Defi Wind, One Hour und Co.Die optimale Vorbereitung auf Long-Distance-Rennen

SURF

 · 18.04.2026

Beim Defi Wind sind bis zu 1.500 Windsurfer gemeinsam auf dem Kurs. Wie du dich vorbereitest und optimal ins Rennen gehst, erklärt dir Justine Lemeteyer
Foto: Jean Souville
Long-Distance-Rennen sind etwas, das jeder Hobbyracer einmal im Leben gemacht haben sollte. Egal ob Defi Wind oder North One Hour – wer durchhält, hat bereits gewonnen. Justine Lemeteyer, zweifache Weltmeisterin im Foil-Slalom, verrät dir, worauf es ankommt.

Themen in diesem Artikel

Text: Justine Lemeteyer

Ein 40-Kilometer-Rennen mit 1.500 anderen Windsurfern um dich herum, bei über 30 Knoten Tramontana, das ist ein einzigartiges Erlebnis. Auch eine One-Hour-Regatta hat nichts mit einer normalen Session zu tun. Aber gerade das macht Long-Distance-Rennen zu etwas Besonderem, und alle ambitionierten Windsurferinnen und Windsurfer sollten es einmal im Leben gemacht haben. Aber worauf kommt es an? Wie bereitest du dich am besten vor? Wie tunst du dein Equipment, und was ist die beste Taktik?

Kardio- und Kraft-Training

Langstreckenrennen sind anstrengend, durchzuhalten ist Teil der Faszination. Es hilft also, ein paar Kardioeinheiten einzulegen, aber letztlich soll der Spaß im Vordergrund stehen. Um Ausdauer aufzubauen, kannst du an Land trainieren. Im Fitnessstudio oder zu Hause kann Krafttraining deinen Körper gezielt auf lange Schläge vorbereiten. Ich arbeite seit fünf Jahren mit dem Profi-Trainer Kilian Philippe zusammen und mache gerne ein Zirkeltraining mit Schwerpunkt Kraftausdauer.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Trainings-Tipps für Windsurfer:

Am wichtigsten ist es, die Griffkraft zu trainieren, um den Gabelbaum bei langen Ausstreckungen bequem halten zu können. Auf YouTube findest du viele Übungen hierzu, aber letztlich musst du selbst wissen, ob du es eher professionell oder entspannt angehen lassen möchtest. Und es gibt Hoffnung: Bei Rennen wie dem Defi Wind sind unter den 1.500 Teilnehmenden die Hobbysurfer klar in der Überzahl – und die meisten von ihnen sind sicher nicht fitter als du.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Bei 1.500 Teilnehmern sind die meisten sicherlich nicht fitter als du!”

Vorbereitung auf dem Wasser

Wenn du dich zum Beispiel auf das Defi Wind vorbereiten möchtest, solltest du versuchen, im Vorfeld mal ein paar richtig lange Schläge, also einige Kilometer am Stück, zu surfen. Während des Rennens heizt du zweimal von Gruissan nach Port-la-Nouvelle, was einem Schlag von knapp 10 Kilometern Länge entspricht, jedes Rennen geht also über rund 40 Kilometer. Das bedeutet, dass sowohl deine Ausrüstung als auch dein Körper für eine anhaltende Ausdauerleistung bereit sein müssen.

Wenn dein Heimatrevier es dir erlaubt, lange Strecken sicher zu surfen (nicht zu weit von der Küste entfernt und bei Bedarf in Reichweite von Hilfe), empfehle ich dir, dies vor dem Rennen mal zu tun. Du wirst schnell merken, dass die Einstellung des Equipments sehr wichtig ist, um durchzuhalten und nicht zu sehr zu verkrampfen.

​Die Einstellung des Equipments ist sehr wichtig ist, um durchzuhalten und nicht zu sehr zu verkrampfen.”

Bei vielen Regatten gibt es eine Foil- und eine Finnenkategorie. Viele Pros starten mittlerweile auf dem Foil und sind in der Endabrechnung oft schneller als die Finnenfahrer. Trotzdem würde ich den meisten Amateursurfern im Zweifel immer raten, bei einem Rennen wie dem Defi Wind mit der Finne an den Start zu gehen, weil hier meist bei starkem Wind gesurft wird, was auf dem Foil wirklich anspruchsvoll ist.

Segelwahl und Trimm

Ein schwieriges Thema – und ein bisschen Lotteriespiel ist bei der Materialwahl immer dabei, denn beim langen Rennen können sich die Bedingungen im Laufe der Strecke deutlich ändern. An der Startlinie kann der Wind noch böig und unruhig sein. Auf dem letzten Schlag, sobald sich die Flotte verteilt hat, ist der Wind oft stärker und gleichmäßiger.

