West-AustralienNo worries, mate

Tilo Eber

 · 21.01.2016

West-Australien: No worries, mateFoto: Julian Robinet

Giftige Tiere, einsame Wüsten und endlose Distanzen – ohne die schon sprichwörtliche Entspanntheit der „Aussies” kommt man in Australien nicht weit. Wer diese erstmal verinnerlicht hat, hat den Blick frei für die Sonnenseiten von „Down Under”: Leere Weltklassespots, zauberhafte Landschaften und natürlich entspannte Locals.

Temperaturen weit oberhalb des Wohlfühlbereichs, eine Straße, die den Namen nicht verdient, kein Schatten, keine Menschen, überall nur heißer Sand. Im Schritttempo lenken wir unseren maroden Bulli um Schlaglöcher, von denen jedes einzelne den potenziellen Endgegner des rechten Vorderrads bedeutet. Eins der Radlager ist unüberhörbar gebrochen. Mit jeder Umdrehung sondert es ein Geräusch ab, das inmitten der western-artigen Einöde eine beunruhige Ähnlichkeit mit der quälenden Mundharmonika aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ hat. Dabei kommen wir uns ohnehin schon vor wie in einer billigen Mischung aus Western, Road-Movie und Horror-Film.

Verlagssonderveröffentlichung
Stell dir vor, es ist „Paradies“ und keiner geht hin. Selbst erfahrene Australien- Reisende können hier noch viel Neues entdecken – wie etwa den Spot „Freddys“ an der Südküste.
Foto: Julian Robinet

Die Drehbuch-Kurzfassung: „Naive Europäer auf Surftrip in Australien kaufen schrottreifen Hippie-Bus, erleiden im Outback eine Panne und werden im Beutel eines Killer-Kängurus zu Organhändlern verschleppt“. Zugegeben, man neigt zu Übertreibungen, wenn man allzu lange der australischen Sonne ausgesetzt ist. Dennoch hatte ich mir den Start in unseren Road-Trip anders vorgestellt, als irgendwo zwischen Gnaraloo und den Ausläufern der Zivilisation vom eigenen Vorderrad überholt zu werden. Zu langsamer Fahrt verdammt, graben wir uns in jeder besseren Sandwehe ein, müssen immer wieder schaufeln und schieben. Zwölf Stunden und einige Känguru-Fantasien später erreichen wir endlich die rettende Werkstatt. Der tätowierte Mechaniker sieht aus wie ein Organhändler, wechselt uns aber für 200 Dollar das Radlager und ist auch sonst ganz nett. Unsere Schilderung vom Höllenritt durch die Wüste kommentierte er mit einem grinsenden „daily business guys, welcome to Australia!“

Diese beiläufige Lektion in Sachen normaler australischer Härte bringt es auf den Punkt: Denn ob brüllende Hitze, gähnende Leere oder Fliegen in Nase und Ohren – so manche Unannehmlichkeit auf dem fünften Kontinent lässt sich einfach nicht ändern. Am Besten also, man nimmt es wie ein Australier und stellt sich auf das „daily business“ ein – mit guter Vorbereitung und der typischen „no-worries-Mentalität“ für alles, was man nicht vorbereiten kann. So lässt sich eine Fahrt ins Outback etwa mit einem Gesichtsnetz gegen Fliegen für fünf Dollar und der Mitgliedschaft in einem Automobilclub für 80 Dollar bereits gehörig entschärfen. Die – wie in unserem Fall – ungünstige Kombination aus Panne plus Funkloch fällt in den Bereich Restrisiko.

Ein stilechter Ozzie würde sich aber auch in diesem Fall nicht stressen lassen, sondern eher die Markise ausfahren, ein kaltes Bier aus dem Camping-Kühlschrank holen und abwarten, bis irgendwann ein anderes Fahrzeug vorbeikommt. Wenn er nicht ohnehin das passende Ersatzteil, ein Funkgerät oder ein Quad-Bike dabei hätte. Denn mitunter scheint es, als kämen Australier schon als Grill-, Camping-, Angel- und Autoexperten zur Welt. In jeder besseren Einkaufsmeile gibt es mindestens einen Outdoor-Shop, in dem sich von Stirnlampen bis zum Neoprenanzug in Haiangriffs-resistentem Camouflage wirklich alles findet, was man für einen Camping-Trip braucht. Vertraut man den Statistiken, können sich Windsurfer den shark-smarten Neo getrost sparen!).

