Freestyle-Doku von Maarten MolenaarSo entstand “Pasko – The Magic Move” - jetzt frei verfügbar!

SURF

 · 20.11.2024

In seinem ergreifenden Film "Pasko - The Magic Move" erzählt Filmemacher und Freestyler Maarten Molenaar die Geschichte seiner Krebserkrankung und dem Weg zurück aufs Wasser
Foto: Pawel Szulc
Hinter Maarten Molenaars Freestyle-Dokumentarfilm “Pasko - The Magic Move” steckt eine ergreifende Geschichte. Für surf berichtet er von der ­unvergleichlichen Inspiration bis zur Verwirklichung des Projekts. Jetzt ist der Film online frei verfügbar.

Themen in diesem Artikel

Viel mehr als nur ein Freestyle-Trick. Maarten Molenaar erholt sich von Hodenkrebs und setzt sich das ehrgeizige Ziel, den nach André Paskowski benannten Trick „Pasko“ nach seiner Genesung zu meistern. André war begnadeter Freestyler und Filmemacher und starb 2013 an den Folgen von Hodenkrebs. Maarten selbst erzählt alles über seine Hintergründe und Herausforderungen.

Die Idee zum Film

Während ich mit meinem Freestyleboard auf dem kristallklaren Wasser von Sorobon in Bonaire herumdümpelte, verfiel ich in meine übliche kontemplative Gedankenspirale – wie immer, wenn der Wind nicht so weht, wie man es erwartet, fing ich an, über das Windsurfen zu fantasieren. Ein paar Tage zuvor hatte ich gerade an meinem zweiten EFPT-Freestyle-Event teilgenommen und gönnte mir nun eine wohlverdiente kleine Auszeit. Für die nächste Saison steht viel auf dem Plan, dachte ich, aber ich ahnte nicht, dass sich jeden Moment das aufregendste Projekt in einem wahren Aha-Erlebnis vor mir auftun würde.

Ich bin seit vielen Jahren Hobby-Filmemacher. Angefangen habe ich 2014, als ich auf Curaçao, der Karibikinsel, der ich jetzt so nahe bin, meine ersten richtigen Windsurf-Videos drehte. Eine Karriere in diesem Bereich habe ich nie wirklich in Erwägung gezogen. Stattdessen verfolgte ich ein traditionelles Leben, ging zur Universität und nahm anschießend einen Bürojob in den Niederlanden an. Es brauchte einen gewaltigen Schock in meinem Leben im Jahr 2020, um zu erkennen, dass das Herumlaufen mit einer Kamera, das Reisen und das tägliche Windsurfen der Weg sein sollte, den ich riskieren und für den ich mich wirklich ins Zeug legen will.

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Das Kernstück jeder Sport-Doku: Der persönliche Kampf

Während ich mich im Jahr 2021 von meiner Krebserkrankung erholte, nahm diese Idee mehr und mehr Gestalt an. Schon bald hatte ich das Glück, einen Job bei der European Freestyle Pro Tour zu bekommen, was eine Lawine von Veränderungen in Gang setzte, die mich zu einem Leben führten, mit dem ich zufrieden sein würde. Ich gründete mein eigenes Unternehmen, filmte die besten Windsurfer der Welt und schrieb darüber. In jenem Jahr nahm ich an unzähligen Veranstaltungen teil, die mich schließlich zu diesem Moment auf Bonaire führten. Es gab jedoch eine Sache, die mich immer noch beschäftigte: Ich verspürte den Drang, etwas völlig Eigenes zu schaffen, das nicht durch Vorgaben, Veranstaltungstermine und Kunden eingeschränkt war. Meine eigenen Erfahrungen der letzten Jahre wiederzugeben und sie damit hoffentlich zu verarbeiten. Außerdem war ich frustriert über den Mangel an nachvollziehbaren und eindrucksvollen Windsurfing-Geschichten, die über die Grenzen unserer Windsurf-Gemeinschaft hinausgehen und Außenstehende dazu inspirieren, unseren Sport zu betreiben.

