Stephan Gölnitz
· 20.08.2026
Seit rund 16 Jahren verbringt er regelmäßig Zeit am Tegernsee und hat dadurch eine besondere Verbindung zur Region entwickelt. Die Idee für die SUP-Runde entstand im Urlaub. Nach ein paar Tagen Erholung, Familie und Nichtstun kam die Lust auf Bewegung zurück – und damit die Frage: Was könnte man diesmal ausprobieren? So entstand der Plan, den Tegernsee möglichst vollständig entlang seiner befahrbaren Uferlinie mit dem SUP zu “umrunden”. Dabei ging es nicht darum, eine außergewöhnliche sportliche Leistung zu erbringen. Rund 20 Kilometer auf dem SUP sind für einen ambitionierten Freizeitsportler sicherlich bereits eine richtig lange Tour, im Maßstab des Leistungssports aber auch kein Rekordversuch. Die angepeilte Zeit aber dennoch schon sehr sportlich angesetzt. Interessant war aber vor allem die persönliche Frage: Lässt sich ein geplantes Vorhaben umsetzen – und wie gut funktioniert es unter den tatsächlichen Bedingungen auf dem See?
Statt einfach loszufahren, erkundete Eike die Strecke zunächst in drei Touren über rund 5, 10 und 13,5 Kilometer. Dabei lernte er die unterschiedlichen Uferabschnitte kennen und prüfte, welche Bereiche tatsächlich befahrbar sind. Uferschutzzonen mussten berücksichtigt und teilweise umfahren werden. Im Norden gibt es außerdem sehr flache Bereiche, in denen die Finne des Boards zum Problem werden kann.
Uferschutzzonen müssen berücksichtigt werden.”
Die Touren dienten gleichzeitig als Training. Sie gaben ihm ein Gefühl dafür, welches Tempo er über längere Zeit realistisch halten kann und wie gut sich die geplante Runde bewältigen lässt. In den Tagen vor der Tour beobachtete er regelmäßig die Vorhersagen, insbesondere Windrichtung und Windgeschwindigkeit. Denn gerade auf dem Tegernsee können Wind und Wellen einen erheblichen Unterschied machen. Aus einer spontanen Urlaubsidee wurde so ein konkretes persönliches Vorhaben.
Zusätzlich setzte er sich als sportlichen Ansporn eine Zeitvorgabe: Die rund 20 Kilometer sollten möglichst in weniger als drei Stunden zu schaffen sein. Dafür war ein Durchschnittstempo von knapp 6,7 km/h erforderlich. Auf dem aufblasbaren SUP bleibt da nicht viel Zeit zum Verschnaufen, das ist eine sehr respektable Zeit. Ein konkretes Ziel macht zusätzlich aus einer beliebigen Tour eine Aufgabe, auf die man sich vorbereiten und deren Ergebnis man anschließend einordnen kann. Gleichzeitig war klar, dass die Bedingungen nicht vollständig planbar waren.
Gestartet wurde morgens um 7:12 Uhr in Rottach-Egern. Die Wettervorhersage hatte eigentlich gute Bedingungen erwarten lassen. Auf dem Wasser war es dann allerdings deutlich windiger als prognostiziert. Vor allem auf der Ostseite des Sees, von Rottach-Egern über Tegernsee in Richtung Strandbad Kaltenbrunn, wurde das Wasser zunehmend unruhig. Die Wellen erschwerten das Paddeln, die Linie musste häufiger korrigiert werden und der Kraftaufwand war höher als geplant. Damit wurde schnell klar, dass die Drei-Stunden-Marke schwierig werden würde. Auf der gegenüberliegenden Seeseite, vorbei an Bad Wiessee und im Bereich Ringsee, wurde das Wasser wieder ruhiger. Der Rhythmus wurde besser und die Runde konnte wie geplant fortgesetzt werden.
Am Ende standen 20,38 Kilometer in 3:05 Stunden bei durchschnittlich 6,7 km/h.
Die selbst gesetzte Drei-Stunden-Marke wurde damit um fünf Minuten verpasst. Für einen Freizeit-Paddler ist eine 20-Kilometer-SUP-Tour durchaus eine sportliche Unternehmung. Entscheidend ist deshalb weniger die absolute Leistung als der persönliche Maßstab. Die Drei-Stunden-Marke war ein selbst gesetztes Ziel – keine sportliche Bestmarke.
Die drei Stunden waren damit knapp verpasst, die Runde trotzdem gelungen. Nicht, weil 20 Kilometer auf dem SUP eine außergewöhnliche sportliche Leistung wären, sondern weil aus einer spontanen Idee ein konkretes sportliches Ziel geworden war.”
Die eigentliche Idee hatte funktioniert: eine spontane Überlegung wurde zu einem konkreten Vorhaben, das vorbereitet und schließlich umgesetzt wurde.
Die SUP-Runde reiht sich außerdem in eine kleine persönliche Sportgeschichte am Tegernsee ein. 2021 schwamm er vom Strandbad Rottach-Egern bis zum Strandbad Kaltenbrunn – rund 6,8 Kilometer in unter zwei Stunden. Fünf Jahre später war es nun das SUP, mit dem er den See auf eine andere Weise erkundete.
Sein sportlicher Hintergrund ist dabei durchaus umfangreich. Als Diplom-Sportwissenschaftler und Geschäftsführer der Gipfelkurs GmbH in Düsseldorf war Sport für ihn schon immer ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Er war viele Jahre im Triathlon aktiv, unter anderem bis in die 2. Bundesliga, absolvierte Langdistanzen und ist heute unter anderem im HYROX unterwegs. Früher waren sportliche Ziele für Eike deshalb häufig mit Wettkämpfen, Zeiten und Platzierungen verbunden. Heute braucht es nicht mehr unbedingt eine Startnummer, um sich eine sportliche Aufgabe zu setzen.
Vielleicht liegt darin auch die übertragbare Idee dieser Geschichte. Im Freizeitsport muss man sich nicht ständig mit anderen oder mit sportlichen Bestleistungen vergleichen. Eine bestimmte Wanderung, eine längere Radtour, eine Schwimmstrecke oder eine SUP-Tour können zum persönlichen Ziel werden. Nicht weil damit eine absolut gesehen außergewöhnliche Leistung verbunden ist, sondern weil man sich selbst eine Aufgabe stellt, die zum eigenen Niveau passt.
Ein persönliches Ziel muss nicht spektakulär sein, um interessant zu sein.”
Der Maßstab ist dann nicht die Frage, was Profisportler schaffen, sondern was für einen selbst ein sinnvoller nächster Schritt sein könnte. Die 20 Kilometer auf dem Tegernsee sind deshalb vor allem eines: eine persönliche Herausforderung, die aus einer spontanen Urlaubsidee entstanden ist. Und vielleicht ist genau das die interessantere Botschaft: Man muss kein Leistungssportler sein und auch keine außergewöhnliche Leistung anstreben. Es geht darum, sich ein Ziel zu setzen, sich darauf vorzubereiten und sich anschließend darüber zu freuen, es ausprobiert zu haben.

Redakteur surf
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