FahrtechnikDie drei Geißeln - so verhinderst du Spinout, Wheelie und Schleudersturz

Manuel Vogel

 · 18.05.2025

Der Spinout gehört neben dem Schleudersturz und einem aufsteigenden Bug ("Wheelie") zu den häufigsten Problemen beim Windsurfen. Mit der richtigen material-Einstellung kannst du alle drei vermeiden
Foto: Oliver Maier
Spinout, Wheelie und Schleudersturz – das sind die drei Geißeln des Windsurfens. Wie du mit dem passenden Material-Set-up die volle Kontrolle behältst, zeigen wir dir in unserem Tutorial.

Themen in diesem Artikel

Jeder kennt sie, keiner will sie: Spinouts, Wheelies und Schleuderstürze! Egal ob Anfänger oder Profi – vor den drei Geißeln des Windsurfens ist niemand sicher. Die Gründe für Kontrollprobleme sind vielfältig – neben äußeren Umständen wie starken Böen oder einer übersehenen Kabbelwelle gehören vor allem Fahrfehler zu den häufigsten Ursachen. Bis zu einem gewissen Maße gehört ein gepflegter „Schleuderer“ auch einfach dazu und nicht jeder Sturz bedeutet gleich, dass man etwas grundlegend ändern muss. Wichtig ist einfach zu wissen, woran es liegt, wenn das Board immer wieder ungewollt steigt oder die Finne ausbricht. Wenn dir in jeder zweiten Böe die Brettnase abhebt, du auf der Kreuz von Spinout zu Spinout schlidderst oder du beim Boardreparateur aufgrund der ganzen Schleuderstürze mittlerweile schon anschreiben darfst, lohnt es sich durchaus, das eigene Material Set u-p zu beleuchten. Denn mit den richtigen Anpassungen schaffst du es, dich und dein Material in die richtige Balance zu bringen.

Vorliektrimm, Mastfuß, Gabelhöhe, Finne – in dieser Reihenfolge machen Anpassungen Sinn.”

Balance-Akt

Windsurfen ist ein technischer Sport, es gibt mehrere Stellschräubchen, die große Auswirkungen auf das Fahrgefühl beim Gleiten haben. Das Ziel ist eine Gleitlage, bei der das Board frei und ohne zu kleben, übers Wasser tänzelt, ohne dabei abzuheben, einzuspitzeln oder auszubrechen. Generell geht es immer darum, die Kraft des Segels so aufs Brett zu bringen, dass sich eine Art Gleichgewicht einstellt, das es ermöglicht, mit gleicher Zugverteilung auf beiden Armen und annähernd gleicher Druckverteilung auf beiden Beinen zu surfen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Dabei gibt es bestimmte Stellschrauben, die – in die eine Richtung gedreht – dafür sorgen, dass du das Gefühl von mehr Power, also einem sportlichen, fliegenden Fahrgefühl, bekommst. In die andere Richtung gedreht sorgen die Anpassungen hingegen für mehr Kontrolle, also eine ruhigere Wasserlage des Boards.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Gesucht: Die perfekte Balance. Dann ist Windsurfen der perfekte Genuss!Foto: Oliver MaierGesucht: Die perfekte Balance. Dann ist Windsurfen der perfekte Genuss!

Die wichtigsten Stellschrauben sind:

  • Segeltrimm
  • Gabelbaumhöhe & Tampenlänge
  • Finnenlänge
  • Mastfußposition
  • Schlaufenposition

Wichtig zu wissen ist, dass bestimmte Maßnahmen ein bestimmtes Problem lösen können, dafür aber ein anderes verstärken. Ein gutes Beispiel ist die Finnenlänge: So können häufig auftretende Spinouts ein Zeichen dafür sein, dass die Finne zu klein ist. Beim Wechsel auf eine größere Finne hat das Board dann zwar mehr Führung auf dem Heck, allerdings in starken Böen auch so viel Lift, dass man Probleme mit abhebendem Bug („Wheelie“) bekommen kann. Es kommt also auf das richtige Maß an, um Surfer und Material ins gewünschte Gleichgewicht zu bekommen. Im Folgenden zeigen wir dir die wichtigsten Stellschrauben für die verschiedenen Kontrollprobleme – damit du in diesem Sommer entspannt und kraftsparend übers Wasser gleiten kannst.

