Das Kleine Meer in Ostfriesland war eigentlich immer heile Welt. 93 Hektar klein und in direkter Nachbarschaft zum Großen Meer - einem der Hotspots für Wassersportler in Niedersachsen - gelegen, war der auch Hieve genannte See eine entspannte Alternative zum Windsurfen und Foilen. Windsurf- und Foil-Profi Klaas Voget machte hier die ersten Schritte im flachen Wasser, umgeben von Schilfgebieten. Doch seit einigen Jahren beobachten die Locals eine Veränderung des Sees, die Wassersport zunehmend schwierig macht. Wir haben mit Detlef Hillers gesprochen, der als Segler und Anwohner vor Ort die Situation bestens kennt.
Das Problem betrifft aktuell vor allem das Kleine Meer, Hieve genannt. Das ist ein bei Wassersportlern beliebter Binnenspot in unmittelbarer Nachbarschaft zum Großen Meer. Die Hieve ist recht flach, hat aber in der Mitte ein Baggerloch, hier wurde früher Sand abgebaut. Eigentlich ist das Wasser im Kleinen Meer immer brackig und bräunlich gefärbt gewesen. Im Jahr 2018, einem sehr heißen Sommer, wurde das Wasser zunehmend klar, wir konnten beim Surfen und Segeln plötzlich den Grund sehen.
Das Problem ist, dass durch das klare Wasser jetzt mehr Sonnenlicht einfällt und sich die Algen stark vermehren können. Dadurch wächst der See im Sommer nahezu komplett zu. Nur im Bereich des Baggerlochs, wo es tief ist, konnte man im letzten Sommer noch Windsurfen und Foilen, aber der Platz ist hier natürlich sehr begrenzt.
Offensichtlich hat sich, auch aufgrund der höheren Temperaturen, eine invasive Art, die Trogmuschel ausgebreitet. Die benötigt eine bestimmte Wassertiefe und hat sich direkt an der Kante des Baggerlochs angesiedelt. Die Muscheln haben die Eigenschaft, das Wasser zu filtern, wodurch es klarer wurde. Das wiederum begünstigte dann das Pflanzenwachstum. Mit normalen Finnen und Foils ist hier im Sommer kaum ein Durchkommen mehr.
Erstaunlicherweise bislang nicht in diesem Maße. Das kann auch mit der Wassertiefe zu tun haben, denn die Trogmuschel benötigt bestimmte Voraussetzungen, die sie am Kleinen Meer genau an der Kante des Baggerlochs zu finden scheint. Aber es gibt natürlich die Sorge, dass es sich auch hier in diese Richtung entwickelt.
Durch die Algen wird auch das Wasserschilf immer stärker zurückgedrängt, weil die abgestorbenen Algen die jungen Schilftriebe an den Rändern erdrücken. Auch Gänse- und Nutriaverbiss, einer weiteren invasiven Art, verstärken den Rückgang des Wasserschilfs.
Wir sind mit den Behörden in einem guten Austausch. Das Kleine Meer ist ein Landschaftsschutzgebiet, es soll also erklärtermaßen die vorhandene Kulturlandschaft erhalten werden. Hier sind die Besitzer und Verwalter (Landkreis und Land), die nicht wenige Regeln für Wassersportler und Anlieger formulieren, in der Pflicht, die Vorgaben des Landschaftsschutzes einzuhalten. Das beinhaltet Pflegemaßnahmen gegen die Verwaldung und das Absterben des Wasserschilfes. Natürlich wurde das Wasser hier auch beprobt. Das Ergebnis war, dass Artenvielfalt und Sauerstoffsättigung des Gewässers eigentlich gut sind, sich in den letzten Jahren sogar verbessert haben. Diese Ergebnisse sind wohl zu akzeptieren, auch wenn die alten Meerfahrer davon sprechen, dass das Meer durch den Einfluss der Tide früher einen viel höheren Salzgehalt hatte. Insofern gibt es aktuell natürlich keinen Anlass für die Behörden, Maßnahmen zu ergreifen, etwa wie Bewuchs in bestimmten Bereichen zu entfernen. Trotzdem haben wir hier natürlich die Sorge, dass sich das Gewässer so stark verändert, dass Wassersport hier gar nicht mehr möglich ist und die Wassersportvereine viel Geld in die Hand nehmen müssen, um mit genehmigten Mähaktionen das Kleine Meer vom Kraut zu befreien. Ob sie das stemmen können, ist fraglich.

Redakteur surf
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