Julian Wiemar
· 29.05.2026
Lennart Neubauer fliegt diesen Sommer mit einem klaren Plan nach Gran Canaria: Freestyle noch stärker in die Welle bringen und gleichzeitig sein Waveriding auf ein neues Level heben. Der 22-Jährige will Moves wie den Shifty into Forward landen und seinen Sommer konsequent 50/50 zwischen Wave und Freestyle aufteilen. Warum ihn das Chaos von Pozo mehr kickt als spiegelglattes Flachwasser, erklärt er ebenso wie die körperliche Intensität von Freestyle in der Brandung. Außerdem spricht Lennart über fehlende Trainingspartner, und die Idee, für ein gemeinsames Videoprojekt mit den besten Freestylern der Welt all-in zu gehen. Beim Thema Material bleibt er gelassen: Why change a winning concept – kurze Freestyleboards funktionieren für ihn in allen Bedingungen.
Auf beidem. Ich möchte versuchen Freestyle so richtig zu pushen – in die Luft. Also ich möchte Freestyle-Manöver auf Wave-Höhe machen, wie zum Beispiel den Shifty into Forward. Das ist das Ziel. Parallel will ich aber unbedingt auch mein Waveriding verbessern. Ich bin echt nicht gut im Wellenlesen. Ben Proffitt meinte letzten Sommer, dass ich der Einzige wäre, der in Pozo mit einem Push-Forward im Gepäck in der zweiten Runde rausgekickt wurde. Das liegt daran, dass meine Wellenritte einfach zu schlecht sind und nur im zwei bis drei Punktebereich lagen.
Auf spiegelglattem Wasser, wie in den Lagunen von Brasilien, war ich nach einer guten Stunde ziemlich durch, muss ich sagen. Selbst mit Spock into triple Culo wurde mir da langweilig. Ich bin dann immer rüber in die Welle, um auf Double-Air-Rotationen und so zu gehen.
Freestyle an perfekten Flachwasserspots ist wie im Videospiel.
Hm, das ist eine gute Frage. Freestyle an perfekten Flachwasserspots ist wie im Videospiel: Du fährst, du musst auf keine Böe schauen, weil du weißt, es ist konstant. Da ändert sich nichts. Die Wasseroberfläche ist immer gleich. Aber im Trick wird es intensiv, da bist du mehrere Sekunden auf maximaler Körperspannung. In Pozo hingegen ist die Sache: du bist schon angespannt, bevor du überhaupt an der Rampe ankommst. Denn du hast da so viele Leute, so viel Wind, du musst so viele Faktoren einschätzen, und in der Luft schießt das Adrenalin dann richtig hoch. Daher würde ich sagen, Freestyle in der Welle ist insgesamt schon anstrengender und intensiver.
Ja, das stimmt, das ist mir auch aufgefallen. Und das fehlt mir auch ein wenig. Ich war zum Beispiel in Brasilien, ein paar Monate später fliegt Jacopo hin, und dann Yentel. Und alle machen so ein bisschen ihr Ding. Ich war dann noch in Kapstadt für mehrere Monate, bei so guten Bedingungen zum Teil, dass man es kaum glauben kann, wie perfekt es zum freestylen ist. Aber dann bin ich halt von Kitern umzingelt. Das ist die Sache. So schön wie es wäre, dass man sich einfach immer selbst motiviert, aber es ist halt nicht immer so. Ich habe jemanden, der mich filmt, das motiviert mich. Aber was mich noch mehr motivieren würde, wenn ich einen Yentel, Jacopo oder Balz hätte, der einfach den gleichen Quatsch wie ich probiert. Wir legen uns alle hin, aber trotzdem, dann hat es der Kumpel gesehen und dann gibt es eine Story, über die wir lachen können. Wir haben mit Yentel, Jacopo und vor allem Balz sehr viel darüber gesprochen, eventuell auf den Kanaren alle zusammen zu filmen und dann einfach mal Freestyle zu pushen, einen Filmer zu buchen, und all-in zu gehen für die Tage. Am besten sogar zu einer Zeit, wo es egal wäre, wenn man sich verletzt und einen Monat oder zwei ausfällt. Das wäre der Hammer.
Wir planen, einen Filmer zu buchen und einfach all-in zu gehen.
Ich sag‘ mal so, es hört sich doof an, und ich bin mir sicher, wir werden in Zukunft auf jeden Fall noch etwas tun, aber, why change a winning concept? Ich glaube, wenn etwas richtig gut funktioniert und man nicht das Gefühl hat, okay, das fehlt mir, oder in dem Trick bräuchte ich mehr oder weniger davon, sollte man auch nicht unbedingt etwas ändern. Und das habe ich nicht, auch nicht unter extremen Bedingungen wie Pozo. Ich finde, um die 210 Zentimeter ist eine echt gute Länge für Freestyleboards, bei der wir jetzt angekommen sind. Ich bin schon kürzere Bretter und auch längere gefahren, und ich finde, 210 Zentimeter ist ein guter Kompromiss zwischen Powermove-Performance und Sliding. Wenn du das Brett kürzer machst, dann wird beispielsweise ein Spock schwieriger – da ist eine lange Nase eher besser. Doch wenn du es zu lang machst, dann merkst du, dass es etwas langsamer ist in Powermove-Rotationen in der Luft.

Redakteur surf