Surf Testteam
· 01.02.2026
Diese Wavesegel sind im Test dabei:
Die letzten fünf Prozent sind, wenn es ums Gewicht geht, immer die teuersten. Egal ob man gerade einen Tennisschläger, ein neues Fahrrad oder eben ein Windsurfsegel zur Kasse bringt, ist „leichter“ immer auch gleichbedeutend mit „teurer“.
Im Schnitt sind die Gewichte von Windsurfsegeln in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen – neue Materialien und Technologien machen es möglich, dass ein 5,0er Wavesegel unter drei Kilo wiegen kann. Trotzdem setzen einige Marken auf die Standardmodelle noch mal einen drauf und haben spezielle Produkte im Programm, die die Grenzen des Machbaren darstellen. Wir haben den Markt sondiert und von Duotone, Goya, NeilPryde, S2Maui und Severne jeweils die Standardmodelle gegen die Pro-, Ultralight- und Carbon-Modelle getestet. Mehrere Tage lang haben wir die Segel auf Nord- und Ostsee direkt gegeneinander verglichen, dabei auch Masten mit unterschiedlichem Carbongehalt verwendet, um die Frage zu beantworten, ob „light is right“ wirklich gilt oder ob der Mehrpreis vielleicht sogar verpufft.
Was alle Leichtmodelle gemeinsam haben, ist die Idee, das herkömmliche Folienmaterial durch spezielle Laminate und Gitterfolien zu ersetzen. In diese werden zugfeste Fasern aus Carbon, Aramid oder Dyneema eingeklebt, die dann die Zugkräfte im Segel aufnehmen können. Die verbindende Folie soll dann dünner dimensioniert werden – was am Ende für einen Gewichtsvorteil sorgen kann. Vordergründig wird die Gewichtsersparnis also tatsächlich durch „Weglassen“ erreicht. In der Praxis wirken die Leichtmaterialien erfreulicherweise nicht fragil oder knittrig. Im Gegenteil, oft verleihen die integrierten Fasern, in Verbindung mit dem dünneren (und damit weicheren) Foliensandwich, den Segeln eine gewisse Geschmeidigkeit, die man beim Rollen und Riggen bereits positiv bemerkt und die für weniger bleibende Knicke im Monofilm sorgt. Lediglich bei absoluter Punktbelastung wird das dünnere Foliensandwich sensibler sein, etwa wenn man sein Segel beim Riggen auf einen spitzen Gegenstand auflegt. Die enge Gitterung mit reißfesten Fasern dürfte allerdings ein Weiterreißen des Segels in der Regel verhindern.
Spannend ist auch zu sehen, wie der Einsatz von Carbon und anderen steifen Fasern das Segelgefühl verändert. Wer glaubt, dass sich Carbonsegel direkter und härter anfühlen, täuscht sich komplett. Alle „Pro“-, „Carbon“und „Light“-Modelle wirken nämlich sogar etwas gedämpfter. Dies resultiert nach unserer Einschätzung daraus, dass das verbindende Foliensandwich dünner und damit weicher ausfällt.
Ergänzend zu den Beschreibungen in dieser Ausgabe findest du hier weitere Fotos zu den Testmodellen: Wavesegel 2026 - alle Designs & Features im Überblick
In diesem Test dreht es sich auch ums Gewicht, keine Frage. Trotzdem sollte man eine Sache im Hinterkopf behalten, die wir seit vielen Jahren in den Tests beobachten: Das gemessene Gewicht an der Waage muss nicht zwangsläufig einhergehen mit dem gefühlten Gewicht auf dem Wasser! So kann zum Beispiel dünnere und damit leichtere Folie dafür sorgen, dass sich ein Segel in Böen vertwistet, der Druckpunkt wandert und sich das Segel damit unhandlich und schwammig anfühlt. Auch die Lage des Druckpunkts kann sich auf die gefühlte Leichtigkeit auswirken. Statt also die reinen Messgewichte zu vergleichen, solltest du lieber die Note „Handling in Manövern & auf der Welle“ als Gradmesser heranziehen, denn hier verraten wir, ob sich der Vorteil an der Waage auch aufs Wasser ummünzen lässt.
Den Mehrpreis zahlt man weniger für messbare Performance, sondern vor allem fürs ‘Fahrgefühl’.” (Marius Gugg, surf-Tester)
Wir haben die Segel mit den hochwertigen Masten mit 100 Prozent Carbon getestet und bewertet. Zusätzlich wurde von allen Marken auch das nächstgünstigere Mastmodell geordert, um zu vergleichen, ob und wie die Segel auch damit funktionieren und ob es am Ende sinnvoller (und günstiger) ist, beim Wunsch nach bestmöglichem Handling erst mal beim Mast upzugraden. So viel vorweg: Auch in der Carbonklasse zwischen 75 und 90 Prozent bekommt man durchweg gute Performance – mehr dazu liest du in den Einzelbeschreibungen der Segel.
Die Testsegel von Duotone, Goya, Severne und NeilPryde werden in der 5,0er Größe allesamt an einem 400er Mast geriggt, um den man auch nicht herumkommt. Nur S2Maui setzt bei den Testmodellen Dragon und Dragon Ultra auf die 370er Mastlänge, dafür ist bei diesen Segeln die Gabel dann deutlich länger.
Die Ausstattung der Testsegel ist bereits seit einigen Jahren auf hohem Niveau, weshalb die meisten Marken auf bewährte Features setzen. Duotone hilft beim Finden der passenden Einstellungen buchstäblich an allen Ecken und Enden, denn an Maßangaben und Markern für den Vorliekstrimm wird nicht gespart. Auch NeilPryde und Goya helfen mit Trimmpunkten bei der Einstellung der Vorliekspannung. Hierbei fällt auf, wie unterschiedlich die Designkonzepte der Marken sind. So entwickelt Goya auf Flextop-Masten, die die Bildung von viel Loose Leech erlauben, in dessen Folge die Segel im Toppbereich sichtbar twisten. Unterstützen lässt sich dies zusätzlich, wenn man am Schothorn die untere Öse wählt – ein Tipp vor allem für Tage mit viel Wind, an denen vor allem Kontrolle zählt.
Trotz der Rekordgewichte wirken die Leicht-Modelle nicht zu fragil.” (Manuel Vogel, surf-Redakteur)
Auch NeilPryde konzipiert die Combat-Modelle mit reichlich Loose Leech und viel Twist, bei Severne und Duotone fällt das Loose eher moderat aus. Die Idee dahinter: Kann das Segel im Topp weit öffnen, kann dies die Kontrolle und das Handling bei Starkwind verbessern. Den Gegensatz zu Goya stellt S2Maui dar, die Testmodelle Dragon und Dragon Ultra werden mit sehr wenig Loose Leech geriggt, das Achterliek ist also jederzeit ziemlich straff gespannt – hier soll keine Power verschenkt werden. Welches Konzept am besten aufgeht, verraten wir dir in den Einzeltests:
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