Der Balearen-Archipel besteht aus den vier Hauptinseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera und wird jedes Jahr von Millionen Touristen besucht. Die wenigsten davon kommen allerdings, um dort surfen zu gehen. Fest steht: Wer den Fokus zu 100 Prozent auf Windsurfen legt, findet im Sommerhalbjahr auf keiner der Balearen-Inseln eine vergleichbare Windquote vor wie auf den Kanaren. Aber weil die Inseln – neben einer hervorragenden Erreichbarkeit, mildem Klima und reizvoller Landschaft – so viel bieten, können die Balearen eine lohnende Destination für alle sein, die auf einen „Sommerurlaub mit Wassersport-Option“ aus sind.
Local Jono Dunnett, der – wenn er nicht gerade wieder um die halbe Welt surft – auf Menorca zu Hause ist und auch die umliegenden Inseln erkundet, verrät dir, an welchen Spots der Balearen du im Urlaub aufs Wasser kannst. Dabei zeigt sich ein geteiltes Bild: Während gute Windsurfbedingungen auf Ibiza vergleichsweise selten vorkommen, warten auf Mallorca, Menorca und teilweise auch auf Formentera eine lebendige Szene und überraschend viele Spots. Jede der vier Inseln bietet eine eigene Windsurfszene mit ganz besonderem Flair.
In den Frühlings- und Sommermonaten weht in der Regel ein leichter bis mäßiger Wind: der Levante aus Ost oder der thermische Embat – lokal werden diese mancherorts auch auf windsurftaugliches Niveau verstärkt, was letztlich aber eher entspannte als extreme Bedingungen schafft. Im Winterhalbjahr sieht es anders aus: Kommen die Balearen unter Tiefdruckeinfluss, sind starke Winde mit westlicher oder nördlicher Komponente an der Tagesordnung – dann erwachen auch die Wavespots der Balearen zum Leben.
Die mit Abstand größte Insel, mit Dutzenden von Flugverbindungen nach Nordeuropa. Aufgrund der Größe der Insel kann man sich auf sommerliche Thermik besser verlassen. Die Bucht von Palma ist berühmt für den Embat – eine 15-Knoten-Meeresbrise, die etwa im März oder April aufkommt und sich bis in den Sommer hinein zieht. Mallorca hat auch eine blühende lokale Windsurf-Community, die sich eher auf das Freizeitsurfen als auf Wettkämpfe konzentriert. Wichtig: Die Verleihcenter haben oft nur im Sommer geöffnet.
Hierbei handelt es sich um einen bekannten Strand in der Bucht von Palma, direkt neben dem Flughafen. Das Ambiente ist eher städtisch, hinter dem Sandstrand gibt es zahlreiche Hotels, Bars und Restaurants. Gesurft wird hier bei Südwest- bis Westwind, Ost- bis Südost funktioniert ebenfalls. Vor Ort befindet sich der Surfshop Pipeline, der Ausrüstung verkauft und Boards, Segel und Wings reparieren kann (mallorcapipeline.com). Mit dem El Niño Surf Center hat man auch ohne eigenes Material einen Anlaufpunkt, angeboten werden Kurse und Verleih, einschließlich Freeride-Ausrüstung. paddlesurfmallorca.com
Im Nordosten der Insel ist die große Bucht von Pollenca, die vor allem im Frühjahr und Frühsommer ein Tipp ist, denn dann gibt es eine thermische Verstärkung, die regelmäßig für gute Foil- und Freeridebedingungen sorgt. Große Segel sind dann allerdings angesagt, denn in der Regel wird der Wind nicht stärker als 15 Knoten. Mit dem Belline Surf Shop Pollenca gibt es eine Anlaufstelle. Ein Flachwasserspot, ideal für Freeride, mit etwas thermischer Verstärkung im Frühsommer, aber dennoch Bedingungen für große Segel. mallorcakiteboarding.com
Auch die benachbarte Bucht von Alcudia hat einiges zu bieten. Im Sommerhalbjahr gibt es im nördlichen Teil der Bucht die Möglichkeit, Freeride- und Wingfoil-Material auszuleihen, etwa bei den Surfcentern Windfriends (windfriends.com) und Watersports Mallorca (watersportsmallorca.com). Sich an die Surfcenter zu halten, ist auch deshalb ein Vorteil, weil die Bucht im Sommer gut besucht ist und es spezielle Korridore für Wassersportler gibt. Eine Reise wert ist die Bucht bei typischer Thermik-Wetterlage mit Levante aus Ost oder Embat aus südlichen Richtungen. Dann reicht der Wind oft zum Foilen und für großes Freeridematerial. In der Nebensaison bietet die Bucht sogar richtige Wavespots. Pfeift es aus Nord bis Nordost, kommt in S‘Estanyol/Cobardes ein richtiger Pointbreak in Gang, der mit Wind von rechts gute Wellenritte ermöglicht.