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Jede gute Sport-Doku zeigt eine Herausforderung und einen persönlichen Kampf”

Aber was macht eine gute Geschichte aus? Sie muss für jedermann leicht nachvollziehbar sein, und sie braucht Höhen und Tiefen. Die Person, die der Geschichte ausgesetzt ist, muss sich für das Ende interessieren. Deshalb lieben wir alle Kletterdokumentationen wie „The Dawn Wall“ oder die Formel-1-Serie „Drive to Survive“, ohne jemals geklettert oder ein Formel-1-Auto gefahren zu sein. Es gibt immer eine Herausforderung und einen persönlichen Kampf, und während ich mit nassen Knöcheln langsam zurück zum Ufer dümpelte, fand ich heraus, was meine Aufgabe sein würde. Das Windsurfen sollte auf jeden Fall das Kernstück meines Projekts sein.

Egal wie ehrgeizig man ist, wann kommt der Punkt, an dem man aufgibt? Im Film teilt Maarten seine harten Erfahrungen aus dem Wasser und Krankenhaus.Foto: Maarten MolenaarEgal wie ehrgeizig man ist, wann kommt der Punkt, an dem man aufgibt? Im Film teilt Maarten seine harten Erfahrungen aus dem Wasser und Krankenhaus.

Würde ich nach dem Krebs je wieder Windsurfen können?

Mir wurde schnell klar, was mich so sehr antreibt, diesen Sport weiter und weiter zu praktizieren. Es ist die ständige Herausforderung und Schwierigkeit, die sich mit einem immensen Gefühl der Befriedigung und Belohnung abwechselt, wenn es mir wieder einmal gelungen ist, einen neuen Trick zu landen und mich zu verbessern. Es ist die Tatsache, dass mein Verstand komplett ausgeschaltet wird, wenn ich auf dem Wasser bin, einfach weil dieser Sport mit seinen endlosen Variablen so viel Konzentration erfordert. Manche Leute sagen, dass Windsurfen dem Untergang geweiht ist, weil es zu schwierig zu erlernen sei, aber ich denke, dass es die Leute aussortiert, die nach sofortiger Befriedigung streben, und Menschen mit Charaktereigenschaften wie Entschlossenheit und Ausdauer zusammenbringt.

Ich hatte infolge meiner Erkrankung alle meine körperlichen Fähigkeiten verloren und konnte kaum noch hundert Meter gehen.”

Dies ist einer der Hauptaspekte meiner Genesung, um den ich mir Sorgen gemacht habe. Ich hatte infolge meiner Erkrankung alle meine körperlichen Fähigkeiten verloren und konnte kaum noch hundert Meter gehen. Würde ich jemals wieder Windsurfen können, geschweige denn mein altes Niveau erreichen und auch nur daran denken, wieder neue Tricks zu lernen? Besonders im Freestyle ist es das Erlernen neuer Tricks das, was mir am meisten Freude bereitet. Hatte ich die eine Sache in meinem Leben verloren, die mein sicherer Hafen war? Hier auf Bonaire hatte ich zwei Jahre nach meiner Genesung endlich wieder einigermaßen mein altes Niveau erreicht, aber ich hatte immer noch keinen neuen Move lernen können. Und dann machte es klick: Das war die Herausforderung, die ich brauchte. Eine persönliche Herausforderung, um das Kapitel meiner Krankheit wirklich abzuschließen und mich davon zu überzeugen, dass meine Windsurfkarriere noch nicht vorbei ist. Aber auch die Herausforderung, die ich für eine großartige Comeback-Story für das Filmprojekt brauchte, das ich schon so lange machen wollte.

