Fahrtechnik FreestyleDie richtige Material-Einstellung und Segel ducken

Julian Wiemar

 · 30.09.2022

Fahrtechnik Freestyle: Die richtige Material-Einstellung und Segel duckenFoto: Emieck De Goede

Segel ducken – und dann: „Beam me up, Scotty!“ Davon träumen alle Freestyler. Damit die Reise zu fernen Freestyle-Galaxien aber gelingen kann, müssen erst mal Fluggerät und Commander in Stellung gebracht werden. Im ersten Teil unserer Freestyle-Serie stellen wir dich auf die Startrampe.

Nein: Spock, Flaka & Co. sind nicht tot. Natürlich gehören diese Klassiker aus gutem Grund ins Repertoire eines jeden Tricksers. Trotzdem möchte jeder, der mit Freestyle beginnt, so schnell wie möglich in die Welt der Powermoves vordringen. Tricks wie Culo, Burner oder Kono faszinieren vor allem dadurch, dass man sich aus spiegelglattem Wasser meterhoch in die Luft katapultieren kann. Bevor es aber „Beam me up, Scotty!“ heißt, sollte man erst mal das Fluggerät vorbereiten:

Welche Setups für Mastfuß, Schlaufen und Finne empfehlenswert sind. Wie du dein Segel auf maximalen Schub für den Take-off trimmst. Und welche Vorübungen für den Commander Sinn machen – das alles zeigt dir Julian Wiemar im ersten Teil unserer neuen Freestyle-Serie.

Verlagssonderveröffentlichung

Diese Themen findest Du im Teil 1 der Fahrtechnik Freestyle:

Schlaufengröße

Freestyler neigen dazu, ihre Schlaufen generell sehr groß einzustellen. Der gesamte Fuß soll schnell und ohne starken Druck von oben komplett bis über den Spann in die Schlaufe hineinrutschen können. So kann man schnell auf Switch umsteigen und hat in der Luft bestmögliche Kontrolle über sein Board. Aber aufgepasst: Wer die Schlaufe so groß einstellt, dass der gesamte Fuß reinrutschen kann, der muss die Schlaufe auch enger zusammenschieben, um gleichzeitig genügend Halt zu haben.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Sturzgefahr, falls  man beim Freestyle-Move nicht rechtzeitig aus der Schlaufe kommt.Foto: Emieck De Goede
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Sturzgefahr, falls man beim Freestyle-Move nicht rechtzeitig aus der Schlaufe kommt.

Der Großteil des Halts entsteht bei Freestylern nämlich – im Gegensatz zu einer Freeride- oder Race-Einstellung – nicht durch Druck von oben, sondern durch die engen, seitlichen Ränder der Schlaufe, die den Fuß in Position halten. So reduziert man die starken Kräfte, die während der Manöver (vor allem in Switch Stance) von oben auf den Spann einwirken, und der Fuß hat in der hohen Schlaufe ein wenig Spiel, um sich im Falle eines Sturzes (bei dem man nicht rechtzeitig aus der Schlaufe herauskommt) nach links und rechts zu drehen, ohne direkt von oben zerquetscht zu werden.

Seitlicher Halt ist beim Freestylen wichtiger, als Druck der Schlaufe von oben.Foto: True Media & Culture
Seitlicher Halt ist beim Freestylen wichtiger, als Druck der Schlaufe von oben.

Das Engersetzen der Schlaufe bildet automatisch die für Freestyler charakteristisch steile, hochgewölbte Schlaufenform. Sollten die Abstände der Plugs auf dem Board dies für die persönliche Fußbreite nicht zulassen (da der Abstand entweder zu weit oder direkt viel zu eng wird), kann man, wie unten rechts zu sehen, mit Unterlegscheiben arbeiten und die Ränder der Schlaufe dadurch nach innen drücken.

Unterlegscheiben für die richtige Position der Fußschlaufen.Foto: True Media & Culture
Unterlegscheiben für die richtige Position der Fußschlaufen.

Segeltrimm

Moderne Freestyle-Segel vertragen ein bisschen Loose Leech – aber nicht zu viel. Für einen stabilen Duck sollte das Achterliek bei einem typischen Freestyle-Segel nahezu gespannt sein, da dies das Eigenleben beim Durchtauchen reduziert. Wer ein Wavesegel zum Tricksen zweckentfremdet, darf auch gerne mit etwas weniger Vorliekspannung, sprich Loose Leech, zu Werke gehen als sonst üblich.

Moderne Freestyle-Segel funktionieren mit nur sehr wenig Loose Leech am besten.Foto: True Media & Culture
Moderne Freestyle-Segel funktionieren mit nur sehr wenig Loose Leech am besten.

Finnen

Die Zeiten, in denen es angesagt war, kaum abzuheben und so viele 360-Grad-Spins wie möglich hinter jedes Manöver zu sliden, sind langsam, aber sicher vorbei – und somit auch die Zeiten der absoluten Mini-Finnen. Eine größere Finne (zwischen 19 und 21 Zentimeter) ist mittlerweile Standard. Um bei voller Geschwindigkeit auf Switch Stance umzusteigen, das Segel zu ducken und sich dann mit dem aufgebauten Druck so hoch wie möglich herauszukatapultieren, braucht man wenigstens ein bisschen Grip. Wenn es sehr choppy ist, werden daher sogar etwas größere Finnen gefahren als im spiegelglatten Wasser. Als Freestyle-Neueinsteiger muss man meist erst lernen, mit einer gefühlt kleinen 21er Finne überhaupt mal geradeaus zu fahren. Natürlich ist das Board damit sehr sensibel, eine größere Finne als eine 21er macht aber zum Sliden kaum Sinn, da das Brett sonst wie auf Schienen fährt und schlechter auf Steuerimpulse reagiert.