Ebenfalls sehr beliebt ist der lange und von Dünen gesäumte Strand Sa Rapita in der Nähe von Palma. Ideal funktioniert der Spot bei West- oder Südwestwind, der sideshore bis sideonshore von rechts ankommt. Ost-bis Südostwind ist ebenfalls ein Tipp, dann weht es von links. Je nach Windstärke findet man hier Bump & Jump-Bedingungen oder sogar Wellen. Bei Westwind, der von rechts kommt, bietet die Nähe zum Jachthafen etwas Schutz vor größeren Wellen. Am südöstlichen Ende des Strandes befindet sich der Startplatz Ses Covetes. Dort gibt es mehr Dünung und bei Nordwestwind einen saubereren Wind. Wer sich seiner Sache sicher ist, kann etwas weiter westlich, in S‘Estanyol de Migjorn aufs Ganze gehen. Wellen aus westlicher Richtung brechen sauber, wenn sie um die Landzunge herumrollen. Ideal ist Südwestwind, Start und Landung erfolgen allerdings über Felsen, daher definitiv ein Spot für Wave-Experten.
Um es kurz zu machen: Ibiza ist nicht der ideale Platz für Windsurf-Fans auf den Balearen! Die längeren Strände und die besten Bedingungen zum Funboard-Windsurfen findet man im Süden der Insel. Immerhin: Die Club- und Regattaszene ist gut entwickelt, insbesondere in Sant Antoni, wo der Club Naùtic über eine Windsurfer-Flotte verfügt (und eine jährliche Veranstaltung mit internationaler Beteiligung organisiert), sowie in Santa Eulalia, wo es ebenfalls eine Raceboard-Flotte gibt. Es gibt lokale Wassersportcenter, jedoch keine Ausleihmöglichkeiten für Ausrüstung jenseits des Anfänger- bzw. Longboard-Niveaus. Insgesamt hat Ibiza weniger Wind als Mallorca oder Menorca.
Wer trotzdem auf einen Glücksgriff setzt und sein Windsurf- oder Foilmaterial mitbringt, kann an der Südseite der Bucht von Sant Antoni, am Punta Pinet, sein Glück versuchen. Starker Nordwestwind schaufelt Wellen heran, die sich vor einer felsigen Landzunge brechen. Bei Wind von links sind dann Sprünge und Wellenritte möglich. Eine kleine Sandbucht direkt in Lee steht zum Starten und Landen zur Verfügung Im Sommerurlaub kann man sein Glück in Es Cavallet versuchen, gelegen im Süden der Insel. Ein langer, sandiger, nach Osten ausgerichteter Strand bietet schönes Ambiente. Thermischer Nordost- bis Ostwind (Levante) kommt auflandig an, je nach Windstärke bleibt es dann bei Flachwasser oder kleiner Dünungswelle. Aber wie zuvor erwähnt – eigenes Material vorausgesetzt.
Menorca ist die nordöstlichste Insel der Balearen und bietet ähnlich viele Windsurf-Optionen wie Mallorca. Gute Bedingungen kann man hier sowohl im Sommer- als auch im Winterhalbjahr erwischen. Wie auch auf Mallorca weht im Frühjahr bis in den Sommer hinein oft eine Thermik, wenngleich weniger verlässlich als auf Mallorca. Passende Spots, diese abzugreifen sind:
Im Westen der Insel gelegen, ist San Xoriguer eine gute Anlaufstelle für alle, die ohne eigenes Material anreisen oder einen Kurs belegen möchten. Während der Sommermonate kommt die Thermik aus Südost regelmäßig in Gang und weht mit sechs bis zwölf Knoten. Somit ist der Spot in erster Linie für Aufsteiger und teilweise auch zum Foilen interessant. Fahrbar sind hier alle südlichen Windrichtungen, von Südost bis Südwest. Es gibt eine traditionsreiche Surfschule, die auch Windsurf- und Wing-Ausrüstung zum Verleih anbietet (surfsailmenorca.com).
An der Nordküste von Menorca schneidet die Bucht von Fornells tief ins Land ein, was für nette Bedingungen für alle Könnenstufen sorgt. Tramontana aus Nord, der im Winterhalbjahr ein häufiger Gast ist, kommt dann sideshore von links am Spot an. Der Tramontana kann heftig werden, trotzdem bleibt es hier bei Bump & Jump-Bedingungen, die keine größere Hürde für Aufsteiger darstellen. Außerdem sind die Bedingungen am Spot Ses Salines auch für geübte Racer, Foiler und Freestyle-Fans gut geeignet. Ses Salines funktioniert auch gut bei Süd- oder Südwestwind, wenn der Wind durch die Bucht beschleunigt, nachdem er über die Insel gezogen ist. Eine aktive Raceboard-Klasse ist hier im Club Naùtic Fornells beheimatet. Während der Sommersaison kommt oft eine östliche Thermik mit bis zu 15 Knoten auf, Segelschulen und Verleihzentren (z.B. windfornells.com) sind vorhanden. Alternative: Bei starkem Nordwind fahren die Locals auch oft nach Port Addaia, wenige Minuten östlich gelegen. Hier werden Wellen weitgehend geblockt. Vorsicht vor den Untiefen!