An langen Wochenenden schiebt sich eine Blechkarawane zu den Campingplätzen und Stränden. Geländegängige Jeeps oder Pick-ups mit Känguru-, pardon, Kuhfänger gehören dabei nicht nur zum guten Ton, sondern sind angesichts der Abgelegenheit und Erreichbarkeit mancher Ziele schlicht und einfach notwendig. Ein Strandtag wird für den Australier daher nicht selten zum Aktivurlaub: Den Anfang macht eine Offroad-Piste, anschließend wird gesurft – natürlich, denn Wellenreiten fällt ganz klar unter „daily business“.

Wann auch immer wir zum Sonnenaufgang an einen Wellenreitspot kamen, um die morgentliche Offshore-Brise zu nutzen, oder um als Wildcamper den Jagdzeiten des lokalen Rangers zu entgehen, war der Line-up bereits voller Surfer. Mit einem Blick auf den Altersdurchschnitt frage ich mich jedes Mal, ob in diesem Land jemals bei einem Kind ADHS diagnostiziert wurde? Zumindest scheint auszuschließen, dass einer der surfenden Zwerge, der gerade im Morgengrauen seine tägliche Dosis Salzwasser inhaliert, zwei Stunden später unausgelastet auf der Schulbank hin- und herrutscht.

Das Windsurfen ist in Australien dagegen weit vom Volkssport-Status entfernt. Zu den üblichen Gründen kommen zudem noch Anzahl und Lage der Spots: Perth und die direkte Umgebung bietet neben guten Flachwasserspots oft nur Nordsee-ähnliche Bedingungen. Die Qualität der Wavespots folgt beinahe dem Grundsatz „je dünner die Besiedelung, desto besser die Wellen“.

Paradebeispiel Gnaraloo: Bei dickem Swell punktet der Spot am Südende des Ningaloo-Riffs mit einer der längsten und saubersten Wellen des Planeten. Länger ist nur der Ritt zurück in die Zivilisation: 160 Kilometer sind es bis zur nächsten Siedlung, knapp die Hälfte davon führt über eine sandverwehte Straße des Grauens, in Australien „gravel road“ genannt. Der Campingplatz von Gnaraloo hat etwas von einem lebendigen Museum: Neben den üblichen Surftouristen gehören pensionierte Dauercamper und Aussteiger ebenso zum Bestand wie deren zur festen Bleibe umfunktionierte Wohnwagen oder Steinhäuser. Ja, der Spirit von Gnaraloo kann einen durchaus fesseln und zweifelsohne legt sich gerade dadurch eine gewisse Ruhe über den Ort. Auch die beschwerliche Anreise tut ihr Übriges. Einmal angekommen bleibt man zumindest ein paar Tage, ein hektischer Spotwechsel, weil sich die Vorhersage ändert, ist kein Thema. Auch wir wären gerne länger geblieben, hätte sich unser Reisemobil nicht pünktlich zur Ankunft als altersschwacher Haufen Schrott geoutet.

Mit neuem Radlager ging es schließlich weiter Richtung Süden. Erst 1300 Kilometer nach Margaret River, bald weitere 700 nach Esperance. Die Entfernungen in Australien sind gewaltig, die vergleichsweise wenigen Windsurfstrände – vorsichtig ausgedrückt – gut verteilt. Doch die Fahrt lohnt sich. Die Küstenline um Esperance ist von so atemberaubender Schönheit, dass der perfekte Beachbreak fast zur Nebensache wird. Margaret River, Homespot von Wave-Ikone Scotty McKercher, liegt inmitten einer saftig grünen Weinregion. Die vielen Cafes und Pubs im bekannten Surferort sind schon fast ein Kulturschock zu Gnaraloo. Die einzige Gemeinsamkeit: Auch aus Margaret River möchte man am liebsten nicht mehr weg. Durch die exponierte Lage der Bucht und eine flache Riffplatte kann man die Tage im Jahr, an denen die Sets unter drei Meter brechen, an einer Hand abzählen. Der Wind weht zwar nie sonderlich stark, dreht allerdings pünktlich zum Feierabend der Locals auf Sideoffshore, eine tägliche Abendsession ist daher fast immer drin. Ein „daily business“, an das man sich gewöhnen könnte.

