Redaktion

Goodbye NorthSails Hello Duotone

  • Andreas Erbe
20.06.2018

North Sails ist seit fast 40 Jahren eine der bekanntesten und erfolgreichsten Segelmarken im Windsurfbereich. Ab dem 1. August ist der Name beim bisherigen Lizenznehmer Boards & More mehr oder weniger Geschichte, aber nicht die Produkte und die Köpfe dahinter. Im Interview erklärt Geschäftsführer Till Eberle, warum es die neue Marke Duotone gibt und was das für die Kunden bedeutet.

Boards & More Geschäftsführer Till Eberle

Interview:Bernd Zerelles

North Sails ist eine Segelmarke mit einer gewaltigen Tradition und vielen Erfolgen. North Sails-Teamfahrer sicherten sich in den letzten Jahrzehnten zig Weltmeistertitel in allen Disziplinen. Boards & More in München war bislang mit Geschäftsführer Till Eberle Lizenznehmer für die Windsurf-Sparte von der North Sails Group America. Damit ist nun Schluss.

Bislang waren es nur Gerüchte, die durch Foren schwirrten und am Strand verbreitet wurden. Jetzt ist es offiziell, dass aus North Sails Duotone wird.

So stimmt es nicht. Boards & More wird eine neue Marke Duotone am 1. August launchen und die Produktion und den Vertrieb von North Sails Produkten in 2019 einstellen.

38 Jahre Markentradition gehen zu Ende. Warum habt ihr euch zu diesem harten Schritt entschlossen?

Boards & More und die North Sails Group America, die zu Oakley Capital gehört, haben verschiedene Ansichten über die Zukunft der Marke North Sails Windsurfing. Dies hat uns dazu motiviert, eine eigene Marke zu gründen. Wir haben viele spannende Ideen für die Zukunft und sind bereit, die volle Kontrolle über die Verwirklichung dieser Ideen zu übernehmen.

Linemanager Raoul Joa bleibt auch für Duotone verantworltich.

Wofür steht die neue Marke Duotone?

Duotone steht ganz klar dafür, dass wir authentisch sind – true – im Windsurfen wie auch im Kiteboarden. Weil wir den Sport lieben, hochqualitative Produkte anbieten, in der Technologie führend sind, und alle Facetten des Sports bespielen. Aber wir sind auch true, weil wir enormen Spaß damit haben und die Progression des Sports vorantreiben.

Kann es sein, dass es North Sails Windsurfing weiter geben wird?

Das kann ich nicht sagen. Wir als Boards & More werden North Sails Windsurfing-Produkte nach einer Übergangsphase nicht weiter betreiben.

Für euch ist North Sails Windsurfing also Geschichte. Aber was bedeutet das für den Kunden? Wenn er sich zum Beispiel erst im Frühjahr ein neues North-Segel gekauft hat?

Wir, also Boards & More, sind der Vertragspartner des Händlers, bei dem der Kunde sein Segel gekauft hat und werden mit dem Händler weiterhin zusammenarbeiten. Wir stehen ganz klar für alle Gewährleistungsansprüche ein. Grundsätzlich von rechtlicher Seite für die Gewährleistungszeit in Europa von zwei Jahren ab Kaufdatum. Ist das Produkt registriert, so bieten wir sogar verschiedene Garantieerweiterungen, die über die gesetzlichen Gewährleistungen hinausgehen. Aber auch darüber hinaus werden wir wie bisher kulant sein. Die Boards & More hat eine Reputation, die für Zuverlässigkeit steht. Also erledigen wir den Service und die Garantie für die von uns verkauften Produkte auch. Und natürlich wollen wir als Boards & More auch unsere neue Marke Duotone zum Laufen bringen. Wir werden also alles daran setzen, unsere Bestandskunden glücklich zu machen

Segelmacher Kai Hopf (Mitte) entwickelt weiter mit den Teamfahrern Victor Fernandez (links) und Marco Lang (rechts) die neuen Duotone-Segel.

Was bedeutet der neue Markenname Duotone für die Produkte? Sind sie komplett neu oder sind es die bekannten Teile nur mit einem neuen Namen?

Wir werden unsere Produkte auch unter der neuen Marke weiter entwickeln, soviel ist klar. Das ganze Engineering, die Konstruktion der Segel, Masten, Gabeln und Verlängerungen, das gesamte Know-how ist alles Know-how von Boards & More. Alle Produkte wurden von unseren Mitarbeitern entwickelt, sämtliche Patente laufen auf uns und sämtliche Produktnamen gehören Boards & More. Das Super Hero oder das Warp z.B. sind ja von uns kreiert worden und es wird auch unter Duotone wieder ein Super Hero oder Warp geben, das von der Performance, den Features und der Funktion identisch ist mit dem Super Hero oder Warp, die es vorher gab. Wir werden auch in Zukunft mit den gleichen Produktionen zusammenarbeiten, um unseren Kunden stets überlegene Qualität liefern zu können.

Alle Entwickler bleiben bei euch, alle Teamfahrer, alle internationalen Distributeure?

Wir haben die Frage vorab allen gestellt: Line-Manager Raoul Joa, Segeldesigner Kai Hopf, Hardware-Ingenieur Uli Bitterolf, allen Teamfahrern. Alle Entwickler haben sich für die nächsten Jahre verpflichtet, alle Teamfahrer finden Duotone cool und auch intern bleiben alle bei Boards & More an Bord. Es ist sehr spannend, das zu beobachten. Zuerst dachten viele Mitarbeiter: Die spinnen doch, man kann doch nicht einfach eine neue Marke gründen. Aber es entstehen dadurch so viele neue Möglichkeiten. Alle Mitarbeiter sind extrem motiviert, sie pushen härter als je zuvor.