Der Pasko als Symbol und Hommage an André Paskowski

Ich nahm mir vor, einen neuen Move zu lernen und den Prozess zu dokumentieren. Der Move, den ich lernen wollte? Es musste der Pasko sein! Warum Pasko? Benannt nach dem legendären Windsurfer und Filmemacher André Paskowski, wurde dieser Move sofort zu einem Symbol für mich. Er wurde der Welt zum ersten Mal 2012 gezeigt, als Gollito Estredo – neunfacher Freestyle-Weltmeister aus Venezuela – ihn beim Freestyle-Event in Fuerteventura zum Sieg eines weiteren PWA-Weltmeistertitels einsetzte. In mehr als einer Hinsicht kann Gollitos Erfolg auf Paskowskis Bemühungen beim Filmemachen und der Förderung unseres Sports zurückgeführt werden. Jeder Windsurfer auf der Welt wird die inspirierende Geschichte von André und Gollito kennen, genauso wie jeder Windsurfer seine Filme wie “Minds Wide Open” oder “Four Dimensions” gesehen haben wird. Die meisten Windsurfer werden sich aber auch daran erinnern, dass der zweifache Freestyle-Europameister am 2. August 2013 nach einem langen Kampf gegen den Krebs verstorben ist.

Seit André Paskowskis Tod hat sich eine Frustration über den Mangel an guten Windsurf-Filmen bei mir eingestellt.”

Andrés Filme sind der Grund, warum ich heute da bin, wo ich bin. Die Inspiration, die seine Arbeit mir gab, sowohl in Bezug auf das Windsurfen als auch auf das Filmemachen, war entscheidend für meinen ständigen Drang, diesen Sport und mein Handwerk als Filmer weiter auszuüben. Seit Andrés Tod hat sich eine Frustration über den Mangel an guten Windsurf-Filmen bei mir eingestellt. Zu lernen, wie man den Pasko springt und es filmisch zu dokumentieren, sollte ein erster Schritt sein, um das zu beheben, zumindest dachte ich das. Und das war noch nicht alles. Es gab bereits zwei große Parallelen: Sowohl André als auch ich waren Freestyle-Windsurfer und Filmemacher mit der Mission, den besten Sport der Welt zu fördern. Aber was mich wirklich traf, war, dass die Krankheit, mit der ich kämpfte, genau die gleiche war, an der André zehn Jahre zuvor gestorben war: Hodenkrebs.

Die Herausforderung

Trotz des fehlenden Windes kam ich auf Bonaire voller Aufregung vom Wasser. Wenn ich mich selbst herausfordern will, erzähle ich normalerweise als Erstes anderen Leuten davon. Auf diese Weise schaffe ich sofort ein gewisses Maß an Verantwortlichkeit, und zufälligerweise waren die Leute, mit denen ich diese Session in Sorobon teilte, Adam Sims und Rafael Cervero. Adam, der derzeit die Freestyle Pro Tour leitet, fällt für mich in die gleiche Kategorie der Inspiration wie André. Ein professioneller Freestyler, der hochwertige Windsurfing-Filme dreht. Ich wollte schon immer so sein wie er und war neugierig, seine Gedanken zu hören. Aber der Zufall wollte es, dass die ideale Person, mit der ich über die Idee sprechen konnte, Rafa war. Er ist einer der erfahrensten Judges in der Szene, aber, wie ich bald erfuhr, war er früher auch ein professioneller Freestyler, der zusammen mit André, einem seiner allerbesten Freunde, um die Welt reiste.

Das Gespräch mit ihm ließ die Saat aufgehen, die gerade in meinem Kopf gepflanzt worden war, und gab mir einige dringend benötigte Hintergrundinformationen über Paskowski und den Pasko – und endlose Inspiration. Noch am selben Abend teilte ich meine Gedanken mit einigen Mitgliedern der polnischen Freestyle-Community, die auf der Insel anwesend waren, und das Erste, was sie taten, war, Magic Moments ins Spiel zu bringen. Dies war einer der letzten Kurzfilme von André, ein Interview mit ihm, in dem er über sein Leben nachdenkt, obwohl er wusste, dass sein Leben bald zu Ende geht. Ich weiß nicht, wie es möglich war, dass ich diesen Film noch nie gesehen hatte, aber die eindringliche Art und Weise, in der seine Worte bei mir ankamen, bedeutete, dass ich nun entschlossen war, dieses Projekt zum Blühen zu bringen.

