Redaktion

Windmesser Test 2012

  • Gerd Kloos
25.08.2012

Wetterstation gegen Taschentool – der ungleiche Wettstreit geht nicht nur in der Handhabung an die praktischen Windmesser für die Hosentasche. Auch in der Genauigkeit und Auswertung der Messungen erweisen sich die besten Pocket-Geräte als ebenbürtig. Je nach Anordnung der Windräder unterscheidet sich die Fehleranfälligkeit aber deutlich.

Windmesser im Windkanal.

Es soll Leute geben, die laufen mit noch nassen Füßen und zerzaustem Haar vom Strand schnurstracks in den Surf-Shop, 100 Meter vom Beach entfernt, und wollen dort im Internet ablesen, ob der Wind zum Surfen reicht. Eine Anekdote, die Shop- Mitarbeiter Frank Lewisch vom Neusiedler See gerne erzählt. Was für ihn als alten Hasen unvorstellbar erscheint, plagt aber vielleicht doch mehr Windsurfer, als man denkt.

Denn nicht jeder kann aus der Natur ablesen, was die klassische Beaufort-Skala angibt: Ob sich jetzt “dicke Äste bewegen” (Windstärke sechs) oder “Bäume schwanken” (Windstärke sieben), war vielleicht für Francis Beaufort im 18. Jahrhundert eindeutig. Heute bevorzugen wir die harte, messbare Währung für den Wind: in Knoten oder Metern pro Sekunde. So wie man es auch aus den Vorhersagen von Windfinder & Co. kennt. Windsurfer wie Frank schauen aufs Wasser und wissen, welches Segel passt. Das wurde in tausenden Surfsessions trainiert. Da berücksichtigt das Hirn automatisch die Windrichtung, mögliche Abdeckungen an Land, Wellenhöhe und Lichteinfall. All das kann die Sinne täuschen und erfordert unendlich viel Erfahrung. Und deshalb greifen immer noch viele Surfer gerne zum Windmesser und sei es nur zur Absicherung, um nicht unnötig das falsche Segel aufzubauen. Weil die Messgeräte sich in Preis und Genauigkeit doch klar unterscheiden, haben wir als Gemeinschaftsprojekt der Magazine surf und Kite einen unabhängigen Test in einem spezialisierten Windkanal durchführen lassen. Mit dem Ergebnis, dass man für gute Messungen nicht unbedingt allzu viel Geld ausgeben muss.

Körper beeinflusst Messergebnis

Der Test im Windkanal zeigte auch, dass nicht nur in den Geräten Fehlerquellen sitzen. Auch die Körperhaltung während der Messung schlägt sich in den Messwerten nieder. Je nach Gerät schwankt die Anzeige, abhängig davon, ob man gerade oder schräg zum Wind steht – auch wenn das Gerät dabei nach oben gehalten wird. Beim Eolo1 von Skywatch betrug dieser Unterschied über 20 Prozent. Grund: Steht der Körper gerade zur Windrichtung, erzeugt er einen Luvstau, der in die Messung einfließt. Dreht man den Körper jedoch seitlich zum Wind, kann der Wind besser vorbeistreichen – die Messfühler werden weniger beeinflusst.

Bei Flügelrädern muss man wissen, woher der Wind weht

Die getesteten Windmesser – auch Anemometer genannt – messen den Wind durch mechanische Dreh-Konstruktionen. Während Schalenkreuz- Anemometer den Wind mit kleinen Schaufeln einfangen und sich horizontal drehen, werden in Flügelrad-Anemometer kleine Impeller verbaut, die sich wie kleine Windräder drehen. Nachteil der Flügelrad-Anemometer: Sie müssen direkt in Windrichtung gehalten werden, um nicht schräg angeströmt zu werden. Am Modell Windmate 100 zeigt daher ein kleines Windfähnchen die Richtung des Windes an, um so das Gerät korrekt ausrichten zu können. Andere Hersteller berufen sich auf die Maximalwertmethode, um den Fehler auszumerzen: Das Gerät soll durch einen horizontalen Schwenk durch das Windfenster wandern. Der Maximalwert zeigt dann die tatsächliche Windgeschwindigkeit an – so die Theorie. Windböen werden bei dieser Methode jedoch nicht berücksichtigt – daher ist diese Messvariante kaum praxistauglich.

