Robby Naish – Still crazy after all these years

  • Robby Naish
 • Publiziert vor 5 Jahren

Dass man auch mit Ü50 noch einige der größten und gefährlichsten Breaks der Welt surfen kann, beweist Robby Naish wieder mal eindrucksvoll.

Während andere Menschen in seinem Alter über den Vorruhestand nachdenken, greift Robby Naish lieber noch einmal an. Mit 52 Jahren shreddet er gigantische Wellen auf Fidschi, als wäre er ein junger Hüpfer. Als er die Welle von Cloudbreak vor fast 30 Jahren erstmals surfte, war er das auch.   

Robby Naish erzählt: Es ist fast 30 Jahre her, dass ich das erste Mal auf Fidschi war. Ich war damals mit Pete Cabrinha und dem Rest der Gaastra-Crew dort, um Teile des Films "Angle of Attack” zu drehen. Den Trailer gibt es heute noch auf YouTube zu sehen – es ist wie eine Zeitreise: Die Shorts waren kurz und eng, die Farben grell und bunt und der junge Sport Windsurfen eroberte die Welt im Sturm. Namotu war damals ein kleines Atoll, mit ein paar Büschen und ein oder zwei Palmen drauf. Danach habe ich Namotu noch viele Male besucht und heute ist es ein exklusives, privates Surf-Ressort.

Diesmal sollte wieder ein Film gedreht werden, aber eigentlich für eine Kitesurf-Doku. Doch als ich die Vorhersage sah, konnte ich nicht ohne Windsurfmaterial losfahren. Ich packte die Minimalausrüstung ein, ein 82-Liter-Board und zwei 5,0er-Segel. Trotzdem musste ich mit der ganzen Kiteausrüstung 630 Dollar Übergepäckrate zahlen. Ich konnte nur hoffen, dass die Bedingungen diesen Preis rechtfertigen. 

Naish weiß, wenn ihn diese Weißwasserwalze erwischt, ist die Session beendet und das Material bekommt eine Seebestattung. Doch mit seiner Erfahrung lässt er sich so schnell nicht den Schneid abkaufen.

Jeden Dollar gut investiert

Unter Wellenreitern sind die beiden Inseln Tavarua und Namotu, nicht weit von der Hauptinsel Fidschi entfernt, weltberühmt. Auf Tavarua gibt es ein großes Surfcamp, auf Namotu finden gerade mal 30 Surfer Platz im Resort des australischen Ex-Windsurf-Pros Scotty O’Connor und seiner Frau.

Nach einer Kitesession zum Eingewöhnen startete der zweite Morgen bereits mit ungewöhnlich viel Wind, und der Swell pumpte schon richtig große Wellen aufs Riff, das man nur mit dem Boot erreichen kann. Ein Windsurfsegel auf einem Boot aufzuriggen ist schon kompliziert, seinen Kite fertig zu machen ist noch ungleich schwieriger. Und wenn du einmal auf dem Wasser bist, war’s das dann – Pause machen auf einem Boot, das ständig in Bewegung sein muss, ist nicht. Ich konnte mit meinem 5,0er-Segel direkt vom Boot losbraten, was sehr ungewöhnlich ist für Fidschi. Cloudbreak brach bereits etwas masthoch. Ist es kleiner, kann man es zum Windsurfen und Kiten vergessen, denn dann sind zu viele Wellenreiter draußen. Ich war der einzige Windsurfer zusammen mit acht Kitern, was den Spot schon ziemlich voll macht. 

Rushhour in Cloudbreak. Doch Altmeister Naish lässt sich von Kitern und Wellenreitern nicht von einer guten Windsurfsession abhalten. Eigentlich wollte er auch mit dem Kite unterwegs sein, doch als er die Wind- und Swell-Vorhersage sah, war ihm klar: Das sind epische Windsurfbedingungen – also nahm er ein Brett und zwei Segel mit nach Fidschi. Es hat sich gelohnt. 

Ich fühlte mich von der ersten Welle an wohl, auch wenn ich die ganze Saison nicht bei Wind von links gefahren war. Wenn ich die zweite oder dritte Welle eines Sets nahm, war das Face so glatt, dass ich Bottom Turns ziehen konnte, die sich anfühlten als hätte man ein paar "G" Kurvenbeschleunigung. Es fühlte sich fast zu einfach an, denn es war mir klar, wenn ich auf der Inside von den Brechern erwischt werde, dann war’s das mit der Session.

Ich surfte einige Stunden lang, eigentlich zu lange, denn die anderen wollten ja eigentlich einen Kitefilm mit mir drehen. Aber das musste auf die nächsten Tage verschoben werden. Diese wenigen Stunden, nur mit ein paar Freunden bei perfekten Bedingungen in einer der besten Wellen der Welt surfen zu können, war einer der besten Windsurf-Momente in meinem ganzen Leben. So etwas mit 52 Jahren und rund 41 Jahren auf dem Surfbrett sagen, zu können, spricht, glaube ich, für sich.

Die Wellen waren so clean und glatt, dass Naish teilweise dachte, die hätte man auch ohne Finnen abreiten können. Dabei hatte Robby diese Art von Wellen lange nicht mehr unterm Brett. Doch sein Fazit ist einfach: Windsurfen ist wie Radfahren, das verlernt man nicht.

Auch echte Seeleute werden seekrank. Lange hält es Robby auf dem schwankenden Boot nicht aus, sagt er. Also lieber schnell rein in die masthohen Wellen. 

Lieber on board als an Bord - das Geschaukel auf dem Schiff ist nicht Robbys Domäne.

Themen: FidschiRobby Naish


Lesen Sie die SURF. Einfach digital in der SURF-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
  • Robby Naish und Jason Polakow verkaufen Segel für den guten Zweck

    28.04.2016

  • Robby Naish – Still crazy after all these years

    01.05.2016

  • Tag 9 beim GP Joule Windsurf Worldcup Sylt

    06.10.2013

  • Robby Naish Interview in GAPZ

    29.04.2011

  • Auf den Spuren der Legenden – Robby Naish im Interview

    23.11.2019

  • Acht Wave-Champions im Interview

    19.09.2009

  • Interview Robby Naish und Björn Dunkerbeck

    23.09.2008

  • World Cup auf Maui: Robby Naish Comeback

    08.10.2013

  • Robby Naish als Sammler

    21.05.2008