Kontrolle geht vor Topspeed

Im Zweifel geht Kontrolle aber vor Topspeed. Extrem schnell zu sein ist toll – aber wenn dein Set-up zu groß und für 40 Kilometer am Stück zu anspruchsvoll ist, wird es am Renntag nicht funktionieren. Umgekehrt musst du damit rechnen, am Start und an den Halsentonnen in der Abdeckung zahlreicher anderer Surfer zu landen – unterpowert solltest du also nicht sein, denn es gibt nichts Schlimmeres bei einer Regatta, als nicht ins Gleiten zu kommen und vom gesamten Feld überholt zu werden. Ideal ist das größte Segel, welches du noch entspannt und ohne kompletten Kontrollverlust fahren kannst.

Achte darauf, genug Vorliekspannung und Loose Leech zu haben, das sorgt für Kontrolle und einen stabilen Druckpunkt, wenn der Wind auf dem Kurs mal zunimmt. Gold wert ist ein Trimmsystem für den Gabelbaum, damit kannst du den Trimm anpassen. Das ist wichtig, weil es sein kann, dass ein Run auf leichtem Raumwindkurs liegt, der Rückweg dann leicht Amwind ist. Ich lasse dem Segel auf Raumwind generell mehr Bauch und ziehe es nach der Halse auf Amwindkurs an der Gabel etwas flacher, damit es nicht zu viel Zug auf der hinteren Hand entwickelt.

Auch variable Trapeztampen können Vorteile bieten – übrigens nicht nur bei Long-Distance-Rennen. Wenn ich raumwind am absoluten Limit unterwegs bin, würde ich sie ein bis zwei Zentimeter länger machen, dadurch kann ich die Hüfte besser rausschieben und mehr Kontrolle bekommen. Umgekehrt bekommt mein Board mehr Lift, wenn ich die Trapeztampen etwas kürzer ziehe – das kann vor allem dann von Vorteil sein, wenn der Wind auf Amwind mal runtergeht.

Zusätzlich dazu gibt es einige Stellschrauben, die sich auf dem Wasser nicht mehr adjustieren lassen, die aber einen Einfluss auf dein Set-up haben – hier musst du also vor dem Start abwägen:

  • Gabelbaumhöhe – Normalerweise fahre ich die Gabel auf Schulterhöhe. Wenn der Wind extrem stark wird, gibt dir das Absenken des Booms mehr Kontrolle über den Bug.
  • Mastfußposition – Bei sehr starkem Wind schiebe ich den Mastfuß leicht vor die Mitte der Mastspur, das hält den Bug besser unten.
  • Schlaufen-Einstellungen – Montierst du die Schlaufen zentriert oder weiter nach vorne, bringt das Kontrolle. Weiter nach hinten montiert läuft das Brett freier, hat mehr Topspeed, aber eine schlechtere Kontrolle. Ich stelle mir die Schlaufen für lange Schläge recht stramm ein, um einen guten Halt zu haben. Auf der Leeseite sollte nicht mehr als die Zehen zu sehen sein, weil ich sonst bei Topspeed nicht genug Kontrolle übers Board bekomme.
Die wichtigsten Stellschrauben für Kontrolle und AusdauerFoto: PhotosportnormandyDie wichtigsten Stellschrauben für Kontrolle und Ausdauer

Der Start: Timing und Positionierung

Bei Long-Distance-Formaten wird im Normalfall per Massenstart hinter einem Boot gestartet. Die Startlinie ist lang, aber weil alle gleichzeitig darum kämpfen, sie zu überqueren, sobald das Boot die Linie freigibt, sind Positionierung und Timing wichtig.

1) Positionierung an der Linie

Du hast im Wesentlichen zwei Hauptoptionen. Start in Lee: Das Startboot fährt von Lee nach Luv die Startlinie entlang, du musst hinter dem Boot vorbei auf den Kurs. Bedeutet: In Lee kommst du früher los. Der Nachteil: Du surfst in einem etwas ungünstigerem Winkel, weniger raumwind, auf die erste Tonne zu. Wenn Teilnehmer, die weiter in Luv starten, besser beschleunigen, gerätst du möglicherweise in ihren Windschatten, daher starten oft die schnellsten Fahrer in Lee, die etwas langsameren in Luv. Dort überquerst du die Linie einige Sekunden später, profitierst aber von gleichmäßigerem Wind und kannst mehr raumwind zur Halsentonne 1 fahren. Beide Strategien können funktionieren. Deine Wahl sollte von deinem Vertrauen in deine Beschleunigung und deine Boardgeschwindigkeit abhängen und davon, wie sicher du dich im dichten Verkehr fühlst.

