Workshop-PremiereMastfuß-Position und Lattenspannung - Tipps von surf-Testern, Redakteuren und externen Profis

Stephan Gölnitz

 · 22.05.2026

Die surf-Redakteure Stephan Gölnitz und Manuel Vogel geben Erfahrungen aus vielen Jahren surf-Test weiter...
Foto: Tobi Frauen
Beim surf-Festival auf Fehmarn startete der erste surf-LIVE-Workshop.
Zuerst 90 Minuten Frage und Antwort - und anschließend “open end” bei einem Getränk danach - das war der einzige Rahmen für den ersten surf-Live-Workshop. Die Premiere-Teilnehmer hatten dabei interessante Themen auf dem Zettel. Einige spannende Fragen daraus zu Trimm und Tuning haben wir anschließend auch Sailloft-Segeldesigner Gerrit Maaß und Marco Lang, Product Manager Duotone Windsurfing vorgelegt. Hier kommen ihre Profi-Tipps.

Die seit Ende 2025 neuen Online-surf-Webinare, in lockerer Folge und zu vielfältigen Themen von Fahrtechnik über Reise bis zu Material und Technik, sind gut besucht. Grund genug, mit interessierten Teilnehmern auch zwei Live-Workshops durchzuführen. Das Festival auf Fehmarn war eine gute Bühne und fünf Kernfragen haben wir anschließend zwei externen Fachleuten vorgelegt. Einen Überblick über demnächst kommende surf-Workshops und Webinare findest du immer rechtzeitig hier.

Marco Lang (Duotone Windsurfing) zu Mastfußtrimm, Gabelhöhe und Trapeztampenlänge

An Mastfuß, Gabel und Trapeztampen lässt sich im doppelten Wortsinn viel verstellen. Marco Lang gibt hier die Kern-Tipps für entspanntes, kontrolliertes Windsurfen.

Die Mitte der Mastspur ist eine gute Ausgangsposition.
Foto: Stephan Gölnitz
Brandmanager und Haupttester bei Duotone: (Ex-)PWA-Profi Marco Lang.

​Workshop-Teilnehmer: Wie findet man richtige Mastfußposition?

Marco Lang: Wenn ich ein neues Brett bekomme und das Equipment noch nicht gut kenne, empfehle ich, sowohl bei den Fußlaufen als auch beim Mastfuß in der Mitte zu starten. Die genaue Position hängt oft von den Bedingungen ab. Gestern auf Fehmarn beispielsweise bemerkte ich, dass sich das Brett etwas klebrig anfühlte. In solchen Fällen schiebe ich den Mastfuß etwas nach hinten, um mehr Lift und Luft unter die Brettnase zu bekommen. Dies macht das Board jedoch auch etwas nervöser.
Wenn ich mehr Kontrolle brauche und das Gefühl habe, das Brett könnte im Wind davonfliegen, schiebe ich den Mastfuß weiter nach vorne. Auch wenn das Brett bei Böen nicht gleitet und das Segel schwer erscheint, hilft es oft, die Position nach hinten zu korrigieren.

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Wie groß sollten die Anpassungsschritte sein?

Ich empfehle, kleine Schritte von etwa jeweils einem Zentimeter zu machen. So findet man schrittweise allmählich die ideale Position. Bei Profis kann es jedoch anders aussehen. Zum Beispiel Jordi Vonk, der über 100 Kilo wiegt, fährt sein 118er Slalomboard mit einem 7.7er Segel noch bei fast 30 Knoten Wind und positioniert die Basis dann ganz vorne, weil er bei so starkem Wind ohnehin schon extrem viel Brettlift hat.

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Wie findest du die richtige Gabelbaumhöhe?

Marco Lang: Also ich empfehle immer, die Einstellung schon am Strand vorzunehmen, weil das auf dem Wasser immer ein bisschen anstrengend ist. Ich simuliere dabei die Mastfußhöhe mit meinem Fuß. Den stelle ich meistens unter den Mast und dann kann ich es ungefähr simulieren. Als gute Ausgangsposition empfehle ich eine Höhe zwischen Brust- und Schulter. Bei stärkerem Wind schiebe ich die Gabel im Zentimeterbereich ein bisschen weiter nach unten. Bei Leichtwind montiere ich die Gabel etwas höher, dadurch bekomme ich mehr Lift und es ist besser zum Anpumpen.

