Loopen oder fädelnSo trimmt es sich leichter

Stephan Gölnitz

 · 21.10.2026

Bei der Severne Cyclops bleibt der Tampen immer in der Klemme, die Zugschlaufe ist fix.
Foto: Stephan Gölnitz
So wie hier, einfach loopen, oder klassisch fädeln - beides bietet Vorteile.
​Beim Aufriggen lässt sich der Tampen entweder klassisch durch alle Rollen am Segel fädeln oder per Loop-Technik einhängen. Das soll Zeit sparen und durch weniger Umlenkungen und Reibung die fehlende Rolle kompensieren. Wir kennen beide Varianten aus der täglichen Praxis und haben hier an einem 6,0-m²-Severne Gator nochmals ganz konkret verglichen und auch die Kräfte gemessen.

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811 Newton Zugkraft liegen beim 6,0er Severne Gator für den High-Wind-Trimm an. Das entspricht etwa 82 Kilo Gewichtskraft. Mit der blanken Hand gezogen, schnürt das schon ordentlich ein.Foto: Stephan Gölnitz811 Newton Zugkraft liegen beim 6,0er Severne Gator für den High-Wind-Trimm an. Das entspricht etwa 82 Kilo Gewichtskraft. Mit der blanken Hand gezogen, schnürt das schon ordentlich ein.

Loop statt Fädeln: Oft schneller, aber nicht immer einfacher

Beim klassischen Trimmen wird der Tampen durch drei Rollen am Segel und zwei Rollen an der Verlängerung geführt. Beim Loopen bleibt ein Ende des Tampens an der Verlängerung befestigt, während das andere in der Klemme belegt ist. Die verbleibende Schlaufe wird durch den Segelbeschlag geführt und über eine lose Rolle an der Verlängerung gelegt. Am Segel kommen dabei nur zwei der drei Rollen zum Einsatz.

Einmal durch und drüber. Das geht schneller als drei Rollen Fädeln.Foto: Stephan GölnitzEinmal durch und drüber. Das geht schneller als drei Rollen Fädeln.

Die spezielle Severne Cyclops ist konsequent auf dieses Prinzip ausgelegt. Sie besitzt lediglich eine Rolle und bietet eine verstärkte Griffschlaufe, über die sich der Tampen ohne zusätzliche Trimmhilfe ziehen lässt. In der Praxis geht das Einhängen schnell. Allerdings ist die verfügbare Schlaufenlänge begrenzt: Um sie durch den Segelbeschlag zu führen, muss das Segel bereits relativ weit am Mast heruntergezogen und mit einer Hand dort fixiert werden. Das kann beim Aufriggen dann doch etwas fummelig sein.

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Die Severne Cyclops (oben) ist ein Spezialist, die Duotone Uni.XT erlaubt Loopen für beide Varianten von Rollenblöcken (Rollen am Segel längs/quer) sowie klassisches Fädeln - und das alles sehr gut.Foto: Stephan GölnitzDie Severne Cyclops (oben) ist ein Spezialist, die Duotone Uni.XT erlaubt Loopen für beide Varianten von Rollenblöcken (Rollen am Segel längs/quer) sowie klassisches Fädeln - und das alles sehr gut.

Auch beim anschließenden Trimmen zeigt das System Grenzen. Die Griffschlaufe muss ziemlich weit gezogen werden. Bei hohen Trimmkräften wird das am Ende recht unergonomisch und kleinere Personen schaffeneventuell nicht die gesamte Zuglänge. Mit einem insgesamt kürzeren Tampen ließe sich das verbessern, es würde aber aber das Einhängen erschweren.

Loopen: Gut für kleinere Segel mit moderaten Trimmkräften

Bei kleinen Wave- und Freestyle-Segeln bis etwa 5,0 m² funktioniert das Konzept gut. Hier sind die Vorliekspannungen meist geringer, und das Segel lässt sich leichter am Mast herunterziehen. Bei größeren Segeln mit hohen Trimmkräften wird das Ziehen an der Schlaufe dagegen schnell unangenehm. Am getesteten 6,0-m²-Segel schnürte die Schlaufe trotz Kunststoffummantelung spürbar in die Hand ein.

Große Unterschiede bei den Tampen

Bei der klassischgefädelten Uni.XT mit einem grob strukturierten Tampen reduzierte ein alternativer glatter weißer Dyneema-Tampen die benötigte Zugkraft spürbar. Der Unterschied war unmittelbar fühlbar, auch ohne Kraftmessung. Allerdings hat die glatte Oberfläche einen Nachteil: Wird der Tampen um die Hand gewickelt, kann er stärker einschneiden. Gerade bei hohen Trimmkräften sollte deshalb eine Trimmhilfe verwendet werden – unabhängig davon, ob der Tampen gefädelt oder geloopt wird.

