Camping-Tipps direkt am SpotCampingplätze für Surfer in den Niederlanden

Die Campingplätze an Hollands Binnengewässern wie dem IJssel­meer bieten häufig die Möglichkeit, direkt vom Camper aus aufs Wasser zu kommen!
Foto: Chris Hafer
In den Niederlanden steht das „Haus am Zee“ an der Nordseeküste, Binnengewässer werden dagegen als „Meer“ bezeichnet. Mit dem Camper direkt am Wasser stehen kannst du dort mehr als reichlich: Schiebetür auf und die nächste Böe schon im Blick. In Teil 2 unseres Camping-Specials zeigen wir dir Campingplätze direkt am Spot – von Zeeland bis Friesland.

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Wildes Campen ist in den Niederlanden verboten, und in einem derart dicht besiedelten Land ist es ohnehin schwer, abgeschiedene Plätze zum Übernachten zu finden. Verstöße werden je nach Region mit empfindlichen Strafen von bis zu 500 Euro geahndet – die örtlichen Campingplätze sind da deutlich günstiger. Während man an der offenen Nordsee gezwungenermaßen hinter dem Deich steht und oft weite Wege bis zum Wasser zurücklegen muss, bieten besonders die Binnengewässer wie IJssel- und Veluwemeer dagegen sehr schöne Möglichkeiten zum Campen direkt am Spot. Hier kommen vor allem Ein- und Aufsteiger, Flachwasser- und Bump-and-Jump-Fans auf ihre Kosten.


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Ambitionierte Brandungssurfer sind mit dem Camper wahrscheinlich etwas südlicher in der Region Zeeland (Spot 8, Veerse Meer) und im angrenzenden Schouwen-Duiveland am besten aufgehoben, kommen aber nicht darum herum, für eine Session an Spots wie Domburg oder Ouddorp kurz das Auto zu zünden oder mindestens den Fahrradanhänger zu bespannen. Da es in diesem Special ausschließlich um Spots mit Plätzen mit direktem Wasserzugang gehen soll, haben wir uns im zweiten Teil unserer Camping-Serie den besten niederländischen Binnenspots gewidmet und stellen euch einige der besten Orte vor, an denen ihr den Camper einfach stehen lassen und mit dem Brett unter dem Arm ans Wasser laufen könnt. Es handelt sich dabei um eine Auswahl, und vielleicht kennst du ja weitere Spots, die das Kriterium „Vom Bett aufs Brett“ erfüllen und die es lohnt, in einer zukünftigen Ausgabe vorzustellen. Falls dem so ist, sende uns gerne deine Tipps an: redaktion@surf-magazin.de

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1. Makkum

53.0530, 5.3785

Der voll ausgestattete, familienfreundliche Camping De Holle Poarte...
Foto: De Holle Poarte
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Am nordöstlichen Zipfel des IJsselmeers bietet Makkum eine geschützte Bucht mit modernem Ferienflair und einer charmanten Altstadt. Zwischen dem Beach Resort im Süden und einer Landzunge im Norden entsteht eine Bucht, die von einer langen, begehbaren Mole in zwei Bereiche geteilt wird. Genau dort befindet sich auch der große Campingplatz De Holle Poarte in unmittelbarer Strandnähe. Das Wasser bleibt weithin knietief, sogar noch rund 100 Meter hinter der Molenspitze, und ist damit ideal für Aufsteiger, Manövertraining, Freestyle und Slalom auf flachem Wasser. Je nach Wind entstehen auch die kleinen, IJsselmeer-typisch steilen Wellen auf den vorgelagerten Sandbänken. Gesurft werden alle westlichen Windrichtungen, während bei ablandig wehendem Ostwind Molkwerum oder Stavoren die bessere Wahl sind. An warmen Sommertagen sollte man die zahlreichen Schwimmer im Blick behalten. Abende laden zum Bummeln über die Promenade ein – einmal die Füße ins IJsselmeer getaucht, ist das Urlaubsgefühl da. Makkum hebt sich etwas vom übrigen Ostküsten-Ambiente durch Hotel- und Ferienanlagen statt Deichen und Schafen ab, die Altstadt dagegen steht für echtes Fischererbe mit verwinkelten Gassen und markanten Giebelhäusern. Windstille Tage eignen sich für Rad- oder Segeltouren zu den historischen Nachbardörfern. Und wer dann noch Energie hat, findet in lebhaften Bars Anlaufstellen für gesellige Abende. Infos: hollepoarte.nl/de

2. Workum

52.9666, 5.4117

Auf dem „Surferfeld“ des Soal Beach Resorts in Workum parkt man sein „Haus“ direkt am „See“.Foto: Marina Park Beach ResortAuf dem „Surferfeld“ des Soal Beach Resorts in Workum parkt man sein „Haus“ direkt am „See“.

