World Cup SyltDas sind die WM-Entscheidungen und die Favoriten

Tobias Frauen

 · 21.09.2022

World Cup Sylt: Das sind die WM-Entscheidungen und die FavoritenFoto: Carter/pwaworldtour.com

Drei WM-Titel werden beim Windsurf Worldcup Sylt vergeben. Wir zeigen euch die Favoriten, die deutschen Starter und auf wen Ihr sonst noch achten solltet!

Nach zwei Jahren Corona-Pause ist der Mercedes-Benz Windsurf Worldcup Sylt wieder da! Vom 24. September bis zum 3. Oktober – also inklusive Feiertage sogar einen Tag länger als normal – treffen sich die PWA-Fahrerinnen und Fahrer in Westerland zum größten Event des Jahres. Der Profi-Zirkus ist in den letzten Jahren arg gebeutelt worden, deswegen war die Freude und Erleichterung groß, als der Stop auf Sylt vor einigen Wochen endlich bestätigt wurde. Drei WM-Titel werden vor Sylt vergeben: Im Waveriding fällt die Entscheidung sowohl bei den Damen als auch bei den Herren, im Freestyle dürfen nur die Herren an den Start gehen. Auch Slalom ist für den Worldcup angesetzt, dort folgen allerdings im Herbst noch weitere Rennen. Aufgrund des dünnen Tour-Kalenders gibt es 2022 keine Streicher und damit auch keine Rechen-Spiele. Wir zeigen euch, wer die Favoriten sind und auf welche Namen ihr besonders achten müsst!

Waveriding Damen

Außer Pozo gab es bislang keinen Event für die Wave-Damen, Ausrutscher darf sich also niemand leisten. Die Rangliste zeigt bislang ein wenig überraschendes Bild: Vorne liegen Daida und Iballa Moreno, dahinter lauert wie so oft Sarah-Quita Offringa. Doch die Morenos sind auf Sylt nicht dabei: Während Daida sich um ihren Sohn kümmert und als Physiotherapeutin arbeitet, hat sich Iballa am Knie verletzt. Top-Favoritin ist damit Sarah-Quita Offringa, sie hat den letzten Event auf Sylt 2019 gewonnen und surft meistens in einer Klasse für sich.

Lina Erpenstein, derzeit auf Rang vier, hat in Pozo einen schlechten Start erwischt, sich in der Double Elimination aber wieder in die Spitzengruppe nach vorne gearbeitet. Nach mehreren Wochen Training auf den Kanaren ist die Kieler Medizin-Studentin auf Sylt die zweite heiße Kandidatin für einen Sieg - und könnte sich damit ernsthafte WM-Chancen ausrechnen. Die Zuschauer dürfte sie jedenfalls auf ihrer Seite haben. Viel auf den Kanaren trainiert hat auch Justyna Sniady aus Polen. Die WM-Dritte von 2019 hat viel Erfahrung im Sylter Shorebreak, zählt aber nicht unbedingt zum engsten Favoriten-Kreis.

Wave Damen: Favoritinnen und deutsche Starterinnen

Lina Erpenstein (G 3, Severne Sails & Boards): Nach einer fulminanten Aufholjagd in Pozo liegt die beste deutsche Waveriderin derzeit auf Platz vier und hat noch Chancen auf den WM-Titel. Die Morenos sind auf Sylt nicht dabei, ihre ärgste Konkurrentin heißt damit Sarah-Quita Offringa

Waveriding Herren

Die Herren waren 2022 bislang am häufigsten auf dem Wasser: Neben dem Worldcup in Pozo gab es im Frühjahr schon den heiß ersehnten Down-The-Line-Event auf den Kapverden. Den gewann der Hawaiianer Bernd Roediger, der sich ein wenig überraschend auch für Sylt angemeldet hat. Echte Chancen auf den Titel hat er aber wohl kaum, denn in Pozo war er nicht am Start. Philip Köster kam auf den Kapverden nur auf Rang 25 und liegt deswegen trotz seines Pozo-Sieges nur auf dem vierten Platz der Rangliste. Er steht auf Sylt unter Druck und muss gewinnen oder zumindest deutlich vor den Top 3 der WM-Wertung landen, wenn er seinen Titel verteidigen möchte. Ganz oben steht derzeit Marcilio Browne mit zwei zweiten Plätzen, dahinter Thomas Traversa und Victor Fernandez. Sie alle haben bereits gezeigt, dass sie auch vor Sylt zu den Favoriten zählen, es wird also alles andere als leicht für Philip Köster.

Brawzinho, der Weltmeister von 2013, hat sicherlich die beste Ausgangsposition. 2019 zeigte er in der Double Elimination eine unglaubliche Aufholjagd und gewann sechs Heats in Folge, bevor er erst im Finale Thomas Traversa unterlag. Der kleine Franzose hat vor allem bei Wind am unteren Limit einen Gewichtsvorteil, zudem zeigt er immer wieder herausragendes Waveriding. Auch Victor Fernandez hat bereits mehrere WM-Titel und Sylt-Siege in der Tasche. Das Rennen ist also sehr spannend!

Wave Herren: Favoriten und deutsche Starter

Philip Köster (G 44, Severne Sails & Boards): Um seinen sechsten WM-Titel wird Köster hart kämpfen müssen. Nach verkorkstem Saisonstart haben andere bessere Ausgangspositionen.