Gleicher Zug auf beiden Armen und fast gleicher Druck auf beiden Beinen – das ist der Idealzustand, den man beim Gleiten sucht.”

So verhinderst du, dass dein Board aufsteigt

surf/image_bfac4140e522361e4a4fc0384adec846Foto: Oliver Maier

Beim Biken ist ein Wheelie eine geplante Aktion – mit dem Vorderrad in der Luft, das gehört zu den Basics eines jeden ambitionierten Mountainbikers. Anders sieht die Sache beim Windsurfen aus, wo man das Board gerne flach auf dem Wasser hält. In starken Böen erhöht sich aber der Druck auf das hintere Bein manchmal derart, dass das Board beginnt, unruhig zu werden, und im schlimmsten Fall einen Wheelie macht, bei dem der Bug unkontrolliert steigt – kein schönes Gefühl. Wenn dir solche ungewollten Flugaktionen öfter passieren, können Veränderungen am Set-up für Abhilfe sorgen. Dabei gibt es Maßnahmen, die schnell umsetzbar sind, und andere, die mehr Aufwand erfordern. Sie alle haben das Ziel, den Auftrieb zu reduzieren und dein Board kontrollierter gleiten zu lassen. Hier ist deine Checkliste für mehr Kontrolle:

Druckpunkt vorne halten

Je stärker der Wind, desto mehr verschiebt sich der Druckpunkt des Segels nach hinten und damit wächst auch der Druck aufs hintere Bein. Bei extremen Böen wird das Segel sogar „luvgierig“, man muss dann plötzlich mit der Segelhand ziehen, während einem vorne der Mast entgegenkommt. Abhilfe schafft in diesem Fall mehr Vorliekspannung, denn dadurch öffnet sich das Segeltopp, was Druck entweichen lässt und so die aktive Segelfläche verringert. Durch mehr Vorliekspannung werden das Profil und die Wind-Anströmkante flacher. Auch dies verringert den Segeldruck und den aktiven Zug nach vorne. Aber Achtung: Durch mehr Vorliekspannung und ein flacheres Profil verändert sich auch die Gabelbaumeinstellung! Wenn du das Segel am Vorliek weiter durchsetzt, musst du im Normalfall auch an der Gabel leicht nachtrimmen! Viele Segel bieten zwei Schothornösen als Option. Bei viel Wind nimmt man besser die untere, das Segel kann dann im Achterliek etwas freier twisten und somit besser Dampf ablassen.

Gabel tiefer, Mastfuß (etwas) vor

Auch ein leichtes Verschieben der Gabel nach unten bringt etwas Druck vom hinteren Bein und kann so dazu beitragen, Wheelies zu verhindern. Zwei bis drei Zentimeter sind dabei ausreichend und haben einen deutlich spürbaren Effekt im Grenzbereich. Im Hinterkopf haben sollte man allerdings, dass viele Freerider die Gabel ohnehin zu niedrig und mit zu kurzen Trapeztampen fahren. Auch ein leichtes Vorschieben des Mastfußes sorgt dafür, dass der Bug besser unten bleibt. Ausgehend von der Mittelposition reichen hier aber ein bis zwei Zentimeter aus. Keinesfalls solltest du den Mastfuß in der Mastspur ganz nach vorne schieben!

Kleinere Finne

Die letzte Maßnahme bei immer wiederkehrenden Wheelies ist, eine Finne mit weniger Lift zu verwenden. Hintergrund: Um gut anzugleiten, werden die meisten Freerideboards mit recht großen und dick profilierten Finnen ausgestattet. Eine im Vergleich zur Serienfinne drei bis vier Zentimeter kürzere Finne erweitert den Einsatzbereich massiv. Auch eine weichere oder vom Profil her dünnere Finne erzielt den gleichen Effekt.