Bevor wir allzu sesshaft werden, wechseln wir gegen Ende des Urlaubs den Untersatz. Der 25 Jahre alte Jeep ist, verglichen zu unserem Ford Econovan mit langem Radstand, ein herber Verlust an Wohnqualität. Statt einfach ins hintere Wagendrittel auf die Ikea Sultan Matratze zu wandern, heißt es nun, jede Nacht ein Zelt aufzubauen oder mit der Isomatte aufs Autodach zu klettern. Auch das ist „daily business“ in Australia!

Allgemeine Infos:

Anreise:

Flüge nach Perth werden von zahlreichen deutschen Flughäfen angeboten (je nach Reisezeit ab etwa 1100 Euro), ein Zwischenstopp in Abu Dhabi, Bangkok oder Dubai ist meist Standard. Touristen brauchen ein Visum für die Einreise, welches man bei Buchung im Reisebüro direkt oder bei Individualreise online unter www.border.gov.au buchen kann. Surfgepäck kostet aktuell etwa 90 Euro pro Strecke (z.B. mit Emirates).

surf-Tipp: Surfbags unbedingt vor Reisebeginn schon für den Rückflug bestätigen lassen und bezahlen, sonst löhnt man unter Umständen den australischen Wuchertarif!

Klima:

Die für Windsurfer interessante Reisezeit geht von Oktober bis April. Australien reicht von den Breitengraden der Tropen bis zu den gemäßigten Klimaten, Temperaturen und Niederschläge sind dementsprechend unterschiedlich. Generell wird es an der Westküste nach Norden hin heißer und trockener. Die Temperaturen knacken zwischen Dezember und März in der Region um Gnaraloo regelmäßig die 30-Grad-Marke, während das Thermometer in Margaret River und Esperance meist bei angenehmen 25 Grad stehen bleibt. Entlang der gesamten Westküste setzt gegen späten Vormittag ein leicht auflandiger Wind ein. Diese sogenannte „Seabreeze“ sorgt dafür, dass es sich zur Sommerzeit auch in den nördlichen Gefilden aushalten lässt – zumindest in Küstennähe. Landeinwärts können die Temperaturen schnell auf 40 Grad und mehr steigen. Ähnlich heiß wird es an der Küste nur bei absoluter Flaute oder östlichen Winden. Im Hochsommer macht es daher Sinn, den Ausflug nach Gnaraloo oder Coronation nur an eine geeignete Windvorhersage zu knüpfen, um nicht tagelang in der Einöde vor sich hin zu braten. Eine Sonnenschutzplane ist an vielen Spots unersetzlich, auf natürlichen Schatten braucht man nicht zu setzen. Was die andere Seite der Temperaturskala angeht, sollte man nicht unterschätzen, dass es im australischen Frühling auch mal frisch werden kann. Noch Mitte Dezember sind nachts vereinzelt einstellige Temperaturen möglich. Wer sich zu dieser Zeit nicht ausschließlich im Norden aufhält, sollte daher neben einem dicken Schlafsack auch einen langen 4/3er-Neo mitbringen. Ab Mitte Januar tut es dann auch im Süden ein Shorty oder Kurzarm-Anzug, in Coronation und Gnaraloo reicht dann sogar das Lycra-Shirt.

Wind und Wellen:

Von Ende November bis Ende Februar erreicht der Wind fast täglich Gleitstärke. Wer außerdem bereit ist, je nach Vorhersage, die Spots zu wechseln, kann das Wort „fast“ aus dem vorhergehenden Satz streichen. Im Frühjahr und Herbst geht die Windwahrscheinlichkeit deutlich zurück. Das bedeutet, man klemmt sich entweder öfter hinters Steuer oder greift an Flautentagen einfach zum Wellenreiter, denn zu dieser Zeit ist in der Regel auch die Chance auf einen dicken Swell am größten. Fast alle Spots funktionieren mit „Seabreeze“, die aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen Wasser und heißem Hinterland entsteht, und meist um die Mittagszeit aus Süd bis Südwest einsetzt. Je weiter nach Norden man sich orientiert, desto stärker und früher setzt diese Thermik ein. In der Gegend um Gnaraloo beginnt die windige Jahreszeit oft schon im September, der Wind weht hier oft mit 25-30 Knoten. Weiter südlich, etwa in Margaret River, funktioniert das Windsystem erst im Oktober/November zunehmend stabil, der Wind bläst hier meist spürbar moderater mit 15-20 Knoten. Eine zuverlässige Windvorhersage für alle Hauptspots gibt’s auf www.seabreeze.com.au. Im Seitenverlauf folgt man „weather“, „Western Australia“ und findet dann Vorhersagen für die einzelnen Regionen. Sofern die Windrichtung zum jeweiligen Spot passt, kann man grob davon ausgehen, dass es bei gelben Pfeilen in der Windvorhersage bereits für große bis mittlere Segelgrößen reicht. Rote Pfeile verheißen außer Hitze meist nichts Gutes, Grün dagegen bedeutet Druck. Ein 75-Kilo-Surfer greift zur Hauptwindzeit in Australien in der Regel zu einem 4,2er- bis 4,5er-Segel. In Margaret River darf es auch gerne das 4,7er bis 5,3er sein. Präzise Swellvorhersagen bietet www.magicseaweed.com

Wohnen & Campen:

Wer gerne Pauschalurlaub macht, muss gar nicht weiterlesen, als Surfer braucht man einen gut ausgestatteten Camper. 4x4-Antrieb hilft, um an alle Spots zu kommen, ist aber nicht zwingend nötig. Wer unter dem Suchbegriff „Camper Perth“ googelt, wird schnell fündig, je nach Größe und Mietdauer muss man 80 bis 120 Dollar pro Tag einplanen. Einen Camper zu kaufen ist für längere Aufenthalte eine sinnvolle Option. Gebrauchte Camper und jede Menge nützliches Zubehör gibt’s auf www.gumtree.com.au, dort bekommt man auch allerlei Nützliches für den Trip. Wildcampen ist manchmal geduldet, teilweise aber bei Strafe verboten, Hinweisschilder sollte man ernst nehmen. Campingplätze gibt es zahlreiche, allerdings muss man sich an europäischem Standard nicht orientieren. „Campingplatz“ bedeutet nicht immer, dass Süßwasser, Duschen oder ein Supermarkt zur Verfügung stehen, man sollte also seine Vorräte vorausschauend planen – auch aufgrund großer Distanzen und üppiger Funklöcher in der Einöde.

Surfshops:

Ersatzmast sowie Reparaturmaterial für Boards gehören in jedes gut sortierte Bag. Nachschub bekommt man in:

Perth:

Geraldton:

Lancelin: Lancelin Surf

  • 127 Gingin Rd; Tel.: (08)-9655-1441

Margaret River:

Esperance:

Gut zu wissen:

Sonneneinstrahlung und UV-Belastung suchen weltweit ihresgleichen, Sonnenschutz und Wasservorräte sind auf allen Reisen absolut notwendig. An den nach Westen exponierten Spots empfiehlt es sich am Nachmittag mit Sonnenbrille surfen zu gehen, die Reflexionen auf dem Wasser haben es in sich. Auch eine Plane gegen die Sonne ist essentiell. Australien gilt bezüglich Kriminalität als sehr sicheres Reiseland, Gefahren können jedoch von den tierischen Locals ausgehen: Dass viele Spots als „sharky“ eingestuft sind, ist bekannt, statistisch gesehen lauern allerdings an Land weit größere Gefahren – alleine 20 der 25 giftigsten Schlangenarten der Welt leben in Australien, hinzu kommt allerlei anderes Getier wie giftige Skorpione oder Spinnen.

Local-Tipp: Um Getier nicht ins Auto zu locken, lagern echte Locals ihre Vorräte in festen Boxen außerhalb des Campers! Die „Blowies“ genannten Fliegen sind dagegen völlig harmlos, rauben einem an windstillen Tagen aber den letzten Nerv und bevölkern hartnäckig jeden Zentimeter nackter und schwitzender Haut. Ein Hut mit integriertem Fliegennetz ist eine sinnvolle Investition.