Gibt es einen typischen Fehler bei den Trapeztampeneinstellungen?

Marco Lang: Ja, der häufigste Fehler ist, dass die Trapeztampen zu kurz gewählt werden.

Welche Tampenlänge sollte man als Freerider verwenden? Und lässt sich die Länge bei unterschiedlichem Wind anpassen?

Ich würde eine Standardlänge von etwa 30 cm empfehlen, da sie für die meisten ideal ist. Viele haben heutzutage Fotos von sich beim Surfen. Es ist hilfreich, diese zu nutzen, um die Segelposition zu überprüfen. Wichtig ist, dass das Segel möglichst aufrecht steht, denn wenn es zu stark geneigt ist, verliert es an Performance. Ich habe oft beobachtet, dass Segel fast 45 Grad gegen den Wind geneigt werden, was die Leistung erheblich beeinträchtigt. Das kommt hauptsächlich von zu kurzen Tampen.
Im Slalombereich verwenden Fahrer bei großen Segeln häufig 30 cm lange Trapeztampen, während sie bei kleineren Segeln (wie 5.2 oder 5.8) dann sogar auf 36 cm umsteigen. Im Foiling sind sogar Längen von bis zu 46 cm üblich. Es ist wichtig, darauf zu achten, die Trapeztampen nicht zu kurz zu wählen, da längere Tampen mehr Kontrolle bieten. Besonders bei kabbeligem Wasser kann man mit dem Körper den Chop besser ausgleichen. Auch für Anfänger empfehle ich längere Tampen ab 30 Zentimeter, da das Ein- und Aushängen leichter und schneller funktioniert.

Spielt die Körpergröße eine Rolle bei der Wahl der Trapeztampenlänge, zum Beispiel wenn man 1,60 m groß ist?

Meiner Meinung nach ist die Körpergröße weniger entscheidend. Vielmehr kommt es auf das Können und den persönlichen Komfort an. Kontrolle ist allerdings sehr wichtig. Ich hatte gestern einen Kunden hier, der bei etwa 15 Knoten Wind mit einem großen Freeride-Segel 28 cm lange Trapeztampen nutzte. Er fiel häufig aus dem Gleiten, weil das Segel übertrieben weit geneigt war. Ich riet ihm, die Trapeztampen zu verlängern. Anfangs war es für die Arme etwas anstrengend, aber letztendlich hatte er mehr Kontrolle und Freude am Surfen. Auch wenn er noch etwas mehr mit den Händen halten musste, war er am Ende super zufrieden.

Gerrit Maaß (Sailloft Hamburg) zu Lattenspannung und Segeltrimm bei böigem Wind

Von “voll anspannen” bis zu “gerade so, dass die Latten nicht rausfallen”, reicht das Spektrum an Forumsempfehlungen zur Lattenspannung. Der Profi-Designer sieht das etwas differenzierter. Für den optimalen Trimm für böige Reviere gibt es zwar keine Universalrezept, aber gute Hinweise und hilfreiche Anregungen.

Die Segellatten werden von oben (nur ganz leicht mit zwei Fingern) bis unten immer stärker gespannt.
Foto: Stephan Gölnitz
Gerrit Maaß kennt als Segeldesigner nicht nur jede Naht persönlich, sondern auch die optimalen Einstellungen.

Teilnehmerfrage: Wie sollte man die Segellatten bei einem Segel spannen, und wie stark?

Gerrit Maaß: Ich spanne die Segellatten so, dass die Spannung von oben nach unten zunimmt. Die Toplatte hat die geringste Spannung, während die Fußlatte die höchste Spannung aufweist, da dort das Profil am stärksten ist. Im Topbereich möchte ich, dass das Segel eher gerade und offen ist, damit es bei Böen gut aufmachen kann. Eine zu hohe Spannung würde das Segel im Topbereich bauchig machen, was unerwünscht ist. Grundsätzlich sollte die Lattenspannung bei jedem Segel von oben nach unten zunehmen. Bei unseren Freeride-Segeln haben die beiden oberen Latten sehr wenig Spannung, die dritte Latte von oben ist mittelmäßig gespannt, und die Latten im Gabelbaumbereich haben die höchste Spannung, da das Profil dort am tiefsten ist.

Wie definiert sich "mittelmäßig" bei der Lattenspannung? Wann hört man auf, den Lattenspanner weiter zu drehen?

