BSHNordsee und Ostsee im Sommer 2026 deutlich zu warm

SURF

 · 07.09.2026

BSH: Nordsee und Ostsee im Sommer 2026 deutlich zu warmFoto: BSH
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie meldet überdurchschnittlich hohe Oberflächentemperaturen in Nord- und Ostsee
Das BSH meldet für den Sommer 2026 deutlich erhöhte Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee. Die Nordsee erreichte 15,6 Grad Celsius und lag damit knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel. Vor Helgoland registrierten Messstationen 66 Tage mit marinen Hitzewellen.

Der Sommer 2026 brachte den heimischen Meeren außergewöhnliche Wärme. Die Nordsee erreichte laut einer Mitteilung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von 15,6 Grad Celsius und lag damit knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel von 1997 bis 2021. Damit reihe sich 2026 als fünftwärmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen 1997 ein. Nur die Jahre 2025, 2003, 2014 und 2018 verzeichneten noch höhere Werte. Besonders die südliche Nordsee und der Ärmelkanal stachen demnach hervor: Hier übertrafen die Temperaturen das langjährige Mittel um zwei Grad Celsius und mehr. Einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte seit 1997 auf. Für etwa ein Viertel der Nordsee zählten die Temperaturen zu den drei höchsten der letzten 30 Jahre. Die Ostsee zeigte sich ebenfalls deutlich wärmer als üblich und erreichte eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von 17,2 Grad Celsius, was knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel liegt, so das BSH.

Die Abweichungen der Oberflächen-temperatur in Nord- (links) und Ostsee (rechts) im Sommer 2026Foto: BSHDie Abweichungen der Oberflächen-temperatur in Nord- (links) und Ostsee (rechts) im Sommer 2026

Die Temperaturentwicklung verlief den Angaben zufolge über den Sommer hinweg uneinheitlich. Der Juni lag in der Nordsee mehr als 1,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Auch der Juli blieb deutlich zu warm. Der August hingegen fiel sogar etwas kühler als üblich aus. In der Ostsee zeigte sich ein ähnliches Muster mit noch extremeren Ausschlägen: Der Juni war mit fast drei Grad Celsius über dem langjährigen Mittel der drittwärmste Juni seit Messbeginn. Im Juli und August pendelten sich die Temperaturen hingegen auf eher durchschnittliche Werte ein. Diese zeitlichen Unterschiede verdeutlichen laut BSH, dass marine Hitzewellen nicht gleichmäßig über den gesamten Sommer verteilt auftreten, sondern sich auf bestimmte Perioden konzentrieren können.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Marine Hitzewellen vor Helgoland

Die Gewässer um Helgoland gehörten zu den besonders stark erwärmten Regionen der Nordsee, wie das Amt betont. Das BSH verzeichnete an der Messstation Helgoland-RM im Jahr 2026 bereits 66 Tage mit marinen Hitzewellen. Am 1. Juli 2026 lag die Oberflächentemperatur dort fast vier Grad Celsius über dem klimatologischen Mittelwert für diesen Tag seit Inbetriebnahme der Station in 2009. Marine Hitzewellen definieren sich als Extremereignisse von mindestens fünf Tagen Dauer mit ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen für die jeweilige Zeit und den jeweiligen Ort. Je wärmer die Meere werden, desto häufiger treten solche marinen Hitzewellen auf. Diese Extremereignisse setzen die Flora und Fauna im Meer unter erheblichen Druck und können langfristige Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme haben.

Vor Helgoland wurden an 66 Tagen Temperaturen gemessen, die als marine Hitzewellen geltenFoto: BSHVor Helgoland wurden an 66 Tagen Temperaturen gemessen, die als marine Hitzewellen gelten

Die Ostsee verzeichnete 2026 den siebtwärmsten Sommer seit 1997. Fast überall lag die Ostsee über dem langjährigen Mittel, die Abweichungen variierten jedoch regional. Besonders hohe Werte traten vor der schwedischen Ostküste auf, entlang der deutschen und polnischen Küsten sowie im äußersten Norden. Dort stiegen die Temperaturen teils um 1,5 Grad Celsius und mehr über das langjährige Mittel. Die räumliche Verteilung der Temperaturanomalien zeigt, dass nicht alle Bereiche der Ostsee gleichermaßen von der Erwärmung betroffen sind. Küstennahe Gewässer reagieren oft schneller und stärker auf atmosphärische Einflüsse als die offene See.

Weitreichende Folgen für marine Ökosysteme

„Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen", betont Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH. Wärmere Meere hätten weitreichende Folgen für Meer und Mensch. Sie veränderten Lebensräume und Nahrungsnetze: Für manche Arten verkleinere sich der Lebensraum drastisch, andere zögen in kühlere Gewässer, während nicht-einheimische Arten sich ausbreiteten. Schädliche Algenblüten und Sauerstoffmangel nähmen zu. Der Meeresspiegel steige, weil sich warmes Wasser ausdehne und Gletscher sowie Eisschilde schmölzen. Damit stiegen auch die Wasserstände bei Sturmfluten. Zudem speicherten wärmere Meere weniger Kohlenstoffdioxid, wodurch mehr in der Atmosphäre bleibe und den Klimawandel verstärke.

Das BSH untersucht wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee und kombiniert dazu Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen. Aus den Wochenmitteln von Juni, Juli und August berechnete es das Sommermittel 2026 und verglich es mit dem Sommermittel von 1997 bis 2021. Diese Analysen erstellt das BSH im Rahmen des DAS-Basisdienstes „Klima und Wasser". Gemeinsam mit anderen Bundesbehörden unterstützt es so die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel, um verschiedene Akteure aus Politik und Gesellschaft zu beraten. Nicht nur die Durchschnittstemperatur steige, auch Extremereignisse wie marine Hitzewellen würden häufiger und länger. Weitere Erkenntnisse zu Extremen im Meer präsentiert das BSH beim ExtremWetterKongress am 23. und 24. September 2026 in Hamburg.

Weitere Infos unter bsh.de


Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Spots & Reviere