Kann ich aktuell nach Ägypten reisen? Das fragen sich viele Urlauber seit Beginn des Iran-Krieges. Die Antworten darauf spielen sicher auf mehreren Ebenen. Für Martin Brandner, Ex-JP-Manager und Halsen-Coach, ist die Lage nüchtern und objektiv betrachtet eindeutig: “Ägypten ist in keiner Weise in diesen Konflikt involviert und es gibt auch keine amerikanischen Militärstützpunkte in Ägypten. Daher kann man meiner Meinung nach bedenkenlos nach Ägypten reisen. Mein Halsen-Camp vom 10. - 16.5. bei Harry Nass in Dahab findet daher auch ganz normal statt und ist auch schon gut gebucht.”
Dahab, das viele Male als Testrevier für Surf gedient hat, bietet ideale Flachwasserbedingungen, um die durchgeglittene Halse zu erlernen oder zu perfektionieren. Für die Videoanalyse wird extra für das Camp ein Tower im Wasser aufgebaut. Neben seinem Mental Training und dem einzigartigen Halsen-Simulator bietet Martin jetzt im, Rahmen des Camps auch Live Coaching mittels Funksystem, während er vom Tower aus filmt.
Oliver Hilf ist Geschäftsführer bei Surf & Action, er bekam die Auswirkungen des Krieges unvermittelt zu spüren. Er erzählt im Interview, wie die aktuelle Lage aussieht und worauf vorsichtige Reisende bei einer Reise achten sollten.
Also zu Beginn des Krieges war alles komplett tot. Es gab überhaupt keine Anfragen. Mittlerweile merkt man von Woche zu Woche eine kleine Verbesserung. Es gibt immer ein paar mehr Anfragen, aber insgesamt bleibt es noch sehr verhalten. Am letzten Wochenende gab es auch wieder Berichte über mögliche Angriffe auf Touristenziele durch den Iran, was erneut zu einem Rückgang der Anfragen geführt hat. Wir sind bei solchen Meldungen leider oft stark betroffen.
Ganz beispielhaft: Wir haben gerade Paris, einen unserer Mitarbeiter, nach Ägypten geschickt für einen kompletten Ägypten-Spot-Guide. Von El Gouna bis Marsa Alam. Ich würde sicher keinen Mitarbeiter losschicken, wenn ich Sorge hätte, es könnte etwas passieren. Im Mai findet das Ride & Learn-Event in Abu Soma ganz normal statt. Die erste Woche ist bereits ausgebucht, aber vom 21. - 28.5. haben wir noch einige Plätze frei.
Überhaupt nicht involviert. Das Problem ist, die Leute sehen nur "Arabisch" oder "Nahost" und haben dann Bedenken. Auf den Karten im Fernsehen sieht man Dubai, die Emirate und Saudi-Arabien, und daneben liegt eben auch Ägypten. Viele denken fälschlicherweise, das sei alles viel zu nah und es könnte etwas passieren. Aber in Wahrheit ist es vor Ort komplett ruhig. El Gouna ist zum Beispiel gerade komplett ausgebucht. Wir wollten für einen Gast verlängern und konnten keine Unterkunft mehr finden. Die, die gebucht haben, sind vor Ort und genießen ihren Aufenthalt. Neue Buchungen zu generieren ist allerdings sehr schwer.
Nein, es gibt keine neuen Reisewarnungen. Was es gibt, sind diese standardmäßigen Reisehinweise, vor allem für den nördlichen Sinai wegen terroristischer Vorfälle und gesundheitlicher Themen wie Dengue-Fieber. Aber diese Reisehinweise existieren schon seit mindestens zehn Jahren und sind unverändert. Wichtig ist zu wissen, dass diese Teilreisewarnungen nur für den nördlichen Sinai gelten und nichts mit den touristischen Gebieten zu tun haben.
Teilreisewarnungen gelten nur für den nördlichen Sinai und haben mit den touristischen Gebieten nichts zu tun.” Oliver Hilf, Surf & Action
Sobald das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung herausgibt, raten wir strikt von Reisen in das betroffene Land ab, und wir würden alle gebuchten Reisen kostenfrei stornieren. Alle, die bereits dort sind, können ganz normal zurückfliegen. Aber ich glaube nicht, dass Ägypten in diese Situation kommen wird.
Nein, die Flugverbindungen sind gleichgeblieben, Gott sei Dank. Von fast jedem deutschen Flughafen kann man mindestens drei bis fünf Mal pro Woche nach Ägypten fliegen, mit Airlines wie Condor, Sunexpress, Eurowings, TUI und vielen anderen. Es gibt keinerlei Flugstreichungen.
Die Abu-Soma-Buchten und El Gouna sind momentan sehr beliebt. Dahab wird weniger frequentiert, unter anderem wegen eingeschränkter, direkter Flugverbindungen. Aber Hurghada zum Beispiel ist ganz normal und gut erreichbar.
Also generell, wenn Leute Angst haben, ist es ratsam, über einen Reiseveranstalter buchen. Das heißt dann nämlich: wir müssen dafür sorgen, dass sie hin- wie zurückkommen, egal wie. Wenn es Flugabsagen gibt, weil die Auslastung nicht mehr so hoch wäre - was aber momentan nicht der Fall ist - auch für den Fall sind wir zur Abhilfe verpflichtet.
Marsa Alam ist besonders von November bis Ende April interessant, weil es nachts nicht so kalt wird, da machen fünf Grad mehr in der Nacht als in Dahab schon einen spürbaren Unterschied. Und statistisch gesehen hat der Süden im Winter mehr Wind. Hurghada und Dahab sind von März bis November gut zu bereisen. Im Sommer, insbesondere Juli und August, können die Temperaturen in Ägypten sehr hoch sein, doch dank der geringen Luftfeuchtigkeit ist die Hitze erträglich. Ideal sind aber Reisen bis Ende Juni oder dann wieder ab September.

Stellvertretender Chefredakteur surf