Windsurf-ReisenMaterial mieten oder mitnehmen?

Stephan Gölnitz

 · 30.05.2026

Der surf-Test ist zu 15 Prozent Speditionsarbeit. Beim brandneuen Testmaterial gibt es die Mietoption nicht. Und es sollte unbeschädigt ankommen.
Foto: Stephan Gölnitz
Die Entscheidung können wir euch nicht abnehmen, aber wir haben die wichtigsten Argumente und mögliche Kostenfallen zusammengestellt. Die überzeugten „Selbstversorger“ finden obendrein Tipps zum Einpacken, die die Chancen deutlich erhöhen, das Material nach dem Flug unversehrt wieder auszupacken.

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“Ein Set Windsurfing-Ausrüstung besteht aus einem Surfbrett, einer hölzernen Spiere, einem Mast und einem Segel.“ Mit solch antiken Beschreibungen wie bei Turkish Airlines fängt der Buchungsspaß häufig an und hört bei der Suche nach den geltenden Preisen für die gewünschte Strecke lange nicht auf. Wer sich schließlich für die Materialmitnahme entscheidet, hat instinktiv zuerst die Flugkosten im Blick. Bei Lufthansa-Preisen bis zu 400 Euro pro Strecke steht unsichtbar: „Windsurfers not welcome“. Allerdings wird ebenfalls – mit Condor beispielsweise – eine 32-Kilo-Bag für rund 80 Euro bis in die Karibik oder nach Kapstadt geflogen. Bei diesen Kosten bleibt es allerdings nicht. Die Gesamtbilanz wird oft leider deutlich umfangreicher und auftre- tende Herausforderungen wie „Wie komme ich mit der Bag zum Airport?“ tauchen oft erst im zweiten Schritt auf dem Schirm auf. Die Check-Liste zeigt, was man in der Regel berücksichtigen muss:

  • Airline-Transport: 80 bis 400 Euro pro Strecke
  • Transfer am Zielort: 25 bis 100 Euro
  • Lagerung an der Station: 80 bis 120 Euro/Woche
  • Evtl. zusätzliche Gepäckversicherung (ab 25 Euro)
  • Anreise zum Flughafen mit ÖPNV kaum möglich
  • Evtl. Parken am Flughafen: ab etwa 60 Euro/Woche

Vor allem Lagerung und Transfer werden dabei häufig unterschätzt. Zu zweit sein Material in einen Lagerplatz an der Surfstation zu quetschen, ist dabei auch kein Spartipp. Die Stationen erlauben in der Regel nur eine Person pro Materialbuchung. Das ist in den meisten Fällen nachvollziehbar, denn im Preis ist auch die Infrastruktur wie Umkleiden und Duschen einkalkuliert.

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Option für Vielflieger: Condor Activity Card

Die LTU-Card war vor vielen Jahren so etwas wie die goldene Kreditkarte für Windsurfer, mit der die deutsche Charter-Airline für 49 Mark ein Jahr lang Sportgepäck ohne Aufpreis transportiert hat. Die aktuelle Condor Activity Card kostet für Ziele in Europa inklusive Kanaren und Ägypten 199 Euro pro Jahr und für weiter entfernte Destinationen 299 Euro. Im Preis ist dafür eine – ansonsten aufpreispflichtige – Sitzplatzreservierung inbegriffen, ein Sportgepäck ist frei auf allen Flügen und der Vorabend-Check-in ebenfalls gratis.

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Unkalkulierbare Kosten

Zu den Transportkosten kommt das doppelte Transportrisiko: 1. Das Material kommt nicht mit. 2. Das Material kommt mit, sieht aber auch ziemlich mitgenommen aus, vor dem Surfen muss repariert werden. Wertverlust und Surferschmerz sind da noch gar nicht berücksichtigt. Eine Gepäckversicherung ist auf jeden Fall ratsam, denn die Haftungssummen der Airlines sind meistens sehr beschränkt. Oder man muss, bei TAP beispielsweise, bei Sperrgepäck vorab sogar auf Ansprüche komplett verzichten. Wer die Pack-Tipps ab Seite 60 berücksichtigt, kann das Risiko aber minimieren. Reiseprofi Oliver Hilf von der Surf & Action Company reist „keinen Meter mehr ohne Tracking-Tag“, um immer verfolgen zu können, wo sich die Bag gerade befindet. Und für kurze Fußwege mit Surfgepäck hat er auch noch einen Tipp parat: „Ich stehe nicht auf Boardbags mit Rollen, die wiegen zu viel. Im Flughafen kann man eine Bag ohne großen Schaden ziehen. Für kurze Strecken auf gröberem Terrain außerhalb verstärke ich die Unterseite der Bag am Heck mit aufgeklebtem, echtem Aluminium-Tape.“

Beim surf-Test gelten andere Dimensionen. Aber bereits bei nur einer Boardbag reicht ein normales Taxi für den Flughafen-Transfer meistens nicht aus. Die Stationen bieten üblicherweise Individual-Transfers an.Beim surf-Test gelten andere Dimensionen. Aber bereits bei nur einer Boardbag reicht ein normales Taxi für den Flughafen-Transfer meistens nicht aus. Die Stationen bieten üblicherweise Individual-Transfers an.

