Test: GPS-Uhren und Apps

04.05.2017 Stephan Gölnitz - Für die private oder offizielle Speedmessung reicht eine dezent getragene GPS-Uhr oder die App auf dem mitgeführten Handy. Die sammeln dann mehr Daten als Google. Was du damit machen kannst, verrät dieser Test.

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Test: GPS-Uhren und Apps
Test: GPS-Uhren und Apps

"Los!" "Zeit für Bewegung!" "Brumm brumm..." Für gemütliche Zeitgenossen sind diese Fitnessuhren ja nix. Da hat man sich gerade gemütlich auf dem Sofa eingenistet, schon vibriert oder brummt irgendwas – in unserem Fall gleich eine von drei Uhren – und drängt zu Bewegung. Neben der für uns interessantesten Funktion – GPS Wegaufzeichnung ("Tracking") und Speedmessung – wird unweigerlich deine Beschleunigung gemessen, beim Gehen oder Treppe steigen, aber eben auch die Entschleunigung auf der Couch. Wenn die stoischen Aufforderungen des Animateurs am Handgelenk dazu führen, dass man fünf mal am Tag vom Büro-Schreibtisch in die Kaffeküche "sportelt" und sich da einen doppelten Espresso in die linke Herzkammer schüttet, weiß man auch nicht, ob das im Sinne des eigentlichen Gesundheitsprogrammes ist. Die soziale Fitness fördert es in jedem Fall. Für diesen Vergleich interessierten uns aber in erster Linie die Windsurf-Funktionen und da geht es um Speeed...

Speedmessung

Erfreulicherweise zeichnen alle Uhren und Apps sowohl den Speed und auch die Strecke mit guter Genauigkeit auf. Die Feinheiten liegen im Detail. Während die Apps auf dem Handy irgendwo in der wasserdichten Hülle in der Surfshort oder unterm Neo mitlaufen, zeigen dir die Uhren jederzeit den aktuellen Stand an. Die Uhr von Polar reagierte dabei etwas träger und zeigte auch später in der Aufzeichnung einen etwas geringeren Vmax an. Die etwas verzögerte Anzeige kann aber auch von Vorteil sein: wenn du angespannt für mehrere Sekunden auf Top-Speed gehst und dann, nach kurzem Durchschnaufen, beim Blick auf die Uhr eigentlich schon wieder langsamer wirst. Die Polar-Uhr wird dir dann noch den Stand von vor ein, zwei Sekunden anzeigen, während TomTom und Garmin deutlich schneller, nahezu in Echtzeit, reagieren. Das wird zum Vorteil, wenn du nur ganz kurz, für ein, zwei Sekunden einen Top-Speed-Peak fährst. Das bekommt die Polar-Uhr unter Umständen gar nicht mit, so war unser Eindruck. Den "besten" Top-Speed hatten wir jedenfalls nach mehreren Durchgängen immer jeweils auf dem Garmin-Gerät. Hier reagiert die Anzeige auf jedes Dichholen, Abfallen und Anspannen sofort. Ein typisches Muster der Top-Speed-Aufzeichnungen nach einer halbstündigen Session zeigte auf der Garmin-Uhr 43,4 km/h an, bei TomTom 43,1 km/h und die Polar ermittelte 41,3 km/h.

© Sebastian Schöffel
Auch Andy Laufer hat das GPS-Fieber gepackt. Keine Sturmfront nähert sich dem Ammersee mehr ungesurft.
Auch Andy Laufer hat das GPS-Fieber gepackt. Keine Sturmfront nähert sich dem Ammersee mehr ungesurft.

Tracking

Alle Apps und Uhren zeichnen GPS-gestützt deinen zurückgelegten Weg auf. Overlay auf einer Karte von Google Maps ist dabei Standard. So lässt sich der gefahrene Speed nachträglich auch der genauen Position zuordnen, du kannst deine Schokoladenseite rausfiltern. Häufig ist gar nicht der Run der schnellste, der sich am schnellsten anfühlt. Wenn du ein spiegelglattes "Bergabstück" erwischst, wirkt das vielleicht nicht so adrenalinfördernd wie ein holperiger Ritt übers Kabbelwasser, auf dem Tacho schlägt der Zeiger aber meist weiter aus.

