Spot Guide MarokkoDakhla - Abenteuer light

SURF Redaktion

 · 17.12.2022

Die Lagune von Dakhla ist ein Freeride-Paradies – und nicht überall muss man sich das Wasser mit einer Übermacht an Kites teilen.
Foto: Julian Schlosser
Die Lagune von Dakhla ist ein Freeride-Paradies – und nicht überall muss man sich das Wasser mit einer Übermacht an Kites teilen.

Als surf-Redakteur Steve Chismar 2004 den ersten Bericht über die Lagune von Dakhla schrieb, hätte die Headline noch „Abenteuer pur“ lauten können. Man schlief dort im einzigen Surfcamp in zugigen Zelten und fühlte sich in „The middle of nowhere“. Seither hat sich viel an der Küste der Westsahara geändert: Kitesurfer und Stationen bestimmen das Bild und in den zahlreichen Unterkünften flattern keine Zeltplanen im ständigen Wind. Aber auch die Windsurfer feiern ein Comeback. Julian Schlosser zeigt euch die besten Windsurf-Spots in Dakhla!

Diese Spots stellen wir vor:

Am Anfang dieser Reise stand ein Anruf von Franck von der Firma Ultramarina. Er plane eine Reise nach Dakhla, weil sich an der Küste der Westsahara das Thema Windsurfen wieder gut entwickeln würde. Dakhla, ich kenne Dakhla gut, weil ich schon zweimal dort war, darunter einmal im Jahr 2006 mit einer Gruppe von Pros, die einen PWA-Event vor Neid erblassen lassen würden: Kauli Seadi, Victor Fernandez, Boujmaa Guilloul, Marcilio Browne, Ricardo Campello, Fabrice Beau, Baptiste Gossein. Alle unsere Erwartungen wurden damals übertroffen.

Andererseits hat mich mein letzter Aufenthalt 2014 nicht mehr wirklich beeindruckt. Ich kam sogar ein wenig enttäuscht zurück, denn die Kitesurfer hatten das Regiment übernommen. Aber Franck fand die richtigen Argumente, um mich zu überzeugen. Ich solle mit zwei Fahrern Ende Januar aufbrechen, um euch zu zeigen, wie das echte Dakhla aussieht, das des Windsurfens – back to the roots.

Paris-Dakhla direkt

So fand ich mich an einem Dienstagmorgen Ende Januar um sieben Uhr morgens am Flughafen Paris-Orly wieder. Der Direktflug mit Transavia Paris-Dakhla ermöglicht es einem, Paris um 7:30 Uhr zu verlassen, um 12:30 Uhr in Dakhla anzukommen, um 14 Uhr im Club oder Hotel einzuchecken und, wenn man motiviert war, um spätestens 16 Uhr die Surfsession zu starten. Da Marokko das ganze Jahr über in der Sommerzeitzone bleibt, kann man auch im Winter noch bis nach 19:00 Uhr auf dem Wasser sein.

Viele Flüge kommen nachts in Dakhla an. Wir befinden uns diesmal mittags im Anflug und beim Blick aus dem Fenster traue ich meinen Augen nicht. Was zum Teufel ist das? Beton, Beton, nur Beton mit ein paar farbigen Stacheln hier und da... Was ist mit Dakhla geschehen, das ich 2005 kannte? Was ist in den letzten 15 Jahren passiert? Die Zahl der Häuser scheint explodiert zu sein. Was ich sehe ist eine Stadt und kein Dorf mehr. Ich wusste, dass das marokkanische Königshaus sehr motiviert ist, den Tourismus in diesem Teil der Wüste stärker zu entwickeln, aber trotzdem bin ich ein wenig überrascht. Häuser und Hotels scheinen wie Pilze aus dem Boden zu schießen.

Im Jahr 2015 war mein Aufenthalt kurz und mein Trip auf Flughafen-Club-Flughafen beschränkt. Ich war gekommen, um Fotos zu machen, und da ich kein Auto hatte, um mich zu bewegen, konnte ich nicht allzu viel von der Veränderung sehen. Jetzt habe ich Halluzinationen. Ich erinnere mich noch an das Dakhla von Rachid Roussafi, der den Ort Ende der 90er-Jahre entdeckte. Schnell hatte er dort ein Zeltlager errichtet, um die ersten Freaks zu begrüßen. Als ich das erste Mal kam, haben wir bei ihm übernachtet. Wir schliefen in kleinen Zelten, die unter großen Zelten aufgebaut waren. Es gab ein Zelt zum Schlafen, ein Zelt zum Relaxen und eins zum Essen. Heißes Wasser und Strom waren damals nur ein Traum.

