Stephan Gölnitz
· 19.10.2026
Im Gespräch erklärt Werner, welche Überlegungen hinter dem neuen Shape stecken und weshalb auch kleine Änderungen an Rails, Finnenpositionen und Trimm einen deutlichen Unterschied machen können. Das Interview bietet damit nicht nur Einblicke in die Entwicklung des neuen Freestyle Wave 95, sondern auch in grundlegende Zusammenhänge des Board- Designs.
Das ist sehr bedeutend für uns, die zweitwichtigste Linie nach dem Magic Ride. Ich glaube, auch am Markt spielt diese Gruppe eine gewichtige Rolle, besonders auch, wenn man sich das Feedback der Windsurfstationen anschaut.
In diesem Segment kann man die Zielgruppe nicht wirklich ändern. Wir haben 2001 mit dem Konzept angefangen und es regelmäßig weiterentwickelt. Das neue Board ist jetzt die 17. Generation. So oft haben wir es inzwischen überarbeitet. Schon damals haben wir die große Zielgruppe relativ gut getroffen: Menschen, die gerne bei etwas mehr Wind fahren, ein bisschen in der Welle unterwegs sind und vielleicht auch den einen oder anderen Freestyle-Trick ausprobieren. Am Können der Zielgruppe hat sich über die Jahre nicht viel geändert. Wir wollen bewusst nie zu radikal in Richtung Geschwindigkeit, Wave oder Freestyle gehen. Denn ein Freestyle-Wave-Board muss einfach der perfekte Allrounder in dieser Volumenklasse sein – für etwas mehr Wind, wenn man richtig gleiten und fahren kann.
Angleiten ist immer ein wichtiges Thema. Der Magic Move ist natürlich eine andere Klasse, bei der das frühe Angleiten und das Durchgleiten in der Halse noch stärker im Vordergrund stehen. Der Freestyle Wave ist sportlicher positioniert. Natürlich beeinflusst jede Board-Entwicklung auch die anderen Modelle und bringt sie ein Stück weiter. Beim neuen Freestyle Wave war das frühere Angleiten jedenfalls ein Thema. Obwohl wir darin schon immer sehr gut waren, ist das Board in diesem Bereich wahrscheinlich ein bisschen näher an den Magic Move herangerückt.
Ja.
Die Charakteristik ist ziemlich konstant über die gesamte Linie hinweg. Die Größen von 85 bis 105 Litern werden relativ bald verfügbar sein. Der 75er und der 125er kommen etwas später. Die ganze Linie wird aber ersetzt. Es geht auch hier um Feintuning. Bei den größeren Brettern wird das Heck proportional einen Tick breiter, aber nicht viel, weil das Board insgesamt in alle Richtungen breiter wird. Dadurch bleiben die Proportionen und Verhältnisse ähnlich. Wir haben einen guten Mix gefunden. Da kann man nicht plötzlich radikal eingreifen. Bei den ganz großen und ganz kleinen Brettern gleichen wir die Eigenschaften nur minimal an.
Sofort. Wir machen das bewusst nicht anders. Ein Name steht für einen bestimmten Einsatzbereich, eine Zielgruppe und eine bestimmte Performance. Eine solche Bandbreite von 75 bis 125 oder 145 Litern funktioniert nicht, wenn sich die Charakteristik völlig verändert. Natürlich nimmt ein schwerer Surfer ein 105er oder 115er Board, während ein leichterer Fahrer eher den 85er wählt. Aber wenn beide gut surfen, erwarten sie dasselbe Konzept. Wir geben den schwereren Surfern nicht einfach einen Freeride-Shape und den leichteren ein wesentlich waveorientierteres Konzept. Die Balance muss passen, und diese Linie ziehen wir durch.
Ein Name steht für einen bestimmten Einsatzbereich, eine Zielgruppe und eine bestimmte Performance” Werner Gnigler
Wie gesagt, wir sind inzwischen bei der 17. Generation seit 2001. Es sind immer kleine Schritte. Das ist Feintuning. Wir wissen, dass kleine Unterschiede im Gesamtpaket größere Unterschiede in der Performance bewirken können. Deshalb bringen wir alle zwei Jahre ein neues Board, weil wir es schaffen wollen, einen sinnvollen Schritt nach vorne zu machen. Wir haben bestimmte Parameter, an denen wir arbeiten können. Entscheidend sind nach wie vor die Rockerlinie und der Verlauf des V. Wir versuchen, die Centerline effizient zu gestalten: relativ gestreckt und ohne viel Rocker. Gleichzeitig verändern wir die Rail-Linie so, dass sie einen deutlich stärkeren Rocker aufweist.
