Tobias Frauen
· 17.06.2026
Jeder kennt Blackrolls, die schwarzen Kunststoff-Rollen zur Regeneration nach dem Sport. Aus der simplen Idee ist inzwischen eine Weltmarke geworden, maßgeblich vorangetrieben durch Marius Keckeisen. Warum für den früheren DWC-Fahrer das Windsurfen immer noch eine Lebensgrundlage ist und warum er einst Shaper Günther Lorch sein Sparbuch hingelegt hat, hat uns Marius beim Surf-Festival erzählt.
Ich würde eher sagen, los ging es am Comersee in Italien, im Campingurlaub mit meinem Vater. Am Bodensee ist es immer etwas schwankend, konstante Lernbedingungen gibt es eigentlich nie - entweder ist zu wenig Wind oder es scheppert richtig.
Wir waren im Urlaub auf Mauritius, da habe ich das erste Mal richtige Wellen gesehen. Meine Eltern haben erzählt, dass ich sogar im Schlaf geredet habe, wie geil die Wellen sind. Ich bin direkt rausgegangen, aber es hat mir immer das Board herumgedreht. Ich bin zu den Locals hingegangen und hab gesagt, „Hey, ich will auch so Bottom Turns fahren wie ihr, aber das klappt nicht!“ Die haben nur gelacht und auf mein Brett gezeigt - ich hatte hinten eine Doppelschlaufe drauf, weil ich ja sonst nur auf dem See herumgebolzt bin. Aber dann ging es eigentlich los.
Ich bin am See angesprochen worden, ob ich nicht Contests fahren will, damals wurde gerade eine internationale Bodenseemeisterschaft ins Leben gerufen. Ich bin hingefahren, war aber mit komplett falschem Material da: ein 140 Liter-Funboard und ein 6,5er Segel, das war das größte Material was wir hatten. Es war aber eine Raceboard-Regatta, dort wurde gefahren, sobald eine Windrichtung erkennbar war. Das war erstmal deprimierend, ich stand da an der Boje mit meinem 6,5er und bin untergegangen. Aber das war die erste Regatta, später ging es dann los mit dem Deutschen Windsurfcup und Eurocup, den gab es damals noch. Und damit sich der Weg aus Süddeutschland zu den Contests auch lohnt, bin ich dann auch gleich alle Disziplinen gefahren.
In der ersten Saison bin ich Rookie of the Year geworden. Außerdem habe ich mal die Jugendwertung beim Eurocup auf Sylt gewonnen. Ich glaube, das waren schon die Highlights (lacht). Einmal hab ich es auch irgendwie geschafft, ein Race zu gewinnen - Flessner hat getobt, weil er meinte, es hat zu wenig Wind.
Nein, ich war irgendwann relativ frustriert. Ich bin immer zehn, zwölf Stunden zu den Events in den Norden gefahren, und da gab es dann Slalom am unteren Windlimit und ständig wurde abgebrochen. Das war ein Riesenaufwand, und ich habe dann erkannt, dass Wettkampf-Surfen und Regatten für mich keinen Sinn mehr machen. Kurz danach bin ich dann zum ersten Mal nach Hawaii geflogen und habe dort angefangen, mit Peter Garzke Fotos und Reise-Geschichten zu produzieren. Darauf habe ich mich dann konzentriert, was die Sponsorenverträge gleich mal deutlich besser gemacht hat.
Genau, ich habe Günther schon früh kennengelernt, als das Funboard-Thema für mich losging. Er hat mir dann manchmal Boards mitgegeben zum Ausprobieren. Als er und Burkhard Küchler dann die Marke gegründet haben, bin ich hingegangen, habe mein Sparbuch auf den Tisch gelegt und gesagt, ich will weiterhin DWC fahren, wie machen wir das? Und dann bin ich recht lange Lorch gefahren.
Ich habe Günther Lorch mein Sparbuch auf den Tisch gelegt.“
Während der Regatta-Zeit war ich noch in der Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Einzelhandel. Das ließ sich ganz gut kombinieren, weil ich meine Trips immer mit Überstunden ausgleichen konnte. Und dann bin ich ins Studium gegangen und habe für die Reise-Projekte die Semesterferien genutzt oder Urlaubssemester genommen. Ich habe immer versucht, meistens drei Monate Oahu und drei Monate Kapstadt hinzukriegen. Das war eine coole Zeit, aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, den sportlichen Weg weiterzugehen oder ins Berufsleben einzusteigen. Da habe ich für mich entschieden, dass jetzt erst mal Business angesagt ist. Mein Ziel war immer: schnell viel arbeiten und dann wieder viel Zeit zum Windsurfen haben.
