischer ins Rutschen und bei unsanften Abstürzen hilft die längere Nase den Schleudersturz zu vermeiden. Aber auch ohne spezielles Foilbrett dürfte das FWind1 Foil ein interessantes Produkt für Einsteiger sein, weil es früh Auftrieb produziert und recht unkompliziert zu fahren ist. Auch der Preis für das Foil erscheint durchaus konkurrenzfähig.

"Slingshot ist eher Wassersport- als Kitemarke. Vom SUP-Board bis zum Windfoil machen die eigentlich alles.”

Stephan Gölnitz Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 8/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

Themen: FoilSlingshotTestWindfoil


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