TravelSturmtief Therese auf Gran Canaria - Reisebericht von Arne Wolf

Manuel Vogel

 · 30.03.2026

Im März bescherte Sturmtief Therese Gran Canaria besondere Bedingungen
Foto: Arne Wolf
​Arne Wolf und Claudia Kühn reisten nach langer Zeit wieder nach Gran Canaria. Aber statt der üblichen Passatwinde kam ihnen Sturmtief Therese in die Quere. Langweiliger wurde der Trip dadurch nicht!

Text: Arne Wolf

Während des eisigen Winters in Norddeutschland Anfang des Jahres, war uns nach einer Aufwärmphase. Was liegt da näher, als einen Abstecher auf die Kanarischen Inseln? Wir stellten eine Anfrage bei Pozowinds – und erhielten eine Zusage für den Zeitraum vom 15. bis 25.03.2026. Yeah! Für mich hieß es nach 22 Jahren also endlich wieder: Auf nach Gran Canaria!

Die Vorfreude war groß. Je näher unser Abreisedatum kam, desto häufiger checkten wir die Wetterprognosen. Die Kanaren lieferten schon seit mehreren Wochen strammen Nordostpassat, und wir befürchteten, dass nach so langer konstanter Windphase eine Pause eintreten könnte. Im Frühjahr (März–Mai) ist der Wind auf Gran Canaria meist vorhanden, aber noch wechselhaft (ca. 60–80 Prozent Wahrscheinlichkeit). Im Sommer (Juni–August) dominiert der stabile Nordostpassat fast täglich, mit einer Windwahrscheinlichkeit von etwa 90–100 Prozent. Südwestliche Störungen sind selten und treten eher außerhalb des Sommers auf. Natürlich verabschiedete sich der Nordostpassat pünktlich zu unserer Ankunft. Zusätzlich wurde vor Unwettern und orkanartigen Stürmen auf den Kanaren gewarnt. Wir waren nervös und wussten nicht, was wir einpacken sollten. Die typischen 3er- Segel für Pozo ließen wir zu Hause und griffen stattdessen zu Segeln zwischen 4,0 m² und 5,7 m². Zur Sicherheit nahmen wir neben den 80er-Waveboards auch die 100 l Waveboards mit.

Trouble beim Checkin - mit Happy End und einem Tipp fürs nächste Mal

Beim Vorabend-Checkin am Flughafen gab es Probleme mit dem Sperrgepäck, es hieß, nur eine Tasche Sportgepäck pro Person wäre erlaubt. Nach langem Hin und Her bot mir die Fluggesellschaft schließlich an, ein zusätzliches Golfgepäck für 50 Euro zu buchen, damit alle Taschen mitkommen. Da um diese Uhrzeit niemand mehr im Callcenter erreichbar war, stimmte ich notgedrungen zu. Auf der Webseite der Fluggesellschaft Eurowings steht es eindeutig: „Falls deine Sportausrüstung schwerer als 32 Kilo sein sollte, fällt der normale Preis für einen weiteren Koffer an (wenn dieser im Rahmen von 23 kg bleibt). Sollte ein weiterer Koffer nicht ausreichen, kann alternativ ein weiteres Sportgepäck für bis zu 32 kg mehr gebucht werden.”

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Ich hatte ein 32‑kg‑Sportgepäck (Surfboards) und ein 23‑kg‑Aufgabegepäck (Segel). Diese Buchung wurde mir nachträglich von Eurowings bestätigt, und man entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Für den Rückflug wurde in meiner Buchung vermerkt, dass mein Aufgabegepäck aus zwei Sperrgepäcktaschen besteht. Für die Zukunft werde ich das immer vor dem Flug über das Callcenter eintragen lassen – dieser Tipp kann helfen, Ärger zu vermeiden.