Das moderne Soal Beach Resort westlich des überschaubaren Dorfs Workum, umgeben von Landschaftsschutzgebiet, bietet luxuriöse Chalets und einfache Stellplätze auf dem „Surferfeld“ direkt am Spot – dem IJsselmeer-Spot, an dem selbst Wave- oder Seegrasfinnen auch noch weit entfernt vom Ufer an Sandbänken Bodenkontakt bekommen können. Also Vorsicht! Dafür bietet der Spot bei westlichen Winden perfekte Bedingungen für alle Einund Aufsteiger, die hier sicher die ersten Meter auf dem Windsurfboard zurücklegen können. Allerdings muss man ein wenig auf die ebenfalls in der Bucht stattfindenden Kiteschulungen achten. Infos: soalbeachresort.de

3. Hindeloopen

52.9340, 5.4035

Auch in Hindeloopen gilt: Neo an und mit dem Anhänger ein paar Meter zu Fuß ans Wasser.Foto: Camping HindeloopenAuch in Hindeloopen gilt: Neo an und mit dem Anhänger ein paar Meter zu Fuß ans Wasser.

„Loopen“ bedeutet „laufen“, und das ist auch Programm in Hindeloopen am Ijsselmeer. Wer auf dem Camping Hindeloopen wohnt, braucht seinen Motor während des Aufenthalts nicht mehr zu zünden und hat direkten Wasserzugang – zu Fuß geht es vom Platz nur einmal über den Deich. Entlang des Surfbereichs, der sich auf Höhe des Campingplatzes befindet, ragen Holzbuhnen ein Stück weit ins Wasser, aber auch danach bleibt es sehr weit stehtief mit teilweise sehr flachen Sandbänken und einzelnen Steinen im Wasser. Die besten Windrichtungen sind hier Südwest oder Nordwest, bei platt-auflandigem Westwind muss man erst einige Meter weit laufen oder kreuzen, um den ganz flachen Bereich hinter sich zu lassen. Circa 200 Meter nördlich des Campingplatzes ist der für Kiter vorgesehene Bereich, nach Süden ist das Ufer für Surfer freigegeben. Infos: campinghindeloopen.nl

4. Enkhuizen

52.7100, 5.2953

Freie Bahn am Spot Enkhuizen: Hier trifft man eher auf Segler als auf andere Windsurfer – auf dem Wasser und an Land.Foto: Chris HaferFreie Bahn am Spot Enkhuizen: Hier trifft man eher auf Segler als auf andere Windsurfer – auf dem Wasser und an Land.

Viele Windsurfer kennen die Ostseite des IJsselmeers mit Spots wie Makkum, Hindeloopen etc. – die weniger populäre Westseite hingegen dürfte für viele eine Neuentdeckung darstellen. Entsprechend viel Platz hat man auf dem Wasser. Aus nordöstlichen Richtungen bläst es in Enkhuizen auflandig – es ist erstaunlich, wie schnell sich dann auch hier die berüchtigte Ijsselmeer-Welle aufbaut und Bumpand-Jump-Bedingungen angesagt sind. Für Ein- und Aufsteiger ist es bei Sideshore-Wind aus Nordwest oder Südost bis Süd mit glattem Wasser am besten.

Der Stehbereich ist mit 300 Metern Breite relativ groß, der Untergrund ist sandig. Direkt hinter dem kleinen Enkhuizer Strand, von dem gestartet wird, liegt der große Campingplatz, der Teil der Euro-Parcs-Kette ist und Ferienhäuser sowie verschiedene Stellplätze bietet. Generell herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre auf und am Wasser, die man auch in den Ortschaften wiederfindet – hektisch oder überlaufen wirkt hier nichts. Infos: europarcs.nl/vakantieparken/enkhuizer-strand

5. Nunspeet

52.3924, 5.7267

Zahmer und weniger exponiert als das IJsselmeer (links) ist das großteils stehtiefe Veluwemeer – ein ideales Revier für sichere Langschläge.Foto: Chris HaferZahmer und weniger exponiert als das IJsselmeer (links) ist das großteils stehtiefe Veluwemeer – ein ideales Revier für sichere Langschläge.