Die dann noch anstehenden Transferkosten vom Flughafen zum Spot schwanken stark. Bucht man über einen Veranstalter, rechnet dieser den normalen Touri-Transfer im Reisebus unter Umständen aus dem Reisepreis heraus und bietet dafür einen Individual-Transfer inklusive Surfgepäck an. Mit der zusätzlichen Annehmlichkeit, dass man an Spots wie Soma Bay nicht wie beim Stopptanz an jedem All-in-Hotel auf dem Weg anhält, sondern in 50 Minuten direkt durchrauscht. Auf Rhodos kostet der kurze Transfer (jeweils hin und zurück) zum Pro Center im Norden dann etwa 25 Euro, in Portugal vom Flughafen Porto nach Viana do Castelo 100 Euro, von Hurghada zur Soma Bay ebenfalls 100 Euro. In Brasilien werden für den langen Weg nach Jeri „nur“ 60 Euro Aufpreis für die Boardbag fällig – weil hier der Personentransfer bereits hochpreisig in das Pauschalangebot eingerechnet ist.

Der größte Batzen bleibt allerdings der Lufttransport. Airlines wie die ehemals sehr Surfer-freundliche Turkish Airlines haben die Preise in den letzten fünf Jahren deutlich angezogen. Auf die Kanaren müssen 170 Euro pro Strecke gerechnet werden. Surft man vorab auf den Airline-Webseiten, können die Bedingungen für Verwirrung sorgen. Surfbretter dürfen danach in der Regel nur 60 Zentimeter breit sein und die Längenbeschränkungen sind auch bei den Gesellschaften absurd, die Windsurfmaterial transportieren. Als gutes Maß haben sich Bags bis 2,40 Meter etabliert, „darüber hinaus bekommt man eine Bag bei Turkish Airline gar nicht angemeldet“, verrät uns der Reise-Insider.

Pro & Contra MITNEHMEN

Bekanntes und passendes Material
Das eigene Material ist immer verfügbar
Eventuell höhere Gesamtkosten als erwartet (Flug, Lagerung, Transfers, etc.)
Nur beschränke Kapazitäten (meistens ein Board, zwei Segel)
Risko eines Transportschadens
Teils mühsames Geschleppe

Pro & Contra MIETEN

Große Auswahl an Boards und Segeln
Für jeden Wind passende Segelgrößen vorhanden
Entspanntes Reisen mit Händen in der Hosentasche
An guten Centern oft moderneres Material als zu Hause
Möglicherweise sind Boards mit einem schwerem Nose-Protector ausgestattet
Möglicherweise Engpässe bei den Haupt-Segelgrößen
Überraschungen wie Sonnencreme an Deck und Gabel können vorkommen
Versicherung vor Ort sinnvoll, kostet zusätzlich

Versicherung für Windsurfer

Als Versicherung ist das VDWS SafetyTool einen Blick wert. Für 39 Euro im Jahr sind Schäden an gemietetem Material bis 1500 Euro mit 50 Euro Selbstbeteiligung versichert. Eine Haftpflicht- und Unfallversicherung ist darin ebenfalls enthalten. Im SafetyTool Plus für 99 Euro sind zusätzlich Kasko-Schäden bis 2500 Euro am eigenen Material abgedeckt.

Reise-Profi Oliver fasst nachvollziehbar zusammen: „Wenn man zu Hause wirklich top Material hat, dann lohnt sich das Mitnehmen. Liegt da aber nur ein älteres Board ohne Carbon und schwere Masten, dann bekommt man an der Station aktuelleres Material, dann würde ich mir den Stress für 20 Euro, die man spart, nicht antun.“

Kosten für die Mitnahme von Windsurf-Material im Flugzeug

​Alle Preise unterliegen Änderungen und dienen der Orientierung, können vor Ort und über den Veranstalter leicht variieren. Bei Voranmeldung kann teils von den offiziellen Abmessungen, wie bei Air Cairo, abgewichen werden.

Transportkosten (one way)Portugal/Spanien FestlandKanaren/Ägypten/Marokko/GriechenlandKapstadt/KaribikAbmessungen
Condorab 59,99/120*Euro69,99/120* Euro69,99/135* Euro300x40x60 cm; 32 Kilo
Tuiflyab 95 Euroab 95 Euro30 Kilo
Turkish Airlines170-180 Euro170 Euro190 Euro292x60 cm
Lufthansa110-130 Euro110-175 Euro175-400 Euro315 cm; 32 Kilo
SunExpress44,99/70 Euro44,99/70 Euro158x122x84 cm; 30 Kilo
Edelweißfrei/130**frei/175**frei/400** Euro315 cm; 23 Kilo
Eurowingsab 50 Euroab 50 Euro32 Kilo
Air Cairo90/100* Euro90/100* Eurobis 2 Meter, 23 Kilo

​*Preis bei Vorbuchung/Preis beim Check-in ohne Buchung ** Sportgepäck bis 23 Kilo/Sportgepäck bis 32 Kilo

Kosten für Material-Miete vor Ort, Lagerung und Transfer

Miete, Lagerung, TransferDahabRhodosTobagoAbu Soma
Miete: 1 Woche/2 Wochen310-350/490-550 Euro340-435/475-600 Euro407/562 Euro312/516 Euro
Lagerung: 1 Woche/2 Wochen100/200 Euro95/170 Euro176/264 Euro108/192 Euro
Transfer156 Euro25 Euro25 Euro100 Euro

​​ In Dahab und Rhodos sind jeweils die Preise für Standardmaterial und High-End-Material angegeben.


Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Redakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

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