F2 – Angriff mit eigener Produktion

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor einem Jahr

F2 drängt mit einer eigenen Brettproduktion wieder zurück auf den Markt. Alte Modellnamen, neue Shapes und echte Kampfpreise sollen der Marke wieder zu neuem Glanz verhelfen.

999 bis 1199 Euro – das hört sich nach Auslauf-Schnäppchen an. Bei F2 sind das seit dieser Saison reguläre Verkaufspreise für aktuelle Shapes. Wie das möglich ist und was Windsurfer erwarten dürfen, verrät F2-Shaper und Produktentwickler Paul Simmerl im Interview.

Paul, du bist bislang wahrscheinlich nur den Wenigsten bekannt – wie kamst du dazu, Boards für F2 zu shapen?

Ich war F2-Teamfahrer, als Freestyler aber mit dem alten Rodeo nicht mehr so zufrieden und habe irgendwann Markenchef Bernd Flügel einen Shape von mir vorgestellt.

Ein Board shapt man nicht einfach so zuhause im Keller, oder?

Beschäftigt habe ich mich mit Shapes schon länger, Hilfe bekam ich zu Beginn von Flikka-Shaper Luka Jures. Unser erstes Konzept hat super funktioniert, Bernd Flügel hat dann gefragt, ob ich weitere Shapes machen könnte. Ich habe mich dann Stück für Stück reingefuchst. Mein Ansatz war aber, dass ich nicht 2000-Euro-Boards shapen wollte, die sich keiner leisten kann. Jetzt sind wir aufgrund unserer eigenen Produktion in der Position, dass wir preisgünstige Boards mit Top-Ausstattung anbieten können.

F2-Shaper Paul Simmerl

Eine eigene Produktion aufzubauen ist nicht sonderlich einfach! Einige sind in der Vergangenheit an Qualitätsproblemen gescheitert oder wurden von Cobra aufgekauft.

F2 hat schon seit Längerem eine Produktion in China für SUP-Boards, die haben dort eine CNC-Fräse und die technischen Voraussetzungen. Natürlich mussten die Arbeiter dort erst lernen, worauf es beim Bau von Windsurfboards ankommt, weil das Ganze ziemlich komplex ist. Wir haben die ersten Serienboards nicht verkauft, sondern erst mal ein Jahr auf Herz und Nieren getestet, um zu sehen, ob alles hält. Jetzt ist alles bereit und natürlich können wir dadurch die Preise weiter drücken – den Freestyler Rodeo gibt’s schon, je nach Bauweise, für 999 bzw. 1199 Euro.

Bei sehr günstigen Brettern stellt sich unweigerlich die Frage nach der Konstruktion.

Die Boards haben einen Top-Aufbau. Der Rodeo Ltd kommt mit Carbon im Deck und Unterwasserschiff. Den Freerider Sunset und das Bump & Jump-Brett Rebel laminieren wir mit Glasfaser und verklebtem Bambus. Dadurch bekommt das Brett im Deck ein bisschen Flex, was es sehr komfortabel macht.

Sunset, Rodeo, Rebel – ihr hängt scheinbar an den alten Namen. Warum?

Das sind eben Klassiker und wir planen noch weitere davon wiederzubeleben, z.B. den Comet. Unterm Strich haben wir eine komplette Palette von Wave über Freeride bis hin zu Slalom und Foil, die zwar mit ihren Modellnamen Erinnerungen weckt, aber komplett aus neu entwickelten Shapes besteht. Bei jedem Brett sind Finne, Schlaufen und ein passendes Bag dabei, dadurch können wir auch auf Plastik beim Versand komplett verzichten und der Kunde hat einen echten Mehrwert.

Wo kann man die Bretter bekommen oder testen?

Es soll 2020, sofern es die allgemeine Situation wieder zulässt, zahlreiche Testveranstaltungen geben. Die Leute müssen erst verstehen, dass günstig eben nicht gleich „billig“ ist, sondern wir gute Qualität zu einem unschlagbaren Preis bieten. Wer mich am Wasser sieht, kann mich immer ansprechen und gerne mal ein Board zum Ausprobieren bekommen. Und natürlich wollen wir auch Produkte in euren surf-Tests ins Rennen schicken.

Infos unter www.f2.com

Themen: Interview


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