SPOTS Australien

1) Gnaraloo

(Koordinaten -23.818052, 113.518998): Eine endlose Welle in absoluter Western-Atmosphäre! Bei großem Swell aus West verbinden sich verschiedene Sections zu einer endlosen, vom Sideoffshorewind glatt gewehten Line, die perfekt und wie an der Perlenschnur gezogen für 15 Turns und mehr bricht. Weil die Welle sehr berechenbar ist, kann man sich langsam herantasten und auch an masthohen Tagen noch recht gefahrlos surfen. Kopfhohe Wellen erlauben immer noch zwei bis drei Turns nach Lee, brechen dann allerdings recht rund und kraftlos. Nach Waschgängen treibt man in eine Art Lagune innerhalb des Riffgürtels, in der die Wellen harmlos auslaufen. Vorsicht beim Einstieg: Startet man bei niedriger Tide aus der kleinen Bucht in Luv, muss man kurz aber heftig abfallen, um nicht aufs Riff zu fahren, Schuhe sind empfehlenswert! Wildcampen ist in Gnaraloo absolut nicht möglich. Der Ranger kontrolliert hier regelmäßig, zudem lässt sich ein Campervan in der kargen Landschaft nicht besonders gut verstecken. Der Campingplatz 3-Mile Camp (www.gnaraloo.com) liegt fünf Minuten vom Spot entfernt, verfügt über Duschen & Toiletten und kostet etwa 18 Dollar die Nacht. In einem kleinen Shop kann man einige Grundnahrungsmittel kaufen, das Preisniveau im Outback-Supermarkt hat es allerdings in sich. Ein Geländewagen erleichtert die Anfahrt über die knapp 80 Kilometer lange „gravel road“ ab Carnarvon zwar, ist aber nicht zwingend notwendig. Einige Kilometer weiter nördlich kann man in der Gnaraloo Bay selbst bei Swell entspannt im Flachwasser Freeriden oder Tricksen. Der Wind weht hier schräg ablandig und bügelt das Wasser wunderbar glatt.

2) Coronation

(Koordinaten -28.552086, 114.564770): Der beliebteste Spot an der Westküste, an dem Local und Worldcup-Pro Jaeger Stone fast täglich vorbeischaut. Der Spot gleicht einem Funpark für alle Könnenstufen: Vorne eine größtenteils stehtiefe Lagune mit perfektem Flachwasser, durch die vereinzelte hüfthohe, geordnete Wellen direkt von vorne durchlaufen – perfekt für erste Hüpfer, Loops oder den Triple-Air Flaka. Andererseits stören die kleinen Chops nicht mal Novizen beim Powerhalsen-Training. Draußen am Riff gibt’s einen Wavespot, der abhängig von Wind und Swell mal einem schlechten Ostsee- oder einem guten Teneriffa-Tag ähnelt. Wenn der Wind am Abend von Sideshore etwas auf ablandig dreht, werden die Wellen oft noch cleaner. Weil der Spot neben der besten Windstatistik Westaustraliens so allroundtauglich ist und außerdem schöner Sandstrand, BBQ-Area, Parkplätze und Infrastruktur im Umkreis das Wohlfühlpaket komplettieren, ist man hier nie alleine auf dem Wasser. Der Campingplatz in unmittelbarer Spot-Nähe kostet nur 7 Dollar die Nacht, die Übernachtungen sind pro Gast jedoch auf 31 Tage im Jahr limitiert. Die Duschen funktionieren nur mit selbst mitgebrachtem Wasser. Alternativ gibt es am Hafen von Geraldton öffentliche Duschen.