Gollito Estredo (links) benannte den bedeutenden Freestyle-Trick „Pasko“ nach seinem Freund André Paskowski – Maartens größte Inspiration.Foto: Maarten MolenaarGollito Estredo (links) benannte den bedeutenden Freestyle-Trick „Pasko“ nach seinem Freund André Paskowski – Maartens größte Inspiration.

Der Pasko ist ein sehr anspruchsvoller Freestyle-Move

Air Flaka in Shaka – das ist im Grunde das, was der Pasko ist, und um ehrlich zu sein, war dies wahrscheinlich ein viel zu ehrgeiziges Ziel für mich. Meine Flakas waren bestenfalls durchschnittlich, ich hatte noch nie einen Air Flaka gemacht und konnte knapp den Shaka. Ich hatte auch noch nie einen Ponch gemacht, eine weitere Voraussetzung zum Erlernen des Paskos. Und wenn ihr euch nun als Nicht-Freestyler fragt, was all diese seltsamen Namen bedeuten, dann macht euch keine Sorgen, denn eines der ersten Dinge, die ich herausfinden musste, war, wie ich einen Film über einen hochtechnischen und weltmeisterlichen Windsurf-Move drehen und gleichzeitig sicherstellen konnte, dass sogar auch Nicht-Windsurfer ihn verstehen.

Im Wesentlichen ist der Pasko eine 540-Grad-Drehung in der Luft, bei der man rückwärts landet und dann die letzten 180 Grad über das Wasser gleitet. Stell dir vor, du gehst bei starkem Wind mit einem großen Stück flachem Holz nach draußen und versuchst, es zwischen dich und den Wind zu klemmen, während du springst, und hoffst gleichzeitig, dass du dich um die richtige Achse drehst und nicht auf den Boden knallst. Klingt beängstigend? Ist es auch. Um den Pasko zu lernen, braucht man starken Wind und Rampen in Form von kleinen Wellen. ­Fuerteventura war als Spot die offensichtliche Wahl, nicht nur wegen der perfekten Bedingungen, sondern auch, weil der Pasko dort von Gollito uraufgeführt wurde.

Die letzte notwendige Zutat war das Budget und ein Kameramann, der alles festhält, da ich natürlich nicht selbst filmen konnte. Ich hatte das Glück, von vielen Menschen durch Crowdfunding sowie von TTMS, Wave­camp, GunSails und Maui Ultra Fins unterstützt zu werden. Die Herausforderung schien bei vielen Anklang zu finden, und so konnte ich Floris Tils an Bord holen, einen etablierten Dokumentar- und Actionsportfilmer, der zufällig auch ein begeisterter Windsurfer ist. Er hat außerdem auch mein Interesse am Filmemachen geweckt, als wir uns 2014 kennenlernten. Als alles vorbereitet war, packte ich meinen knallgelben Van und fuhr Anfang Juni 2023 auf eine Fähre in Richtung der Kanarischen Inseln.

Der Druck

Ich habe sechs Wochen lang in meinem Van im Sand von Risco del Paso auf Fuerteventura gelebt. Da jeden Tag Wind wehte, konnte ich sofort loslegen. „Surf, eat, sleep ... repeat!“, lautete das Motto. Voller Selbstvertrauen und unter der fachkundigen Anleitung des britischen Profi-Freestylers und eines meiner besten Freunde George Grisley machte ich gute Fortschritte. Ich überwand schnell meine Angst, einen Flaka zu initiieren, während ich über eine kleine Welle schoss. Ich brauchte nur eine Session, um den Ponch zu lernen, ein neuer Move für mich, der mir das Gefühl zurückgab, das ich durch meine Krebserkrankung für immer verloren zu haben glaubte. Es kam zu einem Punkt, an dem ich absichtlich aufhörte, den Pasko zu versuchen, einfach weil Filmer Floris es noch nicht nach Fuerte geschafft hatte. Aufgrund des makellosen Starts hatte ich Angst, dass ich ihn landen würde, bevor wir überhaupt mit den Dreharbeiten begonnen hatten.

