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· 05.09.2026
Gleiten! Das ist das Ziel eines jeden Windsurfers, der Spaßgarant. Sobald man die Gleitschwelle überschritten hat, macht Windsurfen so richtig Spaß! Vorher ist es vielfach ein Abmühen oder gar ein Kampf. „Je früher wir gleiten, desto besser. Und je mehr wir gleiten, desto mehr Spaß“, platzt es aus Vincent Langer heraus. Schnell wird klar, dass Deutschlands erfolgreichster Regattaprofi der letz-ten 15 Jahre nicht an der Oberfläche herumkratzen möchte, sondern hier de-tailliert auf alle Fragestellungen rund ums Gleiten eingeht. Wir starten mit Fahrtechnik an Bord und kommen anschließend zum Fine-Tuning am Ma-terial: „Mein Ziel ist es, Windsurfern zu vermitteln, wie sie alle Möglichkeiten ausschöpfen können, um möglichst früh ins Gleiten zu kommen.“
Wenn eine Finne unter dem Board steckt, ist das entscheidende Ziel, das Board nach vorn zu beschleunigen – und nicht nach unten zu drücken. Durch eine aktive Fahrweise, beispielsweise durch Fächern oder Pumpen, wird Vortrieb erzeugt. Dabei entsteht jedoch nicht nur Druck nach vorn, sondern auch nach unten. Genau dieser zusätzliche Druck drückt das Board tiefer ins Wasser und erhöht somit die Angleitschwelle. Deshalb ist es so wichtig, das Board aktiv nach vorn zu schieben, ohne es gleichzeitig nach unten zu belasten – auch wenn das in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen ist. Viele Windsurfer machen dabei den gleichen Fehler: Sie gehen in die Knie. Das ist kontraproduktiv.
Entscheidend ist, das Board aktiv nach vorn zu beschleunigen, ohne es zu sehr nach unten zu drücken.”
Ein hilfreicher Tipp für jeden Hobbysurfer, der seine Pumptechnik verbessern möchte: Übt bei Nicht-Gleitbedingungen. Konzentriert euch dabei ausschließlich darauf, dass das Board sauber geradeaus läuft. Die Nase sollte stabil in eine Richtung zeigen und weder nach Luv noch nach Lee ausbrechen. Ziel ist es, das Board konstant auf einer Linie zu halten, und durch jede Pumpbewegung soll sich die Geschwindigkeit erhöhen – ohne es dabei nach unten zu drücken.
Viele arbeiten zu sehr aus den Knien und Beinen. Dadurch drücken sie das Board ungewollt nach unten – selbst wenn es nur kurz ist. Die Beine sollten in der Angleitphase eher ruhig und stabil, fast schon steif sein. Erst mit fortgeschrittener Technik kommen die Beine gezielt ins Spiel, um Druck kontrolliert aufzubauen – und zwar möglichst nach vorn gerichtet. Das ist allerdings technisch anspruchsvoll und wird von den meisten nicht optimal umgesetzt.
Beim Anpumpen gehe ich bewusst weniger in die Knie, halte Beine und Hüfte stabil und bringe meinen Oberkörper weiter nach vorn. Das Ziel ist klar: Möglichst viel Gewicht nach vorn zu bringen. Eine hervorragende Übung ist es, den vorderen Fuß in Richtung Mastfuß zu setzen. Man steht dadurch zwar ungewohnt breitbeinig, aber es hilft enorm, das Gewicht nach vorn zu verlagern. Das lässt sich besonders gut in Bedingungen trainieren, in denen man knapp nicht ins Gleiten kommt.
Wenn man die Pumptechnik von guten Windsurfern analysiert, fällt auf, dass sie alle etwas gemeinsam haben: Das Achterliek des Segels arbeitet deutlich stärker als der Mast. Man kann grob von einem Verhältnis von etwa 70 zu 30 sprechen (bei Segeln mit längerer Gabel). Auch die hintere Hand ist – selbst im Dümpeln – aktiver und legt einen deutlich längeren Weg zurück als die vordere Hand. In meinen Windsurf Clinics sehe ich allerdings oft ein Verhältnis von etwa 50 zu 50, was nur bei kleinen Wavesegeln mit kurzer Gabel funktioniert. Das bedeutet, dass beide Hände gleich stark arbeiten – und genau das erfordert deutlich mehr Kraft, um ins Gleiten zu kommen, und ist ineffektiv.