Mini-Finnen gehören auch bei der Freestyle-Elite längst der Vergangenheit an, denn Powermoves benötigen auch viel Speed und Grip auf dem Heck.Foto: Charlie Connaughton
Mini-Finnen gehören auch bei der Freestyle-Elite längst der Vergangenheit an, denn Powermoves benötigen auch viel Speed und Grip auf dem Heck.

Seegras-Freestyle-Finnen haben generell etwas mehr Griff als „normale“ Finnen und können dadurch ein bis zwei Zentimeter kleiner gewählt werden. Während Seegras-Finnen im Freeride-Bereich spürbare Nachteile bei der Performance haben, sind Seegras-Freestyle-Finnen meist ein vollwertiger Ersatz, mit dem alles möglich ist. Viele Ostsee-Trickser, die ständig Seegras-Finnen fahren, schrauben ihre Finne bei einem Trip an die Nordsee – also in ein seegrasfreies Revier – gar nicht mehr um.

Seegras-Finnen leisten  gute Dienste  beim Freestyle.Foto: True Media & Culture
Seegras-Finnen leisten gute Dienste beim Freestyle.

Schlaufenabstand und Mastfußposition

Mehr Abstand zwischen vorderer und hinterer Schlaufe (ein breiterer Stand) kann die allgemeine Kontrolle verbessern. Näher zusammenstehende Schlaufen (ein kompakterer Stand) sorgt für mehr Sprungkraft und schnelleres Rotieren. Ersteres ist mit modernem Freestyle-Material, mit kleinen Segeln und vor allem im Flachwasser eher zu vernachlässigen. Man kann also ohne Bedenken alles kompakt zusammenbringen. Auch der Mastfuß darf auf kurzen Freestyleboards gerne mal nach hinten, näher an die Vorderschlaufen rutschen. Das lässt alles noch kompakter und drehfreudiger wirken, außerdem kann einem die Nase der modernen Boards sonst sehr kurz vorkommen – diese kann auch schneller mal in die Chop eintauchen, hängenbleiben und abbremsen.

Probiert es aus: Stellt euch auf den Boden und versucht aus dem Stand, so hoch wie möglich in die Luft zu springen. Ihr werdet feststellen: Man würde sich auf Anhieb niemals mehr als schulterbreit zum Absprung hinstellen. Wie breit steht ihr auf eurem Freestyleboard? Vor allem bei Kindern und Jugendlichen mit kurzen Beinen sieht man häufig einen zu breiten Stand. Spezielle Freestyleboards für Kids, mit enger zusammenstehenden Schlaufen, sind in diesem Fall sehr empfehlenswert.

Je geringer der Abstand „Schlaufen-Mastfuß“ ist, desto schneller rotiert das Board.Foto: True Media & Culture
Je geringer der Abstand „Schlaufen-Mastfuß“ ist, desto schneller rotiert das Board.

Freestyle Moves: Duck Tack und Heli Tack

Das Ducken des Segels ist der absolute Knackpunkt aller gängigen Powermoves. Für das Ducken ist die richtige Einstellung des Materials genauso entscheidend wie eine ausgefeilte Technik. Während typische Powermoves wie Kono, Culo oder Burner erst mit genügend Speed und Wind funktionieren, kannst du das Ducken bereits bei weniger Wind vorüben, z.B. in Form zweier Freestyle-Klassiker: Duck Tack und Switch Heli Tack.

Duck Tack

Ideal zum Üben der Duck Tack ist Wind an der Gleitgrenze, wenn es zum richtigen Freestylen noch nicht reicht.

Hier gibt‘s die wichtigsten Tipps:

1) Der Fußwechsel zur Duck Tack findet schon vor dem Ducken statt. Damit dieser gelingt, lass etwas Druck aus dem Segel und stelle auf einem leichten Raumwindkurs die Füße um, indem du zuerst den vorderen Fuß nach hinten (Hacke-an-Hacke) und dann sofort den hinteren Fuß nach vorne Richtung Mastfuß setzt. Die Duck Tack kannst du aus dem Halb- oder Vollgleiten auf Halbwindkurs einleiten. Luve also nach erfolgreichem Fußwechsel wieder leicht an.
Foto: Emieck De Goede
Die sieben Stufen  zur  perfekten Duck Tack

Switch Heli Tack

Um die Anfahrt für Freestyle-Kracher wie Culo oder Kabikuchi zu üben, hilft ein Move wie die Switch Heli Tack perfekt. Knackpunkt ist dabei die Segelkontrolle in verdrehter Fußstellung – diese lässt sich sehr einfach vorüben.

1) Stelle in Dümpelfahrt die Füße in die Switch-Stance-Position um.
Foto: True Media & Culture
In fünf Schritten erklärt Julian Wiemar  die Switch Heli Tack.