“Aer Maris”Drei Fragen an Philipp Kümpel über seine Surf-Sinfonie

SURF

 · 19.03.2026

“Aer Maris”: Drei Fragen an Philipp Kümpel über seine Surf-SinfonieFoto: Philipp Kümpel
Die Vorbereitungen für die Aufnahme von “Aer Maris”: Als Inspiration stehen Windfoil-Board und Wing-Equipment dabei
Die Emotionen und Gefühle auf dem Wasser in Musik festhalten - das war die Idee von Komponist und Surfer Philipp Kümpel. Jetzt wird seine Sinfonie “Aer Maris” erstmals aufgenommen - wir haben ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Wenn Philipp Kümpel nicht gerade mit Wing oder Segel auf dem Wasser unterwegs ist oder Youtube.-Videos dreht, verdient der Leipziger sein Geld als Komponist für Filmmusik. Unter anderem wirkt er regelmäßig an den ZDF-Produktionen SOKO Leipzig und Terra X mit und erschafft dafür die passende musikalische Untermalung. Jetzt hat Philipp seine beiden Leidenschaften vereint: Mit “Aer Maris” komponierte er die vermutlich erste Surf-Sinfonie der Musik-Geschichte. In diesen Tagen wird das Stück erstmals aufgenommen.

Wie kamst du auf die Idee, eine solche Sinfonie zu schreiben?

Als leidenschaftlicher Windsurfer, Winger und Segler bin ich immer wieder fasziniert wie sehr sich Meeresstimmungen, Wolkenbilder, Wellen innerhalb ganz kurzer Zeit ändern können. Jedes dieser Phänomene geht auch mit einem ganz eigenen Klang einher. Nun bin ich studierter Musiker und von Beruf Filmkomponist. Dort muss ich immer Musik zu Stimmungen und Gefühlen von anderen Personen musikalisch umsetzten. Nun wollte ich einmal meine ganz eigenen Eindrücke von den Elementen unserer Wassersport-Leidenschaft kompositorisch umsetzen. Es hat ein Jahr gedauert von der ersten Idee bis zum fertigen Orchesterwerk. Mit jedem Tag auf dem Wasser in Klitmøller, Pelzerhaken oder Teneriffa kamen neue Stimmungen hinzu. Am Ende sind es sieben Sätze geworden - quasi eine Woche am Meer musikalisch gefühlt. Wobei Aer Maris keine Programmmusik ist, die die Naturphänomene Eins zu Eins abbildet, sondern es ist eine Umsetzung von Energie und Gefühlen.

Hier die Titel der Sätze:

  1. Mistral Field – Weite Flächen, Wind als Rhythmus.
  2. Subcurrent – Unsichtbare Bewegung – das Meer atmet von unten
  3. Tideforms I – Ein Kreislauf, eine Welle – Struktur im Fließen
  4. Aeolian Drift – Klang wie Wind über Saiten, schwebend, richtungslos
  5. Interlude: Between Waters – Ein Moment des Schweigens zwischen zwei Gezeiten
  6. Pale Horizon – Ein ferner Atem aus Licht und Nebel
  7. Still Sea – Transparenz und Stille – Musik, die kaum noch klingt

Nach meiner Kenntnis das erste sinfonische Werk, das sich konzeptionell mit Windsurfen, Wingen und Foilen auseinandersetzt – nicht illustrativ, sondern als Übertragung physischer Dynamik in orchestrale Energie und Raum.

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Die Eindrücke verschiedener Session auf Teneriffa, in Klitmøller oder auf der Ostsee hat Philipp musikalisch festgehaltenFoto: Philipp KümpelDie Eindrücke verschiedener Session auf Teneriffa, in Klitmøller oder auf der Ostsee hat Philipp musikalisch festgehalten

Was macht die Sinfonie aus – wo ist der Bezug zum Wingfoilen, Segeln und wie schlägt sich dieser musikalisch nieder?

Aer Maris ist eine Musik für Streichorchester und Solo-Violine. Vielleicht kann man die Solovioline in dieser Komposition als eine Art Yacht oder Board sehen, welches über den Tonteppich des Orchesters gleitet, mal hart am Wind, mal raumschots bis zum Fast Crash. Jeder Segler und Surfer kennt das Gefühl, wenn er auf das Meer blickt und sich fragt was er oder sie mit diesen Bedingungen machen kann. In den sieben Klangbildern sind viele der Gefühle umgesetzt, die wir alle auf dem Wasser haben. Alles im Stile von Minimal Music, also vielen sich immer wiederholenden Impulsen wie Böen oder Wellen

Wie war die Premiere und wo fand diese statt?

Es gibt zunächst die Aufnahme mit der Elblandphilharmonie Sachsen unter dem Dirigenten Jan Avid Pree und dem Violin-Solisten Thomas Liebeskind am 19.3. und 21.3.26. Diese Aufnahmen werde ich auf meinem YouTube Kanal als Making Off öffentlich machen. Eine Aufführung im Konzertsaal ist in Planung und den Termin gebe ich dann natürlich bekannt. Ideal wäre die Elbphilharmonie in Hamburg - mit einem Publikum aus Surfern und Seglern, alle noch mit feuchten Haaren von der letzten Session!

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