Man sollte so weit drehen, dass das Segeltuch neben der Lattentasche glatt ist. Leichte Wellen auf der Innenkurve der Lattentasche sind normal und verschwinden, wenn das Segel shiftet. Es ist wichtig, die Latten nicht zu überspannen.

Ist die Spannung stramm genug, wenn die Falten neben der Lattentasche gerade verschwunden sind?

Ja, in der Mitte des Segels, also bei der zweiten Latte über der Gabel, erreicht man das mit relativ wenig Spannung. Das Drehen am Lattenspanner sollte mit zwei Fingern leicht möglich sein. Bei der Fußlatte, wo das Segel bauchiger ist, braucht es etwas mehr Kraft, aber man kann immer noch mit zwei Fingern spannen. Der Widerstand ist hier zwar deutlicher, aber man sollte dabei nicht übertreiben. Du willst halt auch kein IKEA-Regal an die Wand dübeln. Also man muss da nicht mit Gewalt zu Werke gehen. Wenn die Falten weitgehend verschwunden sind, ist man mit der Lattenspannung fertig. Noch mehr Drehen bringt dann keine Verbesserung. Und im Topbereich sollte man die Spannung wirklich minimal halten, gerade so, dass der Lattenspanner nicht von allein herausfällt. Je weniger Spannung im Top, desto besser.

​Leserfrage: Wie sollte man sein Segel für böige Windbedingungen trimmen, wie zum Beispiel an meinen Berliner Seen?

Um ein Segel für böigen Wind zu trimmen, würde ich es so aufriggen, dass die Böen gut überstanden werden können. Das erreiche ich durch mehr Vorliekspannung, wodurch ein lockeres Achterliek entsteht, das hilft, die Böen abzufedern. Es ist wichtig, dabei nicht zu übertreiben, da das Segel sonst zu flach wird und man in den Windlöchern stecken bleibt. Persönlich bevorzuge ich einen Allround-Trimm, der sowohl ausreichend Profil im Gabelbaumbereich bietet als auch genug lose Achterliekspannung hat, um etwa 90% der Böen zu bewältigen. So kann man durch Windlöcher noch hinweg gleiten und das Segel in den stärkeren Böen stabil halten. Bei besonders starken Böen kann es dann aber notwendig sein, das Segel kurz zu öffnen, um einen Schleudersturz zu vermeiden.

Wie sieht ein Allround-Trimm bei einem Segel, wie dem Cross HR, aus hinsichtlich Loose Leach und der Spannung am Gabelbaum?

Den gesamten Trimm sollte man über das Vorliek einstellen. Ich ziehe das Vorliek so weit durch, dass die Latte über der Gabelbaum mit der Vorderkante des Mastes abschließt. Das bedeutet, die Lattenspitze sollte sich leicht am Mast vorbei schieben, bis sie praktisch bündig mit der Mastvorderkante ist. Bei Wind im Segel zieht sich die Latte etwas zurück, wodurch noch genügend Bauch zum Angleiten übrig bleibt. Es sollte ein deutlich loses (Red.: leicht flatteriges) Achterliek zwischen der ersten und zweiten Latte von oben sichtbar sein, sowie ein wenig Loose zwischen der zweiten und dritten.

Wie viel Spannung sollte am Schothorn für diesen Allround-Trimm aufgebracht werden, wenn das Segel an Land liegt?

Am Schothorn sollte nur minimal Spannung aufgebracht werden. Es geht darum, den Tampen so zu spannen, dass er nicht mehr lose ist und dann einzuklemmen - also einfach festmachen, ohne groß zu ziehen. Gerade genug Kraft in drei bis vier Fingern reicht aus, um den Tampen hinten etwas festzuziehen. Ein Segel am Schothorn stark zu spannen bringt bei böigen Bedingungen wenig, da so schnell ungewollt zu viel Profil aus dem Segel gezogen wird, was das Angleiten erschwert. Für Böen braucht man ein lockeres Achterliek und zum Losfahren den Bauch im Gabelbaumbereich. Man muss den besten Kompromiss basierend auf Segeltyp, Modell und der Stärke der Böen finden und eventuell auch verschiedene Trimmoptionen testen. Letztlich sollte der Trimm aber überwiegend über das Vorliek erfolgen und nicht durch exzessives Ziehen am Schothorn.


Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Redakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

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