3) Geraldton/Sunset Beach

(Koordinaten -28.726239, 114.620297): Die Gegend um Geraldton kann mit mehreren Spots aufwarten: Sunset Beach eignet sich als Ausweichspot zu Coronation. Durch einen Knick im Küstenverlauf kommt der Wind hier mehr von der Seite, bei Südost ebenfalls leicht ablandig. Im Vergleich zu Coro’s läuft die Welle lang und eher down-the-line-artig zum Abreiten mit Wind von links, weniger gut zum Springen. Allerdings macht die Welle hier erst ab mittlerem Swell wirklich Spaß. Da es immer ein wenig choppy bleibt, sind die Leichtwindtage hier oft die Besseren. Aufrigg-Rasen mit öffentlichen Toiletten und Duschen sind vorhanden. In Geraldton kann man vor dem 500 Kilometer langen Trip gen Gnaraloo nochmal alle Speicher auffüllen und ein wenig Zivilisationsluft schnuppern. Im gut sortierten Surfshop (www.geraldtonsurfandsail.com) bekommt man Ersatzmaterial.

4) Geraldton/Hells Gate

Einige hundert Meter nördlich des kleinen Leuchtturms wartet ein Spot für alle, die’s wissen wollen. Über einem flachen Riff entlädt sich die kraftvolle und teilweise hohl brechende Linkswelle „Hells Gate“ mit dem Potenzial für dicke Aerials – oder gebrochene Masten. Bei Bruch zieht einen die starke Strömung nicht selten am Hafen vorbei, um einen dann weiter in Lee, am Flachwasserspot St. Georges Beach, wieder auszuspucken. Etwas moderater, aber deutlich kürzer, läuft die Welle vor dem Point Moore, direkt vor dem Leuchtturm.

5) Greenhead

Hier geht bei kleinem Swell oft noch etwas, wenn nirgendwo sonst was geht. Am Außenriff vor der kleinen Stadt Greenhead brechen die Wellen meist höher als in Coronation, der Wind ist ebenfalls einen Ticken stärker. Bei großem Swell werden die Wellen sauber und kraftvoll und erlauben einige Turns nach Lee mit Wind von links. Einziger Haken: Das Ganze spielt sich recht weit vor der Küste ab, weshalb man nicht alleine aufs Wasser sollte. Wenn man Glück hat, ist der einzige Local ebenfalls draußen. Gestartet wird an der Hafenmole, dann immer Richtung Weißwasser am Horizont. Auch wenn Greenhead ein Wavespot ist, hat man hier entspannte Alternativen: Wem der Weg ans Außenriff zu heiß ist, der kann zwischen Startpunkt an der Mole und Riff auch gefahrlos in kleinem Chop Freeriden oder Tricksen.

6) Cervantes

(Koordinaten: -30.510054, 115.058510) 364 Tage im Jahr ist Cervantes ein netter Badestrand mit entspannten Freeride-Bedingungen. Vor allem der oft am morgen wehende Ostwind lädt hier zu einer gefahrlosen Abkühlung im kristallklaren und flachen Wasser ein. Auch wenn der Wind mittags dreht und die „Seabreeze“ aus Süd bis Südwest einsetzt, kann man hier auf glattem Wasser an seinen Manövern und Tricks feilen. Wellen gibt’s hier nur, wenn extrem großer Swell die Küste trifft und man sich an den gängigen Wavespots in die Hosen macht. Dann gibt’s in Cervantes recht moderate Wellen, die aber sauber laufen.

7) Lancelin

(Koordinaten -31.025022, 115.328208) Obwohl Lancelin unterm Strich als Wavespot durchgeht, bekommen hier auch Flachwasserfans feuchte Augen. Denn wie in Coronation führt der Weg zum Riff durch eine große Lagune mit Flachwasser. Auch wenn es mitunter etwas kabbeliger ist als in Coro’s, kann man hier gemütlich und gefahrlos Cruisen oder beim alljährlichen Lancelin Ocean Classic mit einigen Worldcup-Stars um die Wette heizen. Am vorgelagerten Riff brechen wunderbare Wellen, je nach Swell zwischen hüft- und masthoch. Da der Wind meist leicht sideonshore weht, kann man sich hier mit endlos Anlauf über die Wellen ins Orbit beamen – es gibt wenige Spots auf der Welt, die derart gut zum Springen geeignet sind. Man glaubt es kaum, aber hier gibt es die einzige Surfstation der Westküste, „Werner’s Hotspot Lancelin“ (www.wernershotspot.blogspot.de). Auszuleihen gibt’s Wave- und Freeridematerial von Starboard, Severne und NeilPryde. Der Surfshop Lancelin Surf (Gingin Rd 127) liegt ebenfalls unweit des Spots. Lancelin bietet sich notfalls auch mal für einen Tagestrip von Perth an und punktet darüberhinaus mit schönem Sandstrand, großer Aufriggwiese, öffentlichen Duschen & Toiletten sowie einem Grillplatz. Mehrere Campingplätze liegen in und um Lancelin verteilt.

