Redaktion

Winterneopren 2011

  • Christl Borst-Friebe
09.06.2011

Was tun bei Eis und Schnee? Ein Flugticket kaufen? Keine schlechte Idee. Doch schnell ist der kurze Winterurlaub vorbei und zu Hause herrscht immer noch Eiseskälte. Also besser in einen warmen Anzug investieren? surf stellt euch drei gänzlich unterschiedliche Konzepte vor und verrät euch, wo sich die Investition lohnen könnte.

ION Fuse Drysuit 4/3

Der ION Fuse Drysuit unterscheidet sich von gängigen Trockenanzügen in erster Linie aufgrund des dicken, kaschierten Neoprens. Während andere Trockenanzüge in der Regel dünne Materialien verwenden, unter denen dann, entsprechend der herrschenden Temperatur, mehrere Schichten Funktionswäsche aus Polyester getragen werden, besitzt der Fuse bereits von sich aus eine recht hohe Wärmeisolierung. Selbst bei Temperaturen unter fünf Grad war eine Lage Skiunterwäsche ausreichend, um unseren Testern die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Rein äußerlich hat man eher das Gefühl in einer molligen Snowboardkluft zu stecken, sämtliche Manschetten sind von weiter geschnittenem Neopren abgedeckt. An stärker beanspruchten Zonen wie Knie und Gesäß wurden abriebfeste Materialien verwendet, was der Haltbarkeit zu gute kommen dürfte. Die Kapuze wärmt vor allem am Strand, auf dem Wasser braucht man zusätzlich eine externe Kopfhaube.

Der Komfort beim An- und Ausziehen ist dank des breiten, horizontalen Rückenreißverschlusses sehr hoch. Wie bei Trockenanzügen üblich, sitzen die Manschetten an Füßen, Armen und Hals recht stramm. Unter Umständen hilft es zum Anziehen Wollsocken zu tragen, die Füße schlüpfen dann deutlich leichter durch die Latexmanschetten, das hilft Beschädigungen zu vermeiden. Die Bewegungsfreiheit ist aufgrund des komfortablen Schnittes und des flexiblen Rückenreißverschlusses hervorragend. Zum Öffnen und Schließen ist man allerdings auf fremde Hilfe angewiesen. Selbst bei winterlichen Ausflügen in die Welle, inklusive Waschgängen, bleibt der Fuse absolut dicht. Dass sich Trockenanzüge allgemein – aufgrund des weiten Schnitts – nicht sonderlich gut eignen, um größere Strecken zu schwimmen ist bekannt, das hohe Eigengewicht des Fuse macht sich hierbei allerdings zusätzlich negativ bemerkbar.

Die Details des ION wirken sehr gut durchdacht und funktionell: Drei Taschen an Bein, Oberarm und Brust bieten genügend Platz für Autoschlüssel oder Ersatztampen und dank kleiner Löcher an den Taschen und der Kapuze läuft dort eingedrungenes Wasser sofort wieder heraus.

Fazit: Die Wärmeisolation und Bewegungsfreiheit des Fuse sind absolute Spitzenklasse und machen den Anzug für all diejenigen interessant, die die Winterpause quasi abschaffen wollen. Ein kleines Manko beim Schwimmen ist das recht hohe Gewicht, der Preis fällt mit 599 Euro ziemlich üppig aus.

NEILPRYDE 3000 Drysuit 5/4/3

Der Einstieg erfolgt über einen horizontalen Trockenreißverschluss auf der Rückseite, ansonsten handelt es sich beim 3000er Drysuit um einen normalen Glatthautneopren mit fünf Millimetern Neoprendicke am Körper und drei Millimetern an Armen und Beinen. Abgesehen davon, dass man den recht schwergängigen Querreißverschluss nicht alleine bedienen kann, ist der Komfort beim An- und Ausziehen sehr gut, fast widerstandslos gleitet man in Arme und Beine hinein.

Im harten Wintereinsatz war der Anzug auch bei deutlich einstelligen Temperaturen (6 bis 8°C) ausreichend warm. Die Blindstichnähte sind zusätzlich verklebt und halten absolut dicht, das weiche, sehr angenehme Innenfutter verringert die Wärmeabgabe am Oberkörper effektiv. Wer auch bei noch kälteren Temperaturen aufs Wasser will, sollte zusätzliche Thermounterwäsche aus Neopren verwenden. Obwohl der Pryde-Anzug vom Hersteller als Drysuit bezeichnet wird, dringt bei Stürzen und Waschgängen an Hals, Beinen und Armen (trotz doppelter Bündchen) etwas Wasser ein. Dies ist an sich nicht tragisch, wirft allerdings die Frage auf, wofür man den Trockenreißverschluss – der an sich hervorragend dichthält – noch braucht. Die Bewegungsfreiheit auf dem Wasser ist im normalen Bewegungsradius sehr gut, Freestyle-Fuchtler könnten sich allerdings am starren Reißverschluss stören, sobald man die Arme nach hinten oder über den Kopf nimmt.