Was bewirkt nun diese stärkere Bewegung im hinteren Bereich des Segels? Wir erzeugen damit sogenannte „Backhand Power“. Dadurch hebt sich die Boardnase an, anstatt nach unten gedrückt zu werden. Bei einem 50-50-Verhältnis drückt man die Nase bei jedem Pumpimpuls eher nach unten. Ein Verhältnis von 70:30 – oder sogar 80:20 – sorgt hingegen dafür, dass die Nase nach oben kommt. Und „Nase hoch“ bedeutet letztendlich: mehr Vortrieb. Und genau hier liegt der Vorteil des Fächelns: Diese Technik macht es deutlich einfacher, die Kraft in die richtige Richtung – nämlich nach vorn – zu lenken.
Je höher die Intensität beim Fächeln ist, desto mehr Power erzeugt das Segel – und desto besser gelingt das Angleiten. Intensität bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem die Geschwindigkeit, mit der die hintere Hand das Achterliek von Luv nach Lee bewegt. Das Fächeln wird in der Regel eingehängt ausgeführt. Man bleibt also im Trapez und bewegt sich gewissermaßen über die Trapeztampen leicht nach links und rechts. Je mehr Kraft und Schnelligkeit man in diese Bewegung legt, desto größer ist am Ende auch der zusätzliche Schub, den man als Extra-Kick nutzen kann.
Und man kann jedes Mal, wenn man die hintere Hand nach Luv zurückzieht, auch einen kleinen Kick mit dem vorderen Fuß nach vorn geben, um das Brett sozusagen zu aktivieren. Zusätzlich versuche ich dabei sogar, den hinteren Fuß „leichter“ zu machen, also marginal anzuheben. Aber das ist koordinativ wirklich anspruchsvoll. Darum kann ich nur jedem Windsurfer empfehlen, dass er auch Sessions mitnimmt, bei denen er mit ziemlicher Sicherheit nicht ins Gleiten kommt, aber genau diese Technik üben kann.
Alle Windsurfer, die körperlich nicht in der Lage sind, die 70-30-Pumptechnik effektiv umzusetzen, sollten besser fächeln. Das hat viel mit der physischen Leistungsfähigkeit zu tun – wer nicht die nötige Power mitbringt oder keinen klaren Vorteil aus dieser Technik zieht, fährt mit Fächeln deutlich effizienter. Mit dem Fächeln erreichst du etwa 50 Prozent dessen, was mit einer perfekten 70-30-Pumptechnik möglich ist. Aber diese 50 Prozent sind immer noch deutlich mehr als das, was viele Windsurfer mit einer nicht optimal ausgeführten Pumptechnik tatsächlich erzeugen. Genau darum geht es: Man muss es immer in Relation sehen.
Fächeln ist für die meisten Windsurfer die bessere Wahl. Es ist weniger kraftintensiv, konstanter und führt oft zuverlässiger zum Angleiten. Denn beim Pumpen wird die erzeugte Kraft oft nicht in Vortrieb umgesetzt, sondern in sogenannten „Downforce“. Man sieht es immer wieder: Windsurfer pumpen, arbeiten dabei stark mit den Knien, dem Körpergewicht und dem Segel – und drücken das Board dadurch regelrecht nach unten ins Wasser. Genau das wirkt dem frühen Angleiten entgegen. Entscheidend ist vielmehr, dass das Board stabil auf dem Wasser liegt und nicht nach unten belastet, sondern ausschließlich nach vorn beschleunigt wird.
Je höher der Gabelbaum, desto mehr Power hat ein Segel, je niedriger, desto weniger Power, doch dafür mehr Kontrolle hat das Segel. Das Ziel bei wenig Wind muss immer sein, die Gabel so hoch wie möglich zu fahren, solange man immer noch die Möglichkeit hat, das Segel aktiv zu bewegen. Dann haben wir in der Regel aber am Achterliek mindestens eine, manchmal zwei oder sogar drei Ösen, um den Gabelbaum einzuhängen. Leichte Fahrer glauben häufig, dass sie die untere Öse nutzen müssen, damit die Gabel tiefer ist. Wenn man immer die untere Öse verwendet, öffnet sich das Achterliek mehr, wodurch man tendenziell später angleiten wird. Das heißt, auch für leichte Leute ist die obere Öse letztendlich immer die bessere Wahl, wenn sie bei wenig Wind gleiten wollen.
