Andrea Bocelli ging im Urlaub von einer Yacht aus Windsurfen, der kurze Instagram-Clip begeistert derzeit zahlreiche Nutzer der Plattform. Bocelli ist bekanntlich blind, doch er macht auf dem Board eine ausgesprochen gute Figur. Unter dem Jubel seiner Mitreisenden (und eines aufgeregten Hundes) cruist der italienische Sänger entspannt durch vermutlich mediterrane Gefilde.
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Auch viele Windsurf-Promis freuen sich über den Clip: Ricardo Campello schickt drei Flammen, Pierre Mortefon kommentiert “Nice”, Malte Reuscher lädt Bocelli an seine Surfstation auf Elba ein, und Thomas Traversa schreibt: “Du kannst das zwar nicht lesen, aber maximalen Respekt!”
Bocelli kam mit einer Augenerkrankung zur Welt, im Alter von zwölf Jahren erblindete er komplett. Bekannt wurde der Italiener mit dem Song “Time To Say Goodbye”, den Boxer Henry Maske bei seinem letzten Kampf nutzte und der anschließend europaweit zum Hit wurde.
Windsurfen und Sehbehinderungen schließen sich nicht aus. Ein weiteres Beispiel, dass man auch ohne Augenlicht weiter aufs Wasser kann, ist Enrico Sulli, ebenfalls Italiener. 2021 haben wir ihn in surf vorgestellt. Sulli war lange Regattafahrer, bis er mit 44 Jahren erblindete. „Ich habe mein Leben lang gesurft, die Bewegungen sind in mir abgespeichert“, erzählte er uns damals. Auf dem See vor seiner Haustür probierte er es auf eigene Faust, orientierte sich dabei an der Richtung, aus der die Sonne ins Gesicht scheint und die Wellen ans Brett klatschen. „Ich habe eine mentale Karte des Sees. Wenn ich in eine bestimmte Himmelsrichtung fahre und dann das Schilf raschelt, weiß ich genau, wo ich bin.“ Um auch zu wissen, wohin er zurück muss, befestigte Enrico einen piepsenden Schlüsselanhänger, den er mit dem Handy einschaltet, an einer Boje in Ufernähe.
Enrico bildete seinen Familienhund selber zum Blindenhund aus und geht in Porto Pollo auch auf dem Meer Windsurfen. „Enrico musste ich gar nichts beibringen. Der ist so gut, dass er problemlos bei einer normalen Regatta mitfahren könnte“, erzählte Francesco von der Station “2Sides”, der viele Menschen mit Einschränkungen aufs Wasser bringt. Enrico hat ein Handy und einen Lautsprecher dabei, über die Telefonverbindung sagt Francesco ihm vom Motorboot aus die Manöver an. „Geradeaus weiter, du hast die Vorfahrt“, ruft Francesco ins Headset.
Wenn Francesco endlich „freies Fahrwasser!“ ruft, wirkt Enrico wie ein Rennpferd, vor dem die Startklappe aufgeht. Seine Körperspannung nimmt schlagartig zu, er pumpt einige Male kräftig und gleitet dann davon. Enrico genießt die Schubkraft und hängt sein ganzes Gewicht ins Trapez. Die Nase des Bretts hebt sich langsam aus dem Meer, nur noch sein Heck berührt das Wasser. Enricos Bewegungen sind eine sorgfältig abgestimmte Choreographie. Jeder Handgriff sitzt: Er schwenkt das Segel wie eine leichtgewichtige Tanzpartnerin, seine Füße tanzen über das Brett und finden von allein in die Fußschlaufen – ein Paso doble mit dem Wind.