Heute dienen dieselben Zelte nur noch als Platz zum Kühlen und zum Schutz vor der Sonne. Viele sind durch Dutzende von Bungalows ersetzt worden. Entlang der gesamten Lagune findet man Unterkünfte. Wir schlagen unser Basislager bei Dakhla Attitude auf, sicherlich einer der besten Orte zum Übernachten, aber auch und vor allem zum Windsurfen in der Lagune. Hier ist man schnell auf dem Wasser und der Zugang zum Speed Spot ist am einfachsten – aber davon später mehr.

Zwei Österreicher wollen die Windsurfer zurück nach Dakhla holen

Seitdem in wohl allen Kitemagazinen der Welt von Dakhla geschwärmt wurde, muss man aber auch der Wahrheit ins Auge sehen: Der Spot ist zu einem der Hot Spots für Kiter geworden. Aber es gibt auch noch Menschen, die sich an die Wurzeln von Dakhla erinnern. Zu ihnen gehört Hannes Unterweger. Hannes, der bereits seit 15 Jahren das Freak Windsurfing Center in Palekastro auf Kreta besitzt, entdeckte Dakhla 2017 dank der beiden französischen Freestyler Julien Mas und Sam Esteve. Die beiden Freunde, beide Stammgäste in Dakhla und Palekastro, konnten den Österreicher motivieren, nach Dakhla zu kommen, um die verborgenen Schätze für Windsurfer wieder aus der Versenkung zu holen.

Und es war Liebe auf den ersten Blick. Er sah das Revier, erahnte sofort das Potenzial und beschloss, ein Windsurfcenter zu eröffnen. Um den Laden reibungslos ins Laufen zu kriegen, holte er mit seinem ehemaligen Palekastro-Stationschef Lukas einen weiteren zähen Österreicher ins Boot. Gemeinsam haben sie den Ort wieder in Schwung gebracht und Windsurfen ist mitten in den marokkanischen Sanddünen wieder in Mode.

Freeride, Freestyle und Wavespots auf engstem Raum

Völlig zu Recht, denn Dakhla bietet nicht nur hervorragende Freeride-Bedingungen mit Flachwasser in der Lagune, sondern auch zum Freestylen ist es super und natürlich auch zum Wavesurfen. Wegen der Wellen kam ich vor 15 Jahren mit diesem Haufen Wave­rider aus den Top-Ten des PWA Worldcups hierher. Nach unserem Besuch träumten sie sogar davon, dass die PWA dort einen Contest organisieren würde – aber das ist eine andere Geschichte. Windsurfen fasste trotzdem in Dakhla nicht richtig Fuß, während gleichzeitig das Kiten durchstartete. Schade, denn es ist eine Destination, die nah an Europa liegt und so viele Möglichkeiten bietet.

Anfang Januar bat ich deshalb Boujmaa Guilloul und Cédric Bordes, zwei respektierte Profis – der eine in der Welle und der andere im Slalom- und Foil-Racing – mich bei diesem neuen marokkanischen Abenteuer zu begleiten. Beide nahmen die Einladung sofort an. Sie kannten den Ort bereits, vor allem der Marokkaner Boujmaa, der im Winter regelmäßig dorthin kommt, um zu trainieren. Mit Hannes und seinem Partner Lukas durchkämmten wir eine Woche lang die gesamte Region und surften Spot für Spot ab. Niemand von uns wurde enttäuscht, alle kamen voll auf ihre Kosten, sei es beim Wavesurfen, auf dem Speedstrip oder beim Foilen in der Lagune.

Obwohl Dakhla auch eine Militärstadt ist, in der in den letzten fünfzehn Jahren einige ziemlich hässliche Bausünden entstanden, sollte man nicht ohne einen Besuch auf dem alten Markt mit einer gemütlichen Tasse Minztee auf einer der zahllosen Terrasse zu trinken und dem Duft exotischer Gewürze in der Nase, wieder abreisen.

Boujmaa und Cédric waren auf unserer Reise an den Rand der Sahara jeden Tag auf dem Wasser – beim Windsurfen im Flachwasser und in der Welle, mit dem Foil oder auf dem SUP-Board – und kehren begeistert zurück. Ich für meinen Teil nahm volle Speicherkarten und meinen Kopf voller Fotos und Erinnerungen zurück nach Frankreich. Und die beschränkten sich nicht nur aufs Windsurfen, denn wenn man ein bisschen Abenteuergeist mitbringt, kann man für ein paar Dirham ganz einfach in der Wüste jungfräuliche Sanddünen entdecken, hypnotische Sonnenaufgänge erleben oder mitten im Nichts die Stille und Abgeschiedenheit von der hektischen Welt genießen.


