Camping am WasserVom Bett aufs Brett - Camping-Tipps in Italien

Manuel Vogel

 · 09.03.2026

Camper-Traum: Baden mit Blick auf den eigenen Bulli und dabei  immer auch den Wind im Auge – wie hier am Camping Maroadi am Gardasee.
Foto: Camping Maroadi
​Was gibt es Besseres, als vor dem Surfen das Auto gar nicht bewegen zu müssen? Wer mit Wohnmobil oder Bulli unterwegs ist, sucht nach Campingplätzen direkt an guten Windsurf-Spots. Hier stellen wir dir einige Plätze in Italien vor, wo du unschlagbar schnell vom Bett aufs Brett kommst!

​Sommerzeit ist Campingzeit! Aber wer mit Anhang oder der ganzen Familie versucht, entspanntes Campingleben und Wassersport unter einen Hut zu bekommen, steht vor einer großen Herausforderung: Gesucht wird ein guter Windsurfspot mit Campingplatz in fußläufiger Entfernung. Denn hat man sich erst mal auf dem Campingplatz eingerichtet, fährt man meist nicht mal so eben wieder los, um für eine wacklige Windvorhersage die Spots der Umgebung zu checken.

Europaweit gibt es Tausende Spots und ebenso viele Campingplatze – trotzdem sind Orte, an denen man an einem guten Windsurfspot direkt am Wasser stehen kann, ziemlich selten. Deshalb haben wir recherchiert, gesucht und Spots gefunden, an denen du deinen Camper einfach stehen lassen und zu Fuß vom Platz mit dem Board unterm Arm ans Wasser laufen kannst.

Es handelt sich dabei um eine Auswahl, und vielleicht kennst du ja weitere Spots, die das Kriterium „Vom Bett aufs Brett“ erfüllen und die es lohnt vorzustellen. Falls dem so ist, sende uns deine Tipps an: redaktion@surf-magazin.de.

Lago di Santa Croce

46.1196, 12.3524

surf/fotoweb/100190024Foto: Wolfgang Strasser

Der erste italienische Spot, den wir dir an dieser Stelle ans Herz legen wollen, ist der Lago di Santa Croce. Hier, etwa 90 Kilometer nördlich von Venedig, geht es deutlich entspannter zu als am Gardasee. Das Alternativprogramm reicht von Biken, Wandern und Klettern bis hin zu einem Ausflug nach Venedig. Direkt vor dem Campingbus in den Neo steigen kannst du am Campingplatz Sarathei (www.sarathei.it), der von Anfang April bis Ende September geöffnet hat. Durch die Temperaturunterschiede baut sich oft zum späten Nachmittag hin eine Thermik aus Süd auf, die durch die topografischen Gegebenheiten verstärkt wird, im Frühjahr und Frühsommer oft mit fünf bis sechs Windstärken bläst und bis zum späten Nachmittag durchhalten kann. Die Wasseroberfläche bleibt recht glatt, kleine Chops zum Springen sind aber vorhanden. Die Zone mit dem besten Wind erreichst du nach kurzer Kreuz. Am stärksten wird der Termico da Sud im Frühjahr bis Frühsommer. Aber auch im Hochsommer kommt der Südwind noch regelmäßig in Gang, bei sehr heißem Wetter und warmen Nächten allerdings deutlich moderater – dann bleibt es bei Bedingungen fürs Foil oder sehr große Freeridesegel.

