KapverdenWingfoilen auf Boa Vista - die besten Spot-Tipps

reemedia

 · 05.01.2026

Boa Vista ist deutlich unbekannter als die Nachbarinsel Sal
Foto: reemedia
Konstanter Passatwind, Flachwasser & Welle - die Kapverdeninsel Boa Vista hat das Zeug, ein Wingfoil Hotspot zu werden. Wir stellen euch die Insel mit ihren Spots vor.

Per Direktflug von Hannover nach Boa Vista! Nach etwa fünf Stunden überfliegen wir die Kanarischen Inseln und weitere zwei Stunden später sind wir schon im Landeanflug auf die Insel Boa Vista. Wir freuen uns auf Passatwind, weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, sommerliche Temperaturen und eine nette, lebendige und zugängliche Kultur! Für mich ist es bereits die fünfte Reise auf die Kapverdischen Inseln, aber bislang war ich immer auf Sal gewesen, das durch Ponta Preta, den Spot mit Wellen im Weltklasseformat, weltberühmt geworden ist.

Bereits am späten Vormittag landet unser TUI-Flieger auf Boa Vista und innerhalb von zehn Minuten sind wir in unserer Unterkunft Ca Nicola in der kleinen Stadt Sal Rei. Auf Empfehlung von Felix Quadfaß von Planet Allsports haben wir uns ganz bewusst gegen ein größeres All-inclusive Hotel entschieden, sondern für eine kleine, familiäre Unterkunft mit Blick auf den Strand, wo wir uns jeden Abend für ein Abendessen in die Stadt bewegen und so ein Stück weit auch Land und Leute kennenlernen können.

Vor Reiseantritt konnte unser Umfeld mit dem Reiseziel „Boa Vista“ eher nichts („wo ist das denn?“) anfangen. Zu den Hintergründen: Die Kapverden bestehen aus insgesamt neun bewohnten und weiteren unbewohnten Inseln vulkanischen Ursprungs und befinden sich etwa 1.500 Kilometer südlich der Kanarischen Inseln und 500 Kilometer westlich der afrikanischen Küste. Unser Ziel Boa Vista misst etwa 30 mal 55 Kilometer und bietet traumhafte, zum Teil endlose Sandstrände. Durch eine ganzjährig hohe Trockenheit wächst so gut wie nichts auf dieser Insel, die zumeist aus Steinwüsten und Sanddünen besteht. Wenn wir mit dem Pick-up über die Insel fahren, dann sehen wir kaum Dörfer und Menschen, sondern einfach nur endlose Flächen mit Steinen und viel weichem Sand.

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Wingfoilen auf Boa Vista

Ja, der Blick ging schon Tage vorher immer wieder mal in die Windvorhersage, die einen beständigen Passatwind voraussagte - täglich 15-23 Knoten aus Nordost ließen die Vorfreude sehr groß werden! Tatsächlich befindet sich der Passatgürtel im Sommerhalbjahr in Höhe der Kanarischen Inseln und wandert dann im Winterhalbjahr auf die Höhe der Kapverdischen Inseln. Haben die Kanaren im Winter auch zum Teil stärkere Passatwinde mit typischer Weise über drei, vier Tage und in der Spitze bis zu 30 Knoten, so verwöhnt der Passat die Kapverden in den Monaten November bis April mit dauerhaften und moderaten Windbedingungen. Insbesondere die Monate Januar bis April gelten nach unseren eigenen Erfahrungen als sehr windsicher, allerdings liegen die Windstärken im Mittel bei 15-20 Knoten, selten mehr.

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So sieht die Windvorhersage auf Boa Vista meistens ausSo sieht die Windvorhersage auf Boa Vista meistens aus

Nach noch nicht mal fünf Gehminuten sind wir schon an unserer Basis, der Planet Allsports Station, angekommen. Wenn man in Sal Rei Unterkunft bezieht, dann ist Planet Allsports die dichteste Station, während die Stationen weiter südlich längere Wege mit sich bringen. Direkt neben der Station ist das Restaurant und Beachclub Tortuga, mit einigen Liegen und Sonnenschirmen für den nicht surfenden Anhang.

Vor der Station sind die Wasserbedingungen an einer überwiegenden Anzahl von Tagen recht glatt. Klar, denn der Wind weht hier aus der Stadt Sal Rei kommend, ablandig, so dass das Wasser wirklich plattgedrückt wird. Und nur an wenigen Tagen, also mit Nordwest- oder sogar Westswell, drücken langgezogene Wellen so tief in die Bucht rein, so dass saubere Wellen in guten Abständen reinlaufen. Der Shorebreak vor der Planet Allsports Station ist zumeist harmlos, weil die kleine Insel Ilheu de Sal Rei vorgelagert ist, so dass ein Einstieg auch für ungeübtere Wingfoiler leicht machbar ist.