Fazit: Im Vergleich zu normalen Glatthautanzügen bietet der NeilPryde 3000 Drysuit kaum spürbare Vorteile bei der Wärmeisolierung, verliert aber andererseits beim Tragekomfort und aufgrund der Tatsache, dass man beim Öffnen und Schließen des Reißverschlusses auf Hilfeangewiesen ist. Die 539 Euro, die der 3000er Drysuit kosten soll, kann man bei NeilPryde sinnvoller in das Premium-Modell Elite (539 Euro) investieren, oder mit dem ebenfalls sehr warmen 5000er mit gut abdichtendem konventionellen Reißverschluss (399 Euro) sogar noch eine Menge Geld sparen – bei noch besserem Tragekomfort.

XCEL Infinity XZip 2 - 5/4/3-Hooded

Wer sich an richtige Trockenanzüge nicht herantraut und auf die winterliche Session dennoch nicht verzichten möchte, für den könnte der XCEL Infinity XZip eine echte Alternative sein. Der Einstieg erfolgt über einen schrägen Reißverschluss auf der Vorderseite und ist, aufgrund der klein erscheinenden Öffnung, zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, letztlich aber dank des sehr flexiblen Materials, problemlos. Lediglich das dehnbare Neopren erweist sich beim An-und Ausziehen als etwas widerspenstig. Eine fest angebrachte Kopfhaube wird von hinten über den Kopf gestülpt und vorne über einen schrägen Reißverschluss auf der Brust verschlossen.

Das kaschierte Material ist ausgesprochen weich und stretchy, der XCEL sitzt wie eine zweite Haut und obwohl sich das Neopren recht dick und solide anfühlt, ist man beweglich wie in einem Spiderman-Kostüm. Zwar dringt mit der Zeit tröpfchenweise Wasser über die Haube, Arm- und Beinabschlüsse in den Anzug ein, die Wärmeisolierung bleibt allerdings – für einen herkömmlichen Neoprenanzug – hervorragend und kann fast mit der eines Trockenanzugs mithalten. Dafür sorgen komplett verklebte Nähte und das verwendete Material wirkt überdies dicker als angegeben. Im Brust- und Rückenbereich sorgen zudem Lufteinschlüsse im Neopren (Airlock) für eine zusätzliche Isolierschicht. Selbst bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius erwies sich der XCEL als ausreichend warm. Zieht man noch einen herkömmlichen Neoprenunterzieher darunter, muss man den Winter nicht mehr fürchten.

Wer in dieser Jahreszeit auch regelmäßig in der Welle Windsurfen oder Wellenreiten gehen will, hat in Summe sogar einen Vorteil gegenüber den weit geschnittenen Trockenanzügen, da sich das Schwimmen und Paddeln mit eng anliegenden Anzügen natürlich ungleich leichter gestaltet.

Fazit: Wer vor echten Trockenanzügen bisher zurückgeschreckt ist, dem bietet der XCEL Infinity XZip 2 eine fast ebenso warme Alternative mit viel Bewegungsfreiheit, bei der auch der Reißverschluss alleine bedient werden kann. 390 Euro sind eine Menge Geld, aber gut angelegt ist es in jedem Fall.

Folgende Neoprenanzüge findet ihr im Vergleich: ION Fuse Drysuit 4/3 NEILPRYDE 3000 Drysuit 5/4/3

XCEL Infinity XZip 2 - 5/4/3-Hooded

      

Den gesamten Artikel über die Neoprenanzüge findet ihr auch als PDF-Download.         Text: surf-Testteam Fotos: Manuel Vogel

Top Wärmeisolierung, durchdachte Features und der lässige Look sind gute Argumente für den ION Fuse. Unter dem weit geschnittenen Neopren sorgen Latexmanschetten dafür, dass kein Wasser eindringt.

 

 

Der Komfort beim An- und Ausziehen ist dank des breiten, horizontalen Rückenreiß-verschlusses sehr hoch.

 

 

Neben dem reinen Trockenanzug Luzifer und den Glatthautmodellen Elite und 5000 bietet NeilPryde mit dem 3000er Drysuit noch eine weitere Option für kalte Tage an.

 

 

Auf den Trockenreißverschluss des 3000er Drysuit kann man verzichten, da Wasser an anderer Stelle eindringen kann und dieser etwas sperrig wirkt.

 

 

Wer sich an richtige Trockenanzüge nicht herantraut und auf die winterliche Session dennoch nicht verzichten möchte, für den könnte der XCEL Infinity XZip eine echte Alternative sein.

 

 

Clever gelöst – der schräge Frontreißverschluss des XCEL Infinity ist einfach zu bedienen und fixiert gleichzeitig die Haube.

 

 

 

 

 

 

 

 

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