“Ein Set Windsurfing-Ausrüstung besteht aus einem Surfbrett, einer hölzernen Spiere, einem Mast und einem Segel.“ Mit solch antiken Beschreibungen wie bei Turkish Airlines fängt der Buchungsspaß häufig an und hört bei der Suche nach den geltenden Preisen für die gewünschte Strecke lange nicht auf. Wer sich schließlich für die Materialmitnahme entscheidet, hat instinktiv zuerst die Flugkosten im Blick. Bei Lufthansa-Preisen bis zu 400 Euro pro Strecke steht unsichtbar: „Windsurfers not welcome“. Allerdings wird ebenfalls – mit Condor beispielsweise – eine 32-Kilo-Bag für rund 80 Euro bis in die Karibik oder nach Kapstadt geflogen. Bei diesen Kosten bleibt es allerdings nicht. Die Gesamtbilanz wird oft leider deutlich umfangreicher und auftre- tende Herausforderungen wie „Wie komme ich mit der Bag zum Airport?“ tauchen oft erst im zweiten Schritt auf dem Schirm auf. Die Check-Liste zeigt, was man in der Regel berücksichtigen muss:
Vor allem Lagerung und Transfer werden dabei häufig unterschätzt. Zu zweit sein Material in einen Lagerplatz an der Surfstation zu quetschen, ist dabei auch kein Spartipp. Die Stationen erlauben in der Regel nur eine Person pro Materialbuchung. Das ist in den meisten Fällen nachvollziehbar, denn im Preis ist auch die Infrastruktur wie Umkleiden und Duschen einkalkuliert.
Die LTU-Card war vor vielen Jahren so etwas wie die goldene Kreditkarte für Windsurfer, mit der die deutsche Charter-Airline für 49 Mark ein Jahr lang Sportgepäck ohne Aufpreis transportiert hat. Die aktuelle Condor Activity Card kostet für Ziele in Europa inklusive Kanaren und Ägypten 199 Euro pro Jahr und für weiter entfernte Destinationen 299 Euro. Im Preis ist dafür eine – ansonsten aufpreispflichtige – Sitzplatzreservierung inbegriffen, ein Sportgepäck ist frei auf allen Flügen und der Vorabend-Check-in ebenfalls gratis.
Zu den Transportkosten kommt das doppelte Transportrisiko: 1. Das Material kommt nicht mit. 2. Das Material kommt mit, sieht aber auch ziemlich mitgenommen aus, vor dem Surfen muss repariert werden. Wertverlust und Surferschmerz sind da noch gar nicht berücksichtigt. Eine Gepäckversicherung ist auf jeden Fall ratsam, denn die Haftungssummen der Airlines sind meistens sehr beschränkt. Oder man muss, bei TAP beispielsweise, bei Sperrgepäck vorab sogar auf Ansprüche komplett verzichten. Wer die Pack-Tipps ab Seite 60 berücksichtigt, kann das Risiko aber minimieren. Reiseprofi Oliver Hilf von der Surf & Action Company reist „keinen Meter mehr ohne Tracking-Tag“, um immer verfolgen zu können, wo sich die Bag gerade befindet. Und für kurze Fußwege mit Surfgepäck hat er auch noch einen Tipp parat: „Ich stehe nicht auf Boardbags mit Rollen, die wiegen zu viel. Im Flughafen kann man eine Bag ohne großen Schaden ziehen. Für kurze Strecken auf gröberem Terrain außerhalb verstärke ich die Unterseite der Bag am Heck mit aufgeklebtem, echtem Aluminium-Tape.“
Die dann noch anstehenden Transferkosten vom Flughafen zum Spot schwanken stark. Bucht man über einen Veranstalter, rechnet dieser den normalen Touri-Transfer im Reisebus unter Umständen aus dem Reisepreis heraus und bietet dafür einen Individual-Transfer inklusive Surfgepäck an. Mit der zusätzlichen Annehmlichkeit, dass man an Spots wie Soma Bay nicht wie beim Stopptanz an jedem All-in-Hotel auf dem Weg anhält, sondern in 50 Minuten direkt durchrauscht. Auf Rhodos kostet der kurze Transfer (jeweils hin und zurück) zum Pro Center im Norden dann etwa 25 Euro, in Portugal vom Flughafen Porto nach Viana do Castelo 100 Euro, von Hurghada zur Soma Bay ebenfalls 100 Euro. In Brasilien werden für den langen Weg nach Jeri „nur“ 60 Euro Aufpreis für die Boardbag fällig – weil hier der Personentransfer bereits hochpreisig in das Pauschalangebot eingerechnet ist.
