Redaktion

Aufblasbare Surfboards: Luftschloss oder Zukunft?

  • Manuel Vogel
17.05.2016

Aufblasbare Boards – im SUP-Bereich längst Trend – sollen, dank neuer Innovationen, auch im Windsurfbereich massentauglich werden. Designer Roberto Ricci erklärt im Interview, wie aus einer „Gummiwurst” ein leistungsstarkes Brett werden kann.

Designer Roberto Ricci beim Praxistest

Roberto, mit dem Air Windsurf Concept, bestehend aus aufblasbaren Windsurfboards und Riggs mit extrem kleinem Packmaß, wollt ihr 2016 für Furore sorgen. Lass uns zuerst über das Board sprechen: Was unterscheidet dieses vonanderen aufblasbaren Brettern, die es ja als WindSUPs schon auf dem Markt gibt? Es macht der Masse das Gleitwindsurfen zugänglich! Und wer dieses Gefühl kennt, will es immer wieder erleben. Letztlich hält diese Sucht die ganze Funboardbewegung seit mehr als 30 Jahren am Leben. Es gibt meiner Meinung nach aber immer noch zu viele Hürden, die der Gleitsucht im Wege stehen: Boards aus ASA oder den anderen günstigen Bauweisen sind zwar bezahlbar, aber auch schwer und machen keinen Spaß zum Gleiten. Leichte Boards sind teuer und oft zu nervös für Leute, die das Gleiten erst lernen. Zudem ist der Standlack unkomfortabel für alle, die häufig aufs Board klettern müssen. Und zu guter Letzt ist da das Platz- und Transportproblem. Alle diese Probleme lösen wir mit dem Air Windsurf Board!

Bisher waren aufblasbare Boards (engl."inflatables"), das Starboard Airplane mal ausgenommen, zum Gleiten ungeeignet! Und genau das ändern wir mit diesem Board! Es ist das erste High Performance Board zum Aufblasen. Damit das funktioniert, muss man es natürlich entsprechend designen.

Wo liegen die Herausforderungen? Zuallererst bei der Steifigkeit. Die war bisher immer DER Vorteil von laminierten Brettern. Daher haben wir bei unserem Konzept im Deck und Unterwasserschiff je drei zugfeste Sandwich-Dyneema-Bänder eingearbeitet, also Längsstringer, die über die ganze Länge reichen und die Steifigkeit, verglichen mit herkömmlichen aufblasbaren Boards, um bis zu 50 Prozent erhöht.

Alleine die Steifigkeit macht aus einem Inflatable noch kein Gleitwunder! Stimmt! Man braucht einen echten Shape mit flacher Bodenkurve und, auch das hatten Inflatables bisher nicht, eine scharfe Abrisskante, damit sich das Board in Gleitfahrt nicht festsaugt. Daher kleben wir auf die konstruktionsbedingt dicken und runden Kanten eine zusätzliche Abrisskante aus PVC auf, die für sauberen Wasserabriss am Heck sorgt.  

Eine scharfe Abrisskante soll verhindern, dass sich das Brett "festsaugt".

Um richtig frei und schnell zu gleiten braucht es immer auch eine entsprechende Finne. Mit den kurzen, unprofilierten Plastikfinnen, die bisher in aufblasbaren Boards steckten, kommt man nicht weit. Die Finne ist gewissermaßen der Motor und wer gleiten will, braucht eine gute Finne im Brett. Das bedeutete für uns erstmal, dass wir die Voraussetzungen in Form eines stabilen Finnenkastens schaffen mussten, der eine 46cm Finne und die auftretenden Kräfte aushält, ohne zu wackeln, zu brechen und sich zu verbiegen. Auch dann nicht, wenn schwere Surfer mit dem 8,5er-Segel an Deck Gas geben. Das war der schwierigste Teil des Designs! Wir haben eine zweiteilige Tuttlebox (Finnensystem, bei dem die Finne mit zwei Schrauben von oben durchs Deck fixiert wird, die Red.) entwickelt, die genauso steif ist wie eine aus Carbon, sobald man das Brett mit 18 psi (Amerikanische Maßeinheit: "pounds per square inch", entspricht etwa 1,25 bar Druck, die Red.) aufgepumpt hat. Es ist beindruckend, wie viel Kraft man in Gleitfahrt auf die Finne ausüben kann. Die Finnenbox ist das Herzstück des Air Windsurf Concepts!  

Der Finnenkasten sitzt bombenfest im Brett – Grundvoraussetzung, um große Finnen fahren zu können.

Wie nahe kommt deiner Meinung nach das "Air Windsurf Concept" hinsichtlich Fahrleistungen wie Gleiten, Speed und Halsen einem "normalen" Freerideboard? Beim reinen Gleiten hat es sogar eher Vorteile. Es ist beeindruckend, wie früh man damit ins Rutschen kommen kann. Die Halsenqualitäten hängen, wie bei jedem Brett, von der Heckbreite ab. Diese ist in diesem Fall recht groß, daher muss man schon ordentlich drücken, um zu drehen. Aber man kann damit Halsen genauso durchgleiten wie mit herkömlichen Boards. Natürlich fühlt es sich nicht ganz so spritzig und schnell auf der Geraden an wie ein festes Board, das wird aber durch den Spaßfaktor und die Benutzerfreundlichkeit mehr als kompensiert.

Der Deckshape ist sehr flach, was in Gleitfahrt manchmal unkomfortabel sein kann. Limitiert hier die Konstruktion den Shape? Erstmal ist doch entscheidend, dass das ganze Brett steif genug ist, die Finne bombenfest sitzt und der Wasserabriss an einer scharfen Kante funktioniert. Alles weitere – etwa der Deckshape, Dickenverlauf und die Möglichkeit das Volumen zu verteilen sind Parameter, die man bisher nur bei laminierten Boards beeinflussen kann und daher noch Zukunftsmusik. Ich denke es wäre ein Fehler, feste und aufblasbare Boards nebeneinander zu legen und einzelne Kriterien zu vergleichen. Der Ansatz ist ein anderer.

Roberto Ricci ist Gründer und Designer der Marke RRD.

Welche Größen wird es davon geben und was sollen die Boards kosten? Es wird zwei Brettgrößen geben, den Air Windsurf Freeride mit 260 x 80 Zentimeter und 160 Litern Volumen sowie eine etwas kleinere Version, bei der die genauen Spezifikationen noch nicht feststehen. Der Preis wird bei etwa 1500 Euro liegen. Ich denke, dass es für Familien und Leute, die nicht das Glück haben, direkt am Strand zu wohnen und die ein Brett zum Gleiten und Cruisen wollen, genau das Richtige ist. Letztlich wird dieses Konzept aber erst komplett, weil wir uns auch über ein neues Rigg mit ultrakompakten Maßen Gedanken gemacht haben und man jetzt eine komplette Windsurf-Ausrüstung in den Kofferraum eines Kleinwagens bekommt.

Das Interview zum Air Windsurf Sail, dem ersten durchgelatteten Segel mit einem Packmaß von unter 1,30, lest ihr hier ->

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