Während Ses Salines bei starkem Tramontana aus Nord noch geschützt ist, sieht die Sache in Cala Tirant anders aus: Hier schiebt der Nordwind eine Dünung an die Küste. Gestartet wird am Südostufer der Bucht. Bei moderatem Wind können auch Wave-Novizen erste Gehversuche in der Welle machen, die in der Mitte der Bucht bricht. Bei Sturm sind auch fette Tage mit masthohen Wellen möglich, dann macht die Welle auch mal Kleinholz. Surfbar ist der Spot von Nord-Nordwest bis Nord-Nordost. Wind und Welle kommen aus ähnlicher Richtung – Frontside-Ritte sind daher schwierig, aber Jumps sind möglich. Am Südwestende der Bucht, am Spot Codolar, dreht die Welle weiter herum, was den Winkel zum Abreiten verbessert. Der Einstieg erfolgt hier allerdings über Felsen, daher sind hier Experten gut aufgehoben. Wer hier aufs Wasser möchte, sollte vorher das Gespräch mit den freundlichen Locals suchen, um sich über die Spotbesonderheiten aufklären zu lassen.
An der Südküste Menorcas erstreckt sich mit Son Bou ein langer Sandstrand, der zwei Gesichter bieten kann: Die sommerliche Thermik aus Süd bis Süd-Südost kommt hier regelmäßig in Gang und erlaubt entspannte Freerideoder Foilbedingungen vor schöner Dünen-Kulisse. Dann bleibt das Wasser relativ glatt, lediglich einige Felsen liegen im klaren Wasser, die man im Blick behalten sollte. Im Winterhalbjahr pilgern dann auch Wave-Fans regelmäßig nach Son Bou. West- bis West-Nordwestwind kommt nahezu sideshore von rechts und bringt solide Brandung mit. Der Einstieg über Sand ist einfach, allerdings hat die Welle über der vorgelagerten Sandbank durchaus Power.
Am Südostende der Insel erwartet Wassersportler eine Postkartenkulisse, gesurft wird in türkisfarbenem Wasser und vor weißem Sandstrand. Die vorgelagerte Insel samt Leuchtturm runden das Ambiente ab. Aufs Wasser kann man hier vor allem bei starkem Nordostwind, der überwiegend im Winter vorkommt und großartige Down-the-Line-Bedingungen liefern kann. Der Einstieg erfolgt vom Strand aus, ist aufgrund der Windabdeckung im Uferbereich aber trotzdem knifflig. Draußen brechen die Wellen dann sauber über ein Riff – das mögen auch die zahlreichen Wellenreiter. Südwestwind ist hier ebenfalls fahrbar, dann wird Punta Prima zum Bump & Jump Spot mit Wind von rechts.
Formentera ist mit der Fähre vom nahegelegenen Ibiza aus zu erreichen. Im Sommer weht hier meist eine leichte Thermik-Brise, was die Raceboard- und iQFOil-Szene gedeihen lässt. Auch hier hat man die Möglichkeit, in Surfschulen Material auszuleihen und Kurse zu belegen. Im Norden ist Formentera flach und verfügt über lange Sandstrände, was die Insel perfekt zum Windsurfen macht. Auch hier musst du deine eigene Windsurf-Ausrüstung mitbringen, oder dir Wingfoil-Material in einem der Surfcenter leihen. Die besten Anlaufstationen findest du in:
Die nahezu vollständig geschlossene Bucht neben dem Fährterminal ist absolut sicher und abgeschirmt vor Wellen. Zudem bietet der Spot ein breites Windfenster, sowohl West- als auch Ostwind sind gut fahrbar. Der „Club de Surf Formentera“ hat hier seinen Sitz, und die lokalen Rennfahrer nutzen ihn als Trainingsbasis, wobei sie überwiegend auf dem offenen Wasser jenseits der Lagune surfen.
Am Nordende Formenteras erstreckt sich eine schmale Landzunge mehrere Kilometer weit von Nord nach Süd – eine Postkartenkulisse, die dafür sorgt, dass es hier im Sommer voll wird und zahlreiche Jachten entlang der Strände ankern. Trotzdem kann man auf beiden Seiten der Landzunge surfen – wahlweise mit auflandigen oder ablandigen Bedingungen. Perfekt ist Wind aus Ost oder Südwest. Wer einen windigen Tag erwischt, kann sich vor Ort allerdings nur Wingfoilmaterial leihen, etwa bei Whitesand Surf Formentera (whitesandsurf.es).
Der mehrere Kilometer lange, nach Süden ausgerichtete Strand bietet diverse Einstiegsmöglichkeiten, dank der sanften Krümmung des Strandes findet man bei Südwest-,West- und Nordwestwind immer einen guten Windwinkel. Westliche Winde schieben im Winter sogar Brandungswellen an die Küste. Dabei gilt: Weiter östlich Richtung Platja s‘Arenal werden die Wellen größer, weiter westlich bei Ca Mari surft man hingegen deutlich geschützter. Im Sommer dominiert auch in diesem Teil der Balearen die Thermik aus Südost, diese wird allerdings selten stark genug zum Gleiten, sodass auch hier immer wieder Raceboards gesichtet werden.
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