Mit weit außen montierten Schlaufen tut man sich als Freerider oft keinen Gefallen. Man kommt schwerer rein und die Gefahr von Spinouts wird größer.”

Spinouts verhindern - die besten Tipps

Drei Tipps, um Spinouts beim Windsurfen zu vermeidenFoto: Oliver MaierDrei Tipps, um Spinouts beim Windsurfen zu vermeiden

Der Spinout kommt plötzlich und unerwartet und ist in etwa so beliebt wie Zahnschmerzen – macht er doch dem Gleitspaß ein jähes Ende. Er entsteht, wenn die Strömung an der Finne plötzlich abreißt, das Heck schlittert dann unkontrolliert nach Lee weg. Bei Boards mit kleinen Finnen (z. B. Wave oder Freestyle) kann man das Heck recht leicht wieder einfangen, bei Freeride- und Freeracebrettern ist häufig ein kompletter Neustart nötig – raus aus den Schlaufen, neu angleiten und zuschauen, wie die grinsenden Kumpels in der Ferne verschwinden.

Dabei ist die Mehrzahl der Spinouts vermeidbar, wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht. Einfluss auf die Häufigkeit von Spinouts haben die Länge und das Profil der Finne, der Boardtrimm über die Position von Mastfuß und Schlaufen, die Lage des Segeldruckpunktes als Resultat des Segeltrimms und natürlich auch die eigene Fahrtechnik.

Mastfuß in die Mitte

Viele Surfer, die mit Spinouts Probleme haben, versuchen, das Problem durch ein Nach-vorne-Schieben des Mastfußes zu beheben. Vordergründig macht das Sinn, denn dadurch verschiebt man auch den Segeldruckpunkt nach vorne und nimmt Druck von der Finne. Allerdings leidet bei komplett nach vorne geschobenem Mastfuß auch der Gesamttrimm von Brett und Segel. Das Board läuft im Gleiten nicht mehr frei und setzt unangenehm in Kabbelwellen ein, was Speed und Kontrolle massiv verschlechtern kann. Die Mittelposition bleibt daher die klare Empfehlung.

Schlaufen nach innen

Wer die Schlaufen in einer weit außen liegenden Position fährt, bringt auch viel seitlichen Druck auf die Finne. Sofern man im Vollgleiten häufig mit Spinouts kämpft, fährt man mit einer etwas weiter innen liegenden Schlaufen-position komfortabler und am Ende sogar mit höherem Durchschnittsspeed.

Dosiert Höhe laufen

Damit eine stabile Strömung an der Finne anliegt, muss das Brett eine solide Gleitgeschwindigkeit haben. Wer nach dem Angleiten zu früh Höhe zieht und sofort Druck aufbaut, fördert die Spinout-Tendenz. Deshalb: Nach dem Schritt in die Schlaufen erst mal Speed machen und dann dosiert auf Amwindkurs wechseln.

Mehr Vorliekspannung

Häufig treten Spinouts auf, wenn man mit großen Segeln unterwegs ist. Diese haben eine längere Gabel und damit auch den Segeldruckpunkt weiter hinten – was den Druck auf die Finne erhöht. Ist das Segel dann auch noch zu bauchig getrimmt, wandert der Segeldruckpunkt noch mehr nach hinten. Man kann dies erspüren, wenn – beispielsweise in Böen – der Zug auf der hinteren Hand stark ansteigt. Dann erhöht sich auch der Druck auf die Finne, die Spinout-Gefahr steigt.

surf-Tipp: Zieht das Segel in Böen auf der hinteren Hand, ziehe das Vorliek einen Zentimeter weiter durch. Trimme an der Trimmschot aber erst mal nur minimal flacher, um die Gleitleistung nicht abzuwürgen.