Mein Geschäftspartner Jürgen Dürr hat die Rolle entwickelt, nachdem er darauf aufmerksam wurde, dass bei der deutschen Nationalmannschaft – damals unter Klinsmann – solche Rollen aus den USA eingesetzt werden. Das Konzept war supercool, aber das Produkt war damals scheiße. Er hat das dann überarbeitet - kleineres Produkt, anderes Material - und war damit fünf Jahre selbstständig. Zu der Zeit war ich bei Holidaycheck im Marketing angestellt, und als die Lernkurve abgeflacht ist, habe ich mich als Marketing- und Social Media-Berater selbstständig gemacht – mit der Zusage, weiterhin die TV-Produktionen und das Media Buying für Holidaycheck zu machen. Das war für mich natürlich der Jackpot, ich hatte einen guten Auftrag für die Hälfte des Jahres, keine Familie, keine laufenden Kosten. Wir hatten den Fokus auf Social Media, damals wurde Facebook gerade groß, wir haben da unter anderem Chiemsee beraten und dafür Sticker-Aktionen beim Worldcup auf Sylt gemacht, Travel Love Stories, Pasta-Kochen mit Marco Lufen in Podersdorf und so weiter, das hat viel Aufsehen erregt. Ein anderer Part war dann eben Blackroll. Wir haben damals unseren ersten Stand auf der ISPO gehabt, gerade mal einen Meter groß, da haben wir abends noch heimlich die Rollen an der Decke aufgehängt. Ein halbes Jahr später haben wir dann die Firma offiziell gegründet.
Genau, Jürgen ist der offizielle Gründer und hat das Produkt entwickelt. Ich habe als CEO die Firma mitgegründet und habe dann die Voraussetzungen geschaffen, damit wir wachsen konnten. Die ersten Mitarbeiter eingestellt, den ersten Drucker installiert und so weiter.
Nein, das war auch nicht das Ziel. Der Ansatz war von Anfang an ein Business zu bauen, das zu 100 Prozent remote funktioniert. Der ersten Mitarbeiterin habe ich ein IP-Telefon gegeben und gesagt, du kannst drei Tage von zu Hause arbeiten. Wir hatten damals ein kleines Einfamilienhaus, ich habe im Dach gewohnt und unten hatten wir zwei Stockwerke mit Büroflächen. Das war unser Limit, größer sollte es nicht werden. Denn mit Wachstum kommen immer auch Wachstumsschmerzen, die Verantwortung wird immer größer. Aber manchmal kommt dann ein Trend, den du natürlich mitnehmen musst. Und dann stehst du vor der Frage: Kann ich es klein halten? Oder muss ich eigentlich die Welle surfen und am Start sein, um die Nachfrage erfüllen? Sonst kommt ein Wettbewerber und schnappt dir die Positionierung weg.
Ich habe mittlerweile ein Netzwerk aus Ärzten, Therapeuten, Athletiktrainern, Coaches und Businessleuten, die sich in der Industrie auskennen. Und für mich ist das Wichtigste, dieses Netzwerk an unterschiedlichen Stellen anzuzapfen. Wie kann ich ein Produkt einsetzen, was hat das für einen Impact, hilft das jemandem? So versuche ich mir unterschiedliche Informationen von unterschiedlichen Leuten und Experten zusammenzuholen und dann daraus ein Bild zu machen. Ist das ein relevanter Baustein für ganzheitliche Gesundheit, können wir das so vermarkten, dass es eine Zielgruppe gibt, die das kauft, oder versenken wir einfach nur Ressourcen und Geld und haben zwar ein gutes Produkt, das aber niemand kauft? Und dann braucht es manchmal auch einfach den Mut, eine Idee umzusetzen.
Mein Lieblingsprojekt ist eigentlich immer das, an dem ich gerade arbeite. Ich sehe dieses Unternehmen wie eine Reise, wie erwachsen zu werden, mit viel Veränderung. Wir sind mit der Rolle sehr spezialisiert gestartet, damals wurde die Bedeutung der Faszien gerade erst erkannt und erforscht. Daraus konnte man natürlich gute Geschichten erzählen und wir hatten ein Produkt, wo du relativ schnell erklären kannst, wie man sich damit etwas Gutes tut. Trotzdem ist es nicht die Lösung, sondern du brauchst auch Bewegung, Prävention und Grundlagen. Daraus haben sich die Produkte entwickelt. Ein gutes Beispiel ist unsere Partnerschaft mit dem DFB: Wir hatten uns als offizieller Ausstatter für alle Fitness- und Physio-Kleingeräte beworben und bekamen den Hinweis, dass da ein amerikanischer Hersteller reingrätschen möchte. Also haben wir uns kunterbunt alle guten Produkte zusammengekauft und unser Logo draufgemacht. Jürgen ist dann einen Tag, bevor ein Container fürs Trainingslager gepackt wurde, hingefahren und hat die Sachen abgegeben. Drei Wochen später waren wir dann Partner und mussten diese ganze Trainingsrange in drei Monaten aufbauen, einkaufen, Verpackungen gestalten und so weiter.
Am meisten macht es mich stolz, wenn ich Athleten sehe, denen unsere Produkte geholfen haben, wieder zurückzukommen.”