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Immer ein Aufreger - der Checkin mit SurfequipmentFoto: Arne WolfImmer ein Aufreger - der Checkin mit Surfequipment
​Der Nordostpassat verabschiedete sich pünktlich zu unserer Ankunft. Zusätzlich wurde vor Unwettern und orkanartigen Stürmen auf den Kanaren gewarnt

Sturmtief Therese im Anmarsch auf die Kanaren

Auf Gran Canaria angekommen, hatten wir am ersten Nachmittag noch etwas Wind aus Nordost und konnten immerhin eine erste Session in Pozo Izquierdo genießen. Wir checkten in unsere Unterkunft ein, machten das Material fertig und gingen gleich aufs Wasser – 4,0 m² und das 82er Board für Claudia und 4,6 m² mit 88 Litern für mich. Gesurft wurde bis zum Sonnenuntergang bei ablaufender Tide. Die Unterkünfte von Pozowinds sind wirklich toll – der Ausblick auf die Bucht ist unschlagbar, der Balkon großzügig, und die Küche bestens ausgestattet. Außerdem ist das gesamte Team sehr freundlich und hilfsbereit. Pozowinds betreibt außerdem ein Materialverleih zu sehr fairen Preisen. Da es am nächsten Morgen kein Wind gab, fuhren wir verschiedene Spots ab, unter anderem nach Castillo del Romeral und Ketchup – leider ohne Wind oder Wellen zu finden.

Der spanische Wetterbericht kündigte für den 17. bis 21. März orkanartige Stürme an. Sturmtief Therese war da, und sobald wir das Navi einschalteten, erschienen Warnhinweise auf mögliche Straßensperrungen. Dienstag, der 17. März, versprach somit ein grandioser Surftag zu werden, mit kräftigem Südwestwind und Wellen von bis zu drei Metern. Wir packten das Auto und fuhren nach Salinas de Tenerifé. Am „Strand“ angekommen, entdeckten wir viele bekannte Gesichter, von Amateuren bis Profis war alles vertreten. Nach einer kurzen Begrüßung und Spot-Einweisung durch Lokalmatador Björn Dunkerbeck, der soeben vom Wasser kam, riggte ich mein 4,6er. Die Wellen hatten ordentlich Druck, nach einem Waschgang lag mein Material ungünstig und eine Welle brach meinen Mast.

Shit happens!Foto: Claudia KühnShit happens!

Dunkerbeck, Mauch, Pons, Gherardi - alle großen Namen am Start

Claudia hingegen konnte mit dem 4,0er souverän durch den Shorebreak starten und kam mit intaktem Material zurück. Nach meinem Mastbruch hatte ich immerhin Zeit die Locals zu fotografieren. Liam Dunkerbeck zeigte spektakuläre Cutbacks und 360s, Marino Gil Gheradi sprang meterhohe Frontloops off the lip, Josep Pons und Moritz Mauch demonstrierten höchste Präzision in meterhohen Wellen. Die Session dauerte bis in den Sonnenuntergang – traumhafte Stimmung! Tolle Aufnahmen von diesem Tag finden sich auch auf meinen Instagram-Profilen arne.fotografiert und arne.surft.

Bild 1
Foto: Arne Wolf
Die Pros zeigten in Salinas ein wahres Feuerwerk

Am Mittwoch trafen wir auf Local Josep Pons, der uns mit nach Castillo del Romeral nahm. Josep ist Sportwissenschaftler und professioneller Windsurfcoach. Er trainiert sowohl Amateure als auch Profis. Josep ist äußerst sympathisch und kompetent – absolut empfehlenswert! Der Spot zeigte sich mit kleineren Bump-and-Jump-Wellen und einem entspannteren Einstieg als Salinas. Der Südwestwind war stark, aber böig - mal überpowert mit 3,4er bis 4,0er, dann wieder schwach. Trotzdem – türkisfarbenes Wasser, fliegende Fische und Sonne pur – ein Genuss nach dem grauen Winter.

Tolle Kulisse in Castillo del RomeralFoto: Arne WolfTolle Kulisse in Castillo del Romeral

Der Donnerstag brachte Regen und unruhigen Wind. Nach stundenlangem Hin- und Herfahren entschieden wir uns am späten Nachmittag nochmal für eine Session in Castillo del Romeral. Das 5.2er kam zum Einsatz, doch ein Gewitter mit Platzregen beendete das Vergnügen. Später erfuhren wir, dass viele Profis nach Fuerteventura übergesetzt waren – dort gab es masthohe Wellen.

