Auf den ersten Blick hat die Vereinbarung zwischen der Landesregierung von Schleswig-Holstein und landwirtschaftlichen Verbänden vom Dienstag wenig mit uns Windsurfern, Wingfoilern und Stand Up-Paddlern zu tun. Doch sie ist Teil des Aktionsplans Ostseeschutz, jenes Nachfolgeprojektes des ad acta gelegten Nationalparks, der auch die Wassersportszene lange in Aufruhr hielt. Die Hoffnung ist, dass die Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft so wirksam für den Schutz der Ostsee sein können, dass Einschränkungen für Wassersportler vom Tisch sind.
Vorrangig geht es darum, den Nährstoffeintrag zu reduzieren und die landwirtschaftliche Nutzung in Ostseenähe anzupassen. Laut Landwirtschaftsministerium sollen in den nächsten zehn Jahren 20 Prozent Stickstoff und Phosphor eingespart werden. Die Vereinbarung beinhaltet Maßnahmen, die durch Landwirte freiwillig umgesetzt werden sollen. Sie sind elementarer Bestandteil des Aktionsplans Ostseeschutz 2030, da die Landwirtschaft als einer der Hauptverursacher des Nährstoffeintrags gilt. Die Landesregierung hat den Aktionsplan im März 2024 als Nachfolge des Nationalparks Ostsee auf den Weg gebracht.
Stickstoff und Phosphor sind essentielle Nährstoffe für die Landwirtschaft – vor allem für das Wachstum von Pflanzen und die Entwicklung der Früchte. Sie maximieren die Erträge und sind Bestandteil von Düngemitteln. Das Problem: Wenn Dünger im übermäßigen Stil ins Grundwasser sickert und über die Flüsse in die Meere gespült wird, hat das immense Folgen. Welche das sind, lässt sich an der Ostsee ablesen. Das Meer leidet unter Eutrophierung, Sauerstoffmangel und einem geschädigten Ökosystem.
Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz erklärte: “Der Kern der Vereinbarung ist die Einrichtung von fünf Ostseebeiräten und Modellregionen (...). Dadurch berücksichtigen wir regionale Besonderheiten und Bedürfnisse, um Maßnahmen gemeinsam mit den lokalen Akteuren effizient und akzeptiert umzusetzen.” In diesen Regionen sollen lokale Vertreter bis Herbst 2025 Pläne erstellen, die zeigen, wie die vereinbarte Reduzierung konkret umgesetzt werden kann.
In der Diskussion um den Ostseeschutz hatten Landwirte und Verbände im Vorfeld lautstark gegen mögliche gesetzliche Beschränkungen protestiert. Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) erklärte, dass man mit der neuen Vereinbarung auf die Landwirte zugehe: “Wir nehmen die Landwirtschaft beim Wort und werden den Erfolg der Vereinbarung anhand ihrer Auswirkungen auf die Ostsee bewerten.” Kritik kommt von Umweltschützern. Für sie reicht die Zielvereinbarung nicht aus; die freiwilligen Maßnahmen würden nicht weit genug gehen.
Mit der Zielvereinbarung wird nun ein Punkt des Aktionsplans Ostseeschutz angegangen, der auch bei Wassersportlern für Unmut sorgte. Hans Köster, Vorstandsmitglied für Umweltfragen beim Seglerverband Schleswig-Holstein, kritisierte im Oktober gegenüber unserem Schwester-Magazin YACHT: Durch die vielen Einschränkungen für Wassersportler werde der Eindruck erweckt, sie seien Hauptverursacher des schlechten Zustandes der Ostsee. Dabei liege das Hauptproblem, die Eutrophierung durch die Landwirtschaft, an Land. Das wird mit der beschlossenen Zielvereinbarung nun angegangen. Ob es den Zustand der Ostsee verbessern wird, bleibt offen.