Ein Touring-Board muss nicht dick auftragen, um auf Tour zu gehen. Das Starboard Touring Slim Deluxe Lite setzt auf eine für diese Klasse ungewöhnlich geringe Dicke von 4,75 Zoll, eine sportliche Outline und eine umfangreiche Ausstattung. Das Ergebnis ist ein SUP, das sich auf dem Wasser erstaunlich direkt anfühlt, flott unterwegs ist und auch bei der Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Wir haben uns Board und Zubehör genauer angesehen und natürlich ausführlich selbst gepumpt und gepaddelt.
Schon beim Auspacken wird klar: Das Starboard Deluxe Lite (8,5 Kilo, eigene Messung) ist kein spartanisch ausgestattetes Touring-Board, bei dem man sich die Extras erst noch zusammensuchen muss. Hier ist vieles bis ins Detail durchdacht. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, die Nähte sind sauber ausgeführt und zusätzliche Verstärkungsbänder sorgen für einen soliden Gesamteindruck. Die Konstruktion ist zudem mit verschweißten Kanten (Welded Rails) ausgeführt – ein wichtiges Qualitätsmerkmal, bei dem die Verbindung der Außenhülle verschweißt statt ausschließlich verklebt wird.
Eine Besonderheit ist die vergleichsweise geringe Dicke von 4,75 Zoll. Um die Steifigkeit trotz der dünneren Bauweise zu unterstützen, verlaufen auf Deck und Unterseite durchgehende, breite PVC-Verstärkungsstreifen. Eine clevere konstruktive Ergänzung, denn weniger Materialhöhe bedeutet auch, dass die Steifigkeit nicht einfach vorausgesetzt werden kann.
Beim Handling an Land sammelt das Board ebenfalls Punkte. Die gepolsterten Tragegriffe an Bug, Heck und in der Mitte sind angenehm dick gepolstert und lassen sich sicher greifen. Das Deckpad reicht vom hinteren Griff weit nach vorne und deckt damit den gesamten Bewegungsbereich großzügig ab. Seine feine Riffelung fühlt sich angenehm weich an, bietet aber sowohl längs als auch quer einen überzeugenden Grip. Hinten markiert ein leicht keilförmiges Kickpad den Bereich, an dem beim Zurückgehen Schluss sein sollte – eine dezente, aber hilfreiche Orientierung beim Drehen.
Auch bei den Gepäckmöglichkeiten hat Starboard nicht geknausert. Die Spanngummis sind mit Metallkarabinern befestigt und lassen sich dadurch schnell aushängen. Das erleichtert nicht nur das Verstauen von Gepäck, sondern erlaubt auch, die Ladefläche bei Bedarf freizuräumen. In der Boardmitte befinden sich außerdem vier weitere Befestigungspunkte für einen optionalen Kajaksitz. Die zusätzliche rote Spannleine erweitert das Setup für zusätzliches “Handgepäck”.
Die Finne wird über eine werkzeuglos bedienbare Knebelschraube befestigt. Sie ist großflächig, nach stark hinten geneigt und auf maximalen Geradeauslauf ausgelegt. Die speziell gekerbte Finnenbox erleichtert zudem das Zusammenrollen des Boards im Bereich der Box.
Zur Ausstattung gehören auch eine elastische Leash aus recyceltem Material und eine durchdachte Pumpe. Deren große, klappbare Standfüße sorgen für sicheren Stand, während die ergonomischen Griffe gut in der Hand liegen. Besonders praktisch: der überdurchschnittlich lange Schlauch, der beim Pumpen mehr Bewegungsfreiheit bietet. Die empfohlenen 15 bis 18 PSI sind damit gut erreichbar; unser Testboard haben wir auf 17 PSI gebracht.
Das mitgelieferte dreiteilige Vario-Paddel hinterlässt ebenfalls einen wertigen Eindruck. Schräge Teilung, Druckknopf, Verdrehsicherung, ergonomischer Griff und ein dreidimensional geformtes Tufskin-Blatt versprechen eine solide Performance. Ob das Paddel den guten ersten Eindruck bestätigen kann, muss es allerdings auf dem Wasser zeigen.
