Profi-Reparatur von Masten - Schritt für Schritt Anleitung

  • 1. Anschleifen: Das Mastoberteil im Bild ist gebrochen, weil der Mast nicht richtig zusammengesteckt war – der Klassiker! Zum Absägen ist der Riss mit 15 Zentimetern zu lang. Auch hier gilt es zunächst, den Reparaturbereich zu überblicken. Stehen auch innen Carbonsplitter ab, sollte man auch eine Kombination der beiden Reparaturen in Betracht ziehen – den schlimmsten Schaden absägen, den Rest, wie im Folgenden erklärt, reparieren. Stickerreste und Carbonsplitter schleift Oli vorsichtig mit Schleifpapier runter. Dazu am besten das Schleifpapier flächig um den Mast legen und diesen in der Hand drehen. Im Zweifel Arbeitshandschuhe tragen, Carbonsplitter unter der Haut sind kein Spaß!
  • 2. Tabula Rasa: Damit der Mast wieder in seine alte Form gebracht werden kann und sich nichts sperrt, müssen Splitter im Bruchbereich entfernt werden. Dies gelingt am besten mit einem scharfen Cuttermesser.
  • 3. Form korrigieren: Oft klaffen Risse leicht auseinander. Würdest du diese Lücke nicht schließen, hätte der Mast später an der Steckverbindung, bzw. der Verlängerung Spiel. Um gleichmäßigen Druck aufzubauen, eignet sich eine normale Schlauchschelle aus dem Baumarkt perfekt. Ziehe diese moderat fest und checke anschließend erst mal, ob die Steckverbindung bzw. Mastverlängerung nun wieder normal sitzt und keine losen Materialreste mehr das Zusammenstecken stören.
  • 4. Form fixieren: Für die Reparatur muss nun zunächst die Form fixiert werden, damit diese auch nach dem Entfernen der Schlauchschelle bestehen bleibt. Dies gelingt am besten mit dünnflüssigem Sekundenkleber und einem Stück Roving, den man bei Bacuplast in unterschiedlicher Dicke kaufen kann. Zuerst träufelt Oliver über den zusammengepressten Riss etwas Kleber, dieser kriecht in die kleinsten Ritzen. Anschließend klebt man den Roving, das ist nichts anderes als ein Strang von Carbonfasern auf einer Rolle, mit Sekundenkleber am Rand des Masts einmal rundherum an (Ende nicht abschneiden!). Nach einer Minute ist der einst klaffende Riss erst mal fixiert und man kann die Schlauchschelle für die eigentliche Reparatur abnehmen.
  • 5. Kleberreste entfernen: Bevor die Reparaturstelle gleich mit dem Roving umwickelt wird, säubert Oliver erst noch den Riss von Rückständen des Sekundenklebers mit dem Cuttermesser und etwas Schleifpapier.
  • 6. Harz anmischen: Für das erste Fixieren war Sekundenkleber perfekt, für die eigentliche Reparatur muss es Epoxydharz sein. Harz und Härter gibt’s in größeren Mengen bei Bacuplast oder in Form kleiner Sets auch im Surfshop. Wichtig ist nur, dass das Epoxy dünnflüssig ist. Um Mischungenauigkeiten zu vermeiden, sollte man immer etwas mehr Volumen anmischen und einen Messbecher oder eine Küchenwaage verwenden. „Die Verwendung eines größeren Gefäßes“, so verrät Oliver, „sorgt dafür, dass das Harz nicht so schnell hart wird, da die Reaktionswärme besser entweichen kann.“ Gummihandschuhe sind sehr empfehlenswert, Epoxy ist giftig! Im Normalfall bleiben dir jetzt knapp 45 Minuten Zeit, bevor das Harz zu hart wird – also nicht trödeln!
  • 7. Roving wickeln: Die Stabilität des Masts wird wiederhergestellt, indem das zugstarke Carbonfaserbündel, der Roving, um den Mast gewickelt wird. Bestreiche dazu immer einige Zentimeter rund um den Mast mit Epoxydharz und wickele den Roving mit leichtem Zug um den Mast. Eine helfende Hand, die den Mast immer weiterdreht, ist kein Nachteil, alleine geht’s aber auch. Ziel sollte es sein, dass sich das Faserbündel nicht stark überlappt, zwischen den einzelnen Bündeln aber auch keine größeren Lücken zu sehen sind.
  • 8. Doppelt hält besser: Wickele den Roving in einem Stück von unten nach oben bis einige Zentimeter über die ursprüngliche Bruchstelle hinaus und in einer zweiten Schicht wieder bis nach unten zum Startpunkt. Bestreiche den Roving dabei gleichmäßig mit Harz, damit die Fasern gut getränkt werden. Erst ganz am Ende schneidest du den Roving ab.
  • 9. Eine Frage der Ästhetik: Für die spätere Stabilität ist ausschließlich die Wicklung mit Roving ausschlaggebend. Die Öberfläche wird damit aber in den seltensten Fällen richtig glatt, zumal der Roving NICHT geschliffen werden darf! Wenn du mit etwas unebener Oberfläche leben kannst, springe weiter zu Punkt 10. | Wer – wie unser Reparatur-Profi Oliver Schott – auf die bestmögliche Optik Wert legt, ummantelt die Reparaturstelle abschließend noch mit einem Carbonschlauch. Oli erklärt: „Durch die Anordnung der Fasern wird der Schlauch beim Zusammendrücken weit und beim Auseinanderziehen wieder eng. Ich repariere mit solchen Kohlefaserschläuchen z.B. auch gebrochene Carbongabeln.
  • Man schneidet von der Meterware ein passendes Stück ab, stülpt dieses über die Reparaturstelle, zieht den Schlauch auseinander und bestreicht diesen mit Epoxydharz. Im Zweifel lieber etwas mehr Harz nehmen, Überschüsse entfernen wir im nächsten Schritt wieder. Den Kohlefaserschlauch kann ich hinterher dann noch schön glatt schleifen für eine gute Optik“, erklärt Oliver das weitere Vorgehen.
  • 10. Fixieren: Damit sich keine Lufteinschlüsse bilden, die Oberfläche möglichst glatt wird und überschüssiges Harz (= Gewicht) wieder entfernt wird, nutzt Oliver Abreißgewebe. Damit umwickelt er Roving bzw. Carbonschlauch stramm (auf einen Griff gewickelt, lässt sich ideal Zug ausüben) und fixiert das Ende mit einem Stück Krepp. Das Abreißgewebe lässt überschüssiges Harz nach außen durch, verbindet sich aber während des Aushärtungsprozesses nicht mit Kohlefaser oder Roving und lässt sich somit hinterher einfach wieder abwickeln – samt des überschüssigen Harzes. Wer kein Abreißgewebe zur Hand hat, kann die Reparaturstelle auch stramm mit Frischhaltefolie umwickeln – das überschüssige Harz bleibt dann aber drin.
  • 11. Aushärten lassen: Die Trocknungszeit von Epoxydharz ist temperaturabhängig, bei Raumtemperatur sollte nach 24 Stunden alles hart sein.
  • 12. Nachbearbeitung: Nach dem Entfernen des Abreißgewebes ist die Reparatur so gut wie fertig. Den Kohlefaserschlauch kann man glattschleifen, den Roving würde man dadurch nur schwächen – hier also unbedingt aufs Schleifen verzichten! Um am Ende wieder eine saubere Kante zur Steckverbindung oder der Verlängerung zu bekommen, kann man nochmal einen halben Zentimeter des Masts wegsägen und kleinere Harzreste mit Cutter und etwas Schleifpapier entfernen. Das Resultat kann sich sehen lassen, oder?