Kaum eine Gegend ist für Windsurfer derart gut erschlossen wie die Region um das Veluwemeer. Auf knapp 20 Kilometern findet man mehrere bestens ausgestattete Surfschulen, an denen man Kurse besuchen oder Surfmaterial ausleihen kann, dazu bringt der mächtige Telstar Surfshop am Eingang zum Strand Horst Windsurfer mit seiner großen Auslage an neuester Hardware immer wieder in Versuchung. Der Spot bei Nunspeet bietet vergleichbare Bedingungen wie der Hauptspot Strand Horst bei Harderwijk – großteils hüfttiefes Flachwasser, in dem Anfänger und Freestyle-Experten gleichermaßen an ihren Manövern feilen können. Mit langen Finnen sollte man erst ein wenig weiter draußen loslegen, dann gibt es aber auch hier jede Menge Platz für Langschläge und Manöver. Westliche Windrichtungen sind ideal. Nordwestwind, der übers IJselmeer kommt, ist generell konstanter und verlässlicher als Südwestwind, der mehr über Land kommt, bis er aufs Veluwemeer trifft. Hochdruckgebiete mit Nordost-Strömung sind zwar seltener, doch können sie sehr schöne Sommerbedingungen liefern. Während der Sommermonate kann Seegras den Surfspaß allerdings etwas trüben. Eine entsprechende Finne im Gepäck macht am Veluwemeer daher Sinn, zumal sie aufgrund der geringen Wassertiefe im Uferbereich auch so manchen Schleudersturz ersparen könnte.

Direkt vor dem Camping De Oude Pol kann man links des kleinen Hafens über einen kleinen Sandstrand ins Wasser gehen. Die Auswahl an Campingplätzen und Ferienparks am Wasser ist an diesem Strandabschnitt des Veluwemeers sehr groß. Weitere Adressen sind der Camping Polsmaten oder der große, ein Stück weiter südlich gelegene EuroParc Bad Hoophuizen. Am östlichen Ende von Harderwijk, an seiner blauen Kuppel leicht zu erkennen, liegt das Dolfinarium, ein großer Freizeitpark mit der zweifelhaften Hauptattraktion dressierte Delfine. Der quirligen Stadt von Harderwijk mit seinen alten Gebäuden und langen Einkaufsstraßen sollte man auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Die Fahrtzeit in die wunderschöne Innenstadt von Amsterdam beträgt an einem windstillen Tag nur circa eine Stunde. Infos: deoudepol.nl

6. Flevostrand Veluwemeer

52.3831, 5.6310

Mehr als 15-mal in den Niederlanden vertreten, bieten 
die Molecaten Parks eine umfangreiche Infrastruktur für campende Familien - auch direkt am VeluwemeerFoto: MolecatenparkMehr als 15-mal in den Niederlanden vertreten, bieten die Molecaten Parks eine umfangreiche Infrastruktur für campende Familien - auch direkt am Veluwemeer

Auch die Nordseite des Veluwemeers bietet gute Surfmöglichkeiten, die Bedingungen unterscheiden sich prinzipiell nicht von den Spots auf der Südseite. Auch hier gibt es feinstes Flachwasser. Ein Vorteil kann sein, dass hier Winde aus Ost bis Süd deutlich freier durchkommen. Umgekehrt schaut man bei West- oder Nordwestwind in die Röhre, dieser kommt über Land und weht daher recht böig. Flevostrand, gegenüber von Harderwijk, bietet zwar keinen so großen Stehbereich wie andere Spots am Veluwemeer, dafür aber den voll ausgestatteten Molecaten Park mit Campingmöglichkeit direkt am Spot. Surfer mit langen Finnen, Familie und der Fähigkeit zum Wasserstart sind hier richtig aufgehoben: Schwimmbad, Minigolf, Tennisplatz, Supermarkt und der Surfspot liegen vor der Haustür und bieten beste Voraussetzungen für einen stressfreien Urlaub. Für Anfänger und Jugendliche ist das ebenfalls an der Nordseite, ein Stück weiter östlich gelegene Surfcamp Veluwemeer eine gute Anlaufstelle. Infos: molecaten.nl/flevostrand

7. Strand Nulde

52.2726, 5.5372

Im Gegensatz zum berühmten Strand Horst geht es am Strand Nulde direkt vom Bett aufs Brett.Foto: Strandparc NuldeIm Gegensatz zum berühmten Strand Horst geht es am Strand Nulde direkt vom Bett aufs Brett.