Pulsmessung und Training

Hier liegen die Ursprünge und die Stärken des Polar-Trainers, das ist sein Heimspiel. Egal ob Trainingspläne vorab gestalten, Analyse oder der Fitnesstest (zum Feststellen der Laktatschwelle), die Polar-Uhr bietet es. Die Herzfrequenzmessung mit Brustgurt mag vielleicht etwas "Old School" erscheinen, ist aber die einzig genaue Messmethode. Im Vergleich lagen die beiden anderen Uhren entweder nur tendenziell richtig, aber auch mal kurzzeitig deutlich daneben. Im Test zeigten TomTom und Garmin mit Handgelenksmessung tendenziell etwas weniger an (die Haut wird dabei von Dioden durchleuchtet, Licht vom But in den Gefäßen reflektiert und in einer Fotozelle gemessen).

Smart Watch

Ganz klar, Garmin ist der Winner in dieser Disziplin. Keine andere Uhr lässt sich mit so vielen Widgets aufrüsten, mit neuen Displaydesigns und zusätzlichen Apps bespielen. SMS, WhatsApp und andere Nachrichten können ebenfalls per Bluetooth-Übertragung auf dem Uhrendisplay empfangen werden.

© Sebastian Schöffel
Auch bei den Damen werden beachtliche Zeiten gefahren. Worldcup-Material ist aber nicht zwingend erforderlich für eine ordentliche Platzierung in den Ranglisten. Also: Mitmachen!
Auch bei den Damen werden beachtliche Zeiten gefahren. Worldcup-Material ist aber nicht zwingend erforderlich für eine ordentliche Platzierung in den Ranglisten. Also: Mitmachen!

Uhr oder App?

Die GPS-Uhren sind von Haus aus wasserdicht und stören beim Surfen nicht. Für das Handy benötigst du eine wasserdichte Tasche, am besten mit Klettgurt für den Oberarm für ordentlichen Empfang. Dafür sind die Apps vielfältig und kostenlos bis günstig. Die Uhren bieten wiederum bereits Pulsmessung, ein zusätzlicher Bluetooth-Puls-Brustgurt für Runtastic oder Sports Tracker kostet von Polar beispielsweise nochmals 50 Euro.

Handymuffel aufgepasst

Alle GPS-Uhren funktionieren im Zusammenspiel mit entsprechenden Accounts auf den Webseiten. Dort lassen sich alle Daten archivieren und analysieren. Der Aufbau der Verbindung über die mitgelieferten Kabel funktionierte einwandfrei, ebenso die Datenübertragung.Für den schnellen Check lassen sich auch entsprechende Apps zu jeder Uhr aufs Handy laden, die erfordern allerdings halbwegs aktuelle Betriebssysteme, mindestens Android 4.4 ist hilfreich. Darüber hinaus ist mit Problemen bei der Synchronisierung zu rechnen, abhängig von App-Version, vom Handy und anderen, unkalkulierbaren Dingen, die uns teilweise verschlossen blieben.

surf-Empfehlung

Für den Einstieg sind die kostenfreien Apps super, wenn man sein Handy zum Windsurfen mitnehmen möchte. Sports Tracker wäre unser Favorit. Bei den Uhren wählen Ausdauersportler die Polar  –wegen der sicheren Trainingsmöglichkeiten über genaue Herzfrequenzmessung. Für den Nerd, der eigentlich schon immer nach der Apple Watch geschielt hat, bietet sich das Garmin-Modell an, mit vielen Zusatzfunktionen. TomTom empfiehlt sich, wenn GPS-Aufzeichnung und Musikplayer "aus einer Hand" kommen sollen.

Wer seine Sessions in Speedranglisten posten möchte, benötigt die App GPSLOGIT (Seite 42) mit professionellen Auswertungsmöglichkeiten und das zu einem vernünftigen Preis. Egal, wofür du dich entscheidest: der Ansporn für den nächsten Speed-Rekord ist mehr Motivation als jede App-Aufforderung zum Treppe steigen.

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