8) Perth/Scarborough

(Koordinaten: -31.893962, 115.754730) Der City-Spot an einem der beliebtesten Strände der Millionen-Metropole. Der kraftvolle Beachbreak, schräg auflandiger Wind und die nicht zu leugnende Strömung erinnern irgendwie an Sylt bei Südwestwind. Auch wenn „Sylter Bedingungen“ eigentlich nicht der Grund sind, um nach Australien zu fliegen, ist die Kombination aus Surfspot und Großstadt doch charmant. Eine Aufriggwiese sowie öffentliche Toiletten und Duschen sind vorhanden, am Wochenende gibt’s allerdings oft Parkplatzmangel.

9) Perth/Swan River

(Koordinaten -31.986053, 115.824334): Am nördlichen Ufer des Swan River, dem Pelican Point, kann man sich in entspannter Atmosphäre und mit Blick auf die Skyline von Perth ein wenig eingrooven. Ideal ist der oft am Morgen wehende Ostwind, dieser weht sideshore und ist in Verbindung mit dem glatten Wasser für Anfänger und Flachwasserfans gleichermaßen interessant. Die nachmittägliche Seabreeze weht onshore auf stehtiefe Sandbänke und liefert ebenfalls entspannte Freestyle- und Freeridebedingungen. Auch der gegenüber am Südufer gelegene Spot Lucky Bay bietet eine gute Einstiegsstelle. Parkplätze mit öffentlichen Toiletten sind an beiden Spots vorhanden, am Wochenende wird der Platz an Land mitunter knapp und die Ranger sind beim Ticketschreiben nicht zimperlich. Surfshop in der Nähe.

10) Perth/Woodman’s Point

(Koordinaten: -32.133957, 115.750413): Ein perfekter Spielplatz zum Heizen und Freestylen befindet sich am südlichen Stadtrand von Perth. Der Wind weht am North Beach schräg ablandig über die große und flache Landzunge, unter Land ist es stehtief und spiegelglatt. Am South Beach auf der anderen Seite weht die Seabreeze auflandig und bildet einen kleinen Chop, hier sind allerdings recht viele Kiter auf dem Wasser. Größere Wellen oder gar echter Swell kommen aber aufgrund der Abdeckung durch die vorgelagerte Garden Island nicht an.

11) Perth/Savety Bay

(Koordinaten: -32.305056, 115.711431) Der Name ist hier Programm. Die halbmondförmige Bucht 90 Minuten südlich von Perth bietet gute Flachwasserbedingungen und auflandigen Wind für Jedermann. Savety Bay hat ein großes Windfenster, zudem kann man auf einer Wiese des ansässigen Yachtclubs aufriggen. Toiletten und Grillplatz sind ebenfalls vor Ort. Fährt man aus dem geschützten Bereich hinter der Sandbank in die Bucht hinaus, gibt’s ein paar kleine Chops zum Springen. Der Kiteshop WA Surf (www.wasurf.com.au) verleiht SUPs und hat zumindest Neos und Trapeze im Sortiment.

