SURF Redaktion
· 16.03.2026
Die Wassertemperatur in der Nordsee erreichte laut dem BSH-Bericht im Dezember 2025 mit 9,6 Grad Celsius einen neuen Höchstwert – der wärmste Dezember seit Beginn der Datenreihe 1996/97. Nur wenige Wochen später jedoch sanken die Temperaturen im Februar auf 5,9 Grad und lagen damit 0,5 Grad unter dem langjährigen Mittel. Ein ähnliches Bild gab es in der Ostsee: Sie verzeichnete im Dezember mit 6,1 Grad den drittwärmsten Wert seit 1996/97, bevor die Temperaturen im Februar auf 0,7 Grad abstürzten.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie analysiert diese extremen Schwankungen und ordnet sie in den Kontext der langfristigen Klimaerwärmung ein. Im Gesamtwinter 2025/26 erreichte die Nordsee durchschnittlich 7,7 Grad Celsius, etwa 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel von 1996/97 bis 2020/21. Die Ostsee lag bei 3,3 Grad, rund 0,4 Grad über dem Vergleichswert. Beide Meere verzeichneten damit den zehnten beziehungsweise elften wärmsten Winter seit Messbeginn.
Die regionalen Unterschiede fielen laut dem Bericht besonders deutlich aus. Im Dezember lagen die Temperaturen in der Nordsee flächendeckend über dem langjährigen Mittel. Im Übergangsbereich zur Ostsee erreichten die Abweichungen bis zu zwei Grad. Der Januar brachte eine Trendwende: Die nördliche Nordsee blieb wärmer als üblich, während die südlichen Bereiche kühlere Werte zeigten. Die durchschnittlichen 7,5 Grad lagen nur 0,3 Grad über dem Mittel.
Auch in der Ostsee präsentierte sich ein differenziertes Bild über den gesamten Winter. Zentrale und nördliche Bereiche blieben überdurchschnittlich warm, während der Südwesten einschließlich der deutschen Gewässer kälter ausfiel als gewöhnlich. Der Februar verstärkte diese Entwicklung dramatisch: Flächendeckend sanken die Temperaturen deutlich unter den Durchschnitt. Vor der deutschen Küste und rund um Dänemark lagen die Werte bis zu zwei Grad unter dem langjährigen Mittel.
„Der Winter 2025/2026 verdeutlicht, wie stark das Wetter die Meeresoberflächentemperatur kurzfristig beeinflusst, selbst in Zeiten der langfristigen Klimaerwärmung durch den Menschen", erklärt Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen am BSH. Südostwinde von Mitte Januar bis Mitte Februar transportierten kalte Luft aus Osteuropa über die deutschen Küstengewässer. Diese meteorologische Konstellation führte zu einem rapiden Temperatursturz, binnen weniger Wochen lagen die Werte deutlich unter den Rekordwerten vom Dezember. Die Wetterextreme zeigen die Bandbreite natürlicher Schwankungen, die sich über die langfristige Erwärmungstendenz legen. Neben den niedrigen Temperaturen zeigte sich das auch an der stärksten Eisbildung seit anderthalb Jahrzehnten.
Der Winter 2025/2026 verdeutlicht, wie stark das Wetter die Meeresoberflächentemperatur kurzfristig beeinflusst, selbst in Zeiten der langfristigen Klimaerwärmung durch den Menschen.” (Tim Kruschke, BSH)
Der östliche Teil der deutschen Ostseeküste erlebte laut BSH den längsten Eiswinter seit 15 Jahren. Anfang Januar bildeten sich große Eisflächen im Greifswalder Bodden und Stettiner Haff, die bis in den März hinein bestehen blieben. Anhaltender Ostwind und Frost schufen breite Eisbänder vor den Ostküsten von Usedom und Rügen. „Das dichte Eis vor Usedom und Rügen hat den Schiffsverkehr stark behindert. Als es sich löste, trieb es auf die offene See. Der gesamte Schiffsverkehr in die Ostsee hinein und heraus musste auf das Eis achten. Solch strenge Eiswinter sind inzwischen selten", erläutert Dr. Jürgen Holfort, Leiter des BSH-Eisdienstes. Weiter westlich trat Eis vor allem in geschützten Küstenbereichen auf. Im Februar bildete sich kurzzeitig Eis in den Förden bis Flensburg. An der Nordseeküste entstanden vereinzelt Eisflächen im nördlichen Wattenmeer und auf der Elbe. Mit milderem Wetter Ende Februar schmolz das Eis schnell, außer in der östlichen Ostsee. Die Eissaison der gesamten Ostsee dauert noch bis Mai.
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