Es gibt Gabelbäume, die weniger oder mehr Power haben. Das hat zum einen etwas mit der Steifigkeit zu tun. Wenn du steife Gabelbäume hast, hast du eine bessere Kraftübertragung, wodurch die Energie besser in Vortrieb umgewandelt wird. Das macht auf jeden Fall Sinn für schwerere Surfer. Je länger die Gabel ist, desto weicher das gesamte Konstrukt, aber je kleiner das Segel ist, desto unwichtiger wird es. Und je weiter eine Vario-Gabel herausgezogen wird, desto weicher wird sie. Auch die Breite und Form der Gabel spielt eine Rolle: Ist sie vorn sehr breit, steht das Segel generell aufrechter, und dadurch hast du die Möglichkeit, früher anzugleiten. Auch am Endstück erlaubt die Breite der Gabel dem Segel im besten Falle, ein sehr tiefes Profil zu werfen, ohne dass der Profilverlauf des Segels durch die Gabel limitiert wird.
Bei den meisten Windsurfern sind die Trapeztampen zu weit vorn positioniert. Das führt dazu, dass beim Angleiten das Achterliek tendenziell zu weit offen ist und somit weniger effektive Power aufgebaut wird. Setzt man die Trapeztampen hingegen deutlich weiter nach hinten, lädt sich das Segel im vorderen Bereich stärker auf. Gleichzeitig schließt sich das Achterliek etwas mehr, wodurch das Segel insgesamt mehr Druck und damit mehr Vortrieb erzeugt. Der Effekt: Man kann auch deutlich leichter und effizienter – fast schon „passiv“ – ins Gleiten kommen. Man sollte leicht nach vorn gezogen werden.
Das kann sich anfangs ungewohnt oder sogar etwas unangenehm anfühlen, da ein spürbarer Zug auf dem vorderen Arm entsteht. Daran muss man sich erst gewöhnen. Sobald man jedoch im Gleiten ist, passt die Balance wieder. Dann verteilt sich der Zug gleichmäßig auf beide Arme, und das Set-up fühlt sich deutlich harmonischer an. Die Länge der Trapeztampen steht immer in direktem Zusammenhang mit der Höhe der Gabel. Grundsätzlich gilt: Etwas längere Tampen unterstützen das Angleiten. Wie bereits erwähnt, hilft eine höher positionierte Gabel dabei, früher ins Gleiten zu kommen.
Entsprechend kann – oder sollte – man beim Angleiten auch längere Trapeztampen fahren. Das gilt sowohl für ein eher passives Angleiten als auch für das Fächeln. Sobald man jedoch in stabiler Gleitfahrt ist, ändert sich die Anforderung: Dann sollten die Trapeztampen kürzer eingestellt werden. Dadurch kommt man näher ans Segel, kann es aktiver anpowern und kontrollierter, aufrechter fahren. Ein praktischer Tipp daraus: Verstellbare Trapeztampen sind eine sehr sinnvolle Lösung, um beide Anforderungen – Angleiten und kontrolliertes Gleiten – optimal abzudecken.
Grundsätzlich ist es so, dass RDM-Masten in der Regel mehr Power haben als SDM-Masten, sofern wir von identischer Härte ausgehen. Wenn wir in ein Freeridesegel nach einem SDM- einen gleich harten RDM-Mast hineinschieben, dann werden wir mit dem RDM früher angleiten. Warum ist das so? Durch den Winddruck und durch weniger Material in der Masttasche kann das Profil im Segel tiefer werden, wodurch man besser angleiten kann. Durch einen härteren Mast schiebt man das Profil des Segels außerdem weiter nach vorn, das heißt, die maximale Profiltiefe liegt weiter vorn – dadurch gleitet man prinzipiell schneller an, doch gleichzeitig wird auch die Boardnase nach unten gedrückt. Ein tiefes Profil erzeugt eben nicht nur Vortrieb, sondern auch „Downforce“. Dem kann ich entgegenwirken, zum Beispiel durch eine Anpassung der Mastfußposition. Wenn ich merke, dass das Board zu stark „klebt“ und sich nicht richtig frei anfühlt, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass zu viel Druck nach unten wirkt.
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Mastfuß weiter nach hinten zu setzen, um die Nase wieder freier zu bekommen. Es gibt hier verschiedene Stellschrauben, mit denen man die Balance des Boards optimieren kann – entscheidend ist immer, die richtige Mischung zu finden, damit das Board nicht nach unten gedrückt wird, sondern sauber nach vorn beschleunigt.
Je weniger Vorlieksspannung man gibt, desto weicher ist das Segel, denn durch wenig Spannung in der Masttasche wird das Segel weicher. Und je mehr Vorlieksspannung wir geben, desto härter wird das Segel, und, klar, das Segel öffnet sich dann weiter im Top. Das Problem: Leute, die sehr schwer sind, wollen ja eigentlich ein hartes Segel mit viel Profil, brauchen aber zum frühen Angleiten auch ein Segel, das nicht besonders weit offen ist. Das heißt, sie müssen eigentlich das Segel durchziehen, um die Steifigkeit zu bekommen. Doch wenn sie das machen, öffnet sich das Segel zu viel, sodass sie wiederum nicht mehr so gut anpumpen können. Was tut man? Man gibt den Latten mehr Spannung, und zwar nicht nur auf die „Powerbatten“. Und diese zusätzliche Spannung sollte man in regelmäßigen Abständen kontrollieren.