Selbst beim Loopen kann man zum Ziehen schnell zum Trapezhaken greifen.” Stephan Gölnitz, surf-Tester

Kräftemessen: Loop-Variante nur geringfügig schlechter

Der direkte Vergleich zwischen der geloopten Cyclops und der klassisch gefädelten Verlängerung (beide mit Dyneema-Tampen) zeigte einen überraschend kleinen Unterschied. Bei Verwendung eines glatten Tampens benötigte die klassische Rollenführung zwar etwas weniger Kraft, der Vorteil lag im Test aber lediglich bei etwa zehn Prozent. Weniger Rollen bedeuten also nicht automatisch einen großen Kraftzuwachs. Bei sehr hohen Trimmkräften ist der Nachteil des Loopens also nicht eine erhöhte höhere Zugkraft, sondern vor allem die schlechtere Ergonmie beim Ziehen. Ein Trimmgriff oder Trapezhaken greift sich um ein vielfaches angenehmer als eine, auch ummantelte, Tampenschlaufe.

Gute Lösung: Loopen, aber mit Trimmhilfe

Der Test zeigt: Beim Loopen stehen vor allem das schnellere Einhängen und eine einfachere Tampenführung im Vordergrund. Ein Vorteil bei der benötigten Trimmkraft ließ sich dagegen nicht feststellen. Bei hohen Vorliekspannungen ist eine Trimmhilfe (Griff, Trapezheken) ohnehin sinnvoll. Bei rund 80 kg Zugkraft möchte man weder eine Griffschlaufe noch einen um die Hand gewickelten Tampen mit bloßer Handkraft ziehen. In diesem Video zeigen wir unter anderem, wie man besonders schnell eine Schlaufe für den Trapezhaken bildet, die sich leicht öffnen lässt.

Die surf-Magazin-Tipps

  • ​Auf den Tampen achten: Ein glatter, weißer Dyneema-Tampen kann die Trimmkräfte spürbar reduzieren. Zum kraftvollen Ziehen sollte er allerdings nicht um die Hand gewickelt werden.
  • Loopen bei kleinen Segeln ausprobieren: Bei Wave- und Freestyle-Segeln mit geringer Vorliekspannung kann das System Zeit sparen und den Aufbau vereinfachen.
  • Die Schlaufenlänge abstimmen: Die Schlaufe muss lang genug sein, um bequem durch den Segelbeschlag zu passen, sollte beim Trimmen aber keine unnötig ungünstige Griffposition erzwingen.
  • Bei großen Segeln eine Trimmhilfe verwenden: Bei Freeride- und Freemove-Segeln ab etwa 5,8 bis 6,0 m² können die Kräfte so hoch werden, dass das Trimmen von Hand unangenehm ist.
  • Verlängerungen flexibel nutzen: Bei loopfähigen Verlängerungen lässt sich gegebenenfalls nachträglich ein Kunststoffüberzug auf den Tampen ziehen. Das kann den Griffkomfort verbessern. Bei der Cyclops sollte zudem geprüft werden, ob die verstärkte Griffschlaufe zur eigenen Handgröße und zum bevorzugten Trimmstil passt.

Worst Case: Loopen in der falschen Konstellation

Ein Leser schilderte uns, dass seine Segel beim Loopen mit der Power.XT beschädigt wurden. Dabei haben vermutlich zwei Dinge zusammengespielt. Enmal waren hier Verlängerung und Rollenblock nicht passend. Die Power.XT ist für Segel mit Rollenausrichgung wie bei Duotone, NeilPryde, GA und weiteren ausgelegt. Bei segeln mit 90 Grad gedrehtem Block (Severne, Naish, etc.) wird der Beschlag ab Segel extrem verdreht und die Spannung sehr ungelichmäßig ins Segel geleitet. Auch wenn dies die Trimmkräfte deutlich erhöht - das ist der zweite Punkt: Die Power.XT bietet eine so gute Übersetzung, dass man das gar nicht bemerkt.

Der 90 Grad gedrehte Severne wird hier extrem verdreht, weil der Tampen an der Verlängerung für klassische Rollenanordnung gefädelt ist. Im Gegensatz zur Power.XT mit Ratsche lässt sich das an dieser Uni.XT elegant und passend umfädeln.Der 90 Grad gedrehte Severne wird hier extrem verdreht, weil der Tampen an der Verlängerung für klassische Rollenanordnung gefädelt ist. Im Gegensatz zur Power.XT mit Ratsche lässt sich das an dieser Uni.XT elegant und passend umfädeln.

Fazit

Wer kleine Segel mit moderater Vorliekspannung aufbaut, kann vom Loopen spürbar profitieren. Bei größeren Segeln ist fast weniger entscheidend, ob gefädelt oder geloopt wird. Wichtiger sind ein geeigneter Tampen, eine komfortable Tampenführung und eine passende Trimmhilfe.

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Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Redakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

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