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Lago di Cavazzo

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surf/100190039_a092619f3611c2400074d00d246bb626Foto: Wolfgang Strasser
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Viel touristischer Rummel wird am Cavazzo-See nicht geboten, aber vielleicht macht ja genau das den Reiz aus. Der kleine Alpensee wird oft als Durchgangsspot angesteuert, nicht selten wird daraus dann ein längerer Aufenthalt, denn für campende Wassersportler ist der See durchaus ein Tipp. Im Gegensatz zum Lago di Santa Croce ist es hier der morgendliche Bergwind, der die Surfer aufs Wasser lockt, ein Spot für Langschläfer ist der See nicht. Der Wind entsteht in klaren Nächten, wie sie bei sonnigen Hochdrucklagen typisch sind, setzt um fünf Uhr morgens ein und hält in der Regel bis etwa zehn Uhr durch, in der Regel mit 12 bis 20 Knoten. Auftreten kann dieser Bergwind ganzjährig, die beste Windquote (> 50 Prozent Tage mit Gleitwind) hat man aber im Frühjahr und Herbst. Am Südwestende des Sees befindet sich der Platz Lago 3 Comuni (ww.lago3comuni.com), nur einen Steinwurf von der Wasserkante entfernt. Die Müdigkeit ist auf dem Wasser angesichts des Alpenpanoramas schnell verflogen, und wenn der Wind im Laufe des Vormittags einschläft, bleibt genügend Zeit für Dolce Vita, Wandern – oder ein Nickerchen als Vorbereitung für den nächsten Morgen.

Gardasee/Torbole

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surf/fotoweb/100190395Foto: Camping Maroadi

Wenn es im Sommer eine Sache am Gardasee nicht gibt, dann ist es Platz! Egal ob Malcesine, Pier oder Conca d’Oro – Parkplätze sind so selten wie ein Sechser im Lotto, Ortswechsel dementsprechend purer Stress. Einer der wenigen Orte, wo man entspannt vom Bett aufs Brett wechseln kann, ist Torbole am Nordufer des Sees. Verfügbar sind vier Campingplätze: Sehr zentral gelegen und mit sehr kurzem Weg ans Wasser sind Al Cor (ww.camping-al-cor.it), Al Porto (www.campingalporto.it) und Europa (www.campingeuropatorbole.it). Hier steht man unter Bäumen, bis zum Strand sind es nur 100 bis 200 Meter. Der morgendliche Nordwind weht hier natürlich voll ablandig und auch böig; sobald der Südwind um die Mittagszeit in Gang kommt, sitzt man aber in der ersten Reihe.

Starten kann man am Kiesstrand, wo der Wind auflandig ankommt und je nach Windstärke kleine Chops ans Ufer rollen. Egal ob Surfschulen, Shops oder Restaurants, alles ist innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichbar. Auch der Campingplatz Maroadi (www.campingmaroadi.it) ist ein Tipp, direkt an der großen Surfschule Segnana gelegen. Falls die Plätze voll sind, kann man es zumindest als Tagesgast am nahen Camper Stop Torbole versuchen. Die Windsaison startet am Gardasee an Ostern, die stärkste Thermik entsteht an sonnigen Tagen im Frühling und Frühsommer, 15 bis 20 Knoten sind die Regel.

Gargano

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surf/fotoweb/100190035Foto: Camping Spiaggia Lunga

Italiens Sporn ist ebenfalls ein heißer Tipp für campende Windsurfer. Places to be sind die Strände nördlich von Vieste. Zwischen Mai und September entsteht hier eine verlässliche Thermik, der Maestrale aus Nordwest. Dieser presst sich an der Küste entlang, wird verstärkt und weht meist an den Nachmittagen mit 12 bis 20 Knoten. Einsteigen kann man beispielsweise am Spiaggia Lunga, der mehrere Kilometer lange Sandstrand läuft flach ins Meer. Dabei gilt: Je weiter links (in Luv) man sich befindet, desto glatter das Wasser, da die kleine Isola La Chianca die Wellen blockt. Weiter in Lee bilden sich dann zunehmend Chops, dafür weht der Wind hier etwas konstanter. Bei Scirocco (Südost), der allerdings überwiegend in der Nebensaison vorkommt, kehren sich die Bedingungen um – dann ist das östliche Ende der Bucht besser vor Wellen geschützt, während es im Westteil welliger wird. Richtige Brandungswellen können rund um Vieste ebenfalls vorkommen, nämlich dann, wenn Tramontana aus Nord bis Nordost feuert. Nicht selten werden dann kleine Segel geriggt. Je nachdem für welchen Teil der Bucht man sich entscheidet, findet man einen passenden Campingplatz, mit sehr kurzen Wegen ans Wasser. Im östlichen Teil ist Camping Oasi (www.oasivieste.it ), wo es auch Bungalows, Spielplätze und Pools gibt. Etwas mittiger und damit für alle Windrichtungen passend gelegen sind Camping Oriente (www.centrovacanzeoriente.it) und der Campingplatz Spiaggia Lunga (www.spiaggialunga.it).