Drehungen können auch Schalenkreuzmesser stören

Im Windkanal wurde eine Fehleinschätzung der Windrichtung durch eine Drehung der Messgeräte um 20 Grad simuliert. Unsere Vermutung vor dem Test: Dem Schalenkreuz-Anemometer sollte dieser Effekt egal sein, während die Impeller der Flügelrad-Windmesser sensibler darauf reagieren müssten. Die Flügelrad- Varianten, allen voran der Xplorer von Skywatch, reagierten tatsächlich auf die Drehung deutlich nachweisbar, aber auch das Schalenkreuz-System Eolo1 reagierte auf den Horizontalschwenk, was wohl auf eine veränderte Aerodynamik an der Gerätunterseite zurückzuführen ist. Kurioserweise gleicht der Fehler durch die Drehung die allgemein zu hohe Anzeige einiger Geräte sogar etwas aus, was in der Praxis aber unkalkulierbar bleibt. Die übrigen Schalenkreuz-Anemometer, zu denen auch die festen Wetterstationen zählen, zeigten kaum oder gar keine Anfälligkeiten auf die Windrichtung.

Den gesamten Artikel findet ihr unten als PDF-Download.

Die Versuchsanordnung im GST-Windkanal von Immenstaad am Bodensee: links und rechts die Testkandidaten, in der Mitte misst das Referenz-Anemometer die tatsächliche Windgeschwindigkeit.

Trendsetter halten neuerdings nicht mehr den Windmesser, sondern das iPhone in den Wind und lächeln über die Old-School-Beaufortisten. Wir wollten wissen: Kann das Mikrofon des iPhones korrekte Werte liefern? Erste Überraschung: Die Geräusche der Windkanal-Turbine mochte das iPhone nicht und zeigte vogelwilde Werte an. Also lernen wir: Die App verlangt Naturwind. Am Strand haben wir eine kleine Windprobe bei Wind zwischen einem und sechs Knoten genommen. Wir haben „Get Wind“ gedrückt, dann sollte das Ding messen. Wenn man auf „Got Wind“ drückt, müsste die Durchschnittsgeschwindigkeit kommen. Die Ergebnisse im untersten Windbereich aber waren purer Zufall und hatten mit den Ergebnissen des Windmaster 2 weniger gemein als das subjektive Beaufort-Gefühl mit dem wahren Wind. Fazit: Im untersten Windbereich war unsere App ein Flop.

PDF-Downloads

  • 2,00 €
    Windmesser Test 2012

    Mode: article_pdf_download
    Mode-Category: shop
    Preis: 2,00 €
Weitere Stories

  • Designer-Schlagschutz

    vor 10 Tagen

    Bernd Winkelmann machte aus der Not eine Tugend und bietet mit Kaktus Protectors nicht nur professionelle ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Mit dem Bike zum Surfen – Fahrrad-Anhänger selber bauen!

    19.06.2020

    Anton Munz hat in der Corona-Zeit eine neue Form des Spot Hoppings per Bike ausprobiert. Die Story dazu lest ihr in ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Kurztest 2019: Fußschlaufen von I-99

    01.02.2020

    „80 Prozent leichter als normale Schlaufen“, das verspricht Hersteller I-99 von seinen NeoPro Footstraps. Die ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Ausprobiert: Windmesser von Windboss und Weather Flow

    22.07.2019

    Den geübten Blick, mit der sich die aktuelle Windstärke punktgenau bestimmen lässt, hat nicht jeder – vor allem ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Smartphone App "Windsport Tracker"

    10.07.2019

    Die Smartphone-App Windsport Tracker ist viel mehr als nur ein GPS-Tracker – und ein bisschen Nerd steckt doch in ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Campingmodule von Smart Camper machen Autos zum Surfmobil

    02.07.2019

    Heckklappe auf, Camping-Modul rein, Heckklappe zu, Abfahrt – die Campingmodule von Smart-Camper verwandeln jede ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Plug & Play – neue Trapeztampen von Point-7

    12.06.2019

    Ohne den Gabelbaum zu zerlegen die Trapeztampen sekundenschnell anklipsen und im "Notfall" schnell auslösen – mit ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Surfbox: Packesel von Mobila

    05.04.2019

    1200 Liter Volumen kann man sich jetzt in Form der Box Malibu Wave XL aufs Dach schnallen – das reicht für zwei ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Video: Die neue GoPro Action Cam Hero 6 Black

    25.07.2018

    Die neue GoPro Hero 6 Black wird von Fachmagazinen als "beste Action-Cam auf dem Markt" gefeiert. Ob dies auch für ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Hinterher: Anhänger für den Boardtransport

    02.05.2018

    Hochwertige Anhängerlösungen bietet eine Münchener Manufaktur. Auch für den Boardtransport. Dank mehrteiliger ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Surf Skates: Wie Waveriding auf Asphalt

    21.12.2017

    Surf-Skates sind der neue Trend auf der Straße. Was diese von normalen Skateboards unterscheidet und wie man die ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Einzeltest: Rettungsset von Secumar

    01.06.2017

    500 Gramm, die im Extremfall vielleicht nicht in Gold aufzuwiegen sind – nicht mehr wiegt das komplette ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined