SURF
· 07.04.2026
Das Surffilmfestival Hamburg hat sein Filmprogramm veröffentlicht. Insgesamt 14 Kurzfilme aus zehn Ländern werden am 24. und 25. April im Studio Kino (Bernstorffstraße 93-95) jeweils am 18:30 Uhr gezeigt. Die Produktionen stammen aus Neuseeland, Deutschland, den USA, Kanada, Australien, Portugal, Norwegen, der Schweiz, Papua-Neuguinea und Spanien. Die Laufzeiten variieren zwischen drei und 32 Minuten. Das Festival deckt unterschiedliche Aspekte der Surfkultur ab: von klassischen Surfdokumentationen über experimentelle Formate bis hin zu humorvollen Kurzfilmen. Mehrere Produktionen befassen sich mit gesellschaftlichen Themen wie Geschlechterrollen im Surfsport, mentaler Gesundheit oder nachhaltigem Konsum. Andere Filme dokumentieren extreme Surfformen oder zeigen handwerkliche Traditionen des Boardbaus. Zu den Juroren des Festivals gehören unter anderem Jobst von Paepcke aus dem “Big Sexy Pictures”-Team und Big Wave Riderin Lena Kemna.
„Wāhine Waveriders" von Kirsty Marshall und Zyanya Jackson läuft 18 Minuten. Der Film porträtiert drei Generationen der Pou-Familie aus Riverton an der neuseeländischen Südinsel. Die Dokumentation zeigt, wie sich die Rolle von Frauen in der Surfkultur über die Jahrzehnte verändert hat. Riverton liegt abseits der großen Surfzentren, umgeben von Schafweiden und windgepeitschten Bäumen. Die kleine Küstenstadt beherbergt eine aktive Surfcommunity, in der die Pou-Frauen eine zentrale Rolle spielen. Der Film untersucht den Wandel der Einstellungen gegenüber Surferinnen im Laufe der Zeit. Die drei Generationen repräsentieren unterschiedliche Epochen der Surfkultur auf der Südinsel.
Sebastian Bechtel zeigt in „Nothing But Blue" den deutschen Olympia-Surfer Tim Elter. Der 16-minütige Kurzfilm konzentriert sich auf eine spezielle Disziplin: das Tube Riding. Der Film beschreibt diese Form des Surfens als extrem und ursprünglich. Elter vertrat Deutschland bei den Olympischen Spielen 2024 im Surfen. Die Produktion dokumentiert seine kompromisslose Leidenschaft für diese technisch anspruchsvolle Surfvariante. Das Tube Riding gilt als eine der schwierigsten Disziplinen im Wellenreiten und erfordert präzises Timing sowie ausgeprägte Wellenkenntnisse.
Katrin Yorks 13-minütiger Film „Breaking the Tide" spielt an der North Shore von Oahu. Die Geschwister Jesse und Hunter wachsen in der kompromisslosen Surfkultur Hawaiis auf. Ihr Vater übt enormen Druck auf beide aus. Was als spielerischer Muttest beginnt, entwickelt sich zu einer gefährlichen Rivalität. Die beiden müssen sich ihren Ängsten stellen und ihre Beziehung zueinander neu definieren. Die North Shore gilt als eines der anspruchsvollsten Surfreviere weltweit. Die kraftvollen Wellen und die harte lokale Szene prägen die Charaktere der Protagonisten. Der Film thematisiert den Druck, der auf jungen Surfern in traditionellen Surfregionen lastet.
„Whomp" von Wendy John läuft 31 Minuten und widmet sich dem Bodysurfing. Der Film porträtiert verschiedene Bodysurfer und ihre Leidenschaft für diese Sportart. Die Produktion verbindet Kindheitserinnerungen mit der Adrenalinsuche im Ozean. John beschreibt ihren Film als freudige Exkursion in die wilde Welt des Bodysurfings. Die Dokumentation zeigt exzentrische Wellenreiter und ihre unkonventionellen Herangehensweisen. Der Film kombiniert filmische Ästhetik mit humorvollen Elementen und salziger Rebellion. Eine Hai-Begegnung gehört ebenfalls zum dokumentierten Material.
Katie Tozer und Teegan Neame präsentieren mit „Winter Kooks" den ersten River-Surfing-Film aus Alberta. Die 15-minütige Produktion begleitet zwei Surfer im kanadischen Binnenland. Beide kämpfen mit Winterdepressionen und finden im Kaltwasser-Surfen einen Ausweg. Die extremen Temperaturen stellen besondere Anforderungen an Material und Körper. Der Film thematisiert mentale Gesundheit im Kontext von Extremsport. Die beiden Protagonisten nutzen die körperliche Herausforderung als Therapie gegen saisonale Depressionen. Alberta liegt fernab der Küsten, was das Surfen zu einer ungewöhnlichen Sportart in der Region macht.
Josh Martin und Alex Raban zeigen in „Salty" einen 16-minütigen Kurzfilm über den älteren Surfer Dave. Der Protagonist besucht einen Therapeuten für Wut-Management. Dave spricht über seine Trigger: Foiler, Einräder und Vanlife-Anhänger. Der Film nimmt humorvoll die Konflikte zwischen traditionellen Surfern und neuen Trends aufs Korn. Die Komödie reflektiert generationsübergreifende Spannungen in der Surfkultur.
Grégory Mignard und Yoann Renambot präsentieren in „Tides of Time" einen fünfminütigen Film über die Restaurierung eines alten Surfboards. In einer Welt, die auf Neukauf ausgerichtet ist, entscheidet sich der Protagonist für die Wiederherstellung. Die Handlung wird zur Reflexion über Zeit und Konsum. Die Produktion bewegt sich zwischen Nostalgie und kritischer Auseinandersetzung mit Wegwerfkultur. Die Restaurierung des Boards symbolisiert eine alternative Haltung zur Konsumgesellschaft. Mignard und Renambot nutzen die kurze Laufzeit für eine konzentrierte Aussage.
Matty Hannons 30-minütiger Dokumentarfilm „Tumbana House" dokumentiert ein soziales Projekt in der Ulingan Bay. In Papua-Neuguinea entsteht eine selbsttragende Manufaktur für Holz-Surfboards. Das Projekt ist kulturell spezifisch auf die lokale Gemeinschaft zugeschnitten. Der Film begleitet den Bau der Produktionsstätte. Die Manufaktur soll der Community langfristige Perspektiven bieten. Das Projekt verbindet wirtschaftliche Entwicklung mit kultureller Identität. Papua-Neuguinea verfügt über qualitativ hochwertige Surfspots, die bisher kaum erschlossen sind.
Sara Guix Ortigosa untersucht in „Identidade: As Cores Da Ericeira" die Auswirkungen des Tourismus. Der 25-minütige Film spielt in Ericeira, einem portugiesischen Surfstädtchen. Tradition und Moderne prallen aufeinander. Die Dokumentation fragt, ob eine Community ihre Identität unter dem Druck von Tourismus und schnellem Wandel bewahren kann. Einheimische, Surfer und Zugezogene kommen zu Wort. Ericeira hat sich in den vergangenen Jahren zu einem internationalen Surf-Hotspot entwickelt. Die steigende Besucherzahl verändert die lokale Kultur. Der Film dokumentiert unterschiedliche Perspektiven auf diese Entwicklung. Ortigosa zeigt die Spannungen zwischen wirtschaftlichem Aufschwung und kultureller Identität.
Jacob Stærks dreiminütiger Film „Get Lost – Find Yourself" begleitet norwegische Kaltwasser-Surfer. Die Protagonisten erkunden die Westküste Norwegens auf der Suche nach neuen Wellen. Sie finden mehr als erhofft. Die kurze Laufzeit konzentriert sich auf die Essenz der Expedition. Norwegens Westküste bietet zahlreiche unentdeckte Surfspots. Die kalten Temperaturen und abgelegenen Locations stellen besondere Herausforderungen dar. Der Film zeigt die Faszination der Entdeckung in einer rauen Umgebung. Stærk nutzt die Kürze für eine verdichtete Darstellung der Suche und des Findens.
Björn Detres 32-minütiger Film „Taiwan Street" dokumentiert ein außergewöhnliches Vorhaben. Der Schweizer Zahnarzt und Kitesurfer Geza Scholtz plant die Querung der Taiwan-Straße mit dem Kite. Er reist mit einem kleinen Team nach Taiwan, um sich vorzubereiten. Unberechenbare Winde erschweren das Projekt. Die politischen Spannungen mit China stellen einen zusätzlichen Faktor dar. Unvorhergesehene Hindernisse bringen Scholtz an seine Grenzen. Die Taiwan-Straße trennt Taiwan vom chinesischen Festland und ist für ihre schwierigen Bedingungen bekannt - hier verschewand unter anderem Arnaud de Rosnay bei seiner Expedition 1984. Der Film zeigt Entschlossenheit, Risiko und die Kraft der Natur. Scholtz verbindet seinen Beruf als Zahnarzt mit extremen Kitesurf-Projekten.
Samuel Fairbank und Tom Wegener präsentieren in „Once upon a toothpick" einen achtminütigen Film über traditionellen Surfboard-Bau. Tom Wegener wartet auf den perfekten Tag, um das neue Mini Toothpick zu testen. Das Board wurde für Hunter Williams gebaut. Wegener lässt sich von Bill Wallace inspirieren, der ihm die Feinheiten des Toothpick-Baus beibrachte. Wallace ist mittlerweile verstorben. Wegener gibt sein Wissen an den zehnjährigen Hunter weiter, einen aufstrebenden Shaper aus Noosa. Der Film zeigt die Weitergabe handwerklicher Tradition zwischen Generationen. Das Toothpick ist ein spezieller Board-Typ mit charakteristischen Eigenschaften. Noosa an der australischen Ostküste gilt als Zentrum traditioneller Surfboard-Baukunst.
Pedro Scansettis 14-minütiger Film „Captain Sol In The Quest For The Roasted Treasure Of The Maldives" kombiniert Surfen mit Kaffeekultur. In den türkisfarbenen Gewässern der Malediven existiert eine jahrhundertealte Legende über ein mysteriöses Kaffeerezept. Captain Sol, beschrieben als wagemutiger Barista der Meere, und sein Begleiter, der Italiener, durchqueren den Archipel auf der Suche danach. Während andere nach Gold suchen, jagen sie Koffein, Abenteuer und perfekte Wellen. Der Film verbindet Surf-Action mit einer humorvollen Quest-Struktur. Die Malediven bieten zahlreiche Surfspots zwischen tausenden Inseln. Scansetti nutzt die exotische Location für eine ungewöhnliche Erzählung, die Surfkultur und Kaffee-Leidenschaft vereint.