2) Das Timing

Das Ziel ist es, die Linie direkt hinter dem Boot mit Geschwindigkeit und in sauberem Wind zu überqueren. Die Nutzung einer Uhr mit Countdown-Funktion ist absolut ratsam. Achte auf die beim Briefing angegebenen Zeitangaben. Der offizielle Start beginnt zum Beispiel beim Defi Wind, wenn das Boot bei null die Leemarkierung passiert. Der Countdown dauert in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten. Nutze einen Teil dieser Zeit, um dich ordentlich aufzuwärmen.

Erstelle eine einfache Zeitroutine, wobei du deine Uhr als Referenz verwendest. Zum Beispiel:

  • Überquere die Startlinie in Richtung Startbereich (also gegen die spätere Startrichtung) vier Minuten vor dem Start.
  • Surfe ungefähr 1:45 Minuten lang – etwa mit 70 Prozent Speed – von der Linie weg.
  • Umdrehen und Angleiten (dauert etwa 30 Sekunden).
  • Surfe die gleiche Zeit zurück in Richtung der Startlinie, das grobe Timing sollte dann passen. Idealerweise überquerst du die Startlinie dann mit voller Geschwindigkeit kurz hinter dem Boot.

Wichtig ist, dass du das Boot im Auge behältst – es ist die offizielle Referenz. Der häufigste Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist, zu früh an der Startlinie anzukommen. Du musst dann stark abbremsen, kommst womöglich aus dem Gleiten und wirst von unzähligen anderen in Luv überholt, diese lassen dich in einem Chaos aus Kabbelwasser und Windverwirbelungen zurück – nicht gerade ein Traumstart.

Der Start hinter dem Motorboot ist spektakulär und verlangt Timing und ErfahrungFoto: Jean SouvilleDer Start hinter dem Motorboot ist spektakulär und verlangt Timing und Erfahrung

Der erste Run

Der Charme von Langstreckenrennen ist, dass du immer jemanden findest, mit dem du dich duellieren kannst, der Kampf um Position 850 kann genauso viel Spaß machen wie der ums Podium. Konzentriere dich während des ersten Kursabschnitts darauf, konstanten Wind zu finden und die Turbulenzen anderer Fahrer, insbesondere Pulks von mehreren Personen, zu vermeiden. Quetsche nicht das letzte Quäntchen Speed raus, ein Crash kostet mehr Zeit als 1 km/h Topspeed weniger.

An der Halsentonne

Die erste Halse ist spektakulär, es kommen viele Leute gemeinsam dort an. Theoretisch ist eine enge Linie, nah an der Tonne, am schnellsten. Das Problem: Je nach Position können dir Teilnehmer und Material im Wasser den Weg versperren. Zusätzlich hast du das Problem, nach dem Schiften in den Abwinden derjenigen stecken zu bleiben, die die Tonne von Luv runden.

Daher ist es oft besser, eine weitere Kurve zu fahren und nach dem Schiften mit freiem Wind schnell wieder ins Gleiten zu kommen. Auch hier gilt: Beide Taktiken – eng um die Tonne oder weit – können funktionieren, die richtige Wahl hängt ganz vom Chaos ab, das in diesem Moment um dich herum herrscht.

Wenn alle um eine Tonne halsen, kann es eng werdenFoto: Jean SouvilleWenn alle um eine Tonne halsen, kann es eng werden

Nach der ersten Halse hat sich das Feld üblicherweise etwas auseinandergezogen. Du bekommst jetzt freieren Wind, das Kabbelwasser wird weniger und du kannst das Rennen genießen. Sobald du die Ziellinie überquert hast, vergiss nicht, dich offiziell abzumelden, zu trinken und etwas zu essen, um dich vor dem nächsten Rennen zu erholen.

Erholung? Oder doch zur Party?

Als Profi-Fahrer würde ich normalerweise ein gutes Abendessen und ausreichend Schlaf am Ende des Tages empfehlen, um die Erholung zu optimieren. Aber da beim Defi Wind und bei anderen Regatten meistens noch gefeiert wird, liegt es auf der Hand, dass viele Leute es vorziehen, sich bei einem Bier und in guter Party-Atmosphäre zu „erholen“ – und genau diese Kombination aus Grenzerfahrung, Aufregung und Party macht diese Veranstaltungen ja so besonders.


Meistgelesen in der Rubrik Windsurfen