Windsurf-FahrtechnikSo vermeidest du den Spinout

Stephan Gölnitz

, Manuel Vogel

 · 01.09.2022

Windsurf-Fahrtechnik: So vermeidest du den SpinoutFoto: Oliver Maier
Spinout: Wenn das Heck nach Lee wegrutscht, ist an der Finne die Strömung abgerissen.

Jeder kennt ihn, jeder kann ihn, keiner will ihn – den Spinout. Nur warum er entsteht und an welchen Stellschrauben man drehen kann, um ihn zu vermeiden, wissen die Wenigsten. Mit den surf-Tipps bleibt ihr in der Spur.

Der Spinout kommt plötzlich und unerwartet und ist in etwa so beliebt wie Zahnschmerzen – macht er doch dem Gleitspaß ein jähes Ende. Er entsteht, wenn die Strömung an der Finne plötzlich abreißt, das Heck schlittert dann unkontrolliert nach Lee weg. Bei Boards mit kleinen Finnen (z.B. Wave oder Freestyle) kann man das Heck recht leicht wieder einfangen, bei Freeride- und Freeracebrettern ist häufig ein kompletter Neustart nötig – raus aus den Schlaufen, neu Angleiten und zuschauen, wie die grinsenden Kumpels in der Ferne verschwinden.

Verlagssonderveröffentlichung

Dabei ist die Mehrzahl der Spinouts vermeidbar, wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht. Einfluss auf die Häufigkeit von Spinouts haben die Länge und das Profil der Finne, der Boardtrimm über die Position von Mastfuß und Schlaufen, die Lage des Segeldruckpunktes als Resultat des Segeltrimms und natürlich auch die eigene Fahrtechnik.

Die besten Tipps gegen den Spinout

Mastfuß in die Mitte

Viele Surfer, die mit Spinouts Probleme haben, versuchen, das Problem durch ein nach vorne schieben des Mastfußes zu beheben. Vordergründig macht das Sinn, denn dadurch verschiebt man auch den Segeldruckpunkt nach vorne und nimmt Druck von der Finne. Allerdings leidet bei komplett nach vorne geschobenem Mastfuß auch der Gesamttrimm von Brett und Segel. Das Board läuft im Gleiten nicht mehr frei und setzt unangenehm in Kabbelwellen ein, was Speed und Kontrolle massiv verschlechtern kann. Die Mittelposition bleibt daher die klare Empfehlung.

Schlaufen nach innen

Wer die Schlaufen in einer weit außenliegenden Position fährt, bringt oft auch viel seitlichen Druck auf die Finne. Sofern man im Vollgleiten häufig mit Spinouts kämpft, fährt man mit einer etwas weiter innenliegenden Schlaufenposition komfortabler und am Ende sogar mit höherem Durchschnittsspeed.

Dosiert Höhe laufen

Damit eine stabile Strömung an der Finne anliegt, muss das Brett eine solide Gleitgeschwindigkeit haben. Wer nach dem Angleiten zu früh auf Amwindkurs geht und sofort Druck aufbaut, fördert die Spinout-Tendenz. Daher gilt: Nach dem Schritt in die Schlaufen erst mal beschleunigen und dann dosiert auf Amwindkurs wechseln.

Mehr Vorlieks-Spannung

Häufig treten Spinouts auf, wenn man mit großen Segeln unterwegs ist. Diese haben eine längere Gabel und damit auch den Segeldruckpunkt weiter hinten – was den Druck auf die Finne erhöht. Ist das Segel dann auch noch zu bauchig getrimmt, wandert der Segeldruckpunkt noch mehr nach hinten. Man kann dies erspüren, wenn – z. B. in Böen – der Zug auf der hinteren Hand stark ansteigt. Dann erhöht sich auch der Druck auf die Finne, die Spinout-Gefahr steigt.

surf-Tipp: Zieht das Segel in Böen auf der hinteren Hand, ziehe das Vorliek einen Zentimeter weiter durch. Trimme an der Trimmschot aber erst mal nur minimal flacher, um die Gleitleistung nicht abzuwürgen.

Längere Finne

Eine längere Finne ist die letzte Stellschraube, an der du drehen kannst. Lässt sich das Problem über Trimm, Schlaufenposition und Fahrtechnik nicht beheben, kann auch eine zwei bis drei Zentimeter längere Finne Sinn machen. Finnen mit dickem Profil sind zwar meist etwas langsamer als dünne Profile, dafür aber auch weniger Spinout-anfällig, da hier die Strömung stabiler anliegt. Weiteres Plus: Dicke Profile sind bei Leichtwind und vor allem in der Angleitphase etwas leistungsstärker.

Schon mit kleinen Veränderungen bei Trimm und Fahrtechnik kann man Spinouts verhindern.Foto: Oliver Maier
Schon mit kleinen Veränderungen bei Trimm und Fahrtechnik kann man Spinouts verhindern.