Ein tiefes Profil im Segel erzeugt nicht nur Vortrieb, sondern auch Druck nach unten.”
Denn es ist so, dass Segel aus ungefähr 200 bis 300 Teilen bestehen, die sich natürlich auch ausdehnen. Und wenn du jemand bist, der schwer ist, sodass das Segel viel arbeitet, müssen wir immer wieder etwas Spannung draufgeben. Segel werden nicht sofort schlechter, aber Segel werden mit der Zeit weicher. Und da müssen wir gegenarbeiten.
Wenn ich auf die Latte oberhalb der Gabel – das ist sozusagen die „Powerbatten“, so habe ich diese mal getauft – mehr Spannung gebe, schließe ich damit das Achterliek. Das ist eine wichtige Stellschraube, mit der man ein Segel anpowern kann. Hier steckt enormes Potenzial, das viele Windsurfer unterschätzen. Es gilt: Man darf ruhig mutig sein und ordentlich Spannung draufgeben.
Mein Tipp, für alle Leute, die sich entscheiden, nur ein großes Segel, z.B. ein 7,5er, zu haben, und damit immer gleiten möchten: Es gibt die Möglichkeit, die Mastverlängerung weiter auszuziehen. Ein Beispiel: Im 7,5er-Segel mit einer Vorliekslänge von 484 cm steckt ein 460er Mast drin. Dann nimmst du aber eine 28er-Verlängerung. Warum? Das ganze Segel kommt weiter hoch, womit man das Segel mehr anpowert. Ja, einerseits wird der Mast, der da drin ist, im Gefühl weicher, weil er länger ist, aber letztendlich ist es definitiv so, dass du damit früher gleitest. Das heißt, was mache ich, wenn ich bei ganz wenig Wind ein 8,4er-Segel fahre, weil wir kein 9.0er mehr im Programm haben? Ich stelle meine Mastverlängerung vier Zentimeter länger ein!
Grundsätzlich gilt: Je größer ein Board ist, desto früher kommt man ins Gleiten – und je kleiner das Board, desto anspruchsvoller wird es. Was viele Windsurfer dabei oft vergessen: Jedes Board hat einen optimalen Segelbereich, den es sinnvoll tragen kann. Ist das Segel zu groß für das Board, kann die erzeugte Kraft nicht mehr effizient in Vortrieb umgesetzt werden.
Ein einfaches Beispiel: Ein 100-Liter-Board mit einem 8,0er-Segel – das funktioniert in der Praxis kaum sinnvoll. Die Power des Segels lässt sich nicht kontrolliert nutzen. Umgekehrt macht es jedoch durchaus Sinn, ein größeres Board mit einem kleineren Segel zu kombinieren. Große Boards sind einfacher zu fahren, gleiten früher an und bieten durch ihr Volumen deutlich bessere Durchgleiteigenschaften bei Windlöchern. Ein klassisches Beispiel wäre ein 150-Liter-Leichtwind-Freerideboard in Kombination mit einem 6,0er-Segel.
Darüber hinaus beeinflusst die Boardgröße auch die gesamte Ergonomie und das Set-up:
Wir wollen das, was uns Auftrieb gibt – und davon möglichst viel!”
Die Finne muss grundsätzlich einfach groß sein und vorwiegend lang sein. Aber auch die Profildicke ist ein maßgeblicher Faktor dafür, wie viel Power eine Finne hat. Und ich rede jetzt nicht vom Twist oder vom Flex, weil das in diesem Moment des Angleitens vollkommen egal ist, sondern wir wollen letztendlich eine größere Profildicke haben. Wir wollen das, was uns Auftrieb gibt – und davon möglichst möglichst viel. Und darum muss eine Finne, gern bis in das Tipp hoch, dick sein, um Angleitpower zu haben. Finnen mit viel Fläche in der Spitze generieren viel Power zum Angleiten, was ein Schlüsselpunkt ist. Eine größere Finne hilft zudem beim Anpumpen, bzw. Fächeln, die Fahrtrichtung beizubehalten. Das heißt, wenn ich mit dem Fächeln anfange, hilft mir eine große Finne auch, dass die Boardspitze weiter stabil in eine Richtung zeigt.
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