Wenn die Weltelite am Brandenburger Strand auf die raue Nordsee trifft, sind enge Duelle und Überraschungen garantiert. In Wave, Freestyle und Foil geht es um wichtige WM-Punkte, prestigeträchtige Siege und zum Teil sogar um die Weltmeistertitel. Bei keinem anderen Event sind so viele Disziplinen im Programm, insgesamt gibt es 85.000 Euro Preisgeld. Internationale Topstars treffen dabei auf die starke deutsche Spitze, die von den Fans am Strand lautstark gepusht wird. Wir zeigen, wer in den drei Disziplinen zu den Favoriten zählt – und wer auf Sylt für eine Sensation sorgen könnte.
In der Königsdisziplin Waveriding dürfte vor allem Publikumsliebling Philip Köster im Fokus stehen: Sein Duell mit dem amtierenden Weltmeister Marc Paré macht die Wave-Saison so spannend wie lange nicht. Köster gewann in Pozo, Paré dann auf Teneriffa und zuletzt den Vier-Sterne-Event in Wissant - wo Köster jeweils Zweiter wurde. Doch Paré kann nach seinen Siegen 2024 und 2025 einen Sylt-Hattrick holen und ist in allerbester Form.
Auch der WM-Dritte Marcilio Browne hat schon mehrfach gezeigt, dass er vor Westerland gewinnen kann und gehört auf jeden Fall zum Favoriten-Kreis. Vor den abschließenden Wave-Contests auf Maui und in Chile, mit gänzlich anderen Bedingungen, könnten auf Sylt schon die Weichen für die WM gestellt werden. Denn die Hawaii-Crew um Bernd Roediger verzichtet auf die Reise an die herbstliche Nordsee, so dass die Euro-Rider hier wichtige WM-Punkte sammeln können. Zu den Geheimtipps können auch Miguel Chapuis und Marino Gil Gherardi gerechnet werden, Chapuis schaffte es im vergangenen Jahr bis ins Finale. Spannend wird auch der Blick auf Lennart Neubauer, der neben dem Freestyle auch in der Welle antreten möchte und mit seinem vierten Platz auf Teneriffa sein Potenzial hat durchblicken lassen. Wie immer sind auf Sylt auch viele Deutsche Waver dabei, Nick Spangenberg, Laurin Schmuth, Henri Kolberg und Anton Richter haben in den letzten Jahren schon einige Erfahrung in der Welle von Westerland sammeln können. Und auch Nico Prien, Deutschlands Top-Racer, ist fürs Waveriding gemeldet, ebenso wie sein Foil-Kollege Maciek Rutkowski.
Auch bei den Frauen ist alles drin: Windsurf-Queen Sarah-Quita Offringa ist schon alleine durch ihre Titel eine der Favoritinnen, doch in den letzten Jahren hat die Nordsee immer wieder für besondere Geschichten gesorgt: 2025 gewann sensationell die erst 16 Jahre alte Sol Degrieck, ein Jahr zuvor triumphierte Außenseiterin Marine Hunter vor Maria Behrens. In diesem Jahr sorgt Sylt für eine historische Premiere aus deutscher Sicht: Lina Erpenstein und Maria Behrens kommen als WM-Erste und -Zweite nach Sylt und dürften vom Publikum am Brandenburger Strand ganz besonders gepusht werden. Die Lübeckerin holte im Frühjahr Platz zwei auf Maui und ist vor allem bei Sideshore-Bedingungen schwer zu schlagen, die es in den letzten Jahren auf Sylt immer mal wieder gab. Und Lina Erpenstein möchte nach Platz zwei auf Teneriffa bei ihrem Heim-Contest ganz vorne fahren. Mit Sybille Bode, Helena Lale und Trine Gobisch sind insgesamt fünf von zehn gemeldeten Starterinnen mit dem “G” im Segel dabei.
Auch 2026 wird auf Sylt ein neuer Freestyle-Weltmeister gekürt. Bei den Herren kommt es seit einigen Jahren zu einem spannenden Duell der Generationen: Routinier Yentel Caers und Youngster Lennart Neubauer machten die WM zuletzt unter sich aus. Neubauer reist nach seinem Sieg auf Fuerteventura mit der besseren Ausgangsposition zum großen WM-Finale. Außerdem wird der Deutsch-Grieche auf Sylt von den Zuschauern immer besonders gepusht.
Doch hinter den beiden lauern mit Jacopo Testa, Balz Müller, Steven van Broeckhoven und Dieter van der Eyken einige harte Brocken, die es erst einmal zu schlagen gilt. Auch der japanische Youngster Takuma Sugi klopfte auf Fuerteventura mit den Plätzen vier und fünf bereits mehrfach am Podium an und dürfte auf Sylt erneut für Furore sorgen. Dazu greift der ehemalige Europameister Davy Scheffers nach mehreren Jahren Sylt-Pause wieder an.
Für zusätzliche Spannung könnten die eingeschriebenen Waverider Antoine Martin und Thomas Traversa sorgen. Gerade bei welligen, auflandigen Bedingungen sind beide in ihrem Element und jederzeit für die eine oder andere Überraschung gut. Schließlich bietet die Nordsee vor Sylt nur selten ideale Freestyle-Bedingungen, sondern verlangt den Fahrern mit Chop, Wellen und böigem Wind alles ab. Bleibt die Frage, wie weit Lennart Neubauer das Tricklevel unter diesen rauen Bedingungen treiben kann: Packt er erneut einen Triple Culo aus – oder zeigt er sogar etwas brandneues wie den Shifty into Forward?
Die Foil-Flotte kommt weitgehend als Wundertüte zum Worldcup nach Sylt. Abgesehen vom “Mini-Worldcup” in St. Peter-Ording mit vier Sternen und reduzierter Punktzahl gab es in dieser Saison bislang noch keinen großen Event. Umso wichtiger ist das Ergebnis auf Sylt, denn mit Japan folgt nur noch eine weitere Regatta, jeder Heat kann also entscheidend sein. Dominator Johan Søe ist bekanntlich nicht mehr im Worldcup dabei, der Favoriten-Kreis besteht somit vor allem aus den früheren Weltmeistern Matteo Iachino, Pierre Mortefon und Maciek Rutkowski. Amado Vrieswijk hat mit seinem Sieg in SPO ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, wo die stärksten Konkurrenten jedoch nicht am Start waren. Sylt war immer auch das Pflaster für Überraschungen mit “GER” im Segel, im vergangenen Jahr schnupperte Fabi Wolf an der Weltspitze und setzte einige Ausrufezeichen. Neben ihm geht auch Lars Poggemann wieder an den Start, auch Jesse Richter ist wieder dabei, mit Jonas Naumann außerdem ein Sylt-Debütant.
Der Citroën Windsurf Worldcup Sylt läuft vom 25. September bis 4. Oktober. Alle Infos, News und Ergebnisse findet ihr immer hier auf surf-magazin.de
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