Windsurfer LT WeltmeisterschaftLeichtwind-Rennen in Mondello auf Sizilien

Alois Mühlegger

 · 11.11.2022

Windsurfer LT Weltmeisterschaft: Leichtwind-Rennen in Mondello auf SizilienFoto: Max Aquila

„Ich hätte nicht gedacht, dass taktisches Windsurfen bei so wenig Wind noch so viel Spaß macht“, lachte Stephan van den Berg. Der 60-jährige Niederländer, erster Olympiasieger 1984, holte sich in Mondello auf Sizilien den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse B. Die restlichen vier Trophäen gingen an Italien.

Bevor sie aufs Wasser durften, mussten zumindest die Herren unter den 347 Teilnehmern aus 24 Nationen auf die Waage und wurden in vier Gewichtsklassen eingeteilt. So starteten vier Herrenfelder mit je etwa 70 Teilnehmern, ergänzt durch eine Damen-Klasse. Neben den Italienern, mit fast zwei Dritteln am stärksten vertreten, flogen knapp 40 Australier ein und stellten zusammen mit 43 Franzosen und über 30 Holländern die stärksten Kontingente. Zwei Minitruppen, je vier Herren, gingen aus Deutschland und Österreich an den Start zu den acht Leichtwind-Kursrennen.

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„Böen mit sechs bis acht Knoten waren schon ein Highlight“, so Frank Spöttel, der auf Rang zwölf einlief.

„Ich wäre gerne in die Top-Ten gesurft, aber das Niveau in Klasse A (bis 69,8 kg) und B (bis 77,8 kg) war unglaublich hoch.“ Dort waren auch die meisten ehemaligen Champs vertreten. Chris Sieber, Olympiasieger 2000 aus Österreich, lag lange auf Rang drei, verlor durch ein entzündetes Knie Schlagkraft, sprich Pumptechnik: „Am Schluss war ich froh, Platz sechs noch zu halten.“

Pumpen war mal erlaubt, mal nicht – das führte zu einigen unverständlichen Jury-Entscheidungen. Copyright: MAX AQUILA photoFoto: Max Aquila
Pumpen war mal erlaubt, mal nicht – das führte zu einigen unverständlichen Jury-Entscheidungen. Copyright: MAX AQUILA photo

Pumpen war erlaubt, auf der Kreuz zwar nur 30 Sekunden nach dem Start, aber nach der Luvtonne auf Halb-, Raum- und Vorwind dafür permanent. „Da zeigten sich leider einige Schwächen der Orga, die mehr sporadisch disqualifizierte. Erwischte Pumper mussten zur Strafe einen 720er drehen. Auch bei den Zieleinläufen wurde schon mal die falsche Segelnummer notiert“, monierte Kay Bürger aus Giessen, „aber sonst war die Regatta perfekt vom Albaria Club organisiert. Auch das Rahmenprogramm stimmte, jeden Abend wurde lecker gespeist und mit Musik gut abgetanzt.“ Kay als 22. und der Kitzbüheler Seppi Salvenmoser (20.) ergänzten das deutsch-österreichischem Team an Land und auf dem Wasser.

Zum Ende der WM ließ die Wettfahrtleitung sogar noch einen Slalom fahren, besser gesagt pumpen und als Steigerung gab es dann endlich bei etwas mehr Wind ein Long Distance Race, bei dem alle gemeimsam bei einem Rabbit-Start loslegten.

 Gemeinsamkeit macht stark, das Acht-Mann-Team AUT-GER.Foto: Kai Bürger
Gemeinsamkeit macht stark, das Acht-Mann-Team AUT-GER.

Wie überlegen die Italiener das Heimspiel dominierten, zeigten Marco Casagrande, der in der A-Gruppe sieben von acht Rennen gewann, genauso wie Allessandro Alberti in der Klasse C. Bei den Jumbos (ab 86,6 kg) wiederholte Riccardo Giordano seinen WM-Erfolg von 2019, auch Laura Linares beherrschte das Damenfeld nach Belieben.

Kann dies bei der nächsten Weltmeisterschaft Ende Dezember 2023 in Australien auch so sein? Das bezweifeln die Experten. Im Starkwindrevier von Perth könnte die Stunde der Aussies schlagen. Dann sollen auch wieder jede Menge vom neuen Windsurfer LT zum Leihen bereit liegen – ob noch für 250 Euro Mietgebühr wie in Mondello, wird die weitere Entwicklung zeigen.

Frank Spöttel (links) und Christoph Sieber nehmen Weltmeister Stephan van den Berg in ihre Mitte (rechts).Foto: Kai Bürger
Frank Spöttel (links) und Christoph Sieber nehmen Weltmeister Stephan van den Berg in ihre Mitte (rechts).