Jeder Wellenreiter hat eine: die Verbindungsleine zwischen Mensch und Brett. Auf dem SUP ist diese Leine (Leash) in sicher 85 Prozent aller Fälle nützlich und sinnvoll. In einigen Situationen aber auch potenziell lebensgefährlich. In diesem Ratgeber erfährst du, wann eine Leash empfehlenswert ist und wie sich die Modelle unterscheiden.
Folgende Situation: Du paddelst im Sommer in Badeklamotten bei leichtem Wind auf dem See. Es reicht eine seitliche Bootswelle, eine kleine Unaufmerksamkeit - und du landest im Wasser. Vielleicht plötzlich ziemlich kalt und das Ufer weit. Schon einen mäßige Brise reicht dabei, um das Board - wenn es ungünstig liegt - ziemlich flott von dir wegzutreiben. Mit einer Leash (Befestigungsleine zwischen Paddler und Board) bist du in drei Sekunden wieder an Bord.
Leash: Sicherheit auf dem See, Gefahr auf dem Fluss!
Dennoch haben sich schon Unfälle durch die SUP-Leash ereignet. Besonders (stark) strömende Gewässer mit Hindernissen, wie Felsen oder Ästen/Bäumen im Wasser stellen eine reale, große Gefahr dar, daran hängen zu bleiben und sich dann unter Wasser nicht befreien zu können. Wenn die Strömung stark ist, können auch sportliche Personen die Leash am Fußgelenk oft nicht erreichen, um diese zu lösen. Konsequenterweise paddelt man daher in solchen Situationen ohne Leash, oder mit einer Leash, die an einem speziell dafür entwickelten Hüftgurt befestigt wird und dort, einfacher zu erreichen - mit einem Schnellverschluss gelöst werden kann.
Ja: in diesen Situationen sollte man beim SUP eine Leash benutzen
- Auf Seen und ruhigen Gewässern ohne Hindernisse.
- Allgemeines Tourenpaddeln bei kaltem Wetter
- Paddeln bei windigen Bedingungen
- Paddeln im Winter auf See oder Meer
- Paddeln in der Welle (Pflicht, denn sonst kann das Board andere Wellenreiter und Badegäste verletzen)
- Immer dann, wenn ein Verlust des Boards ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko darstellen würde und zugleich die nachfolgenden Gefahrensituationen ausgeschlossen sind.
Nein: bei diesen Bedingungen sollte man beim SUP keine Leash verwenden
- In Flüssen mit Strömung, wenn die Leash an Ästen, Steinen oder anderen Hindernissen hängen bleiben könnte.
- In Wildwasser und Stromschnellen (außer mit spezieller Wildwasser-Sicherheitsausrüstung und entsprechender Ausbildung).
- In Bereichen mit Wehren, Schleusen oder anderen Wasserbauwerken.
- In Gewässern mit vielen versunkenen Hindernissen (Bäume, Pfähle, Metallteile usw.).
- An Stellen, an denen die Gefahr des Hängenbleibens größer ist als die Gefahr, das Board zu verlieren.
Vor- und Nachteile von Hüftleash und Fußleash
Hüftleash (Waist Leash)
Vorteile
- Kann im Notfall sehr schnell gelöst werden (Quick-Release).
- Deutlich sicherer in Flüssen und bei Strömung.
- Geringeres Risiko, mit dem Fuß in der Leash hängen zu bleiben.
- Weniger störend beim Umherlaufen auf dem Board.
- Besonders geeignet für Touring, Flüsse und Sicherheitsbewusste Paddler.
- Leash bleibt meist aus dem Wasser und erzeugt weniger Widerstand.
- Wird von vielen Sicherheitsorganisationen für Fließgewässer empfohlen.
Nachteile
- Etwas teurer als einfache Fußleashes.
- Der Hüftgurt ist ein zusätzliches Ausrüstungsteil.
- Nicht jede Hüftleash eignet sich gleichermaßen für das SUP-Surfen.
Fußleash (Ankle Leash)
Vorteile
- Einfach und unkompliziert anzulegen.
- Günstig und weit verbreitet.
- Standardlösung für die meisten SUP-Einsätze auf Seen und im Meer.
- Besonders bewährt beim SUP-Surfen.
Nachteile
- In Flüssen und Strömungen erhöhtes Risiko des Hängenbleibens.
- Im Notfall schwieriger zu erreichen und zu lösen.
- Kann sich beim Umsteigen oder Zurücksteigen aufs Board verheddern.
- Die Leash zieht teilweise durchs Wasser und erzeugt etwas Widerstand.
- Bei starkem Zug kann das Erreichen des Verschlusses erschwert sein.
- Weniger geeignet für Gewässer mit Hindernissen.
Kurz zusammengefasst
Hüftleash
➕ Mehr Sicherheit bei Strömung und Hindernissen
➕ Schnelles Auslösen möglich - mit speziellen Schnellverschlüssen
➖ Etwas komplexer und teurer
Fußleash
➕ Einfach, günstig
➕ Ideal für SUP-Surfen
➖ Sicherheitsnachteile in Flüssen und Wildwasser
Vor- und Nachteile von Spiral-Leash (”Coil-Leash”) und gerader Leash
Coil-Leash (Spiral-/Telefonkabel-Leash)
Vorteile
- Schleift kaum durchs Wasser.
- Weniger Widerstand beim Paddeln.
- Verheddert sich seltener um Füße oder Finne.
- Besonders beliebt für Touring und Freizeit-SUP auf Seen.
- Bleibt meist auf dem Board statt im Wasser.
Nachteile
- Kann unter Spannung stärker zurückschnellen.
- Für SUP-Surfen meist weniger geeignet, weil meist kürzer und weniger reißfest
Gerade Leash (Straight Leash)
Vorteile
- Bewährter Standard für SUP-Surfen (dicker und stabiler erhältlich).
Nachteile
- Schleift häufiger im Wasser und erzeugt so mehr Widerstand.
- Kann sich leichter um Finne oder Füße wickeln.
- Auf längeren Touren etwas störender.
Kurz zusammengefasst
Coil-Leash
➕ Ideal für See und Touring
➕ Weniger Verheddern
➖ Weniger optimal für Wellen
Gerade Leash
➕ Ideal für SUP-Surfen und Wellen
➖ Häufiger im Wasser und an der Finne
Leash Empfehlungen nach Disziplinen und Einsatzbereich
Touring auf See und Meer
- Spiralleash am Fuß
- Spiralleash an der Hüfte
SUP-Surfen in der Brandung
- Gerade Leash am Fuß, etwa so lang wie das Board und möglichst stark
Flusstouren und Wildwasser
- Spiralleash an der Hüfte mit Sicherheitsauslöser
- Keine Leash
Racing
Badespaß
- Spiralleash am Fuß
- Gerade Leash am Fuß
- Bei sicheren Bedingungen (Ufernähe + Stehbereich + warmes Wasser + unter Aufsicht Erwachsener + kein oder nur leichter, auflandiger Wind): Leash nach persönlichem Ermessen, nicht zwingend erforderlich
Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.
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