Ein exzellenter Ausweichspot zum berühmten Harderwijk – und das sogar mit Campingmöglichkeit direkt am Wasser. Während man am circa fünf Kilometer weiter nördlich gelegenen großen Bruder namens Strand Horst keine Möglichkeit hat, vom Bett aufs Brett zu springen, lässt der Strandparc Nulde Camperherzen höherschlagen: Keine zehn Meter vom Wasser kann das Zelt aufgebaut oder das Mobil abgestellt werden. Das Veluwemeer ist hier allerdings deutlich schmaler (im Prinzip ein circa 500 Meter breiter Kanal) und der Wind entsprechend böiger. Südwest- und Nordostwind funktionieren am besten.

Nach einem Stehbereich in Ufernähe bekommt man weiter draußen in der Fahrrinne sogar ein paar sprungtaugliche Chops vor den Bug. Vorsicht: Auf Schiffe achten! Infos: vdbholiday.com/nl/recreatie/strandparc-nulde

8. Veerse Meer

51.5688, 3.6569

Am Veerse Meer in Zeeland bietet “De Schotsman” direkten Wasser-Zugang und sogar einen kleinen SurfshopFoto: RCN De SchotsmanAm Veerse Meer in Zeeland bietet “De Schotsman” direkten Wasser-Zugang und sogar einen kleinen Surfshop

Das Veerse Meer in Zeeland, südlich des namhaften Brouwersdams, ist ein Spot, den viele Holland-Surfer gar nicht auf dem Radar haben. Der Camping Schotsman ist hier direkt am Wasser und bietet für alle Windrichtungen von Südost bis Nordwest gute Bedingungen. Gerade in der Hauptsaison stellt das Veerse Meer eine willkommene Alternative zum überfüllten Grevelingenmeer dar, an dem auf der berüchtigten Kabbelaarsbank Campen am Spot ohnehin untersagt ist. Sobald der Wind aus Nordwest zunimmt, bildet sich vor dem Camping Schotsman ein kontrollierter Chop, der ideal für Sprungmanöver ist und dennoch so geordnet läuft, dass man immer noch richtig gut heizen kann. Die bis zu 20 Meter ins Wasser hineinragenden Buhnen laden zu durchgeglittenen Halsen oder Freestylemanövern bei spiegelglattem Wasser direkt am Strand ein.

Der Campingplatz bietet von der Infrastruktur alles, was man braucht. Sollte während der Session mal ein Tampen reißen, ist die Thijs-Windsurfschule mit dazugehörigem Shop unmittelbar am Spot da, um schnell wieder aufs Wasser zu helfen. Die zugehörige Ortschaft heißt lustigerweise Kamperland, hat aber nichts mit der guten Campingsituation vor Ort zu tun, sondern leitet sich vom lateinischen Begriff „campus“ ab, was „Feld“ oder „eingezäuntes Land“ bedeutet. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nähe zum niederländischen Top-Wavespot Domburg, der in unter einer halben Stunde mit dem Auto zu erreichen ist. Infos: rcn.nl/de/ferienparks/holland/zeeland/rcn-de-schotsman


Julian Wiemar

Julian Wiemar

Redakteur surf

Julian, 1996 in Köln geboren, zählt zu den besten deutschen Freestyle-Windsurfern und trainiert bis heute regelmäßig auf dem Rhein. Nach deutschem Meistertitel und mehreren Jahren an internationalen Top-Spots mit Weltcup-Ambitionen fand er über Reise- und Revierberichte den Weg zum surf-Magazin. Dort absolvierte er ein Volontariat und arbeitet heute als Redakteur, der seine Erfahrungen und Leidenschaft für den Windsurfsport mit den Lesern teilt.

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