Sotavento auf Fuerteventura bot die idealen Trainingsbedingungen für Maartens Challenge. Sechs Wochen verbrachte er dort fast täglich auf dem Wasser.Foto: Maaike HuvermanSotavento auf Fuerteventura bot die idealen Trainingsbedingungen für Maartens Challenge. Sechs Wochen verbrachte er dort fast täglich auf dem Wasser.

Leider sind die Dinge wahrscheinlich nie so einfach. Ähnlich wie bei meiner ersten Diagnose gab es auch hier einige böse Überraschungen. Als ich das erste Mal von meinem Hodenkrebs erfuhr, war nur eine Operation notwendig. Gleich danach wurde mir gesagt, dass wir im Zeitplan liegen und ich keine Chemotherapie benötige. Nach sechs Wochen Genesungszeit war ich wieder auf dem Wasser und tat das Ganze als großen Schreck ab. Zwei Monate später stellte sich jedoch bei meiner ersten ärztlichen Untersuchung heraus, dass ich einen eklatanten Fehlstart hingelegt hatte. Der Krebs stellte sich als viel aggressiver heraus, und er hatte es geschafft, sich in meinem Körper auszubreiten. Ich hatte keine Zeit zu verlieren und musste mich sofort einer Chemotherapie unterziehen. Das war das härteste und schwierigste, was ich je in meinem Leben machen musste.

Parallelen zwischen Chemotherapie und der Pasko-Herausforderung

Als Floris ankam, begann der Druck zu wachsen. Es war vielleicht nicht die beste Idee, der ganzen Welt zu verkünden, dass ich diesen Move zu Ehren von ­André ­lernen und einen Dokumentarfilm darüber drehen werde. Ich verlor mich in all den verschiedenen Tipps, während ich gleichzeitig endlose Ermutigungen in Form von „Du bist so nah dran!“ erhielt. Frustration machte sich breit, denn ich schien eine Art Reset-Knopf gedrückt zu haben und kam nicht annähernd an meine ursprünglichen Versuche heran. Meine Mentalität geriet ins Wanken, und ich begann, die Parallelen zwischen dieser Herausforderung und der Chemotherapie, die ich durchgemacht hatte, zu erkennen. Obwohl die Leute meine Versuche so positiv bewerteten, hatte es genau den gegenteiligen Effekt. Warum habe ich es noch nicht geschafft, wenn mir alle sagen, dass ich schon so lange kurz davor war? Ich wurde wütend, genau wie während meiner Behandlungen.

Gegen Ende meines Aufenthalts auf Fuerte fand der PWA Freestyle World Cup statt. Um mich noch mehr herauszufordern, beschloss ich, mein PWA-Debüt zu geben, aber aus etwas anderen Gründen, als man denken könnte. Der zweite Wettkampftag war am 2. August, und an diesem Tag war es genau zehn Jahre her, dass André gestorben ist. Wie toll wäre es, den Move bei meinem ersten PWA-Wettkampf zu landen, um ihn an diesem Tag zu ehren, und zwar an dem Ort, an dem der Move zum ersten Mal der Welt gezeigt wurde? Wahnsinn. Ich hatte im Wettbewerb sowieso keine Chance. In meinem ersten Lauf musste ich gegen Yentel Caers antreten, der Belgier hat mich niedergerungen und ist erneut Weltmeister 2023 geworden. In Anbetracht dessen habe ich in den drei Läufen, die ich gesurft bin, einfach versucht, den Pasko zu landen, aber ohne Erfolg. Dennoch gelang es mir, die Aufmerksamkeit auf Paskowski zu lenken, indem ich die Leute daran erinnerte, ihn bei dieser Veranstaltung nicht zu vergessen.