Auf den ersten 200-300 Metern vor der Station ist es tatsächlich sehr sehr böig und ein Angleiten ist nur dann möglich, wenn man genau eine Böe erwischt. Es kann auch passieren, dass man aber im ersten Teil der großen Bucht wieder aus dem Foilen kommt, wenn man nicht gleich ein Stück Raumschot abgefallen ist. Denn je weiter in Lee man fährt, desto konstanter wird auch der Wind. Die Bucht von Sal Rei ist aber beileibe nicht der einzige Spot der Insel - im Folgenden gibt’s alle wichtigen Infos.

Wingfoilen vor dem Riu Palace HotelWingfoilen vor dem Riu Palace Hotel

Die Wingfoil-Spots auf Boa Vista

1. Liowa

Liowa (die „Löwin“) läuft so typisch, denn sie baut sich (fast) täglich kurz nach der Hafeneinfahrt auf und bricht dann in der Mitte der Welle nach vielleicht 100 Metern zum ersten Mal. Dabei bricht sie nur oben an der Wellenkrone und obwohl sie bestimmt nicht langsam ist, hat sie nur weniger Druck. Perfekt zum Wingen, oder?!

LiowaLiowa

Die Welle läuft dann weiter(!), um dann im besten Falle nach weiteren 100 Metern nochmal zu brechen. Die Wucht der Welle ist dann aber geringer geworden. Nur an Tagen mit großem Swell können die Peaks auch kraftvoll und hohl brechen, “aber genau da kann man sich als Wingfoiler einfach und sicher heraushalten“, fügt Gabriel, Leiter der Planet Allsports Station, hinzu. Positiv: Die Welle lässt sie sich beim Herausfahren links und rechts sehr sicher umfahren, denn das was an den Rändern noch ankommt, ist ein bisschen Dünung und nicht mehr. Für den Wingfoilprofi, und Wave-Weltmeister 2023, Wesley Brito, ist Liowa die „Hauswelle“, also die Welle, worauf er quasi täglich zu finden ist.

2. Bucht von Sal Rei

Fahren wir allerdings die große Bucht ein Stück weit runter, dann erwarten uns weiter unten, kurz oberhalb der Insel Ilhéu de Sal Rei, zwar immer noch böige Winde, die aber schon ein Stück weit konstanter sind und für viele Wingfoiler zum Freeriden gut ausreichen und zum Manöverlernen einladen.

3. Ilhéu de Sal Rei

Ilheu de Sal ReiIlheu de Sal Rei

Nochmal ein Stück weiter unten erwartet uns der wunderschöne Strand von Ilhéu de Sal Rei! Diese flachgezogene, kleine Bucht mit feinsandigem weißen Sand und davor so herrlich türkisenem Wasser ist für uns nochmal der „Urlaub im Urlaub“. Dabei ist man hier fast immer allein auf dem Wasser. Wir steigen hier aus, um uns die alte Festung anzuschauen. Vor etwa 200 Jahren wurde diese mit einigen Kanonen gebaut, um die damals auf der Insel vorherrschende Salzproduktion vor Angriffen von Piraten zu sichern.

4. Morabeza Beach

Weiter runter geht es, an der großen Düne vorbei, zu den weiter in Lee gelegenen Stationen Duotone Pro Center und Kitekriol. Der Wind kommt hier immer freier an und an einigen Tagen ist das Wasser auch hier glatter, also gut zum Manöverlernen geeignet. Und hier sind zumindest vor den Stationen DPC und Kitekriol Kiter auf dem Wasser, weil der Wind recht stetig ist. Auch Kiteschulungen werden hier gemacht. Wir haben hier Tage erlebt, an denen nur teilweise Dünungswellen reinlaufen, auf der anderen Seite hat man hier immer wieder auch vermehrt Shorebreak, der es nicht einfacher macht, mit dem Wingfoilmaterial aufs Wasser zu gehen. Und während die Atlantikwellen vor diesen Stationen noch moderater sind, so gibt es vor den beiden noch weiter unten gelegenen Riu Hotels an einigen Tagen Wellen mit einem Shorebreak, der es in sich haben kann. Dem Vernehmen nach sind es hier mehr Tage mit einem satten Shorebreak.

Alternativspots auf Boa Vista

Farol de Morro Negro

Wir mieten uns einen 4x4 Pickup, um die Insel zu erkunden und um einen Spot mit Sideshorewind und ein paar Wellen kennenzulernen. Über eine gute Stunde geht es über im besten Falle gepflasterte Straßen hinweg, um dann wieder am Spot diese herrlichen Wasserfarben, helle Sandstrände und diesen nicht enden wollenden Passatwind, heute mit etwa 20 Knoten, zu genießen. Weiter in Luv gibt es eine Strecke mit glatterem Wasser und weiter unten baut sich mit abnehmender Tide eine zum Teil sauber laufende Welle auf, die vielleicht einen Meter hoch ist. Außer uns sind bereits zwei Wingfoiler und etwa zehn deutsche und französische Kitesurfer auf dem Wasser.

