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Gute Bücher rund ums Surfen sind leider rar - und mit “Surfen” ist in diesem Fall vor allem Wellenreiten gemeint. Über die wenigen Versuche, einen Roman mit Windsurf-Hintergrund zu schreiben, decken wir mal gleich einen gnädigen Mantel des Schweigens. Was die Wellenreit-Literatur angeht, sind Autoren wie Alan C. Weisbecker, Daniel Douane, Kem Nunn oder die Boone Daniels-Geschichten von Don Winslow der Maßstab, wenn es um unterhaltsame und gleichzeitig auch erfolgreiche Veröffentlichungen geht.
Mit “Heaven’s Gate” erscheint in diesen Tagen ein weiterer Surf-Roman, der sich in diese Aufzählung einreihen möchte. Der Autor Daniel Faßbender ist selber Surfer, sein neuer Roman soll den Auftakt für eine Reihe rund um die Hauptfigur Caruso bilden. Die Hoffnungen beim renommierten Diogenes-Verlag sind offenbar groß, “Heaven’s Gate” prangt auf dem Titel des Frühjahrsprogramms.
Woher der Name der Hauptfigur kommt und wie sein eigentlicher Name ist, bleibt ebenso schleierhaft wie Carusos Background. Man weiß nur, dass er ehemaliger Profisurfer aus Deutschland ist, der auf der philippinischen Insel Surogao gestrandet ist und dort als Privatdetektiv arbeitet. Dahinter verbirgt sich Siargao, die “Surfhauptstadt der Philippinen”, deren Abgründe abseits der Backpacker- und Surfer-Romantik die Bühne der Geschichte darstellen.
Gesurft wird auf den 291 Seiten übrigens kaum - nach der Session zum Auftakt, die ihm gehörigen Ärger einbringt, schafft es Caruso kaum noch an den Strand. Und der Kampf um die besten Wellen wird angesichts des zentralen Erzählstranges auch schnell zur Lappalie. Denn der vermeintlich banale Auftrag, den abgetauchten Sohn einer reichen Spanierin aufzuspüren, führt Caruso schon bald in höchste Kreise und macht ihn zur Zielscheibe der örtlichen Drogen-Mafia. Auf der anderen Seite der Welt gerät auch in Hamburg ein Experte für “Substanzen” in den Strudel der Ereignisse: Diego, ein frisch aus dem Knast entlassender Ex-Schmuggler und Ex-Zuhälter, der seine Blütezeit weit hinter sich gelassen hat und dennoch eine Verbindung zu den Geschehnissen auf den Philippinen hat.
Faßbenders Inspiration für Caruso kam von den Klassikern unter den Hardboiled-Figuren - also typische gescheiterte Existenzen, die kaum noch Bezug zum normalen Leben haben und in jeder Hinsicht kräftig einstecken, aber neben einer kriminalistischen Brillanz doch noch irgendwo ein gutes Herz haben. Und genau wie Sam Spade von Dashiell Hammett oder Phillip Marlowe von Raymond Chandler hat Caruso einen dunklen Fleck in der Vergangenheit, einen Knick im Leben, der ihn an diesen Ort gespült hat.
Auch sonst lässt Faßbender kaum ein Hardboiled-Klischee aus. Markige Sprüche, Trinkgelage und Frauengeschichten gehören ebenso dazu wie die Weigerung Carusos, seine Finger von dem Fall zu lassen, sei die Gefahr auch noch so groß. Damit einher geht der Anschein einer Unverwundbarkeit. Wenn sich normale Menschen ihrem Kater ergeben würden, kippt Caruso ein “Konterbier” und macht weiter. Auch zusammengeschlagen und an der Schwelle zum Tod bleibt er in Gefangenschaft hart. Nur gegenüber den Töchtern seiner Vermieterin und dem Hacker “Yahoo” zeigt er einen weichen Kern.
Weil all das aber zur Grundrezeptur gehört, wirkt die Erzählung von “Heaven’s Gate” nie platt, sondern immer etwas augenzwinkernd. Der “wunderbar abgerockte Ermittler”, wie Takis Würger Caruso in seinem Zitat auf dem Klappentext beschreibt, hat durchaus Potenzial für unterhaltsame Fortsetzungen. Ob sich Figur und Autor in die Reihe der eingangs aufgezählten Surf-Klassiker einreihen können, muss sich allerdings erst noch zeigen. Das dürfte auch davon abhängen, welchen Weg Caruso nach dem Ende seines ersten Falles einschlägt. Wir sind gespannt!
Mehr Infos unter diogenes.ch

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