Als North Sails Windsurfing hattet ihr immer eine gewisse Abhängigkeit von der Muttermarke. Welche neuen Freiheiten bietet euch die eigene Marke Duotone?

Manchmal kann eine Veränderung einen ganz schön beflügeln. Die Marke Duotone gehört uns, wir können sie ausgestalten wie wir wollen. Wir positionieren Duotone genau so, wie wir das am besten finden, und wie es cool für unsere Kunden ist. Wir haben keine Verbindung zum Segeln mehr. Von wo kommst du, wofür stehst du, beantwortet Duotone ganz neu. Wir können die Marke auch in neue Bereiche entwickeln, wie z.B. Foiling oder Bekleidung, falls wir das möchten. Oder wenn wir Surfboards auf den Markt bringen wollen, können wir das auch tun. Das ist jetzt alleine uns überlassen.

Ihr besitzt ja die eingeführte Marke ION, unter der auch ION Clubs entstanden sind. Warum heißt die neue Marke nicht ION Windsurfing?

Das war in der Tat eine große interne Diskussion. Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass das von der Markenpositionierung nicht unbedingt genau den Kunden anspricht. Dazu kommt: ION ist eine absolut eigenständige Marke, auch ein NeilPryde-Fahrer oder ein Severne-Fan kann sich mit ION identifizieren und die Produkte kaufen. Wenn wir auf einmal unter ION Segel produzieren, verlieren wir diese Kunden vielleicht. Der Grundsatz war, als wir ION kreierten, darunter keine Hardgoods anzubieten, sondern eine neutrale Marke, spezialisiert für Accessoires, zu schaffen – komplementär zu unseren Hardware-Marken. ION passt von unserer Ursprungsidee deshalb nicht als neue Segel-Marke.

Duotone gab es in den 1990er-Jahren schon als Snowboardmarke von Boards & More. Warum zieht ihr diesen Namen jetzt wieder aus der Schublade?

Der Name Duotone wurde in manchen Foren ja hitzig diskutiert. Wir finden ihn sehr spannend, weil es ein sehr emotionaler Name ist, unter dem man viel verstehen kann. Unsere Segel hatten in den letzten beiden Jahren von der Farbgebung diesen Duotone-Effekt, deshalb sind wir darüber gestolpert. Als wir den Namen für die neue Marke suchten, wählten wir Duotone als internen Projektnamen. Je länger wir damit arbeiteten, desto konkreter wurde die Idee, dass der Name sehr gut zu der neuen Marke passt. Dazu kommt, dass dieser Name von Boards & More schon weltweit registriert ist. Uns gefällt die Zweideutigkeit des Namens Duotone sehr: Wind und Wasser gibt zusammen eine bessere Einheit, genauso wie leicht und stabil. Das Zusammenspiel von zwei Faktoren ist in der Kreation von Produkten sehr oft vorhanden.

Du bist schon sehr lange bei Boards & More, auch schon vor deiner Geschäftsführer-Zeit. Was bedeutet die neue Markengründung für dich persönlich?

Es kam ganz schnell der Moment, wo mir klar wurde: Das ist eine Riesenchance. Wir bringen etwas Neues, das noch keiner so umgesetzt hat. Ich spüre wieder diese Aufbruchstimmung. Es ist eine Herausforderung – aber kreativ sehr spannend. Ich würde es so sagen: Wenn du eine große Welle wie Jaws abreiten willst, und keinen Respekt hättest, wäre das weder normal noch gut. Ein gewisser Respekt ist ein guter Wegweiser. Aber wir haben alles sehr genau durchdacht und freuen uns auf die Herausforderung.

Alex Hasch (links) ist als Marketing-Chef von Duotone ganz nah bei der Entwicklung der neuen Produkte dabei.

Nun müsst ihr die neue Marke bekannt machen. Wie geht ihr da vor?

Windsurfen ist eine sehr enge Community. Es hat sich ja jetzt schon herumgesprochen, dass es die neue Marke Duotone geben wird. Aber es ist auch klar, dass ein gewisser Marketing-Push von uns kommt. Denn wir wollen natürlich sicherstellen, dass der Markenlaunch funktioniert. Davon profitieren natürlich unsere Vertriebspartner. Und Boards & More hat wahrscheinlich im Wind-Wasser-Segment das beste internationale Vertriebssystem.

Hat die Neugründung deiner Meinung nach Auswirkungen auf die Gebrauchtpreise von North Sails-Produkten?

Das glaube ich nicht. Denn ein Super Hero ist immer ein Super Hero und ein Warp ist immer ein Warp. Der Kunde weiß ja, was er haben will. Er sucht nicht einfach irgendein Segel von einer Marke. Meine Erfahrung zeigt, dass das spezielle Modell, der Produktname, wichtiger ist als die Marke.

Wann kommen die neuen Duotone-Segel, Masten und Gabeln auf den Markt?

Duotone wird offiziell am 1. August starten. Zu diesem Zeitpunkt werden Super Hero, Super Session, Idol LTD und E_Type, sowie 80 Prozent der Hardware-Produkte (Masten, Gabeln, Verlängerungen) verfügbar sein. Warp, S_Type und der Rest der Hardware-Produkte folgen einen Monat später.

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