Der erste Eindruck beim Aufsteigen überrascht: Obwohl das Board mit 31 Zoll Breite nicht übermäßig breit ausfällt, steht man angenehm stabil. Vor allem aber fühlt sich das Deluxe Light unter den Füßen deutlich weniger nach klassischem, hoch aufgebautem Inflatable an, als man es von vielen Boards dieser Kategorie kennt. Die geringere Dicke bringt den Paddler näher ans Wasser und vermittelt ein direkteres, beinahe surfboardartiges Gefühl. Leichte und damit oft kleinere Paddler stehen näher am Wasser und können die Paddlelänge kürzer einstellen.
Bei 81 Kilogramm Paddlergewicht konnten wir bei 17 PSI keine auffällige Durchbiegung feststellen. Das Board liegt satt auf dem Wasser, ohne sich schwammig anzufühlen. Auch für Paddler bis etwa 90 Kilogramm sehen wir bei entsprechendem Druck keinen Grund zur Zurückhaltung. Die flachere Konstruktion ist also nicht automatisch mit einem großen Verlust an Steifigkeit verbunden.
Die Formgebung erklärt, weshalb das Deluxe Light nicht nur komfortabel, sondern auch sportlich wirkt. Der abgerundete, zugleich zugespitzte Bug geht in eine vergleichsweise parallele Outline über. Das breite Heck sorgt für Standfläche, während die lange Wasserlinie dem Board einen klaren Touring-Charakter verleiht. Es liegt über einen großen Teil seiner Länge im Wasser und wirkt dadurch weniger wie ein kompakter Allrounder als wie ein kleiner, handlicher Tourer.
Beim Anpaddeln nimmt es bereitwillig Fahrt auf. Das geringe Gewicht hilft beim Beschleunigen, und auch nach den ersten Schlägen lässt sich das Tempo gut halten. Eine durchschnittliche Touring-Geschwindigkeit um 6 km/h erscheint unter passenden Bedingungen durchaus realistisch. Wie immer hängen solche Werte von Wind, Strömung, Technik und Paddlergewicht ab – sie sind deshalb eher eine Orientierung als ein Leistungsversprechen. Im Vergleich zu vielen Allround-Boards ähnlicher Länge fühlt sich das Starboard jedoch spürbar flotter und weniger kraftaufwendig an.
Seine größte Stärke ist der Geradeauslauf. Dafür arbeiten mehrere Eigenschaften zusammen: die große Touring-Finne, die lange Wasserlinie und die relativ geraden Seiten im mittleren Bereich. Letztere unterstützen nicht nur die Spurtreue des Boards, sondern helfen auch dabei, das Paddel geradlinig durchs Wasser zu führen. Wer dazu neigt, den Schaft während des Zugs nach innen zu ziehen, bekommt hier gewissermaßen eine dezente konstruktive Erinnerung an eine saubere Paddelführung.
Natürlich hat die ausgeprägte Touring-Ausrichtung auch eine Kehrseite. Bei engen Wendemanövern dreht das Deluxe Light nicht ganz so bereitwillig wie ein rundlicher Allrounder mit kleiner Finne. Die lange Wasserlinie und die große Finne erzeugen mehr Widerstand, wenn das Board um den Mittelpunkt gedreht werden soll. Ein zusätzlicher Bogenschlag kann deshalb nötig sein. Das ist allerdings kein dramatischer Nachteil, sondern schlicht die andere Seite einer Konstruktion, die auf der Geraden besonders effizient arbeitet.
Wer den fortgeschrittenen Pivotturn beherrscht oder üben möchte, bekommt dafür eine brauchbare Plattform. Das breite Heck bietet ausreichend Stabilität, und wenn man sich nach hinten bewegt, hebt sich der Bug gut aus dem Wasser. Das Board lässt sich dann kontrolliert drehen, ohne dass das Heck sofort unruhig wird. Für schnelle Richtungswechsel braucht es etwas Technik, aber keineswegs übermenschlichen Einsatz.
