Im Jahr 2004 verlor ich das Interesse am Windsurf- und Kite-Geschäft, weil ich keine Zukunft darin sah, den „American Windsurfer“ herauszugeben, immer teurere Produkte zu verkaufen und dabei nichts zu bewirken. Also stellte ich die Veröffentlichung ein und legte die vielen Marken, die ich besaß, darunter auch Windwing, auf Eis. Nach ein paar Monaten entwarf ich ein Segel für mich selbst, damit ich nur noch ein einziges Segel brauchte und kein weiteres mehr.
Offensichtlich bin ich zu faul, um Segel zu wechseln. Tatsächlich hasse ich das. Mein Fokus lag also darauf, ein Segel zu entwickeln, das sich automatisch an den Wind anpasst und niemals überpowert wird. Das hat so gut funktioniert, dass ich 22 Jahre später immer noch dabei bin. Ich surfe an der Columbia River Gorge an einem Spot namens „Event-Site“. Das Wasser ist ziemlich flach, aber der Wind weht böig. Wenn der Wind dreht und alle anderen am Ufer stehen und neu aufriggen, bin ich fast immer alleine auf dem Wasser. Das zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, aber ich hab lange nicht daran gedacht, das Segel selber auf den Markt zu bringen.
Mein Fokus lag darauf, ein Segel zu entwickeln, das sich automatisch an den Wind anpasst und niemals überpowert wird.”
Das erste Segel, das ich gebaut habe, war etwa 7,0 m2 groß. Das war das Segel, das ich 20 Jahre lang benutzt habe, jeden Tag, wenn der Wind zwischen 15 und 40 Knoten wehte. Vor zwei Jahren beschloss ich, zwei größere und zwei kleinere Segel zu bauen. Eines nenne ich XL, das war ein 9,0er, und eines in der Größe Large mit 8,0 m2, sowie eine Small-Variante mit 6,0 m2 und ein XS mit 5,0 m2. Man merkt, ich hatte es zu diesem Zeitpunkt satt, darauf zu warten, dass die Branche aufholt, und begann, mit dem Gedanken zu spielen, dies auf den Markt zu bringen. Nach einem Jahr Testen blieben das 9er als Large, das 7er als Medium und das 6er als Small.
Monty Spindler ist seit über 30 Jahren ein guter Freund von mir, und ich halte ihn zweifellos für den talentiertesten Segeldesigner in der Geschichte des Windsurfens. Ich glaube, er war auf dem richtigen Weg, aber das RigONE ist eher das Gegenteil des “Cutaway”. Es gibt drei vorläufige Patente, und sie alle wirken zusammen. Was wie das “Cutaway” aussieht, nennen wir den Step Leech. An dessen Basis befindet sich das Schothorn. Oberhalb und unterhalb befinden sich die sogenannten Draft Extenders. Anstatt es also als Cutaway zu betrachten, handelt es sich tatsächlich um Verlängerungen, die aus dem Achterliek herausragen und eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Diese Funktion ermöglicht es dem Segel, sich selbst an den Wind anzupassen und den Luftwiderstand zu minimieren. Deshalb hat das Segel einen so großen Einsatzbereich. Beim Defi 2026 hat Daniele Minoni alle fünf Rennen bei 20–40 Knoten mit einem einzigen Segel, dem 7-m2-Medium RigONE, bestritten hat und den 88. Platz belegt - und er wiegt gerade mal 66 kg!
Am Unterliek verwenden wir eine Reihe von Tack Strap-Gurten, die ich Multi-Tack Inhaul Panel nenne, abgekürzt M-TIP. Dies ist das dritte vorläufige Patent, das das Gesamtpaket vervollständigt. Mit dem M-TIP ergeben sich zwei wesentliche Veränderungen: Neben Vorliek und Achterliek gibt es einen dritten Punkt für den Trimm. Auch bei flach getrimmtem Segel bringt das M-TIP das Profil wieder an den unteren Rand des Segels zurück, das sich nach oben verjüngt. Noch wichtiger ist, dass der M-TIP eine Lastlinie zwischen Unterliek, Schothorn und Mastspitze vorspannt. Diese Spannung wird zu einer innenliegenden Lastlinie zwischen Segelfuss und Schothorn, die sich über das Step Leech bis zur Mastspitze erstreckt. Wenn sich das Segel im Wind verdreht, drücken die Ausleger oberhalb der Kurve am Achterliek gegen diese innenliegende Lastlinie und glätten den oberen Profilverlauf, wodurch der Luftwiderstand minimiert wird. Das Gleiche gilt für den Ausleger unterhalb der Gabel. Im Wesentlichen schrumpft das Segel bei einer Böe und formt sich neu, wenn der Wind nachlässt.
Das Segel ist für RDM-Masten mit Constant Curve ausgelegt, da funktioniert jeder Mast. Das Segel hat zwei Camber, die wir „Stubbys“ nennen, da sie nicht die übliche Y-Form haben. Das Profil wird ausschließlich durch die Masttasche gehalten. Das macht das Aufriggen einfach und unkompliziert.
Wir wollen, dass dieses Segel eine Revolution an der Basis wird, und sind nicht wirklich daran interessiert, Importeure oder Händler davon zu überzeugen, das Segel zu verkaufen. Wir werden es einmal pro Jahr im Rahmen eines Kickstarter-Projektes anbieten, dabei würde jedes Segel unter 800 US-Dollar kosten, zudem kann man Mast, Gabel und Verlängerung von Chinook mit 20% Rabatt dazuordern. Wenn wir das Ziel von 200 Segeln erreichen, wird produziert, ansonsten wird den Unterstützern nichts berechnet und wir warten auf das nächste Jahr. Angesichts der Kommentare, die unsere Websites überschwemmt haben, glaube ich, dass wir bereits so weit sind.
Mehr unter windwing.com
Ein Test-Segel von RigOne ist bereits auf dem Weg in den surf-Testkeller! Wie sich das Segel fährt und ob das Konzept funktioniert, lest ihr bald hier bei surf-magazin.de!