Freestyle Herren

Im Freestyle sind die Ergebnislisten bislang blütenweiß, es gab 2022 noch keinen Event. Da auch nach Sylt kein Wettkampf mehr ansteht, wird der WM-Titel wieder einmal vor Westerland vergeben. Die unglaubliche Serie von Dauer-Weltmeister Gollito Estredo ist im letzten Jahr gerissen. Mit nur einer Elimination bei marginalen Bedingungen holte sich Amado Vrieswijk von Bonaire beim Event in Südfrankreich seinen ersehnten ersten Titel. Diesen möchte er auf Sylt sicherlich verteidigen, auch wenn er gleichzeitig auf iQFoil-Material an der Qualifikation für Olympia 2024 arbeitet. Auf den Social Media-Kanälen von Vrieswijk war es in letzter Zeit relativ ruhig – ob er an einem neuen Move feilt?

Ganz anders seine Konkurrenten Sam Esteve und Yentel Caers, die in letzter Zeit viele beeindruckende Clips gepostet haben. Nicht unterschätzen sollte man auch Jacopo Testa, der bei der europäischen EFPT-Tour äußerst stark gefahren ist. Aus deutscher Sicht könnten auch Niclas und Lucas Nebelung für eine Überraschung sorgen, beide haben zuletzt viel auf den Kanaren trainiert.

Freestyle Herren: Favoriten und deutscher Starter

Amado Vrieswijk (NB 20, Futurefly/Severne): Oft knapp unterlegen, 2021 endlich Weltmeister: Der Mann von Bonaire wird alles daran setzen, seinen Titel zu verteidigen

Slalom

Das Slalom-Feld ist in diesem Jahr eine Wundertüte: Noch kein vollwertiger Contest, dafür die große Unbekannte Foilen. Zur Erinnerung: Seit 2020 dürfen die Fahrer in den meisten Fällen selbst entscheiden, ob sie mit Foil oder Finne starten. Dadurch sind viele neue Namen in der Weltspitze aufgetaucht, allen voran die Brüder Nicolas und Thomas Goyard. Im Juli gab es zwar schon einen Cup in Kroatien, der jedoch nicht für die Jahreswertung zählt. Dennoch waren viele Fahrer dort, um Wettkampfpraxis zu sammeln, der Italiener Bruno Martini siegte am Ende vor Pierre Mortefon und Matte Iachino.

Da die Slalom-Rennen auf Sylt vermutlich eher im unteren Windbereich gestartet werden (bei stärkerem Wind haben Wave und Freestyle den Vorrang), dürfte die Foil-Performance entscheidend sein. Neben den Goyards zählen auch bekannte Namen wie Pierre Mortefon (Weltmeister 2019), Matteo Iachino oder Maciek Rutkowski zu den Favoriten. Auch die lebende (und immer noch fahrende) Legende Antoine Albeau sollte niemand unterschätzen. Aus Deutschland ist vor allem Sebastian Kördel vom Bodensee stark, arbeitet aber auch an der Olympia-Kampagne mit dem iQFoil. Entscheidungen werden auf Sylt aber noch nicht fallen, denn nach dem Event sollen noch ein Slalom-Cup auf Teneriffa und ein Rennen in Japan folgen.

Slalom: Favoriten und deutsche Starter

Nicolas Goyard (FRA 465, Phantom Boards & Sails): Weltmeister 2021, Foil-Weltmeister 2019 - am Franzosen geht zumindest auf dem Foil kein Weg vorbei. Auch auf Sylt?

Die PWA war mit einem ambitionierten Tour-Kalender ins Jahr gestartet, nach und nach mussten jedoch immer mehr Events abgesagt werden. Hintergrund waren neben örtlichen Corona-Einschränkungen auch Finanzierungs-Probleme. So wurde etwa der traditionelle Wave-Event vom Sommer in den Herbst geschoben und in einen Slalom-Cup verwandelt, während das abgesetzte Rennen am Gardasee auf 2023 verschoben wurde. Auch die Aufnahme weiterer Disziplinen wie etwa dem Damen-Freestyle für den Mercedes Benz Windsurf Worldcup scheiterte an fehlenden Preisgeldern.

Rahmenprogramm beim Worldcup Sylt

Für einige Zuschauer mindestens genauso wichtig wie die Wettkämpfe auf dem Wasser ist das Party-Angebot an Land. Im „Worldcup Village“ auf der Westerländer Promenade gibt es zahlreiche Stände, viel Gastronomie und Pop-Up-Stores. Auch das legendäre Partyzelt darf natürlich nicht fehlen, dort startet auf zwei Dancefloors jeden Abend ab 18 Uhr die Worldcup-Party. Auch im berühmt-berüchtigten American Bistro dürfte wieder einiges los sein – also fast so wie vor Corona. Mehr zum Rahmenprogramm erfahrt ihr hier >>

Ein besonderes Highlight erwartet euch am ersten Samstag (24.9.) des World Cups: In der Kinowelt Westerland gibt es eine Vorpremiere der Björn Dunkerbeck-Doku „Born to Windsurf“. Der endgültige Film wird erst im Frühjahr 2023 in die Kinos kommen. EInlass ist um 18:30 Uhr.

Und natürlich ist auch das surf Magazin mit einem Stand auf der Nordpromenade am Start – wir freuen uns auf euch.

Björn Dunkerbeck kommt mit einer Doku über seine Karriere nach SyltFoto: Carter/pwaworldtour.com
Björn Dunkerbeck kommt mit einer Doku über seine Karriere nach Sylt