Unter der Oberfläche

Nach der Veranstaltung hatte ich noch ein paar Tage Zeit. Ich hatte immer noch keinen Pasko gestanden und begann, die Hoffnung zu verlieren. Ich war extrem frustriert und hatte schlechte Laune. Dies war so ähnlich wie die vier Monate, die ich im Krankenhaus verbracht hatte, und erinnerte mich ständig daran. Ich war an einen Totempfahl tödlicher Chemikalien angeschlossen, deren Zweck es nicht war, mich zu heilen, sondern alles in mir zu töten. Ich hatte nur gehofft, dass es zuerst den Krebs töten würde, bevor es mich töten würde. Ich kam an einen wirklich dunklen Ort. Trotz der deutlichen Verbesserungen war ich bereit, aufzugeben. Durch die Chemo fühlte ich mich körperlich und seelisch so schlecht, dass ich in dem Moment, in dem die Ärzte vorschlugen, ich könnte eine weitere Chemo brauchen, laut darüber nachdachte, sie nicht anzunehmen und mich dem Krebs zu überlassen.

Andrés Leidenschaft für das Filmemachen ließ ihn weitermachen, so wie mich das Windsurfen zehn Jahre zuvor weitermachen ließ und es hoffentlich auch jetzt tun wird.”

Mit meinem Projekt habe ich viel Aufsehen erregt. Viele Leute waren interessiert und sprachen mich darauf an. Immer wenn ich erklärte, was ich tat, kamen Anekdoten über ihre Erfahrungen mit André zur Sprache. Die Quintessenz all dieser Geschichten? Dass André nie aufgegeben hat. Sein letzter Film, bevor er starb, war „Below the Surface“. Er arbeitete weiter daran und drehte nur zwei Wochen vor seinem Tod noch auf Gran Canaria. Im Gespräch mit Victor Fernandez, dem dreifachen Wave-Weltmeister, erfuhr ich, dass es wahrscheinlich diese Beharrlichkeit war, die es ihm ermöglichte, so lange am Leben zu bleiben. Seine Leidenschaft für das Filmemachen ließ ihn weitermachen, so wie mich das Windsurfen zehn Jahre zuvor weitermachen ließ und es hoffentlich auch jetzt tun wird.

Man könnte es eine Fügung des Schicksals nennen, aber zur gleichen Zeit, als Andre starb, verlor ich meinen Vater bei einem landwirtschaftlichen Unfall. Als 17-jähriges Kind wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, und das Windsurfen war für mich der perfekte Ausweg. Auf dem Wasser kann ich meine Gedanken abschalten, alle Schwierigkeiten im Leben vergessen und mich einfach diesem Moment der Glückseligkeit hingeben. Diese Flucht zu verlieren, war wahrscheinlich meine größte Sorge, als ich mich von meiner Krankheit erholte.

“Pasko - The Magic Move” wurde auch beim Surf-Festival 2024 gezeigtFoto: Joern Pollex“Pasko - The Magic Move” wurde auch beim Surf-Festival 2024 gezeigt

Magische Momente

Einen neuen Move zu landen, ist ein magischer Moment. André beschreibt ihn perfekt in seinem Kurzfilm „Magic Moments“, und ich möchte euch das Vergnügen, ihn zu sehen, nicht nehmen, indem ich seine Worte hier zitiere. Dieser Film war das Rückgrat, die Hauptinspiration für „Pasko – The Magic Move“, wie mein Film genannt wurde. Da mir nur noch sehr wenig Zeit zur Verfügung stand, musste ich den Film fertigstellen, aber dieses Mal stand ich nicht hinter der Kamera wie bei den meisten meiner Projekte, sondern davor. Am allerletzten Tag gab es eine gute Vorhersage für die Abendsession. Ich verbrachte satte vier Stunden damit, auf jedem Schlag den Pasko zu versuchen, einen Lauf nach dem anderen. Es war die absolut letzte Chance, ihn zu schaffen. Ich machte weiter, bis es völlig dunkel war, und stürzte, weil ich die Wellen nicht mehr sehen konnte. Selbst wenn ich ihn an diesem Punkt gelandet hätte, bezweifle ich, dass die Kamera etwas hätte aufzeichnen können. Es war vorbei, ich hatte versagt.