Wir versuchen, die Centerline effizient zu gestalten: relativ gestreckt und ohne viel Rocker.”
Beim neuen Shape verwenden wir im vorderen Bereich ein ausgeprägtes V, reduzieren es im Mittelbereich und haben im Vergleich zu früheren Generationen im hinteren Bereich wieder ein deutlich stärker ausgeprägtes V. Das verändert die Charakteristik und die Manövereigenschaften, insbesondere durch die Veränderung der Rail-Kurve.
Wenn ich mir das letzte Drittel des Boards anschaue, also den Bereich ab den Fußschlaufen, habe ich relativ wenig V. Ganz im Heck ist das V dagegen deutlich stärker. Dadurch hat das Board an der Rail ungefähr fünf bis sieben Millimeter Rocker, grob gesagt – je nach Position. Ich brauche in der Mitte keinen ausgeprägten Rocker, weil ich ihn über die Rail einbaue. Durch das starke V im Heck wird die Kante beziehungsweise die Rail nach oben angehoben. Zwischen den Fußschlaufen ist der Boden wieder relativ flach, und im Bereich vor der Mastspur habe ich erneut ein stärkeres V. Damit habe ich an der Rail insgesamt deutlich mehr Scoop beziehungsweise Rocker als auf der Centerline. Das ist der Trick: Zwischen den Fußschlaufen entsteht in der Mitte eine flache Zone, die das Board sehr stabil macht und schnelles Fahren ermöglicht. Sobald ich das Board auf die Kante stelle, habe ich im Prinzip eine Wave-Rockerlinie.
Wir haben den gesamten Trimm nach hinten verschoben. Entscheidend ist, wo der Trimm liegt, also wo man steht und wo die Fußschlaufen positioniert sind. Das Board hat eine Powerbox, die bei der Positionierung natürlich gewisse Grenzen setzt. Wir haben aber versucht, die Positionen so weit wie möglich zusammenzubringen und insgesamt etwas weiter nach hinten zu verschieben. Dadurch, dass nicht nur die Finne weiter hinten sitzt, sondern auch der Trimm nach hinten gewandert ist, habe ich mehr Druck am Heck. So kann ich das etwas breitere Heck trotzdem radikal in die Halse fahren. Durch die etwas geradere Outline, weil das Heck nicht mehr so schmal ist, habe ich außerdem für größeren Wellen eine relativ gestreckte Rail-Linie im Wasser, wenn ich das Board vorne belaste. Das bietet viel Kontrolle, auch bei längeren Turns. Wir haben zudem die Finnenpositionen verändert und den Abstand zwischen den Sidefins und der Mittelfinne verringert. Dadurch rücken auch die Drehpunkte näher zusammen.
Je weiter die Finnen auseinanderliegen, desto stabiler wird das Board in langen Turns. Aber es soll ja auch spritzig sein.”
Die Mittelfinne ist ungefähr 1,5 Zentimeter nach hinten gerückt, die Fußschlaufen etwa zwei Zentimeter. Da war noch etwas Spielraum. Bei den Sidefins sind wir, glaube ich, drei bis vier Zentimeter nach hinten beziehungsweise näher an die Mittelfinne gerückt. Das ist schon eine deutliche Veränderung.
Die Mittelfinne ist natürlich die Hauptfinne. Sie liefert den Drive, gegen den man Druck geben kann. Die Seitenfinnen geben zusätzliche Unterstützung. Dadurch kann man eine kleinere Mittelfinne fahren, was die Drehfreudigkeit verbessert. Wenn ich die Seitenfinnen weglasse, brauche ich eine ungefähr zwei Zentimeter größere Mittelfinne, um eine ähnliche Performance zu erreichen. Das Board wird dann natürlich richtungsstabiler, und ich kann stärker drücken. Das Fahrgefühl wird etwas slalomähnlicher. Mit der größeren Mittelfinne leidet allerdings die Drehfreudigkeit ein wenig. Deshalb haben wir versucht, die Finnen näher zusammenzubringen. Durch den geringeren Abstand arbeiten sie effizienter zusammen. Man spürt mehr Finnen-Druck, obwohl die Mittelfinne kleiner ist. Wenn die Finnen weiter auseinanderliegen und ich dieselbe Finnenkonfiguration fahre, spüre ich sie nicht so stark zusammenarbeiten. Durch den geringeren Abstand zwischen den Seitenfinnen und der Mittelfinne unterstützen sie sich besser, auch beim normalen Geradeausfahren.
Durch den geringeren Abstand zwischen den Seitenfinnen und der Mittelfinne unterstützen sie sich besser, auch beim normalen Geradeausfahren.”