12) Margaret River/Prevelly

(Koordinaten: -33.976468, 114.985786) Der südwestliche Zipfel Australiens ist von grüner Vegetation und angenehmen Temperaturen gekennzeichnet. Er zieht die Swells an wie ein Magnet und gilt als das Big-Wave-Mekka des Fünften Kontinents. Das 6000-Einwohner-Städtchen Margaret River hat im Umkreis einige krasse Spots zu bieten: Am „Main Break“ im Örtchen Prevelly geht „masthoch“ eher als „klein“ durch, oft sind die Sets deutlich höher und erfordern Erfahrung und Mut. Die Welle saugt sich an einer schmalen Stelle über dem Riff schlagartig hoch und hat eine verdammt dicke Lippe. Wer das Timing raus hat, wird mit krachenden Cutbacks belohnt und von den Zuschauern auf dem stadion-artigen Parkplatz oberhalb des Spots bejubelt. Die Windstärke interessiert in der Vorhersage von „Margs“ nicht wirklich, Hauptsache der Windzeiger steht zwischen SSW und SSO. Sobald der Wind abends etwas ablandiger dreht und die Wellen sauber werden, ist er nur noch selten stark genug zum Gleiten. Rausdümpeln geht aber fast immer. Trotz des spektakulären ersten Turns ist die Wellenschulter beim zweiten Turn meist nur noch rund. Aufriggwiese mit Duschen, Toiletten, Grillplatz und Burger-Bude gibt’s am Spot, Campingplätze findet man für etwa 20 Dollar die Nacht im Ort. Neues Futter für den material­mordenen Break bekommt man bei „Margaret River Kite- and Windsurfing“ (www.mrkiteandsail.com). Werden die Wellen in „Margs“ zu fett, kann man an das weniger frequentierte und etwas entschärfter brechende Außenriff von „Boatramps“ ausweichen, welches einen Kilometer in Luv liegt.

13) Margaret River/Redgate

Sechs Kilometer südlich des Hauptspots Prevelly geht es gemütlicher zu, es ist keine Schande hierhin auszuweichen. Der Strand von Redgate liegt malerisch eingerahmt von Felsen und bietet moderatere Wavebedingungen. An großen Tagen wird es auch hier heftig, die Felsen in Lee tragen dann nicht gerade zur Entspannung bei. Am besten geht man hier bei kleinem bis mittleren Swell aufs Wasser.

14) Peaceful Bay Area

Die Spots der Südküste erwachen zum Leben, wenn sich das wetterbestimmende und südlich von Australien liegende Hoch weiter ostwärts verlagert. Während der Wind an der Westküste dann einschläft, wird die Südküste befeuert. Freddys (Koordinaten -35.023878, 116.806775) ist ein auch Australien-Kennern noch unbekannter Spot nahe Peaceful Bay und Nornalup. 4x4-Antrieb ist absolut notwendig, um es über den weichen Sand zum Spot zu schaffen. Aber der Weg lohnt sich: Traumhafter Sandstrand, keine Menschenseele auf dem Wasser und glasige und schnell laufende Beachbreak-Wellen, die einige Turns nach Lee ermöglichen. Wind­swell alleine reicht nicht. Um gute Wellen zu haben, braucht es einen Swell aus Südwest mit Wind aus Südost bis Ost. Hier kann man auch direkt am Strand übernachten – ein echtes Windsurf-Abendteuer eben! Etwas bekannter ist Rame Head (Koordinaten: -35.047535, 116.886726), ein Top-Spot zum Abreiten mit Sideoffshorewind von links und kraftvollem Beachbreak.

15) Esperance

Die Windsurf-Perle im Süden! Kristallklares, türkises Wasser, weißer Strand, im Wasser bizarre Felsen. Ähnlich wie Margaret River interessiert nur die Windrichtung. Östliche Winde kommen am Observatory Beach (auch Nine-Mile-Beach genannt; Koordinaten -33.904268, 121.784304) sideoff und etwas stärker als vorhergesagt. Ohne einen mittleren Swell (>2m und 13 Sekunden aus SW) geht leider nichts. Sobald der Beachbreak aber brusthoch wird, kann der Highspeed-down-the-line-Spaß losgehen – Wellenerfahrung vorausgesetzt, denn an großen Tagen ist das Rauskommen tricky und die Wellen kraftvoll. Wer lieber springt und moderate Brecher mag, kann etwas weiter östlich, am Fourth Mile Beach bei sideonshore von links mit einigen anderen Windsurfern gefahrlos rippen. Wenn der Swell mal ausbleibt, laufen hier auch dann noch brauchbare Windwellen, wenn es am Observatory flach ist. Direkt im Ort, am Main Beach, bleibt das Wasser immer glatt und auch für Aufsteiger und Freerider jederzeit machbar.

(Koordinaten -33.904268, 121.784304): Die Windsurf-Perle im Süden! Kristallklares, türkises Wasser, weißer Strand, im Wasser bizarre Felsen. Ähnlich wie Margaret River interessiert hier nur die Windrichtung. Östliche Winde k