Der größte Batzen bleibt allerdings der Lufttransport. Airlines wie die ehemals sehr Surfer-freundliche Turkish Airlines haben die Preise in den letzten fünf Jahren deutlich angezogen. Auf die Kanaren müssen 170 Euro pro Strecke gerechnet werden. Surft man vorab auf den Airline-Webseiten, können die Bedingungen für Verwirrung sorgen. Surfbretter dürfen danach in der Regel nur 60 Zentimeter breit sein und die Längenbeschränkungen sind auch bei den Gesellschaften absurd, die Windsurfmaterial transportieren. Als gutes Maß haben sich Bags bis 2,40 Meter etabliert, „darüber hinaus bekommt man eine Bag bei Turkish Airline gar nicht angemeldet“, verrät uns der Reise-Insider.
Bekanntes und passendes Material
Das eigene Material ist immer verfügbar
Eventuell höhere Gesamtkosten als erwartet (Flug, Lagerung, Transfers, etc.)
Nur beschränke Kapazitäten (meistens ein Board, zwei Segel)
Risko eines Transportschadens
Teils mühsames Geschleppe
Große Auswahl an Boards und Segeln
Für jeden Wind passende Segelgrößen vorhanden
Entspanntes Reisen mit Händen in der Hosentasche
An guten Centern oft moderneres Material als zu Hause
Möglicherweise sind Boards mit einem schwerem Nose-Protector ausgestattet
Möglicherweise Engpässe bei den Haupt-Segelgrößen
Überraschungen wie Sonnencreme an Deck und Gabel können vorkommen
Versicherung vor Ort sinnvoll, kostet zusätzlich
Als Versicherung ist das VDWS SafetyTool einen Blick wert. Für 39 Euro im Jahr sind Schäden an gemietetem Material bis 1500 Euro mit 50 Euro Selbstbeteiligung versichert. Eine Haftpflicht- und Unfallversicherung ist darin ebenfalls enthalten. Im SafetyTool Plus für 99 Euro sind zusätzlich Kasko-Schäden bis 2500 Euro am eigenen Material abgedeckt.
Reise-Profi Oliver fasst nachvollziehbar zusammen: „Wenn man zu Hause wirklich top Material hat, dann lohnt sich das Mitnehmen. Liegt da aber nur ein älteres Board ohne Carbon und schwere Masten, dann bekommt man an der Station aktuelleres Material, dann würde ich mir den Stress für 20 Euro, die man spart, nicht antun.“
Alle Preise unterliegen Änderungen und dienen der Orientierung, können vor Ort und über den Veranstalter leicht variieren. Bei Voranmeldung kann teils von den offiziellen Abmessungen, wie bei Air Cairo, abgewichen werden.
| Transportkosten (one way) | Portugal/Spanien Festland | Kanaren/Ägypten/Marokko/Griechenland | Kapstadt/Karibik | Abmessungen |
| Condor | ab 59,99/120*Euro | 69,99/120* Euro | 69,99/135* Euro | 300x40x60 cm; 32 Kilo |
| Tuifly | ab 95 Euro | ab 95 Euro | – | 30 Kilo |
| Turkish Airlines | 170-180 Euro | 170 Euro | 190 Euro | 292x60 cm |
| Lufthansa | 110-130 Euro | 110-175 Euro | 175-400 Euro | 315 cm; 32 Kilo |
| SunExpress | 44,99/70 Euro | 44,99/70 Euro | – | 158x122x84 cm; 30 Kilo |
| Edelweiß | frei/130** | frei/175** | frei/400** Euro | 315 cm; 23 Kilo |
| Eurowings | ab 50 Euro | ab 50 Euro | – | 32 Kilo |
| Air Cairo | 90/100* Euro | 90/100* Euro | – | bis 2 Meter, 23 Kilo |
*Preis bei Vorbuchung/Preis beim Check-in ohne Buchung ** Sportgepäck bis 23 Kilo/Sportgepäck bis 32 Kilo
| Miete, Lagerung, Transfer | Dahab | Rhodos | Tobago | Abu Soma |
| Miete: 1 Woche/2 Wochen | 310-350/490-550 Euro | 340-435/475-600 Euro | 407/562 Euro | 312/516 Euro |
| Lagerung: 1 Woche/2 Wochen | 100/200 Euro | 95/170 Euro | 176/264 Euro | 108/192 Euro |
| Transfer | 156 Euro | 25 Euro | 25 Euro | 100 Euro |
In Dahab und Rhodos sind jeweils die Preise für Standardmaterial und High-End-Material angegeben.

Redakteur surf