Ich glaube, die Seitenfinnen sind gleich geblieben. Wir fahren weiterhin 10er und 12er beziehungsweise zwei unterschiedliche Größen. Das müsste ich noch einmal genau überprüfen.
Ich bin mir bei den einzelnen Bauweisen noch nicht ganz sicher. Wir haben ja unterschiedliche Ausführungen. Das müsste ich noch einmal nachprüfen. Grundsätzlich haben die Boards aber alle die Finnenkästen für ein Thruster-Setup, weil diese bereits in die Form integriert sind. Das ist auch der Plan.
Es gibt Fahrer, die gerne schnell fahren und eher Carving-orientiert unterwegs sind. Sie bewegen sich damit schon ein bisschen in Richtung der Freemove-Zielgruppe. Wer gerne mehr Druck über die Mittelfinne aufbaut, kann auch mit einem Single-Fin-Setup fahren. Jemand, der gerne etwas mehr Segeldruck hat und stärker über den hinteren Fuß arbeitet, bekommt damit ein Fahrgefühl, das etwas mehr an ein sportliches Freerideboard erinnert. Unsere eigentliche Zielgruppe möchte aber gerne in die Halse gehen und ein lebendiges Fahrgefühl haben. Darauf sind die Boards abgestimmt. Über die Jahre ist das Verständnis für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe auch besser geworden. Generell geht der Trend bei Freestyle-Wave-Boards zu etwas kleineren Finnen.
Generell geht der Trend bei Freestyle-Wave-Boards zu etwas kleineren Finnen.”
Wir waren bisher eher auf der vorsichtigen Seite, weil wir aus dem Feedback unserer Windsurfstationen wissen, dass frühes Angleiten für viele Fahrer das Wichtigste ist. Egal, wie viel Wind herrscht: Angleiten ist immer ein Thema. Eine etwas größere Finne erleichtert das, insbesondere für Menschen, die nicht jeden Tag auf dem Brett stehen. Deshalb versuchen wir, das mit dem Setup und den Thruster-Finnen zu kompensieren. Wir wollen gutes Angleiten und gleichzeitig gute Manövereigenschaften.
Nein, nicht bei den ganz kleinen. Sonst kann ich gleich ein Waveboard fahren, zum Beispiel ein Magic Wave mit einer kleineren Finne.
Dafür gibt es ja Waveboards und Freestyle-Waveboards. Wavefahrer fahren richtige Turns in der Welle. Freestyle-Wave-Fahrer sind eher in kleineren, spielerischen Wellen unterwegs und probieren dort verschiedene Manöver. Sie fahren normalerweise nicht in klassischen Sideshore-Bedingungen mit langen, sauberen Down-the-Line-Wellen. Das ist dann die nächste Stufe.
Ja, die Wood Pro.
Ja. Das ist wie bei unseren Slalomboards und den anderen Rennboards. S-Tec ist die hochwertigste Ausführung. Die Weltcup-Boards werden in S-Tec gebaut. Das ist die beste und leichteste Technologie, die wir derzeit anbieten.
Ja, genau. Das Gewicht spielt natürlich eine Rolle.
Die Outline hat sich etwas verändert. Es ist nicht nur das Heck breiter geworden, sondern wir haben im Bugbereich auch etwas Material beziehungsweise Breite weggenommen, damit sich das Board lebendiger anfühlt. Dadurch ist die Masse weiter zur Mitte hin konzentriert. Das verbessert die Balance beim Angleiten. Wenn vorne weniger Masse in Bewegung ist, lässt sich das Board außerdem leichter fahren.
Ja, die sind ziemlich ähnlich beziehungsweise weitgehend gleich geblieben.
Der Rail-Shape ist immer entscheidend. Er muss einfach harmonisch verlaufen. Auch hier geht es um Feintuning. Nach hinten muss die Rail natürlich dünn auslaufen, damit sie genügend Grip bietet. Grundsätzlich haben wir aber keine radikale Änderung vorgenommen. Wenn man den Apex-Point (siehe Foto) im mittleren Bereich etwas erhöht – also die breiteste Stelle des Rails etwas höher legt – schwappt beim Angleiten nicht so leicht Wasser über das Heck. Das Board fährt dadurch freier.
In der Kurve habe ich außerdem einen gleichmäßigeren Auftrieb, und das Board verschneidet nicht so leicht, weil die Kante etwas runder ist. Wir sprechen hier von Veränderungen im Millimeterbereich, nicht von einem halben Zentimeter. Aber wenn der Apex-Point nur ein wenig höher liegt, kann das bereits einen großen Unterschied bei Halsen, bei Manövern und natürlich auch beim Wellenreiten machen.
Werner, vielen Dank für deine Zeit!

Redakteur surf
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.