Alte Surfboards als Dekoration sind cool. Echte Unikate haben oft eine eigene Geschichte zu erzählen, beim Worldcup auf Sylt haben wir ein ganz besonderes Board entdeckt - zumindest in Fragmenten. Denn was hier als Deko in einer Kaffee-Bar mit Kreativ-Workshop steht, war im September 1990 Titelheld eines surf-Tests. Damals wurden Custom-Waveboards mit Serienbrettern verglichen. Einer der Gegner des F2 Revolution (mit der Freiheitsstatue auf dem Deck) in der Kategorie Radical Wave war ein pink-schwarzes Waveboard von Paradise Customs auf Sylt.
Auf dem Titelbild der Geschichte mit dem Titel “Jäger 90” dreht Andreas Erbe, damals Tester und später der langjährige surf-Chefredakteur, beängstigend nah an der Linse von Fotograf Olaf Fippinger eine Cheese Roll. 36 Jahre später entdeckte er den vorderen Teil des Boards beim Kaffeholen wieder, das schwarz-pink glitzernde Unterwasserschiff ist noch immer unverkennbar.
Dem Shape attestierten die Tester damals: “Das Board aus Sylt eignet sich besonders für radikale Nordsee-Bedingungen.” Genau dafür war das Board auch gedacht, deswegen hatte Shaper Hartmut Vollert zwei zusätzliche Holz-Stringer in den bruchgefährdeten Bereichen eingebaut und gab ungewöhnliche drei Jahre Garantie. Das ging jedoch nicht spurlos an dem Board vorbei, satte 10,4 Kilo für 77 Liter, verteilt auf 255 cm muss man erstmal in die Luft wuchten. Oder, wie es die Tester damals fomulierten: “An Land fühlt sich das Brett eh an wie ein angespülter Delphin: reichlich unbeweglich.”
Bruchfestigkeit spielt auch eine zentrale Rolle beim unrühmlichen Ende des Paradise Customs: Wie alle Bretter in dem Test wurde auch das Sylter Schnittchen anschließend vom TÜV in eine Messanlange geschnallt, um die Belastung zu testen. Dabei, so erinnert sich Andreas Erbe, hat der zuständige Ingenieur an der Messapparatur aus Versehen die doppelte Kraft eingestellt. Dem hatten auch die Stringer nichts entgegenzusetzen, und das Brett war Geschichte. Doppelt tragisch an der Sache: Weil kurz zuvor die Shaper-Werkstatt von Paradise ausgebrannt war, gab es nur dieses eine Exemplar.
Über einen Sylter Sammler kam der vordere Teil schließlich als Deko auf den Worldcup-Stand. Wie er die letzten 36 Jahre verbracht hat und was mit dem Heck geschehen ist, das bleibt vorerst im Dunkeln. Diverse Löcher im erhaltenen Fragment zeugen von einer langen Zeit an irgendeiner Wand. Während das Unterwasserschiff zwar verkratzt ist, aber noch glänzt, ist das Deck deutlich verblasst.

Redakteur
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