Mit montiertem Gepäcknetz eignet sich das Deluxe Light für längere Touren, auf denen man zügig Strecke machen möchte. Ohne Gepäck lässt es sich ebenso unkompliziert als sportliches Freizeitboard nutzen. Auch ein kleineres Kind dürfte bei passender Gesamtbelastung gelegentlich mit an Bord passen. Seine eigentliche Stärke liegt aber eindeutig darin, mit wenig Aufwand und angenehm sportlichem Fahrgefühl voranzukommen.
Ein gutes Set erkennt man nicht allein am Board. Gerade das Paddel entscheidet darüber, ob sich eine Tour entspannt anfühlt oder nach einigen Kilometern in unnötige Arbeit ausartet. Das mitgelieferte dreiteilige Vario-Paddel macht hier erfreulich wenig falsch.
Die Verstellung funktioniert präzise. Die Längenmarkierungen sind hilfreich, die Verdrehsicherung hält den Griff sauber in Position und das untere Steckteil sitzt ohne störendes Klappern oder Wackeln. Auch der Schaft wirkt steif und lässt sich sicher greifen. Die Ergonomie stimmt einfach: vom Knauf bis zum rutschfesten Schaft.
Beim Paddeln lässt sich das Blatt mit der sehr universellen Blattgröße von 84 Inch² angenehm und spritzfrei einsetzen. In der Zugphase baut es ordentlich Druck auf, ohne beim Einstechen unnötig abrupt zu wirken. Der Übergang durch den Zug bleibt kontrolliert, und das Blatt kommt sauber und leicht wieder aus dem Wasser.
Ein High-End-Carbonpaddel (wie das hier getestete Velocity beispielsweise) ist das mitgelieferte Modell allerdings nicht. Solche Paddel kosten aber auch allein weit über 400 Euro. Das Gewicht (910 Gramm) ist spürbar höher, im Set-Kontext ist das Paddel dennoch sehr überzeugend. Verarbeitung, Steifigkeit, Bedienung und Kraftübertragung stimme einfach – und genau das ist bei einem serienmäßigen Zubehörpaddel keineswegs selbstverständlich.
Das Starboard Touring Slim Deluxe Light 11’2” ist ein besonders hochwertig ausgestattetes Touring-SUP. Die geringe Dicke vermittelt ein direktes Fahrgefühl, die relativ gesehen lange Wasserlinie und die große Finne sorgen für einen überzeugenden Geradeauslauf, und das geringe Gewicht macht das Board angenehm handlich – an Land wie auf dem Wasser.
Dazu kommen eine durchdachte Ausstattung, hochwertige Verarbeitung mit verschweißten Kanten und ein Paddel, das im Set richtig was bietet. Lediglich bei engen Wendemanövern zeigt sich, dass die Touring-Ausrichtung Vorrang vor maximaler Drehfreude hat. Das ist ein fairer Tausch, wenn man lieber Strecke macht, statt auf jedem Quadratmeter Wasser Pirouetten zu drehen.
Besonders interessant ist das Board für leichtere Paddler, die ein sportliches und dennoch gutmütiges Touring-SUP suchen und das typische, etwas hochbeinige Gefühl vieler aufblasbarer Boards nicht besonders mögen. Leichtere Paddler profitieren besonders vom tieferen Stand über dem Wasser; ideal für Paddler bis etwa 75 Kilo, aber auch mit einem Gewicht bis etwa 85 Kilogramm sehen wir bei korrektem Betriebsdruck ebenfalls noch einen sehr sinnvollen Einsatzbereich mit den Vorzügen der dünneren Bauweise.
| Merkmal | Angabe |
| Länge | 11’2” / ca. 340 cm |
| Breite | 31” / ca. 79 cm |
| Dicke | 4,75” / ca. 12,1 cm |
| Volumen | 258 Liter |
| Empfohlener Druck | 15–18 PSI |
| Testdruck | 17 PSI |
| Gewicht (surf-Messung) | 8,5 Kilo (ohne Luft, ohne Finne) |
| Preis | 999 Euro (Komplett-Set) |

Redakteur surf
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