Nach zwei Tagen Pause in Salinas waren wir wieder hochmotiviert. Hochwasser, kraftvolle Wellen, viel Strömung – nichts für schwache Nerven. Filmer Blas Herrera Trujillo war ebenfalls vor Ort, und überraschend tauchte mit Jens Hogenkamp ein Bekannter auf – den ich auf Hawaii vermutet hatte. Die Freude war groß zusammen aufs Wasser zu kommen! Claudia riggte 3.4 m² und ich 4.0 m² auf. 35 Knoten, massiven Wellen und starke Strömung forderten uns allerhand ab. Ich wurde von einer zwei Meter hohen Welle auf die Steine gespült, Claudia erging es kaum besser. Die zweite Session am Abend lief deutlich angenehmer, aber wir waren durch. Am Ende des Tages saßen wir erschöpft, aber glücklich auf den Steinen – und sahen Liam Dunkerbeck E11 und Daida Ruano Moreno E64, die „Queen of Pozo“, bei der Abendshow auf dem Wasser. Spektakulär!

surf/z06-7989_247601a0440194737603d0c80afff646Foto: Claudia Kühn

Die Windsurfer-Statue in Pozo fiel dem Sturm zum Opfer

Der 21. März brachte extreme Böen – sie rissen sogar die bekannte Statue La Windsurfista samt Mast um. Wir selbst hatten mit geprellten Zehen und Oberschenkeln zu kämpfen und beschlossen, zu pausieren. Stattdessen machten wir einen Ausflug in den Barranco de Guayadeque – eine bis zu 400 Meter tiefe Schlucht mit Höhlenwohnungen, Felsenkapelle und urigen Restaurants. Ein lohnenswerter Abstecher – Natur, Geschichte und kanarische Kultur pur. Am Sonntag ging es wieder aufs Wasser – leichter Südwest, moderate Wellen. Daniel Dunkerbeck trainierte bereits, während Björn vom Ufer aus Tipps gab. Anfangs kam nur in Böen richtig Druck auf, aber ab Mittag frischte der Wind kurz auf – und wir hatten eine Dreiviertelstunde puren Spaß. In den Tagen danach zeigten sich die Spuren des Sturms deutlich. In den Bergen waren zahlreiche Wanderwege und Straßen gesperrt, manche endeten plötzlich in Sackgassen. Wasserfälle stürzten teils über Treppen, überflutete Täler und Erdrutsche säumten die Straßenränder – hier hatte die Natur ganze Arbeit geleistet. Auch die Strände von Playa del Inglés und Maspalomas waren überflutet.

Die Folgen der Unwetter waren nicht zu übersehenFoto: Arne WolfDie Folgen der Unwetter waren nicht zu übersehen

Abgebrochene Palmen und angespülter Plastikmüll bestimmten das Bild. Wir beschlossen, spontan einen Beach-Clean-up zu machen – der Müllsack war schnell gefüllt. Alles in allem war es ein erfolgreicher Trip: Sieben von zehn Tagen Wind – 70 Prozent Windquote im Winter ist nicht schlecht. Etwas mehr Nordostwind und besseres Wetter hätten wir uns gewünscht, aber auch der Südwestwind hatte seine Reize. Wir kommen wieder – und ein großes Dankeschön geht an die Crew von Pozowinds!


Manuel Vogel

Manuel Vogel

Redakteur surf

Manuel Vogel (Jg. 1981) lebt in Kiel und stand bereits mit sechs Jahren auf dem Windsurfboard in der Surfschule seines Vaters. Nach über 15 Jahren als Windsurflehrer und seit 2003 im surf-Testteam arbeitet er seit 2013 als Redakteur für Test und Fahrtechnik. Seit 2021 ist er zudem begeisterter Wingfoiler – vor allem an der Ostsee und in den Wellen Dänemarks.

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