Sardinien/Porto Pollo

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surf/fotoweb/100190047Foto: Oliver Maier

Als windsicherer Evergreen ist Porto Pollo, im Norden Sardiniens, mit hoher Windquote gesegnet. Die Engstelle zwischen Sardinien und Korsika verstärkt sowohl westliche als auch östliche Winde. Wer nicht auf dem öffentlichen Parkplatz nahe dem Damm stehen möchte, kann auf die Isola dei Gabbiani (www.isoladeigabbiani.it) wechseln, wo es neben schattigen Stellplätzen für Womos und Zelte auch Mobile Homes direkt am Wasser gibt. Vor Ort hat man dann die Wahl, ob man lieber auf der Luvseite der Landzunge in kleinen Chops aufs Wasser geht oder auf der Leeseite in glattem Wasser seine Bahnen zieht. Aus diesem Grund ist Porto Pollo sowohl für Aufsteiger als auch für geübte Freerider, Foilsurfer und Freestyler ein absoluter Tipp. Die beste Reisezeit ist von März bis Juni und dann wieder von September bis in den Spätherbst hinein, dann bietet Sardinien milde Temperaturen und regelmäßige Mistral-Phasen aus West, von Leichtwind bis Sturm ist alles möglich. Im Hochsommer werden die Phasen mit starkem Mistral seltener, trotzdem sind dank lokaler Verstärkungen oft moderate Gleitwindtage geboten.

Sardinien/Sa Barra

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surf/fotoweb/100190040Foto: Giggi Maddedu

Recht unbekannt, aber nicht minder attraktiv für Windsurf-Fans ist der Südwesten Sardiniens, genauer gesagt die Halbinsel Sant’Antioco. Diese bildet auf ihrer Luvseite eine große und geschützte Lagune, in der vom Aufsteiger bis hin zum Slalom-oder Freestyle-Pro jeder sein Glück finden kann. Anders als in Porto Pollo sind es hier aber nicht die Mistral-Phasen, die für die gute Windstatistik sorgen, sondern eine lokale Thermik aus Nordwest, die von März bis September verlässlich in Gang kommt. Sind 8 bis 11 Knoten prognostiziert, kommen 20 an, so die grobe Faustregel. Weil auch Mistral und Scirocco (Südost) fahrbar sind, kommt die Region laut inoffizieller Statistik auf bis zu 250 Gleitwindtage im Jahr. Der beste Standort ist Sa Barra, wo der ehemalige Profi Luigi Maddedu eine Surfstation (www.sabarra.it) betreibt und wo sich auch ein kleiner Campingplatz für Vans bis hin zu mittelgroßen Campingbussen direkt am Spot etabliert hat. Der Platz beschränkt sich auf die Basics, bietet aber unschlagbar kurze Wege ans Wasser.


Manuel Vogel

Manuel Vogel

Redakteur surf

Manuel Vogel (Jg. 1981) lebt in Kiel und stand bereits mit sechs Jahren auf dem Windsurfboard in der Surfschule seines Vaters. Nach über 15 Jahren als Windsurflehrer und seit 2003 im surf-Testteam arbeitet er seit 2013 als Redakteur für Test und Fahrtechnik. Seit 2021 ist er zudem begeisterter Wingfoiler – vor allem an der Ostsee und in den Wellen Dänemarks.

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