Kai Lenny

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 10 Jahren

Auf die Bonus-Meilen, die der knapp 18-jährige Hawaiianer Kai Lenny allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres zusammengeflogen hat, wären viele Top-Manager neidisch. Vor allem weil die Plätze, an die Kai unterwegs ist, schöner sind als jede Business-Metropole. Kai verkörpert die neue Generation hawaiianischer Watermen - offen, freundlich, neugierig und, egal mit welchem Brett unter den Füßen, immer radikal.

“Kann Kai während des Worldcups in Klitmøller bei euch im Haus wohnen?” fragte mich Naish-Deutschland-Statthalter Bossi Güven kürzlich am Telefon. “Ich möchte nicht so gerne, dass er bei irgendwelchen wilden Chaoten pennen muss – das ist nicht seine Welt.” Die Fürsorge ist zu verstehen, immerhin ist es Kais erster Besuch in Klitmøller und er ist noch keine 18 Jahre alt. Liest man dann aber den Flugplan des Hawaiianers, denkt man sich, der kommt wohl auch ganz gut alleine klar. Foto- und Filmproduktionen, Wettkämpfe, Sponsoren- und Promotiontermine und vieles mehr haben Kai allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehrfach um die Welt gebracht. Bei einem kurzen Zwischenstopp in Hamburg, von wo es nach Brasilien weiter ging, fand er ein paar Minuten, um uns einige Fragen zu seinem außergewöhlichen Leben zu beantworten.

Kai – ein Kind der Wellen

Wo bist du in diesem Jahr schon überall gewesen?

KAI: Ich war wirklich schon viel unterwegs dieses Jahr. Ich bin nach Australien an die West- und Ostküste gereist, dann war ich zweimal auf Fidschi, dreimal in Frankreich, auf Tahiti, auf dem Festland der USA, in Deutschland, England, Spanien, Portugal, auf den Kanarischen Inseln, in Holland und bin jetzt auf dem Weg nach Brasilien. Dann geht’s gleich weiter nach Dänemark, zurück nach Sylt, weiter auf die Kapverden und ich hoffe noch an einige andere interessante Orte.

Kai kann alles....

Viele bezeichnen dich als einen der jüngsten Watermen, weil du nicht nur auf oberstem Niveau windsurfst, du bist ein begnadeter Surfer, SUP-Fahrer, Kiter und so weiter. Wie würdest du einen Waterman definieren?

Jemand, der alles im Wasser machen kann, jemand, der auf einem Top-Level im Ozean ist, egal wobei. Ein Waterman muss mit jeder Faser seines Körpers den Ozean lieben. Ein wahrer Waterman ist jemand, der durch seine Action und nicht durch Worte überzeugt.

Wenn man alles kann, hat man die Qual der Wahl – welches Wasser-Spielzeug passt denn heute wohl? Kai macht sich keinen Stress.

Wer sind für dich die größten Watermen?

Ich fühle mich von Leuten wie Dave Kalama, Buzzy Kerbox, Laird Hamilton und Robby Naish inspiriert. Sie schauen aufs Wasser und tun das, was am besten zu den Bedingungen passt. Außerdem bewundere ich Duke Kahanamoku. Er war nicht nur einer der größten Watermen, sondern er verkörperte den Aloha Spirit.

Kai kennt die Welt...

Hast du Vorbilder?

Zu Robby Naish schaue ich immer auf. Er ist immer noch ein großartiger Athlet und es macht wahnsinng Spaß mit ihm zusammen auf dem Wasser zu sein. Außerdem bewundere ich Laird Hamilton für seine Art, große Wellen wie Jaws zu surfen. Auch wie die beiden ihr Business betreiben, beeindruckt mich. Robby hat immer noch fast die gleichen Sponsoren wie zu der Zeit, als er in meinem Alter war. Und er wird immer noch als Athlet gesponsert.

Die Reiseliste 2010 von Kai liest sich wie die eines Außenministers. Doch Kais Konferenzen an legendären Spots wie auf Tavarua (Fidschi) sind deutlich spannender als jeder G8-Gipfel.

Wie bist du zum Waterman geworden?

Ich hoffe, dass ich einmal die Ehre haben werde, diesen Titel zu tragen. Ich glaube, dass man erst ein wahrer Waterman ist, wenn man es selber von innen spürt. Du kannst dir nicht selber etwas vormachen. Du musst es fühlen, dass du es drauf hast, in den unterschiedlichsten Situationen alles richtig zu machen, mit dem nötigen Wissen und selbstbewusst sein. Ich denke, es ist ein langer Weg, ein echter Waterman zu werden. Da gibt es keine Abkürzungen, du musst alles Schritt für Schritt lernen.

Kai ist imer in Action

Wann hast du deinen ersten Schritt gemacht?

Mit vier Jahren fing ich an zu surfen, mit sechs zu windsurfen, als ich neun war kamen Kiten, Foilboarding, Stand-Up-Paddeln und Tow-in-Surfen dazu.

Du sollst als kleiner Junge einen Brief an Robby geschrieben haben und gebeten haben, dich zu unterstützen.

Ich habe seine Produkte immer geliebt und ich wollte immer unbedingt von Robbys Company gesponsert werden. Aber dann kam eines Tages jemand von einer anderen Marke zu meinem Dad und machte uns ein Angebot. Mein Vater zeigte ihm mein Zimmer, das tapeziert war mit Poster von Naish und Bildern, die ich gemalt hatte, alles mit Naish-Produkten. Später fragte mich mein Vater, ob ich das Material von dieser anderen Firma fahren wolle. Ich sagte ihm, ich wolle lieber Naish fahren und von ihm gesponsert werden. Da gab mein Vater mir den Rat, Robby zu schreiben und ihm zu erklären, warum ich unbedingt in das Naish-Team muss. Heute bin ich wirklich sehr stolz, ein Naish-Teamrider zu sein.

Kais Vater Martin (links) ist auch ein Manager. Mit seinem Talent, Aussehen und seiner charmanten Art ist Kai als Sympathieträger für viele Firmen interessant.

Und was ist mit der Schule?

Ich mache meine Schule online. Am Ende des Jahres schaffe ich die 12. Klasse, sogar etwas früher als geplant. Das war auch der Deal mit meinen Eltern, solange ich gut in der Schule bin, kann ich alles machen. Aber durch das viele Reisen bekomme ich noch eine viel wichtigere Ausbildung.

Ist es manchmal hart, so viel allein unterwegs zu sein?

Eigentlich genieße ich das viele Reisen, aber manchmal bin ich auch einsam. Dann bin ich froh, wenn ich meine Eltern irgendwo treffe, oder wenn Robby zum Beispiel mit auf Fidschi ist. Nach Sylt kommt Michi Schweiger mit.

Du bist ein Ausnahmetalent. Welche anderen jungen Fahrer beeindrucken dich?

Definitiv Philip Köster. Vor allem wie er springt, imponiert mir und treibt mich an. Philip ript!

Was denkst du, wie dein Leben in zehn Jahren aussieht?

In zehn Jahren möchte ich der Beste in dem was ich tue sein. Ich möchte meine gesteckten Ziele erreichen und alles, was ich mache genießen. Und vor allem hoffe ich, dass ich den Ozean noch genauso liebe wie jetzt.

Vielen Dank für deine Antworten, wir sehen uns in Klitmøller.

 

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