Schon beim Auspacken wird klar: Das Raven setzt auf ein durchdachtes Gesamtkonzept. Geliefert wird das Board im Karton, verstaut im Rucksack und darüber hinaus ausschließlich mit Papier und Karton geschützt – ein erfreulich nachhaltiger Ansatz. Zubehör wie Finne und Ventilschlüssel finden sich in einem separaten kleinen Karton.
Der erste Eindruck wird jedoch klar vom Rucksack geprägt: hochwertig verarbeitet, schlank geschnitten und bewusst ohne Rollen konstruiert. Das spart Gewicht und macht ihn deutlich angenehmer zu verstauen – ein Vorteil gegenüber vielen sperrigeren Rollsystemen. Die gepolsterten Schultergurte sorgen für hohen Tragekomfort, selbst bei längeren Wegen.
Praktisch: Seitlich lassen sich bis zu zwei Paddel befestigen. Wer nur ein Paddel nutzt, kann den Klettverschluss problemlos kürzer schneiden, sodass auch ein einzelnes Paddel sicher sitzt. Trotz kompakter Bauweise bietet der Rucksack ausreichend Platz – selbst ein locker gerolltes Board verschwindet mühelos darin, und für Handtuch oder Trinkflasche bleibt ebenfalls Raum.
Vier Ösen erlauben nicht nur die Befestigung des Tragegurts, sondern auch die optionale Nutzung eines Kajaksitzes. Am Bug sitzt eine GoPro-Halterung, ergänzt durch ein großes Gepäcknetz für Touren. Zusätzlich gibt es Abschleppösen vorne und hinten für Leash und Sicherheit.
Die Finne fällt durch ihre große Fläche auf und wird werkzeuglos montiert – ein kleines Detail mit großem Praxisnutzen. Insgesamt präsentiert sich das Raven an Land als durchdachtes, leichtes und sehr anwenderfreundliches Gesamtpaket, das besonders durch seine Transportfreundlichkeit punktet.
Auf dem Wasser zeigt das Raven sofort seinen eigenen Charakter. Die leicht aufgebogene Nose sorgt dafür, dass kleine Wellen sauber überfahren werden, während auch das Heck minimal angehoben ist. Diese Bauform reduziert den Wasserwiderstand bei Manövern – ohne die Spurtreue spürbar negativ zu beeinflussen, dafür leistet die große Finne gute Führungsarbeit als Ausgleich.
Beim Anpaddeln fällt direkt auf: Das Board beschleunigt auffallend schnell und wirkt dabei leicht und lebendig unter den Füßen. Die große Finne sorgt gleichzeitig für einen stabilen Geradeauslauf – ein klassisches Touring-Merkmal. Trotz seines geringen Gewichts überzeugt das Board mit solider Steifigkeit durch
Auch dynamische Belastungstests (z. B. Hüpfen auf dem Board) meistert es gut. Subjektiv wirkt es minimal weicher unter den Fersen – ein typischer Eindruck bei leichten Boards, der sich in der Praxis jedoch nicht als Nachteil erweist. Von der Seite gesehen zeigt das Board einen sichtbaren, durchgehenden Rocker - auf gut Deutsch: Durchbiegung - was aber nicht durch die Belastung kommt, sondern die vorgegebene Form ist, die sich auch unter 84 Kilo Last nicht weiter verändert. Dadurch verringert sich die effektive Wasserlinie etwas: was sehr gut ist für leichtes Drehen, aber auch mit lediglich geringen Abstrichen beim theoretischen Topspeed.
Die 31 Zoll Breite sorgen für eine ordentliche Grundstabilität, besonders bei Stand in der Boardmitte. Damit eignet sich das Raven auch für weniger ruhige Bedingungen und längere Touren mit Gepäck. Wer auf möglichst hohe Kippstabilität Wert legt, dem sei ein Blick zum Duotone Blitz 12’0’’ geraten: mit 32 Inch Breite und deutlich mehr Breite auch im Heck. Sicher ebenfalls tourentauglich, aber auch sicherlich kippstabiler.
Spannend wird es bei den Fahreigenschaften:
Beim Pivot-Turn (man geht weit zum Heck zurück, bis sich das Board vorne aus dem Wasser hebt) zeigt sich allerdings die sportliche Ausrichtung: Das schmalere Heck verlangt etwas mehr Balancegefühl. Genau das macht das Board aber auch lebendiger und interessanter als viele breite, eher träge Touring-Plattformen. Mit gutes Balancegefühll findet man das keilförmige Pad mit dem hinteren Fuß und dort dann guten Halt für enge, sportliche Turns. Doch wie bereits geschrieben: mit dem Blitz 11’2’’x 32 hat Duotone ein einfacher zu paddelndes Board im Programm. Der Raven überzeugt in der Beschleunigung und bietet bei mittlerem Tempo geringen Fahrwiderstand. Für absoluten Topspeed verschenkt der Shape am Bug rund 50 Zentimeter durch die Aufbiegung. Dafür dürfte sich der Bug auch bei Beladung und kabbeligem Wasser gut über kleinere Wellen schieben.
Mit dem Raven liefert Duotone ein Board, das klassische Eigenschaften für komfortable Touren mit überraschender Agilität kombiniert und damit auch als Spaß- und Familienbrett direkt am Badeplatz gut denkbar ist. Es ist kein ausgesprochener Sport-Tourer – stattdessen positioniert es sich als Allrounder, der:
Die neue Bauweise mit verschweißten Rails trägt zusätzlich zur Gewichtsersparnis und Langlebigkeit bei und markiert eine klare Weiterentwicklung gegenüber früheren Generationen (bekannt unter der Marke Fanatic). Zum Preis von rund 529 Euro erhält man ein sehr stimmiges Gesamtpaket aus Board, Rucksack und Ausstattung.

Redakteur surf