Eine letzte Chance für den Magic Move

Am nächsten Morgen wurde ich geweckt, weil mein Van wackelte und wieder sandgestrahlt wurde. Es war kaum hell, aber anscheinend war die Vorhersage falsch, und es war noch ein bisschen Wind übrig. Mit etwas Glück hatte ich vielleicht zwei Stunden Zeit, um es ein letztes Mal zu versuchen. Ich rief Floris an, ließ ihn zum Spot fahren, ohne Zeit für einen Kaffee zu haben, und mit einem wahnsinnig schmerzenden Körper von den ununterbrochenen Stürzen am Vortag machte ich mich auf den Weg aufs Wasser. Hatte ich meinen magischen Moment? Das möchte ich hier nicht verraten. Schaut euch den Film an ...

Der Pasko kann für jeden etwas anderes im Leben sein, und es ist nicht wichtig, ob man ihn schafft oder nicht.”

Aber ich habe gelernt, dass es bei meinem Film nicht darum geht, ob ich es schaffe oder nicht. Es geht um so viel mehr als das. Der Pasko kann für jeden etwas anderes im Leben sein, und es ist nicht wichtig, ob man ihn schafft oder nicht. Für mich war der Pasko zwar ein Trick, aber es war auch die Herausforderung, einen Film zu machen und mich selbst in Szene zu setzen. Ich habe den ganzen Film selbst geschnitten, obwohl ich so unglaublich nah an der Geschichte dran war. Ich fand heraus, dass ich mein Selbstvertrauen zurückgewann und wieder zu leben begann, einfach weil ich nicht aufgab und es weiter versuchte. Selbst wenn ich den Pasko nicht schaffe, ist es das Gefühl, dass ich alles gegeben habe, um es zu versuchen – dieses Gefühl ist mein großer Fortschritt und Sieg. Zurück auf Bonaire, nachdem ich Magic Moments zum ersten Mal gesehen hatte, fügten sich die Dinge für mich zusammen. Ich hatte keine Ahnung, dass eine einfache, windstille Session mein Leben so sehr aufrütteln könnte, aber ich bin froh, dass ich dieser Inspiration nachgegangen bin, die es mir ermöglichte, dieses umwälzende Kapitel meines Lebens zu verarbeiten und abzuschließen.

Text: Maarten Molenaar

“Pasko - The Magic Move” jetzt anschauen

Über “Pasko - The Magic Move” wurde in zahlreichen Medien berichtet, um das Bewusstsein für Hodenkrebs zu schärfen. Darüber hinaus fand am 15. Dezember 2024 im Filmhuis Lumen in Delft eine offizielle Premierenvorführung mit anschließender Fragerunde statt. Die gleiche Veranstaltung fand am 29. Dezember 2024 im Kino Luna in Warschau, Polen, statt. Nach einer begrenzten exklusiven Online-Veröffentlichung wurde der Dokumentarfilm bei Filmfestivals eingereicht. Dabei gewann er folgende Preise:

  • Best Documentary auf dem Ignite Film Festival
  • Audience Award auf dem Filmfest St.Anton
  • Merit of Awareness Award auf dem Awareness Film Festival Los Angeles

Jetzt ist “Pasko - The Magic Move” frei auf Youtube abrufbar:

Epilog: Maartens Kampf gegen den Krebs geht weiter

Seit der Veröffentlichung des Films ist Maartens Krebserkrankung zurückgekehrt, so dass er sich einer größeren Operation unterziehen musste. Derzeit erholt er sich wieder und arbeitet mit Floris Tils an einer Fortsetzung. „Cutting Loose“ soll 2025 erscheinen, dafür sammelt Maarten noch Unterstützung:


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