Outside Reef („English Reef“)

Ausserdem gibt es zwei Kilometer von der Küste entfernt das Outside Reef, auch „English Reef“ genannt. Dort brechen die Wellen aber erst ab einer Höhe von etwa drei Metern. Bis zu sechs Meter kann sie groß werden, barrelt sehr mächtig und hat zudem eine ganz dicke Lippe! Dieser Spot ist nur absoluten Waveprofis zu empfehlen und auch diese sollten nur mit einer Boot-Begleitung hierhin.

Outside ReefOutside Reef

Boa Vista - allgemeine Infos

​Klima & Neopren-Empfehlungen

Das durch den Nordost-Passat bestimmte tropisch-trockene Klima weist rund 350 Sonnentage im Jahr auf. In den Wintermonaten beträgt die Tagestemperatur etwa 23–25 Grad, und das Wasser ist 21 Grad warm. Selbst in den kühlsten Monaten Januar und Februar (wie bei uns auch Winter) fallen die Temperaturen nachts nur selten unter 18 Grad Celsius. Wir empfehlen für die Monate November und Dezember einen 3/2er-Anzug (entweder als Shorty oder mit langen Armen und Beinen) und für die Monate Januar bis April einen 4/3er-Anzug. Der Passat weht zwischen November und April sehr verlässlich, die Windquote liegt zwischen 60 und 80 Prozent.

Wellen

Die besten Wellen gibt es von Dezember bis Februar. Im März und speziell im April nimmt die Swellhäufigkeit ab. Die im Winter häufig vorherrschende Swellrichtung, welche an der ganzen Westküste funktioniert, ist Nordwest. Kommt ein Nordost-Swell rein, laufen die Wellen an der Ostküste. Stimmen die Swellrichtung, Periode und Höhe, brechen auf Boa Vista Wellen im Weltklasseformat.

Stationen

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Reiseveranstalter

Sicherheit

Wir haben uns auf der Insel zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt. Eine Kriminalität war nicht wahrnehmbar, und zwei Polizisten waren ständig an allen möglichen Punkten zu finden. Natürlich ist die Safety bei diesen ablandigen Winden ein ganz wichtiger Punkt: Die Mitarbeiter der Planet Allsports Station haben ständig ein Auge auf ihre Kunden, d.h. auf alle Wingfoiler und Windsurfer, die mit auffällig pinkfarbenen Shirts aufs Wasser gehen und so auf dem Wasser erkennbar sind. Vielfach sehen wir die Mitarbeiter, wie sie mit dem Fernglas intensiv die Spots absuchen, um gegebenenfalls havarierte Kunden sofort bergen zu können. Die Station ist mit Motorbooten ausgestattet, die in solchen Fällen sofort rausfahren können. Nach unserer Wahrnehmung wird dieses sehr gewissenhaft von der Station gemacht. Für die Safety anderer, weiter südlich gelegenen Stationen, können wir an dieser Stelle nicht sprechen, wir haben aber beobachtet, dass auch diese Motorboote im Einsatz haben.

Mietwagen

Wir empfehlen 4x4-Pick-ups, um sich möglichst ohne ein Festfahren fortbewegen zu können. Die Kosten liegen bei etwa 70–80 Euro/Tag.

Restaurants & Abendprogramm

Das kulinarische Angebot ist zwar nicht groß, aber dennoch vielseitig und sehr gut. Wer frischen Fisch und Meeresfrüchte mag, ist hier gut aufgehoben. Daneben bekommt man genauso Pizzen, Fleisch und Pasta. ​Unsere Favoriten sind die zentral in Sal Rei gelegenen Restaurants Sodade, Bowlavista (unter deutscher Führung), Té Manché (Fisch!). Für den Hunger über Tag ist das Toca da Garoupa neben der Planet-Station zu empfehlen, welches von einer Italienerin betrieben wird. Die Kapverdier tanzen und feiern gern. Musik läuft immer irgendwo und gehört zum Alltag. Boa Vista ist keine Partyinsel, und dennoch findet sich in Sal Rei immer irgendwo etwas zum Feiern.

Geld/Kosten

Die Preise in einfachen Restaurants und Pensionen sind recht günstig. Die Produkte des täglichen Bedarfs allerdings nicht, fast alles muss importiert werden. Die Landeswährung ist der Kap-Verde-Escudo (CVE). Der Kurs liegt bei 1 Euro= 100 CVE, und man kann überall (!) auch mit Euro bezahlen. Angestellte von Restaurants, Lebensmittel- oder Kleiderläden verdienen ca. 250 Euro im Monat.

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