Längere Finne

Eine längere Finne ist die letzte Stellschraube, an der du drehen kannst. Lässt sich das Problem über Trimm, Schlaufenposition und Fahrtechnik nicht beheben, kann auch eine zwei bis drei Zentimeter längere Finne Sinn machen. Finnen mit dickem Profil sind zwar meist etwas langsamer als dünne Profile, dafür aber auch weniger Spinout-anfällig, da hier die Strömung stabiler anliegt. Weiteres Plus: Dicke Profile sind bei Leichtwind und vor allem in der Angleitphase etwas leistungsstärker.

So vermeidest du Schleuderstürze

Drei Tipps, um Schleuderstürze zu vermeidenFoto: Oliver MaierDrei Tipps, um Schleuderstürze zu vermeiden

Nimmt der Wind zu, staut sich oft die Kraft des Segels im Topp, das Rigg fühlt sich schwer und kopflastig an. Erkennbar ist dies auch, wenn man beim Pumpen oder beim Queren von Chop sichtbare Querfalten über der Gabel beobachten kann – ein sicheres Zeichen, dass das Segel untertrimmt ist.

Die Folge davon ist, dass die Brettnase vor allem bei Raumwindkurs permanent aufs Wasser gedrückt wird und in Kabbelwellen einsetzt, statt frei darüber hinwegzufliegen. Das Resultat ist eine große benetzte Fläche (viel Wasserreibung), was bei kleinen Fehlern Schleuderstürze verursacht. Auch ein zu weit vorne montierter Mastfuß kann dieses Problem verstärken – hier bleibt die Mittelposition die klare Empfehlung.

Topplastigkeit wegtrimmen!

Wenn dein Segel über der Gabel staucht und Querfalten wirft, ist mehr auch wirklich mehr! Mehr Vorliekspannung und Loose Leech öffnen das Segel im Topp, sodass der Druckpunkt nach unten kommt und sich das Segel im Topp leichter anfühlt. Das Board fährt freier und schneller. Mit Loose Leech aufgeriggt, ist es wichtig, an der Gabel nur mäßig zu spannen. Das Segel darf ruhig die Gabel berühren. Dadurch liegt es fahrstabiler und ruhiger in der Hand.

Lange Tampen verwenden

Lange Tampen bringen deutlich mehr Kontrolle. Der Körper und somit der Schwerpunkt sind weiter weg vom Segel, sodass man bei Chop oder einfallenden Böen mehr Zeit zum Reagieren hat. Vor allem wenn du in der Angleitphase immer wieder Schleuderstürze baust, ist das die wichtigste Stellschraube. Voll angepowert profitiert man ebenfalls von langen Tampen, da du, etwas übertrieben formuliert, den Hintern besser rausstrecken kannst, was den Schwerpunkt weiter nach außen bringt. Bei kurzen Trapeztampen hingegen hat man automatisch eine gestrecktere Körperhaltung und ist näher am Segel – mit entsprechend kürzerer Reaktionszeit bei einfallenden Böen. Unser Tipp: Vario-Trapeztampen benutzen mit einem Einstellbereich von 24 bis 32 Inch und die Tampen peu à peu etwas länger machen.

Kraftübertragung optimieren

Baust du beim Angleiten regelmäßig Schleuderstürze, achte – neben den erwähnten langen Trapeztampen und einer hohen Gabel – auch auf eine nach vorne gerichtete Kraftübertragung. Drehe den vorderen Fuß dazu deutlich in Fahrtrichtung, die Zehen zeigen zum Bug. Dadurch schiebst du das Brett nach vorne über die Gleitschwelle statt quer. Eine Schlaufenposition, die gut zugänglich ist, reduziert die Schleudersturzgefahr während der Angleitphase.


Manuel Vogel

Manuel Vogel

Redakteur surf

Manuel Vogel (Jg. 1981) lebt in Kiel und stand bereits mit sechs Jahren auf dem Windsurfboard in der Surfschule seines Vaters. Nach über 15 Jahren als Windsurflehrer und seit 2003 im surf-Testteam arbeitet er seit 2013 als Redakteur für Test und Fahrtechnik. Seit 2021 ist er zudem begeisterter Wingfoiler – vor allem an der Ostsee und in den Wellen Dänemarks.

Meistgelesen in der Rubrik Windsurfen