Als Marke in einem so hart umkämpften Bereich wie Fußball präsent zu sein, ist sicherlich eins. Aber am meisten macht es mich stolz, wenn ich Athleten sehe, die wirklich ein Problem hatten und denen unsere Produkte geholfen haben, wieder zurückzukommen. Zu Anfang haben Faszienforscher teilweise auf unsere Webseite verwiesen, weil da die wissenschaftliche Seite am besten erklärt wurde. Diese Marke kreiert zu haben, die diesen Stretch von Funsport bis hin zu medizinischer Glaubwürdigkeit und wissenschaftlicher Relevanz hinkriegt, das ist eigentlich das, was mich am stolzesten macht.
Ja, absolut. Das ist meine größte Leidenschaft, für mich gibt es kein Leben ohne Windsurfen. Meine Frau hat mal gesagt, dass das für sie eine sehr bewusste Entscheidung war, ob sie damit umgehen kann oder nicht. Auch wenn ich jetzt mit etwas mehr Erfahrung darauf schaue, auf was es ankommt im Leben, welche Rolle Regeneration spielt, ist Windsurfen für mich ein extrem wichtiger Baustein. Jedes Jahr ein paar Monate in Kapstadt zu sein, regelmäßig aufs Wasser zu kommen, meinen Kopf auszuschalten, ist für mich extrem wichtig, um langfristig Performance zu zeigen. Deswegen gibt es immer schon die Verbindung zum Funsport und natürlich auch viele Freunde, die immer noch Competition fahren und die man dann irgendwo am Wasser trifft. Ob es ein Kidscamp ist von Dennis Müller oder die German Freestyle Battles, es ist einfach cool, dass die Jungs sowas machen, dafür geben wir immer gerne Preise, auch wenn das medial keine Rolle spielt. Wir kümmern uns bei den Athleten auch viel um Young Talents, die vom Mindset und der Persönlichkeit zur Marke passen, die was erzählen können und für etwas stehen. Dem Sport etwas zurückzugeben, ist mir schon sehr wichtig.
Ja, definitiv. Ich kann den Winter skippen, regelmäßig aufs Wasser und kann ohne Zeitverschiebung von dort aus arbeiten. Unsere Tochter geht dort in die Schule, und ich arbeite Vollzeit. Wir verlagern quasi unseren Lebensmittelpunkt dahin, wo man das alles besser kombinieren kann.
Meine Wunschvorstellung ist, dass die Organisation mich überhaupt nicht braucht.”
Die Firma wächst und es geht darum, eine Organisation zu bauen, die man skalieren kann, ohne dass ich oder eine andere Person der Flaschenhals ist. Mein Job ist immer schon gewesen, die Aufgaben, die bei mir auf dem Schreibtisch liegen, wegzudelegieren. Ich bin kein großes Ego, ich muss nicht CEO sein. Mir geht es immer darum, für den Job den Bestmöglichen zu finden und den Bestmöglichen einzustellen und nicht, dass ich selber irgendwie wichtig bin. Im Gegenteil, meine Wunschvorstellung ist, dass die Organisation mich überhaupt nicht braucht. Das ist das Endziel und mal gucken, ob wir da hinkommen. Ich habe kürzlich den CEO-Posten abgegeben und habe Scott Zalaznik an Bord geholt, der war sechseinhalb Jahre Digitalchef bei Adidas. Auch was Wissen, was Skalierung, was Internationalisierung angeht, konzentriere ich mich selber mehr auf Innovationsthemen. Aber auch da haben wir gerade wieder jemanden eingestellt, der das umsetzen soll. Wir stellen uns immer die Frage, wo ist der Impact, was können wir verändern? Was braucht es dazu an Ausbildung, an Wissen? Und das Produkt ist eigentlich nur der Anker, das im Lebensraum ankommt.
Wir kommen als Firma ja aus dem Active-Recovery-Bereich, deswegen ist auf der anderen Seite die passive Regeneration, also der Schlaf, ein großer Schritt für uns. Schlaf als eigentlich wichtigstes Regenerationstool zu integrieren und auch unsere Glaubwürdigkeit der Company darauf zu übertragen, das ist der absolute Game-Changer. Wir haben uns angeschaut, wie man den Schlaf besser machen kann und versuchen, daraus Produkte zu kreieren. Vieles ist dabei psychologisch, aber ein sehr wichtiger Hebel ist, die Schlafhygiene so konstant wie möglich zu halten. Dafür haben wir dann ein Kissen entwickelt, was man überallhin mitnehmen kann. Nächstes Thema ist Temperaturregulierung, das ist unglaublich wichtig im Schlaf. Die meisten schlafen unter der Daunendecke von Oma. Wir machen ganz dünne Decken, die thermoregulierend sind. Bald kommt ein Topper, der über eine App-Verbindung die Temperatur reguliert und heizen kann. Außerdem haben wir gerade einen Fokus auf digitalen Präventionskursen, die von der Krankenkasse bezahlt werden, um die Leute in die Bewegung zu kriegen. Außerdem bieten wir auch psychologisches Coaching für Schlafprobleme an, wir coachen dich dahin, dass du besser schlafen kannst. Daraus eine echte Plattform zu bauen, die eine tägliche Interaktion mit unseren Kunden ermöglicht, ist das nächste große Ziel.

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