Text: Fabian Grundmann
Eigentlich ist die Hauptreisezeit für Mauritius der Spätsommer, die Monate von April bis in den Oktober hinein gelten als verlässliche Wind- und Wellenzeit. Im Hochwinter allerdings, so die üblichen Warnungen, ist Mauritius kein Tipp. Um dem fiesen Kieler Winter zu entfliehen und unsere Elternzeit sinnvoll zu nutzen, buchten wir dennoch mit unseren beiden Kindern (5 und 1 Jahre alt) dieses Ziel - und wurden nicht enttäuscht.
Natürlich reisten wir mit eigenem Material an, beschränkten uns dabei aber auf ein Minimalkontingent aus zwei Segel (5,0 und 4,4 qm) und ein 94-Liter-Waveboard. Mauritius hat natürlich mehr zu bieten, als grandiose Windsurfbedingungen: Tropische Wälder, Nationalparks, Naturreservate mit Krokodilen und Riesenschildkröten sowie weitere geologische Highlights bieten genügend Abwechslung, um auch mal Flautentage ohne Langeweile zu überstehen. Zudem bietet das warme Klima immer die Möglichkeit, zu Schnorcheln oder einfach mal am Strand zu entspannen. Wir verbrachten viel Zeit am Surfspot Manawa/One Eye, da im Landesinneren die Temperaturen kaum zu ertragen waren. Häufig setzte sich die Thermik durch, auch bei schlechter Vorhersage. Regen gab es auch manchmal, nicht oft und nur selten stark.
Generell bläst der Wind auf Mauritius in der bekannten Lagune Le Morne immer deutlich stärker als draußen am Riff. Oft konnte ich mit dem 5,0er drinnen gleiten, draußen dümpelte ich dann im Lineup und versuchte, eine der Lines zu erwischen. Das Tolle ist, dass man aufgrund des Offshore-Winkels dann auf der Welle trotzdem richtig Druck im Segel hat - ich hatte beim Wellenabreiten in One Eye teilweise über 50km/h auf dem Tacho, und das, obwohl der Grundwind nur mit 12-15 Knoten wehte.
Da wir als Eltern beide aufs Wasser wollten, teilten wir uns die windigen Tage in 60-Minuten-Sessions auf. So schafften wir es beide, trotz Kinderbetreuung, Laufen- und Schwimmenlernen, Baden und Schnorcheln, beinahe jeden Tag Windsurfen zu gehen. Manchmal waren für einen von uns sogar zwei Runden Surfen drin. Die Bedingungen waren selbst an „schlechten Tagen“ um ein Vielfaches grandioser als das, was die nordeuropäischen Spots in der Regel bieten können. Die sauberen Wellen, die sommerlichen Temperaturen, der Winkel des Windes – und das perfekte Riff! Eine anspruchsvolle, aber auch paradiesische Mischung. Aber wer unsicher im Waveriding, Strömungs- und Dümpelsurfen ist, sollte lieber in der Lagune bleiben! Ein lokaler Fotograf begleitete mich an einem mittelhohen Tag nach Manawa, um ein paar Erinnerungsbilder zu machen. 60 Minuten hatte ich Zeit, etwas vor die Linse zu surfen. Erinnerungen, die für immer bleiben!

Redakteur surf