RatgeberWohin mit dem Autoschlüssel beim Surfen?

Stephan Gölnitz

 · 16.05.2026

Die Abus Key Garage Flex (rund 40 Euro) lässt sich mit langem Stahlkabel gut am Auto befestigen.
Foto: Stephan Gölnitz

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Funk-Schlüssel können nicht ohne Weiteres beim Surfen mitgenommen werden. Im Schlüssel-Tresor verstaut, kommen alle Mitfahrer an den Schlüssel – aber was sagen Versicherungen dazu? Die Alternative sind wasserdichte Taschen unterm Neo.

Kofferra​um auf! Fenster auf! Klimaanlage an! Autoschlüssel können heute per Funk ziemlich viel – vor allem nach einer Salzwasserspülung elektronisch versagen. Ersatz kostet bei manchen Modellen hunderte Euro. Ungeschützt lässt sich der Schlüssel also nicht aufs Wasser mitnehmen. Außerdem möchten Mitfahrer vielleicht früher ins Auto. Also gut verstecken: Den linken Vorderreifen halten nach eigenen empirischen Erkenntnissen gut 50 Prozent aller Surfer offenbar für das Fort Knox unter den Schlüsselverstecken.

​Schwergewicht Schlüsseltresor

Die andere Hälfte greift zum mobilen Schlüsseltresor. An vielen Wellenreitspots baumelt an jeder zweiten Abschleppöse einer. Mit dem passenden Code (hinter der schwarzen Abdeckklappe im Foto oben links ist ein Zahlenschloss versteckt) kommt dann jeder Befugte jederzeit an den Autoschlüssel. Allerdings sind das ganz schön schwere Trümmer. Der getestete Abus „Key Garage Flex“ wiegt knapp 0,8 Kilo – für Flugreisende zählt das wie ein halber Mast.

Mit gesunden Fingernägeln, Schraubendreher oder Multitool kommt man bei diesen Tresoren sicher nicht an den Schlüssel heran. Seriöse Panzerknacker-Tests sind für diese Produktgruppe allerdings nicht zu finden. Wie gut diese stählernen Torwächter also professionellen Techniken widerstehen, ist nicht sicher. Dafür signalisiert der kleine Kasten: Hallo – hier ist der original Autoschlüssel drin!

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Das sagt die Versicherung zum Diebstahl-Risiko

Was also, wenn Auto mitsamt Schlüssel und Schlüsselkästchen nach dem Surfen nur eine große Parklücke hinterlassen? Je nach Versicherung bewegt man sich bei dieser Aufbewahrung zumindest auf dünnem Eis. Das erläutert uns eine Sprecherin des GDV (Gesamtverband der Versicherungswirtschaft e.V.): „Wenn die Schlüsselbox aufgebrochen wurde, können dadurch entstandene Schäden, z. B. die beschädigte Schlüsselbox oder aus dem Auto gestohlene Gegenstände, über die Außenversicherung der Hausratversicherung abgedeckt sein. Eine allgemeingültige Regelung gibt es hier aber nicht. Es kommt darauf an, was in der eigenen Hausratpolice vereinbart ist. Außerdem sind die Unterschiede bei den angebotenen Schlüsselboxen groß und reichen von der Do-it-yourself bis zur zertifizierten Anlage. Auch das kann sich auf den Versicherungsschutz auswirken.“ Wird mit dem Schlüssel auch das Auto entwendet, kann es noch komplizierter werden.

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Vom GDV klingt das nämlich so: „Auch in der Kaskoversicherung der Kfz-Versicherung gibt es keine allgemeingültige Regelung zu Schlüsselboxen. Auch hier wenden sich Surfer/-innen am besten an ihren Versicherer. Grundsätzlich ist Autodiebstahl in der Teilkasko der Kfz-Versicherung mitversichert. Im Fall grob fahrlässiger Herbeiführung eines Autodiebstahls kann die Leistung gekürzt werden. Dies kann der Fall sein, wenn das Fahrzeug mit Hilfe eines passenden Autoschlüssels entwendet wird. Ob eine Kürzungsmöglichkeit gegeben sein kann, hängt von der Schwere des Verschuldens und damit vom Einzelfall ab. Grundsätzlich muss der Fahrzeugschlüssel so aufbewahrt werden, dass er vor unbefugten Zugriffen beliebiger Dritter geschützt ist.“ Den eigenen Versicherer konkret zu fragen, kann daher nicht schaden, wenn man auf Nummer sicher gehen will. Der Schlüssel ist in einem Tresor auf jeden Fall besser aufbewahrt als auf dem Vorderrad. Außerdem hat man für die Versicherung bessere Argumente. Ein Foto vom Tresor am Auto kann für den Ernstfall ebenfalls nicht schaden. Ein Restrisiko bleibt. Das ist tagsüber auf einem Campingplatz sicherlich kleiner als zur Dämmerung an einem einsamen Strand.

Die sanfte Alternative: Schlüsseltasche

Der Keyfender trägt dick auf - nicht immer praktischFoto: Stephan GölnitzDer Keyfender trägt dick auf - nicht immer praktisch

Absolut diebstahlsicher hängt der Schlüssel unterm Neo. Wasserdichte Handy-Taschen sind unnötig groß, die Hermetic dry bag mini von Fidlock (17,99 Euro) und der Keyfender (29,90 Euro) dagegen genau dafür gemacht. Die weiche Tasche mit Magnetverschluss von Fidlock trägt sich unter dem Neo etwas dezenter. Der Keyfender, als stabiles Hard Cover, trägt dicker auf. Er hat dafür genügend Auftrieb und schwimmt auch mit Schlüssel. Die Fidlock-Tasche geht – mit schwerem Schlüssel drin – einfach unter. Die Tragevariante Mini-Baywatch erschien uns wenig dezent und der Gurt sitzt ziemlich stramm. Ein weiches Neoprenhalsband wird aber mitgeliefert. Dazu verschiedene Pads, mit denen der Schlüssel passgenau in der Hülle sitzt. Durch das PVC-Fenster lässt er sich weiterhin bedienen. War das nicht schön, als man den Autoschlüssel einfach unter den Neo stecken konnte, weil er nur zwei Dinge konnte – den Schließzylinder drehen und ein bisschen rosten?


Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Redakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

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