Spot-Infos Dakhla

Lage

Das Gebiet der Westsahara wird zum großen Teil von Marokko beansprucht und verwaltet. Die Stadt Dakhla liegt auf einer etwa 40 Kilometer langen und vier Kilometer breiten Landzunge. Diese bildet eine tief ins Land eingeschnittene, geschützte Bucht. Die Windsurfreviere liegen ganz im Norden der Bucht und auf der gegenüber der Stadt gelegenen Festlandsseite. Wer einen Blick auf Google Earth wirft, wird vergeblich den Farbregler suchen. Das Gebiet ist nahezu vegetationslos – die Sahara geht hier praktisch direkt ins Meer über. Der absolut vorherrschende Wind ist der Nordost-Passat, der an rund 300 Tagen im Jahr mit mehr als vier Beaufort weht. Die Monate mit den stärksten Winden sind von Mai bis Oktober. Durch die lokalen Verstärkungen kann es vor allem im Sommer mit bis zu sieben Beaufort blasen

Anreise

Während der französische Kollege Julian Schlosser von Paris eine Direktverbindung nach Dakhla genießen kann, muss man von Deutschland aus einen Zwischenstopp in Casa­blanca einplanen. Vom Flughafen Dakhla beträgt die Transferzeit zu den Hotels und Stationen in Dakhla-Nord zwischen einer halben und dreiviertel Stunde. Zur Heliophora Lodge auf der anderen Seite der Lagune fährt man etwa eine Stunde.

Wohnen

Mittlerweile gibt es rund um die Bucht relativ viele Unterkünfte, viele kombiniert mit Kitestationen. Für Windsurfer empfehlen sich die Hotels oder Bungalowanlagen mit angeschlossenen Windsurfstationen. Da ist die Auswahl nicht so üppig. Das PK25 liegt auf der Westseite der Lagune direkt am Wasser. An der komfortablen Bungalowanlage gibt es einen Ableger der Freak Surfstation. Die Ocean Vagabond Bungalowanlage liegt ganz im Nordosten der Lagune. Hier kannst du auf das Material des ION Club zurückgreifen. An der Spitze der in die Lagune hereinragenden Landzunge befindet sich das Camp Dakhla Attitude. Es unterteilt sich in das einfachere Windhunter Camp und das Dragon Camp. Hier steht direkt die neue Freak Surfstation.

Etwa 500 Meter von der Station liegt der sehr komfortable Dakhla Club. Ganz im Süden auf der Festlandseite der Bucht liegt noch die Heliophora Ecolodge von Dakhla Pionier Rachid Roussafi mit eigener Wind- und Surfstation. In praktisch allen Unterkünften wird Vollpension angeboten, da es wenig Möglichkeiten zum Shoppen oder Restaurants gibt. Die Unterkünfte sind durchaus komfortable, allerdings nicht am Maßstab von europäischen All-Inklusive-Ressorts zu messen. Ein bisschen Abenteuer und Wildnis-Feeling bleibt. Alle Infos und Buchungen findet ihr bei den Spezialreisever­anstaltern: Sun and Fun, www.sunandfun.com; Surf & Action, www.surfaction.com; ION Club, www.ion-club.net

Wind, Wetter & Neoprenempfehlungen

Der absolut vorherrschende Wind ist der Nordost-Passat, der an rund 300 Tagen im Jahr mit mehr als vier Beaufort weht. Die Monate mit den stärksten Winden sind von Mai bis Oktober. Durch die lokalen Verstärkungen kann es vor allem im Sommer mit bis zu sieben Beaufort blasen. Durch die Dauerbelüftung wird es auch im Sommer nicht zu heiß. Im Sommer erreichen die Lufttemperaturen im Schnitt knapp 25 Grad, im Winter etwas darunter. Die Wassertemperaturen liegen zwischen knapp 20 und 24 Grad. Je nach Jahreszeit empfiehlt sich ein Langbein-Kurzarm-Neo oder Shorty.

Surfstationen

Wie im Absatz zu den Unterkünften erwähnt gibt es drei Surfstationen. Relativ klein ist die Freak Station am PK25 mit Material von JP-Australia und NeilPryde. Wesentlich größer ist die Auswahl bei Fanatic/Duotone-Produkten im ION Club. Hier kann der Weg zum Wasser bei Ebbe etwas weiter sein, dafür gibt es aber einen großen stehtiefen Bereich. Beim Tragen hilft aber auch das Stationspersonal. An der Freak Surfstation ist das nicht nötig, hier gibt es eigentlich immer genug Wasser direkt vor der Station. Von hier aus kannst du mit dem Material von JP-Australia/NeilPryde auch ums Eck zum Speed Spot, von wo dich bei Bedarf – wenn du keine Lust hast Höhe zu laufen – der Shuttle Service wieder abholt.


Die besten Windsurf-Spots in Dakhla

Foto: surf

1) Die Lagune

Die Lagune hat den legendären Ruf von Dakhla begründet. Die meisten Camps, Unterkünfte und Stationen befinden sich rund um die Lagune. Die Bedingungen schwanken zwischen Flachwasser und Bump & Jump. Sowohl vor dem ION Club als auch der Freak Station am Attitude gibt es große stehtiefe Bereiche. Das ist ideal für Ein- und Aufsteiger. Bei Ebbe muss man sein Material maximal 300 Meter zum Wasser tragen. Von der Freak Station aus kann man direkt komplett über die gesamte Lagune heizen.

Foto: surf

2) Speed Spot

Der Speed Spot hat für Kiter und Windsurfer magische Anziehungskraft. Sobald der Spot zugänglich ist, setzt sich eine Armada von Drachen und Segeln zu diesem Spot in Bewegung. Bei Ebbe taucht eine Sandbank aus dem Wasser auf, hinter ihr bläst der Wind komplett ablandig und man kann Hunderte Meter auf absolut glattem Wasser heizen. Ausgestattet mit kleinen Freestyle-Finnen kannst du sogar beim Surfen versuchen, mit der Hand den Sand zu berühren. Ich habe für dich getestet. Aber Vorsicht: Bei Grundberührung droht ein kapitaler Schleudersturz. Am Speed Spot kann es für marokkanische Verhältnisse recht voll werden. Am besten surft man dann weiter auf Backbord-Bug in Richtung der großen Dünen – da sind die Bedingungen ähnlich gut und man entkommt dem Getümmel.

Von der Freak Station kann man direkt zum Spot surfen und auch zurückkreuzen – oder man lässt sich vom Shuttle kostenpflichtig abholen.

Foto: surf

3) The White Dune

Einige Kitestationen organisieren Downwinder zu dem Spot vor der imposanten weißen Düne an der Ostseite der Bucht. Wer den Spot mit dem Auto erreichen will, braucht Allradantrieb. Gute Windsurfer können von hier auch wieder zurück zur Freak Station kreuzen. Unsere beiden Protagonisten haben es gemacht und etwa eine halbe Stunde für den Weg zurück gebraucht.

Foto: surfs

4) West Point - Oum Lbouer

Etwas nördlich von Dakhla Stadt liegt auf der Atlantik-Seite der Wavespot, an dem 2006 die legendäre Windsurf Challenge stattfand. Seither wurde ein Hotel gebaut, das den Wind etwas blockt. Die traumhafte Welle ist geblieben. Sie läuft als Pointbreak lange und lässt bei schräg ablandigem Wind von rechts viele Turns zu. Der Spot ist nichts für Waveeinsteiger, das Zusammenleben mit den Kitern funktioniert sehr gut.

Foto: surf

5) Lassarga

Lange war der Bereich ganz im Süden von Dakhla Stadt, am Ende der Landzunge, nicht zugänglich. Seit einiger Zeit ist das ehemalige Militärgebiet aber geöffnet. Lassarga ist auch ein hervorragender Wavespot mit sehr ablandigem Wind. Hier sollte man wissen, was man tut. Auch in Lassarga teilt man sich den Spot mit den Kitern. Der Vagabond Ocean Club hat hier ein Kitecamp vor den Toren des Fischerdorfes eröffnet.

Foto: surf

6) El Argoub

Auf der Festlandsseite der Bucht, fast genau gegenüber der Stadt Dakhla, liegt die Heliphora Ecolodge. Das stehtiefe Flachwasser­revier direkt davor bietet vor allem bei Ebbe nicht nur perfekte Freeride-Bedingungen, sondern auch einen großen stehtiefen Bereich für Ein- und Aufsteiger. Da die Ecolodge das einzige Hotel weit und breit ist, wird es nie zu voll auf dem Wasser. Der Wind weht sideshore von rechts, im Winter mehr ablandig, da er dann oft auf mehr östliche Richtungen dreht.

Foto: surf

Text: Julian Schlosser

Dieser Spotguide erschien erstmals in surf 3/2020


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